Film

So Damn Easy Going

So Damn Easy Going

Im Dezember in der Queerfilmnacht: In Joanas Kopf dreht eine Achtbahnfahrt wilde Loopings, alles ist ständig in Bewegung. Medizinisch gesagt: Sie hat ADHS. Mitten im Chaos steht plötzlich eine neue Klassenkameradin vor ihr, die coole und selbstbewusste Audrey. Und Joana hat nicht mehr nur blitzende Gedanken, sondern auch ein wild pochendes Herz. In „So Damn Easy Going“ lässt uns der schwedische Regisseur Christoffer Sandler mit viel Humor und leuchtenden Bildern in die Erfahrungswelt seiner Hauptfigur eintauchen. Anne Küper hat sich von dem wunderbaren Zuviel des Films mitreißen lassen, weil genau das so gut passt zu dieser besonderen Liebesgeschichte.
Zwischen uns beiden

Zwischen uns beiden

Jetzt als DVD und VoD: Laeti und Elodie sind seit Jahren zusammen und wünschen sich ein Kind. Der neue Untermieter Simon soll das nötige Geld in die Paarkasse bringen. Doch plötzlich fühlt sich Laeti auf mysteriöse Weise körperlich zu dem attraktiven Zauberkünstler hingezogen. Nach seinem Sektendrama „In-Sect“ und der Marilyn-Monroe-Hommage „Fragments“ verschränkt der französische Regisseur Jude Bauman in „Zwischen uns beiden“ den Kampf zweier Frauen um ihr Liebesglück mit Fragen nach queerer Elternschaft und Familienplanung. Christian Lütjens hat sich von den opulenten Bildern und der sinnlichen Stimmung des Films einfangen lassen.
Bones and All

Bones and All

Der neue Film von Luca Guadagnino gilt spätestens seit seiner umjubelten Weltpremiere in Venedig als gesetztes Highlight des Kinosherbsts – nicht nur, weil wieder Timothée Chalamet, der derzeit wohl größte Filmstar seiner Generation, eine der Hauptrollen spielt. Doch wie passt das romantische Road Movie über die Liebe zwischen zwei jungen Kannibal:innen im Reagan-Amerika zu Guadagninos letzten Filmen, dem schwulen Erweckungsdrama „Call Me By Your Name“ (2017) und dem referentiellen Horrorfilm-Remake „Suspiria“ (2018)? Für Philipp Stadelmaier geht es in allen drei Fällen um das Ende der Unschuld.
Wet Sand

Wet Sand

Jetzt im Kino: Ein Dorf am Schwarzen Meer in Georgien, mit freundlichen Menschen, die glauben, sich zu kennen. Eines Tages wird Eliko erhängt aufgefunden. Seine Enkelin Moe reist aus der Stadt an, um die Beerdigung zu organisieren – und stößt auf ein Netz aus Lügen, das sich über zwei Jahrzehnte in die Vergangenheit spannt. „Wet Sand“ von Elene Naveriani gibt den Außenseiter:innen des ländlichen Georgiens eine Stimme und ist ein filmisches Manifest gegen Homophobie. Seine Premiere feierte das Drama über generationsübergreifende Solidarität und queere Selbstermächtigung in Locarno. Anja Kümmel über Schutzpanzer, die langsam aufbrechen, unmissverständliche Botschaften und die Kraft der Gegenbewegung.
Nelly & Nadine

Nelly & Nadine

Die belgische Opernsängerin Nelly Mousset-Vos und die belgisch-chinesische Juristin Nadine Hwang lernen sich Heiligabend 1944 im KZ Ravensbrück kennen, wo beide Gefangene sind. Ab diesem Moment verbringen sie so viel Zeit wie möglich miteinander. Kurz vor Kriegsende werden sie für einige Monate getrennt, finden sich wieder, ziehen zusammen nach Venezuela und später nach Brüssel. Anhand von Nellys Tagebüchern und Fotos, Liebesbriefen und Filmrollen erzählt der schwedische Regisseur Magnus Gertten in seinem Dokumentarfilm eine bemerkenswerte Liebesgeschichte. Angelika Nguyen hat sich von ihr berühren lassen.
Beautiful Beings

Beautiful Beings

Addi ist 14 und streunt mit seinen Kumpels Siggi und Konni durch die Straßen. Der schüchterne Balli ist der Neue in der Gang, in der es eine klare Rangordnung gibt. Zusammen proben sie ihren Mut, naschen Pilze, betrinken sich und gehen spätnachts im Freibad schwimmen. Doch Aggressionen und Gewalt sind stets nur einen Lidschlag entfernt. Und dann träumt Addi auch noch, dass etwas Furchtbares passieren wird. Bildgewaltig und voller Empathie erzählt der isländische Regisseur Guðmundur Arnar Guðmundsson („Herzstein“) in seinem neuen Film von vier Jungs, die ihren Weg suchen und sich dabei wie Ringkämpfer ineinander verhaken, und von einer jugendlichen Welt, in der kaputte Familien und Verwahrlosung ebenso alltäglich sind wie magische Vorahnungen und Poesie. Natália Wiedmann tritt mit seinen beautiful beings an die Schwelle zum Erwachsenwerden.
Sweetheart

Sweetheart

Die introvertierte 17-Jährige AJ interessiert sich für die wirklich wichtigen Dinge. Zum Beispiel wie man Pullis für Elefanten strickt oder wie das Methan der Kühe unseren Planeten zerstört. Weniger begeistern kann sie sich für den anstehenden Familienurlaub: eine ganze Woche in einer stinklangweiligen Feieranlage an der Küste von Dorset – der blanke Horror! Doch dann begegnet sie der Rettungsschwimmerin Isla, die betörend nach Chlor riecht. Barbara Schweizerhof hat sich Marley Morrisons skurrile Coming-of-Age-Komödie angesehen und ein fein gesponnenes Drama um das schwierige Zu-sich-selbst-Finden einer lesbischen Teenagerin entdeckt.
Bros

Bros

In „Bros“ schliddert der New Yorker Dauer-Single und Queer-Podcaster Bobby fast zufällig in eine ernsthafte Beziehung – und manövriert sich mit Humor und Augenzwinkern durch die klassisch komplizierten Stationen einer Romanze bis hin zum anfangs ziemlich unwahrscheinlichen Liebesglück. Als „die erste RomCom eines großen Studios über eine schwule Beziehung“ preist der Verleih „Bros“ an, der jetzt mit großem Marketing-Getöse auch in Deutschland anläuft. Andreas Köhnemann über einen Film, der Spaß macht und die Formeln und Konventionen des Genres in entscheidenden Punkten variiert, aber vielleicht doch weniger revolutionär ist, als er verspricht.
Anima – Die Kleider meines Vaters

Anima – Die Kleider meines Vaters

Nach dem Tod ihres Vaters bekommt die Regisseurin Uli Decker von der Mutter seine „geheime Kiste“ als Erbe ausgehändigt. Der Inhalt – hochhackige Schuhe, künstliche Fingernägel, Schminke und eine Echthaarperücke – verändert ihren Blick auf den Vater, ihre Familie und die Gesellschaft, in der sie aufwuchs. In „Anima – Die Kleider meines Vaters“ erzählt sie die berührende Lebensgeschichte ihres Vaters als tragisch-komische Achterbahnfahrt durch animierte und dokumentarische Bilderwelten. Verena Schmoeller hat den Film, der dieses Jahr mit dem Max-Ophüls-Preis für den Besten Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde, für uns gesehen – und ist von der posthumen Begegnung zwischen Vater und Tochter sehr berührt.
The Schoolmaster Games

The Schoolmaster Games

An der St.-Sebastian-Akademie sind alle Studenten schwul, jedes Seminar dreht sich um Homosexualität und der Campus vibriert nur so vor erotischen Ränkespielen. Machtzentrum ist der strenge Schuldirektor, der mit seinem Lieblings-Zögling Charles die Schoolmaster Games veranstaltet, ein Sexspiel mit klarer Rollenverteilung. Bis eine mysteriöse Nachricht alles durcheinander bringt... In ihrem vor originellen Ideen und skurrilen Figuren nur so sprühenden Langfilmdebüt erzählt die schwedische Regisseurin Ylva Forner auf Basis des gleichnamigen Romans von Kristofer Folkhammar von einem sagenhaften Ort zwischen schwulem Safe Space, musikalischem SM-Keller und sexueller Verbesserungsanstalt. Matthias Frings über einen schwer zu fassenden Genre-Hybrid, der seinen Stil in der lustvollen Aneignung findet – und im Oktober in der Queerfilmnacht zu sehen ist.