Film

Strange River

Strange River

Im Stil romantischer Gemälde des 19. Jahrhunderts inter­pretiert Jaume Claret Muxart in „Strange River“ die Donau als erhabene Trägerin uralter Mysterien, lyrisch und traumgleich auf 16-mm gebannt. Es gilt, in das Begehren einzutauchen, die Ängste abzuwaschen. „Strange River“ ist ein Film, der fließt – zwischen den Erleb­nissen seiner Figuren, zwischen Mensch und Natur und dem Über­natürlichen. Ein Film über das Ende der Unschuld, wie Andreas Wilink schreibt.
Bitteres Fest

Bitteres Fest

Die Werbefilmregisseurin Elsa stürzt sich nach dem Tod ihrer Mutter in die Arbeit. In einer anderen Zeit schreibt ein erfolgreicher Autor und Regisseur gegen seine kreative Krise an – mit einer Geschichte, die Elsas Leben erzählt. In seinem sehr introspektiven 24. Spielfilm widmet sich Pedro Almodóvar dem kreativen Vampirismus. Ein souveränes Alterswerk? Für Anja Kümmel eher ein unabgeschlossenes Work-in-Progress, irgendwo zwischen Selbstbespiegelung und Selbstkritik. Das aber auch einen Heidenspaß macht.
Ninja Motherf*cking Destruction

Ninja Motherf*cking Destruction

Was macht meine Identität aus? Und wem muss ich sie beweisen? Als filmische Langzeitstudie angelegt, ist „Ninja Motherf*cking Destruction“ ein wildes und ungefiltertes Porträt eines queeren Erwachsenwerdens – überbordendes Gefühlschaos inklusive. Nach acht Jahren Drehzeit und ohne Förderung oder Filmschule im Hintergrund ist Regisseurin Lotta Schwerk mit ihrem Langfilmdebüt die intensive, immer authentische Chronik einer Jugend gelungen – „voller emotionaler Kraft“, wie Laura Sternberg findet.
Drunken Noodles

Drunken Noodles

Das Leben ist ein Kunstwerk aus Sehnsucht, Lust und Fantasie in Lucio Castros „Drunken Noodles“, einem übernatürlich schönen Sommertraum von einem Film – für den im Sex so viel Bedeutung liegt wie in der Kunst. Eine Vision queerer Lust über Generationengrenzen hinaus; ein Bilderteppich von Begehren, Sehnsüchten und versuchter Nähe. Für Andreas Köhnemann „der Inbegriff eines queeren Films“. Im Juli läuft er in der Queerfilmnacht.
Mauern aus Sand

Mauern aus Sand

Ein bei allen beliebter Junge in einem kroatischen Dorf glaubt, seinen Weg gefunden zu haben. Doch dann taucht ein Freund aus der Vergangenheit auf und weckt Gefühle, die sein sorgsam zusammengebautes Selbstbild in Frage stellen. „Mauern aus Sand“ ist eine melancholisch erzählte Geschichte über das Erwachsenwerden und den aussichtslosen Versuch, Erwartungen zu füllen, die nicht die eigenen sind. Behutsam und frei von Sentimentalität inszeniert Regisseurin Čejen Černić Čanak die Liebe als Naturgewalt, die sich ihren Weg bahnt.
The Pleasure Is Mine

The Pleasure Is Mine

Schneller Sex, Drogen und Geld: Der 20-jährige Hustler Antonio hat einen magnetischen Charme, doch mit so etwas wie Liebe kann er wenig anfangen. Er nimmt sich ohne Rücksicht, was er will – steckt nach Sexdates die Wertsachen seiner Partner:innen ein und betrügt selbst seine beste Freundin um Geld. Elliptisch und sinnlich erzählt Sacha Amarals „The Pleasure Is Mine“ von einem Getriebenen, der eine Zuneigung sucht, zu der er selbst vielleicht gar nicht fähig ist. Jetzt ist der Film als VoD-Premiere im Salzgeber Club erhältlich. Andreas Köhnemann über ein schonungsloses, verführerisches Regiedebüt. 
Der straighte Blick auf queeres Kino

Der straighte Blick auf queeres Kino

Wie schreibt man als Hetero-Typ über queere Filme? Während seines Studiums entdeckte der Autor Till Kadritzke die queerfeministische Theorie und begann enthusiastisch, im queeren Diskurs mitzumischen. „In Fragen der Gender und Queer Studies möglichst radikal sein verhieß, auch selbst ein bisschen Queerness abzubekommen“, schreibt er heute – und fragt sich, ob diese „freundliche Übernahme von Queerness“ auch seine filmkritische Praxis geprägt hat. Erinnerungen an akademische Trends, zwei große Festivalhits und Spuren eines queeren Kinos, das Heteros in den Blick nimmt.
The History of Sound

The History of Sound

Paul Mescal und Josh O’Connor als heimliches Liebespaar: Für „The History of Sound“ hat Regisseur Oliver Hermanus („Moffie“) eine Traumbesetzung für die beiden Hauptrollen verpflichten können. Doch das Liebesdrama um zwei musikbegeisterte Studenten zu Zeiten des Ersten Weltkriegs hat noch viele andere Qualitäten: „intensiv, traurig und wunderschön“, schreibt Andreas Köhnemann.
Der Traum vom New Queer Cinema

Der Traum vom New Queer Cinema

Seit seiner Studienzeit ab den späten 1980er Jahren in Hamburg beschäftigt sich der Medienwissenschaftler und Autor Peter Rehberg mit dem New Queer Cinema – und damit, wie an den Universitäten darüber nachgedacht wurde und wird. Hier blickt er darauf zurück, wie sich die Studierenden in Hamburg einst ihre Queer Film Studies selbst erschlossen haben und dafür kurzerhand ein eigenes Festival gründeten. Heute lehrt Rehberg in den USA – und fragt sich, wie viele Gedanken sich die Student:innen heute über das queere Kino machen.
Love Me Tender

Love Me Tender

Nach dem gleichnamigen Bestseller von Constance Debré erzählt „Love Me Tender“ von Anna Cazenave Cambet von einer früheren Anwältin, die nach ihrem Outing als lesbische Frau um das Sorgerecht für ihren Sohn kämpft – und dabei ihren Wunsch nach Freiheit mit den Erwartungen an sie als Mutter vereinbaren muss. Anja Kümmel hat das Buch gelesen und den Film gesehen und seziert die wichtigsten Unterschiede. Fest steht auch für sie: Die charismatische Schauspielerin Vicky Krieps ist ein Glücksgriff für die Hauptrolle.