Frauenbande

Bonnie & Bonnie

Bonnie & Bonnie

Yara lebt mit ihrem albanischen Vater und den drei Geschwistern in Hamburg-Wilhelmsburg. Neben ihrem Job im Supermarkt schmeißt sie den Familienhaushalt und vertreibt sich die Freizeit mit ihrer Clique. Als sie auf der Straße der toughen Kiki begegnet, ist plötzlich nichts mehr wie zuvor: Während Yara eine neue, bislang ungekannte Freiheit entdeckt, erlebt Heimkind Kiki das erste Mal das Gefühl von Geborgenheit. Aber niemand darf von der Beziehung wissen, vor allem nicht Yaras konservativer Vater, der schon einen Ehemann für sie ausgesucht hat… Regisseur Ali Hakim erzählt die berührende Geschichte von zwei jungen Frauen, die wie ihre filmhistorischen Vorbilder Bonnie und Clyde ins Weite aufbrechen müssen, damit ihre Liebe eine Chance hat. Anja Kümmel über eine mitreißende lesbische Romanze, die im Oktober in der queerfilmnacht zu sehen ist und am 24. Oktober auch regulär im Kino startet.
Heute oder morgen

Heute oder morgen

Sommer in Berlin. Maria und Niels lieben sich, das Leben und die Freiheiten, die sie sich gegenseitig geben. Was morgen ist, interessiert nicht, es zählt nur der Moment. Dann treffen sie auf Chloe. Maria wagt den ersten Schritt, aus einem Flirt entwickelt sich schnell eine intensive Romanze zwischen den beiden Frauen. Niels wird Teil davon – und verfällt Chloe ebenso. Eine Ménage-à-trois, in der alles lustvoll ist. Doch dann stellt eine unerwartete Nachricht die Gefühle der drei Liebenden auf eine harte Probe. In seinem Debütfilm erzählt Thomas Moritz Helm ein modernes Berliner Sommermärchen fernab von konservativen Moralvorstellungen. Im Zentrum stehen drei junge Menschen, die nach einer neuen Definition von Liebe und Beziehung suchen. Nach seiner Weltpremiere auf der diesjährigen Berlinale startet der Film am 19. September im Kino und ist im August bereits in der queerfilmnacht zu sehen. Andreas Köhnemann hat ein Buch über sexuell ambivalente Dreiecksbeziehungen im Film geschrieben ("Liebe in alle Richtungen", 2016) – und sich "Heute oder morgen" angesehen.
Der Honiggarten – Das Geheimnis der Bienen

Der Honiggarten – Das Geheimnis der Bienen

Schottland in den 50er Jahren: Als die junge Ärztin und Bienenzüchterin Jean in den Ort ihrer Kindheit zurückkehrt, lernt sie die alleinerziehende Mutter und Fabrikarbeiterin Lydia kennen. Weil Lydia die Miete für sich und ihren kleinen Sohn Charlie nicht mehr bezahlen kann, nimmt Jean die beiden bei sich auf. Die Frauen kommen sich näher – und aus Freundschaft wird Liebe. In Annabel Jankels Verfilmung des Weltbestsellers von Fiona Shaw brillieren Oscar-Preisträgerin Anna Paquin und Holliday Grainger als Paar, das sich gegen die Moralvorstellungen der konservativen Gesellschaft behaupten muss. Barbara Schweizerhof hat sich das romantische Sittengemälde angesehen.
Zwischen Sommer und Herbst

Zwischen Sommer und Herbst

Heute Abend läuft bei rbb QUEER eine lesbische Romanze aus Deutschland, genauer gesagt aus Ostwestfalen. Lena ist 17, gerade mit der Schule fertig und voller abenteuerlicher Zukunftspläne. Doch die geraten erst einmal gehörig durcheinander, als ihr eines Nachts am Familienkühlschrank Eva begegnet, die neue Freundin ihres Bruders Jonas. Regisseur Daniel Manns erzählt in "Zwischen Sommer und Herbst" (24h00 im rbb) eine zarte, authentische Geschichte über das Erwachsenwerden und zwei junge Frauen, die erst die eigenen Unsicherheiten überwinden müssen, um als Paar eine Chance zu bekommen. Jessica Ellen hat den Film für uns gesehen.
Before Stonewall

Before Stonewall

New York, Christopher Street, in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969: Eine Gruppe Homo- und Transsexueller widersetzt sich in der Bar Stonewall-Inn entschlossen der Polizei, die das Lokal eigentlich räumen will. Ihr Aufstand und die sich anschließenden Unruhen und Demonstrationen in den folgenden Tagen gelten als Urknall lesbisch-schwulen Selbstbewusstseins – und als Wendepunkt im Kampf um Anerkennung und Gleichstellung, an den seitdem jährlich bei den Christopher-Street-Day-Paraden erinnert wird. Greta Schiller und Robert Rosenberg erzählen in ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm "Before Stonewall" (1984) vom Leben und Alltag der US-amerikanischen Schwulen und Lesben vor jener Nacht in New York. Ihr Film ist reich an seltenem Archivmaterial und enthält neben Interviews mit bekannten Persönlichkeiten wie Allen Ginsberg und Audre Lorde vor allem Berichte und Annekdoten von Schwulen und Lesben aus der breiten Bevölkerung. Zum 50. Jahrestag der Stonewall Riots kommt Schillers und Rosenbergs tief bewegender "Kochbuchfilm zu unserer Geschichte" (Manfred Salzgeber) in neu restaurierter Fassung als DVD heraus und ist nun auch als VoD zu sehen. Matthias Frings über "Before Stonewall" und dessen historische Bedeutung.
Von Mädchen und Pferden

Von Mädchen und Pferden

Heute Abend läuft der wunderbarer Coming-of-Age-Film "Von Mädchen und Pferden" bei rbb QUEER (23h30 im rbb). Ganz im Norden, am Rickelsbüller Koog, soll die 16-jährige Alex endlich feste Strukturen kennen lernen. Das zumindest erhofft sich ihre Adoptivmutter, die die Schulabbrecherin zu einem Praktikum auf den Reiterhof abgeschoben hat. Alex ist zunächst wenig begeistert – Rauchverbot, kaum Handyempfang und viel Arbeit. Aber eben auch: Pferde, ein endlos langer Strand, das Meer – und die charismatische Reitlehrerin Nina, die offen lesbisch lebt... Monika Treut, die große Pionierin des queeren Kinos in Deutschland, befreit den Blick ihrer jugendlichen Protagonistin und eröffnet ihr ganz neue Welten. Tania Witte geht dem Zauber des Films, der für die Begeisterung von Mädchen für Pferde ziemlich handfeste Bilder findet, auf den Grund.
Der Sommer von Sangailé

Der Sommer von Sangailé

Heute Abend geht es bei rbb QUEER nach Litauen, wo nicht-heterosexuelles Kino Seltenheitswert hat. Das eigentlich Besondere an "Der Sommer von Sangailé" (23h25 im rbb) ist aber, mit welcher Leichtigkeit die Regisseurin Alanté Kavaïté von panischer Höhenangst und der ersten großen Liebe, von selbstverletzenden Handlungen und weiblichem Erwachsenwerden in der baltischen Provinz erzählt, in der der Sowjetkommunismus noch heute sichtbare Spuren hinterlassen hat. Für ihren wildromantischen Coming-of-Age-Film wurde Kavaïté 2015 in Sundance mit dem Regie-Preis ausgezeichnet. Jessica Ellen hat ihn für uns besprochen.
Das melancholische Mädchen

Das melancholische Mädchen

Auf der Suche nach einem Schlafplatz streift das melancholische Mädchen durch die Großstadt. Unterwegs begegnet sie jungen Müttern, die ihre Mutterschaft als religiöses Erweckungserlebnis feiern, findet Unterschlupf bei einem abstinenten Existentialisten, für den Sex "auch nur noch ein Markt" ist, und wartet in einer Drag Bar "auf das Ende des Kapitalismus". Statt sich zu bemühen hineinzupassen, fängt das Mädchen an, ihre Depression als Politikum zu betrachten. In 15 komischen Begegnungen erforscht Susanne Heinrich in ihrem gefeierten Debütfilm die postmoderne, neoliberale Gesellschaft zwischen Prekarisierung und Self Marketing, Ernüchterung und Glückszwang. "Das melancholische Mädchen" verbindet Pop und Theorie und ist voll von Zitaten, die man in Neonbuchstaben auf Werbetafeln leuchten sehen will. Beatrice Behn über eine feministiche Komödie, die sich nicht nur der Kino-üblichen männlich-normativen Blickführung verweigert, sondern auch den Ordnungen der konventionellen Filmkritik.
Rafiki

Rafiki

Neu als DVD & VoD: "Gute kenianische Mädchen werden gute kenianische Ehefrauen" – Kena lernt schon früh, was von Mädchen und Frauen in ihrem Heimatland erwartet wird: artig sein und sich dem Willen der Männer fügen. Doch die selbstbewusste Kena lässt sich nicht vorschreiben, wie sie zu leben hat. So freundet sie sich auch mit der hübschen Ziki an, obwohl ihre Väter politische Konkurrenten sind. Das Gerede im Viertel ist den Mädchen zunächst ziemlich egal. Doch als sich Kena und Ziki ineinander verlieben, müssen sie sich entscheiden: zwischen der vermeintlichen Sicherheit, ihre Liebe zu verbergen, und der Chance auf ihr gemeinsamen Glück. "Rafiki" – der Titel bedeutet auf Suaheli „Freund(in)“ – ist der erste kenianische Film, der bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde. In Kenia selbst, wo Homosexualität noch immer unter Strafe steht, wurde der Film zunächst mit einem Aufführungsverbot belegt, das erst nach einer Klage der Regisseurin gelockert wurde. Beatrice Behn geht in ihrer Besprechung den Ursprüngen der homophoben Ordnungen auf den Grund, die noch immer in weiten Teilen Afrikas herrschen – und feiert den lesbischen Liebesfilm als mitreißende Utopie, die tief in afrikanischen Traditionen verwurzelt ist.
Der Boden unter den Füßen

Der Boden unter den Füßen

Ab morgen im Kino: Mit Ende 20 glaubt Lola ihr Privatleben ebenso fest im Griff zu haben wie ihren Job als Unternehmensberaterin. Niemand weiß von ihrer schizophrenen Schwester Conny und der Geschichte psychischer Krankheit, die sich durch ihre Familie zieht. Und auch die Affäre zu ihrer Teamleiterin Elise hält sie erfolgreich geheim. Doch als Lola die Nachricht bekommt, dass Conny einen Suizidversuch nur knapp überlebt hat, drohen all ihre Geheimnisse ans Licht zu kommen... In ihrem neuen Film erzählt die österreichische Regisseurin Marie Kreutzer ("Die Vaterlosen", "Was hat uns bloß so ruiniert") die Geschichte einer jungen Frau, der nach und nach die Kontrolle über ihr allzu streng strukturiertes Leben entgleitet. Neben Lola-Darstellerin Valerie Pachner, die in Kürze auch in der weiblichen Hauptrolle des neuen Films von Terrence Malick ("Ein verborgenes Leben") zu sehen sein wird, glänzen Pia Hierzegger ("Wilde Maus") und Mavie Hörbinger ("Sommerhäuser"). Cosima Lutz hat Kreutzers präzisen Entfremdungs-Thriller gesehen – und entdeckt darin ein abgründiges Spiegelkabinett weiblicher Selbstbilder.