Film

Kopfplatzen

Kopfplatzen

Der neue Salzgeber Club präsentiert ab sofort jede Woche eine exklusive VoD-Premiere. Zum Start gibt es "Kopfplatzen" von Savaş Ceviz. In dem bewegenden Drama spielt Max Riemelt ("Freier Fall") einen Pädosexuellen, der gegen die immer lauter werdenden Rufe in seinem Kopf ankämpft. Unser Autor Philipp Stadelmaier ist nicht nur von Riemelts mutiger Rollenwahl und aufwühlender Darstellung beeindruckt, sondern hat in "Kopfplatzen" auch interessante Antworten auf die Frage gefunden, wie man filmisch ein Begehren zeigen kann, das permanent unterbrochen werden muss.
Die glitzernden Garnelen

Die glitzernden Garnelen

Nach einem homophoben Statement im Fernsehen wird der Vize-Schwimmweltmeister Matthias Le Goff von seinem Verband zu einem besonderen Job verdonnert: Er muss die schwule Wasserball-Mannschaft „Die glitzernden Garnelen“ trainieren und für die Gay Games in Kroatien fit machen. Irritierend ist für ihn vor allem, dass es den „Garnelen“ weniger um den Wettkampf geht, sondern in erster Linie darum, gemeinsam eine schillernde Zeit zu haben – und nebenbei die heißesten queeren Athleten der Welt kennenzulernen. Cédric Le Gallos und Maxime Govares Sport-Komödie basiert auf den eigenen Erfahrungen Le Gallos in einem schwulen Wasserball-Team, mit dem er seit sieben Jahren von Turnier zu Turnier reist. Den französischen Kino-Hit gibt es jetzt als DVD und VoD. Unser Autor Andreas Wilink hatte großen Spaß an der ermutigenden Geschichte über Freundschaft und die Kraft der nicht-heterosexuellen Gemeinschaft.
Narziss und Goldmund

Narziss und Goldmund

In seiner Adaption der berühmten Erzählung von Hermann Hesse bietet der österreichische Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky ("Die Fälscher") nicht nur Bildgewalt und Star-Besetzung (Sabin Tambrea, Jannis Niewöhner), sondern setzt zugleich die homoerotischen Untertöne der Vorlage deutlich nach oben. Im mittelalterlichen Kloster Mariabronn werden der tiefreligiöse Narziss und der ungestüme Goldmund zu engen Freunden. Während Narziss im Kloster bleibt, zieht es Goldmund in die Welt, die zahlreiche Liebschaften, aber auch Elend und Tod für ihn bereithält. Andreas Köhnemann hat nach dem emotionalen Herzstück der bemerkenswert schwulen Großproduktion gegraben.
Wild Nights with Emily

Wild Nights with Emily

Jetzt als DVD und VoD: Emily Dickinson (1830-1886) gilt als eine der wichtigsten Dichterinnen der Weltliteratur – und als „Einsiedlerin“. Dass sie über Jahrzehnte eine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit ihrer Jugendfreundin und späteren Schwägerin Susan Gilbert führte, wussten zu ihrer Lebzeit nur wenige. Auch nach Emilys Tod wurde die Beziehung streng geheim gehalten – u.a. von Emilys Verlegerin Mabel, die sogar die postum veröffentlichen Gedichte manipulierte und Emilys feurige Liebesbriefe an Susan an Männer umadressierte. Madeleine Olneks lustvolle Komödie „Wild Nights with Emily“ zeigt die leidenschaftliche lesbische Liebe einer quicklebendigen Dichterin und schildert beispielhaft, wie eine dezidiert weibliche, queere Lebensgeschichte bewusst manipuliert wurde, um in ein heteronormatives Narrativ zu passen. Unsere Autorin Anja Kümmel hat sich auf die willkommene Abzweigung von tradierten Bildern und Vorstellungen begeben.
Cousins

Cousins

Neu als DVD und VoD: Teenager Lucas lebt mit seiner strenggläubigen Tante Lourdes in einem Städtchen irgendwo in Brasilien. Als braver Neffe hilft er ihr im Garten und bei der Organisation der Bibelkreise. Doch ihre fromme Zweisamkeit wird durcheinandergebracht, als Lourdes einen weiteren Neffen im Haus aufnimmt: Mario kommt gerade aus dem Gefängnis und kann sich nur schwer an Regeln halten. Zunächst ist Lucas vom Verhalten seines wilden Cousins irritiert, aber in Lourdes' Abwesenheit kommen sich die zwei Jungs rasch näher... In ihrer verspielten Coming-of-Age-Komödie setzen Thiago Cazado und Mauro Carvalho dem religiösen Konservatismus in der brasilianischen Provinz die positive Geschichte einer emotionalen und sexuellen schwulen Erweckung entgegen. Unser Autor Andreas Köhnemann hat sich von der Leidenschaft und dem Humor des Films mitreißen lassen.
Als wir tanzten

Als wir tanzten

Merab studiert an der Akademie des Georgischen Nationalballetts in Tiflis. Als Irakli neu in die Klasse kommt, sieht Merab in ihm zunächst einen Rivalen. Aus der Konkurrenz wird bald ein immer stärkeres Begehren. Doch im homophoben Umfeld der Schule wird von den beiden erwartet, dass sie ihre Liebe geheim halten. Das mitreißende Liebes- und Tanzdrama "Als wir tanzten" des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in Cannes als Entdeckung gefeiert und seitdem vielfach ausgezeichnet. Der in Georgien erschreckend weit verbreiteten Queer-Feindlichkeit, die sich auch in homophoben Protesten bei der Landespremiere zeigte, hält Akin, dessen Familie selbst aus Georgien stammt, eine entschiedene Feier von nicht-heterosexueller Liebe entgegen. Unser Autor Stefan Hochgesand hat die Momente der Freiheit, die der Film zelebriert, besonders genossen – und musste aufpassen, nicht wie Honig dahinzutropfen.
Infam

Infam

Die Freundinnen Karen und Martha leiten gemeinsam ein Mädcheninternat. Als sie eine aufsässige Schülerin zurechtweisen, nutzt das Mädchen einen heimlich beobachteten Moment, um seine Lehrerinnen zu verleumden. Bald kreisen Gerüchte um die Schule, die weitreichende, tragische Konsequenzen für die beiden Frauen haben. Der dreifache Oscar-Preisträger William Wyler setzt in seiner Theaterstück-Verfilmung "Infam" die Hollywood-Superstars Audrey Hepburn und Shirley MacLaine in Szene – und erzählt auf sensible Weise von unterdrückter Liebe. Unsere Autorin Anja Kümmel hat sich den Filmklassiker des lesbischen Kinos, der erstmals auf Blu-ray erscheint, angesehen – und eine erstaunliche Öffnung des Raums für die Möglichkeiten queeren Begehrens entdeckt.
Jonathan Agassi Saved My Life

Jonathan Agassi Saved My Life

Jetzt auf DVD und VoD: Yonatan aus Tel Aviv war einst einer der bekanntesten Pornodarsteller der Welt: Unter dem Künstlernamen Jonathan Agassi war er Star Dutzender schwuler Hardcore-Filme, er trat in Live-Sex-Shows auf und arbeitete als Escort. Der israelische Regisseur Tomer Heymann ("Paper Dolls") hat Agassi über einen Zeitraum von acht Jahren mit der Kamera begleitet, zu Pornosets, Familientreffen und zum berüchtigten HustlaBall. Sein Film, der im Januar in der queerfilmnacht auf der großen Leinwand zu sehen ist, bietet nicht nur einen ungewohnt tiefen Einblick in die Welt schwuler Pornos und Escorts, sondern ist auch ein berührend aufrichtiger Film über einen getriebenen jungen Mann, der mit seiner Vergangenheit und den komplexen Beziehungen zu seiner Mutter und seinem Vater ringt. Rajko Burchardt über ein abgründigen Porträt.
In memoriam: Hans Stempel und Martin Ripkens

In memoriam: Hans Stempel und Martin Ripkens

Hans Stempel und Martin Ripkens waren über 55 Jahre ein Paar. Sie lebten und arbeiteten zusammen, haben sich als Filmkritiker und -scouts leidenschaftlich für das internationale Autorenkino und gegen die homophoben Strukturen innerhalb der deutschen Filmbranche engagiert – und  eigene Filme über schwules Leben und homosexuelle Geschichte gemacht. Martin starb 2012 im Alter von 78. Hans folgte ihm vor wenigen Tagen, am 11. Februar dieses Jahres, er wurde 94 Jahre alt. Wir erinnern an die zwei Vorreiter der schwulen, politisch bewussten Filmkultur mit einem Text, den die beiden im Jahr 2008 für das Programmheft der Teddy-Awards verfasst haben, wo sie für ihr breites Engagement mit einem Spezialpreis geehrt wurden.
Taxi zum Klo

Taxi zum Klo

Bei seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1980 löste "Taxi zum Klo" in den Kinos der braven Bundesrepublik einen Skandal aus – und wurde kurz darauf spektakulär mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet. Heute gilt der authentische und schamlose schwule Liebesfilm als einer der großen Klassiker des queeren Kinos aus Deutschland. Der Regisseur und Hauptdarsteller Frank Ripploh, der als Lehrer an einer Schule in West-Berlin arbeitete, bis sein offener Umgang mit der eigenen Homosexualität ihn seinen Posten kostete, erzählt darin seine eigene Lebensgeschichte. Philipp Stadelmaier über einen Film, der in seiner Darstellung einer souveränen schwulen Hauptfigur der Zeit weit voraus war – und selbst heute noch progressiv wirkt.