Beatrice Behn (Autorin)

Booksmart

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Molly und Amy sind beste Freundinnen und die Streberinnen ihrer Highschool. Am Tag vor der Vergabe der Abschlusszeugnisse stellt Molly mit Entsetzen fest, dass es auch ihre Mitschüler*innen an die besten Unis des Landes geschafft haben, obwohl die zuvor doch eigentlich nur Feiern im Kopf hatten. Die beiden beschließen, in den letzten verbleibenden Stunden ihrer Schülerinnen-Karriere alle verpassten Exzesse nachzuholen uns stürzen sich in eine epische Party-Nacht. Schauspielerin Olivia Wilde ("Dr. House") verpasst mit ihrem rasant inszenierten Regiedebüt der zuletzt etwas angestaubten Highschool-Komödie eine Frischzellenkur, bei der Queersein kein Problemthema mehr ist. Unsere Autorin Beatrice Behn findet das eigentlich ganz smart, hätte sich aber für die nicht-heterosexuellen Figuren etwas mehr Emanzipation gewünscht.
Searching Eva

Searching Eva

In ihrem Langfilmdebüt "Searching Eva" porträtiert Pia Hellenthal die in Berlin lebende Italienerin Eva Collé, die seit Jahren ihre Follower im Internet und auf Social-Media-Kanälen an ihrem Alltag mit allen Höhen und Tiefen teilhaben lässt – und dabei auch intimste Details nicht ausspart. Eva lebt vielfältige Identitäten, sie ist Katzenbesitzerin, Dichterin, Sexarbeiterin, Bisexuelle, Ex-Junkie, Feministin, Anarchistin, Model. Ihre Realität ist virtuell und das Leben eine subjektive Konstruktion unter eigener Regie. Beatrice Behn über einen hybridartigen Film mit einer höchst queeren und im besten Sinne schamlosen Protagonistin.
Normal

Normal

Jetzt im Kino: In ihrer dokumentarischen Betrachtung „Normal“ befasst sich die italienische Filmemacherin Adele Tulli mit dem Thema Gender - ohne das Gezeigte jemals zu kommentieren. Was mit dem ersten Blick auf das Geschlechtsteil bereits vor der Geburt seinen Anfang nimmt, setzt sich mit Ritualen im Kindes- und schließlich im Erwachsenenalter fort: Wie sich „Mann“ und „Frau“ zu geben haben, muss immer wieder eingeübt werden. Unsere Autorin Beatrice Behn hat „Normal“ für uns gesehen - und darin das Potenzial für eine persönliche Revolution entdeckt.
Das melancholische Mädchen

Das melancholische Mädchen

Auf der Suche nach einem Schlafplatz streift das melancholische Mädchen durch die Großstadt. Unterwegs begegnet sie jungen Müttern, die ihre Mutterschaft als religiöses Erweckungserlebnis feiern, findet Unterschlupf bei einem abstinenten Existentialisten, für den Sex "auch nur noch ein Markt" ist, und wartet in einer Drag Bar "auf das Ende des Kapitalismus". Statt sich zu bemühen hineinzupassen, fängt das Mädchen an, ihre Depression als Politikum zu betrachten. In 15 komischen Begegnungen erforscht Susanne Heinrich in ihrem gefeierten Debütfilm die postmoderne, neoliberale Gesellschaft zwischen Prekarisierung und Self Marketing, Ernüchterung und Glückszwang. "Das melancholische Mädchen" verbindet Pop und Theorie und ist voll von Zitaten, die man in Neonbuchstaben auf Werbetafeln leuchten sehen will. Beatrice Behn über eine feministiche Komödie, die sich nicht nur der Kino-üblichen männlich-normativen Blickführung verweigert, sondern auch den Ordnungen der konventionellen Filmkritik.
Rafiki

Rafiki

Neu als DVD & VoD: "Gute kenianische Mädchen werden gute kenianische Ehefrauen" – Kena lernt schon früh, was von Mädchen und Frauen in ihrem Heimatland erwartet wird: artig sein und sich dem Willen der Männer fügen. Doch die selbstbewusste Kena lässt sich nicht vorschreiben, wie sie zu leben hat. So freundet sie sich auch mit der hübschen Ziki an, obwohl ihre Väter politische Konkurrenten sind. Das Gerede im Viertel ist den Mädchen zunächst ziemlich egal. Doch als sich Kena und Ziki ineinander verlieben, müssen sie sich entscheiden: zwischen der vermeintlichen Sicherheit, ihre Liebe zu verbergen, und der Chance auf ihr gemeinsamen Glück. "Rafiki" – der Titel bedeutet auf Suaheli „Freund(in)“ – ist der erste kenianische Film, der bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde. In Kenia selbst, wo Homosexualität noch immer unter Strafe steht, wurde der Film zunächst mit einem Aufführungsverbot belegt, das erst nach einer Klage der Regisseurin gelockert wurde. Beatrice Behn geht in ihrer Besprechung den Ursprüngen der homophoben Ordnungen auf den Grund, die noch immer in weiten Teilen Afrikas herrschen – und feiert den lesbischen Liebesfilm als mitreißende Utopie, die tief in afrikanischen Traditionen verwurzelt ist.
Acht Filme des Jahres

Acht Filme des Jahres

Das nicht-heterosexuelle Kinojahr 2018 war so vielfältig wie kaum ein Jahr zuvor – vor allem was die Perspektiven und Lebensentwürfe seiner filmischen Figuren betrifft. Wir haben für Euch unsere acht Highlights der vergangenen Monate zusammengetragen und stellen Sie mit kurzen Spotlights in den Worten unserer Autor*innen noch einmal vor. Eine Rückschau auf ein schwules Arbeiterkind, das aus der französischen Provinz nach Paris flüchtet, um dort eine neue Entfremdung zu erleben. Auf eine schüchterne Studentin in Oslo, die sich mit übernatürlichen Kräften aus der Hetero-Hölle ihrer Kindheit befreit. Auf einen Schriftsteller, der im Paris der frühen 90er nicht mehr lange zu leben hat und sich trotzdem ein letztes Mal verliebt. Auf eine Ballettschülerin in Gent, die einen Penis zu viel hat. Auf einen altklugen Professorensohn, der während eines Sommers in der Lombardei erfährt, was er alles noch nicht weiß. Auf einen US-amerikanischen Teenager, der an seiner High School zwangsgeoutet wird und erst so in ein großes Liebesmärchen schliddert. Auf zwei Frauen, die sich in São Paulo die Mutterschaft für ein Werwolfkind teilen. Und auf einen Stricher, der so frei und so einsam durch Straßburg zieht wie ein wildes Tier.
Gute Manieren

Gute Manieren

Neu auf DVD und VoD: Die mysteriöse Ana engagiert die alleinstehende Krankenschwester Clara, damit die sich um ihr schickes Apartment in São Paulo und später um ihr noch ungeborenes Kind kümmert. Die beiden Frauen werden ein Liebespaar, doch mit dem Voranschreiten der Schwangerschaft verhält sich Ana immer merkwürdiger: Sie hat ständig Lust auf Fleisch und schlafwandelt bei Vollmond blutdurstig durch die Stadt. Nach der schaurigen "Geburt" ist Clara alleine mit Anas besonderem Sohn, der halb Mensch, halb Werwolf ist. Sie zieht Joel voller Liebe und Fürsorge auf, doch je älter er wird, desto stärker wird auch für ihn der Ruf des Mondes ... Mit betörend stilisierten Sets und einem traumhaften Lichtkonzept entwickeln die Filmemacher_innen Juliana Rojas und Marco Dutra aus der lesbischen Mütter-Kind-Geschichte ein gruseliges Großstadt-Märchen, das sozialkritisch von der Unterdrückung unerwünschten Begehrens erzählt. Beatrice Behn über einen herzzerreißenden queeren Ruf zu den Waffen, der gleich zwei folkloristische Figurenarchetypen von ihren heteronormativen Schranken befreit.
Ocean’s 8

Ocean’s 8

In Steven Soderberghs kommerziell höchst erfolgreicher "Ocean's-Trilogie" (2001-07) gaunerte sich eine Truppe sprücheklopfenden Meisterdiebe, gespielt von einer All-Star-Besetzung um George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon, durch die Casinos der Welt. Elf Jahre nach dem letzten Teil dürfen nun auch mal die Frauen ran. Gary Ross' Spin-Off "Ocean's 8" ist mit weiblichen Superstars aus Hollywood gespickt und verspricht emanzipierte Frauenfiguren, vielleicht sogar eine clevere Dekonstruktion des männlich dominierten Heist-Film-Genres. Doch kann der Gender-Swap mit Sandra Bullock, Cate Blanchett und Anne Hathaway dem Stoff wirklich den tiefsitzenden Chauvinismus austreiben? Macht ein Film mit und über Frauen schon einen feministischen Film? Eine Feldversuch von Beatrice Behn.
Thelma

Thelma

Die schüchterne Thelma verlässt ihr konservatives Elternhaus in den norwegischen Wäldern, um in Oslo zu studieren. Als sie auf dem Campus Anja kennenlernt, entwickelt sich zwischen den beiden jungen Frauen eine starke Anziehungskraft. Doch plötzlich bekommt Thelma epilepsieartige Anfälle. Und es beschleicht sie das Gefühl, dass sie übernatürliche Fähigkeiten haben könnte... In seinem neuen Film erzählt Joachim Trier ("Oslo, 31. August", "Louder Than Bombs") das sexuelle Erwachen einer jungen Frau als doppelbödigen Mystery-Thriller und findet für ihre Unterdrückung und das immer stärker werdende Begehren sinnlich-unheimliche Bilder. Für sissy haben sich gleich zwei Autorinnen von "Thelma" betören lassen: Esther Buss liest den Film als feministische Wirkungsgeschichte, Beatrice Behn als lesbisches Quasi-Remake des Horrorfilmklassikers "Carrie" (1976). Ein gar nicht so geisterhafter Film über die Befreiung aus der Hetero-Hölle.
Axolotl Overkill

Axolotl Overkill

Als im Juni Helene Hegemanns Verfilmung ihres eigenen, heftig umstrittenen Not-Coming-of-Age-Romans "Axolotl Overkill" (2010) um die Irrfahrten der 16-jährigen Mifti in die Kinos kam, wurde er von der Filmkritik mit einem "morbiden, großbürgerlichen Heroinflug" verglichen und als herrlich sinnfreies Porträt eines wohlstandsverwahrlosten Teenagers gefeiert. Dass Hegemanns Film zugleich einer der wenigen deutschen Filme in diesem Jahr war, in dessen Zentrum eine lesbische Liebesgeschichte steht, fand derweil bestensfalls am Rande Erwähnung. Anlässlich des DVD- und Blu-ray-Starts hat sich Beatrice Behn "Axolotl Overkill" noch einmal angesehen – und schält aus der zunächst progressiv klingenden Figurenanordnung die reaktionäre Kehrseite heraus.