Frauenbande

Princess Cyd

Princess Cyd

Neu als DVD und VoD: Die 16-jährige Cyd besucht in den Sommerferien ihre Tante Miranda, eine bekannte Schriftstellerin, in Chicago. Während Cyd den ganzen Tag Fußball spielen und sich im Garten sonnen möchte, sitzt Miranda am liebsten hinterm Schreibtisch und arbeitet an ihren Texten. Auch beim Thema Liebe gehen die beiden andere Wege: Cyd erkundet gerade ihr sexuelles Begehren und verliebt sich in die smarte Kellnerin Katie; Miranda hingegen ist Langzeit-Single und hat scheinbar kein Bedürfnis, daran etwas zu ändern. Als Cyd ihre Tante aus der Liebesreserve locken will, erklärt Miranda ihr ein paar Dinge über das Glücklichsein. Mit feinem Gespür für kleine Gesten, Blicke und Zwischentöne porträtiert Regisseur Stephen Cone („Einen Freund zum Geburtstag“, 2015) zwei unterschiedliche Frauenfiguren, die nicht nur einen Schmerz, sondern auch eine Sehnsucht teilen. Nátalia Wiedmann über einen bemerkenswert schwerelosen Film über weibliche Sensibilität, Sexualität und Befreiung.
Rafiki

Rafiki

Ab heute im Kino: "Gute kenianische Mädchen werden gute kenianische Ehefrauen" – Kena lernt schon früh, was von Mädchen und Frauen in ihrem Heimatland erwartet wird: artig sein und sich dem Willen der Männer fügen. Doch die selbstbewusste Kena lässt sich nicht vorschreiben, wie sie zu leben hat. So freundet sie sich auch mit der hübschen Ziki an, obwohl ihre Väter politische Konkurrenten sind. Das Gerede im Viertel ist den Mädchen zunächst ziemlich egal. Doch als sich Kena und Ziki ineinander verlieben, müssen sie sich entscheiden: zwischen der vermeintlichen Sicherheit, ihre Liebe zu verbergen, und der Chance auf ihr gemeinsamen Glück. "Rafiki" – der Titel bedeutet auf Suaheli „Freund(in)“ – ist der erste kenianische Film, der bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde. In Kenia selbst, wo Homosexualität noch immer unter Strafe steht, wurde der Film zunächst mit einem Aufführungsverbot belegt, das erst nach einer Klage der Regisseurin gelockert wurde. Beatrice Behn geht in ihrer Besprechung den Ursprüngen der homophoben Ordnungen auf den Grund, die noch immer in weiten Teilen Afrikas herrschen – und feiert den lesbischen Liebesfilm als mitreißende Utopie, die tief in afrikanischen Traditionen verwurzelt ist.
The Favourite

The Favourite

England im frühen 18. Jahrhundert. Es herrscht Krieg mit Frankreich. Der Hofstaat der gebrechlichen Königin Anne ist von Neid, Intrigen und Verrat zerfressen. De facto wird das Land von Annes enger Vertrauten und heimlichen Geliebten Lady Sarah regiert. Als Abigail als neues Dienstmädchen an den Hof kommt, nimmt Sarah sie unter ihre Fittiche. Doch Abigail verfolgt schon bald den ehrgeizigen Plan, die neuen Favoritin der Königin zu werden. Der neue Film des griechischen Regie-Stars Giorgos Lanthimos ("Doogtooth", "The Lobster", "The Killing of the Sacred Dear") ist mit großartigen Darstellerinnen (Olivia Colman, Emma Stone, Rachel Weisz) gespickt, wurde bereits mit Preisen überhäuft und soeben für zehn Oscars nominiert. Philipp Stadelmaier unterzieht Lanthimos' feministischem Ränkespiel einer sexuellen Strukturanalyse und erkennt "Macht" als abstrakte Ordnung, der alle Figuren unterworfen sind. Einblicke in ein queeres Kabinett aus Körpern, die gekrümmte Räume mit offenen Rändern bevölkern.
Acht Filme des Jahres

Acht Filme des Jahres

Das nicht-heterosexuelle Kinojahr 2018 war so vielfältig wie kaum ein Jahr zuvor – vor allem was die Perspektiven und Lebensentwürfe seiner filmischen Figuren betrifft. Wir haben für Euch unsere acht Highlights der vergangenen Monate zusammengetragen und stellen Sie mit kurzen Spotlights in den Worten unserer Autor*innen noch einmal vor. Eine Rückschau auf ein schwules Arbeiterkind, das aus der französischen Provinz nach Paris flüchtet, um dort eine neue Entfremdung zu erleben. Auf eine schüchterne Studentin in Oslo, die sich mit übernatürlichen Kräften aus der Hetero-Hölle ihrer Kindheit befreit. Auf einen Schriftsteller, der im Paris der frühen 90er nicht mehr lange zu leben hat und sich trotzdem ein letztes Mal verliebt. Auf eine Ballettschülerin in Gent, die einen Penis zu viel hat. Auf einen altklugen Professorensohn, der während eines Sommers in der Lombardei erfährt, was er alles noch nicht weiß. Auf einen US-amerikanischen Teenager, der an seiner High School zwangsgeoutet wird und erst so in ein großes Liebesmärchen schliddert. Auf zwei Frauen, die sich in São Paulo die Mutterschaft für ein Werwolfkind teilen. Und auf einen Stricher, der so frei und so einsam durch Straßburg zieht wie ein wildes Tier.
Die Erbinnen

Die Erbinnen

In "Die Erbinnen" erzählt Regisseur Marcelo Martinessi die Geschichte zweier Frauen um die 60, die als Paar in einem bürgerlichen Viertel der paraguayischen Hauptstadt Asunción leben. Als Chiquita auf Grund der gemeinsam angehäuften Schulden ins Gefängnis muss, beginnt für Chela ein zaghafter Befreiungsprozess. Das private Drama der beiden Frauen spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung, die Paraguay nach langen Jahren der Diktatur und der Absetzung der ersten demokratischen Regierung genommen hat, und erzählt zugleich universell von eingespielten Abhängigkeiten und einem späten Neuanfang. Martinessis Film, der auf der Berlinale mit dem Alfred-Bauer-Preis und dem Preis für die Beste Darstellerin (Ana Brun) ausgezeichnet wurde, ist seit gestern deutschlandweit in den Kinos zu sehen. Esther Buss über ein subtil sozialkritisches Frauenporträt, dessen Formsprache sichtbar an den Melodramen Rainer Werner Fassbinders geschult wurde.
Suspiria

Suspiria

Nach seinem heiß geliebten schwulen Erweckungsfilm "Call Me by Your Name" hat sich Regisseur Luca Guadagnino das Remake eines italienischen Horror-Klassikers vorgenommen, Dario Argentos "Suspiria". Wie der berüchtigter Schlitzer-Film aus dem Jahr 1977 erzählt die Wiederverfilmung von einer jungen Amerikanerin, die als neue Schülerin an eine Ballettschule kommt und dort ins Zentrum einer mysteriösen Mordserie und die Fänge von satanischen Kräften gerät. Guadagnino verlegt die Handlung von Freiburg nach West-Berlin, verortet den Film dezidiert im Deutschen Herbst 1977 und macht aus der Balletschule einen lesbischen Hort und eine Welt quasi ohne Männer. Unser Autor und Horrorfilmexperte Jörg Buttgereit freut sich zwar über körperliche Exzesse und Tilda Swinton in einer unheimlichen Doppelrolle, ist von Guadagninos queerem Gegenentwurf aber nicht vollends überzeugt, vor allem weil er einen zwiespältigen Reiz des Originals vermisst.
Lesbisch schwule Filmtage Hamburg 2018

Lesbisch schwule Filmtage Hamburg 2018

Nach fünf prall gefüllten Festivaltagen mit 65 Filmvorstellungen und insgesamt 123 Lang- und Kurzfilmen sind am Wochenende die 29. Lesbisch schwulen Filmtage Hamburg zu Ende gegangen. Den Jurypreis des größten und ältesten queeren Filmfestivals Deutschlands hat in diesem Jahr der libanesische Essayfilm „Room for a Man“ von Anthony Chidiac gewonnen. Eine lobende Erwähnung ging an den Dokumentarfilm „Silvana“ des schwedischen Regiekollektivs von Olivia Kastebring, Mika Gustafson und Christina Tsiobanelis. Den Publikumspreis erhielt das lesbische Liebesdrama „My Days of Mercy“ von Tali Shalom-Ezer mit Ellen Page und Kate Mara in den Hauptrollen. Für sissy waren Britta Voß, Nilufar Karkhiran-Khozani, Doreen Kropp und Klaus Braeuer auf dem Festival unterwegs und präsentieren uns hier ihre Entdeckungen.
Gute Manieren

Gute Manieren

Neu auf DVD und VoD: Die mysteriöse Ana engagiert die alleinstehende Krankenschwester Clara, damit die sich um ihr schickes Apartment in São Paulo und später um ihr noch ungeborenes Kind kümmert. Die beiden Frauen werden ein Liebespaar, doch mit dem Voranschreiten der Schwangerschaft verhält sich Ana immer merkwürdiger: Sie hat ständig Lust auf Fleisch und schlafwandelt bei Vollmond blutdurstig durch die Stadt. Nach der schaurigen "Geburt" ist Clara alleine mit Anas besonderem Sohn, der halb Mensch, halb Werwolf ist. Sie zieht Joel voller Liebe und Fürsorge auf, doch je älter er wird, desto stärker wird auch für ihn der Ruf des Mondes ... Mit betörend stilisierten Sets und einem traumhaften Lichtkonzept entwickeln die Filmemacher_innen Juliana Rojas und Marco Dutra aus der lesbischen Mütter-Kind-Geschichte ein gruseliges Großstadt-Märchen, das sozialkritisch von der Unterdrückung unerwünschten Begehrens erzählt. Beatrice Behn über einen herzzerreißenden queeren Ruf zu den Waffen, der gleich zwei folkloristische Figurenarchetypen von ihren heteronormativen Schranken befreit.
Der Moment: Die bitteren Tränen der Petra von Kant

Der Moment: Die bitteren Tränen der Petra von Kant

Hans Hütt ist Publizist, Übersetzer und Träger des renommierten Michael-Althen-Preises, den er 2014 für seinen queeren Essay "Angst vor der Gleichheit" erhielt. Sein Filmmoment wird von einer stummen Figur bestimmt. Eine Annäherung in sehr beredter Form an Fassbinders Meisterwerk "Die bitteren Tränen der Petra von Kant".
Blau ist eine warme Farbe

Blau ist eine warme Farbe

Zum Abschluss von rbb QUEER ist heute Abend Abdellatif Kechiches hochgelobtes Liebesdrama "Blau ist eine warme Farbe" zu sehen. 2013 wurde der Film in Cannes spektakulär mit der Goldenen Palme ausgezeichnet, die nicht nur an den Regisseur, sondern explizit auch seine grandiosen jungen Hauptdarstellerinnen Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos ging. Barbara Schweizerhof spürt der besonderen Sinnlichkeit des Films nach, erinnert aber auch an die Diskussion um das Fehlen von lesbischer Teilhabe am Dreh, das damals vor allem die queer-feministische Filmkritik erhitzte.