Frauenbande

Küss mich

Küss mich

Alexandra-Therese Keinings erwachsene Romanze „Küss mich“ variiert raffiniert das bekannte Thema einer Frau, die ihre Beziehung zu einem Mann hinterfragt, als sie ihr lesbisches Begehren entdeckt. Mit einigen der besten Schauspieler*innen des schwedischen Kinos gelingt Keinings eine subtile Erzählung über große Gefühle und alles verändernde Momente, schreibt Jessica Ellen.
Das Mädchen und die Spinne

Das Mädchen und die Spinne

Lisa zieht aus, Mara bleibt zurück. Während Kisten geschleppt, Wände gestrichen und Schränke aufgebaut werden, tun sich Abgründe auf, und ein Begehrenskarussell nimmt immer mehr Fahrt auf. Auch in ihrem neuen Film komponieren die Schweizer Zwillingsbrüder Ramon und Silvan Zürcher ("Das merkwürdige Kätzchen") ein poetisches Panoptikum menschlicher Beziehungsformen. Am 8. Juli startet ihr tragikomischer Katastrophenfilm "Das Mädchen und die Spinne" in den Kinos; parallel dazu erscheint ein Buch zum Film, bestehend aus Drehbuch, Essays, Making-Of-Fotos, Filmstills und Zeichnungen. Auch Cosima Lutz hat einen Text zum Band beigesteuert. Ihre Reflexion über Doppelgänger, komplizierte Liebe und Trennungsschmerz gibt es vorab bei uns zu lesen.
Glück

Glück

Sascha arbeitet schon seit Jahren in einem Berliner Bordell. Maria ist die Neue, unangepasst, autark, queer. Sascha fühlt sich sofort von dieser Andersartigkeit angezogen, Maria wiederum ist fasziniert von Saschas Souveränität. Aus der Anziehung wird eine Liebe, die anders funktioniert, als alles, was beide bisher kannten. Es ist die Verheißung auf das große Glück. Doch dann droht ihre Verbindung zu zerbrechen – an der Angst, sich einander wirklich zu zeigen und sich den eigenen Abgründen zu stellen. In „Glück“ erzählt Henrika Kull von zwei Frauen, die sich in einer Welt begegnen, in der weibliche Körper Waren sind. In authentischen, kraftvollen Bildern folgt sie ihren beiden Hauptfiguren, die sich erst umschleichen, dann umtanzen, bald nicht mehr ohne einander können, aber auch nicht wirklich miteinander. Unsere Autorin Anja Kümmel war begeistert von den ungreifbaren, flüchtigen Momenten dieses mitreißenden Liebesfilms, der keine Grenzen kennt und nun in der queerfilmnacht im Kino zu sehen ist.
Bonnie & Bonnie

Bonnie & Bonnie

Ali Hakims „Bonnie & Bonnie“ ist eine berührende Geschichte von zwei jungen Frauen, die wie ihre filmhistorischen Vorbilder Bonnie und Clyde ins Weite aufbrechen müssen, damit ihre Liebe eine Chance hat. Yara lebt mit ihrem albanischen Vater und den drei Geschwistern in Hamburg-Wilhelmsburg. Als sie auf der Straße der toughen Kiki begegnet, ist plötzlich nichts mehr wie zuvor: Während Yara eine neue, bislang ungekannte Freiheit entdeckt, erlebt Heimkind Kiki das erste Mal das Gefühl von Geborgenheit. Aber niemand darf von der Beziehung wissen, vor allem nicht Yaras konservativer Vater, der schon einen Ehemann für sie ausgesucht hat… Anja Kümmel über eine mitreißende lesbische Romanze.
Im Stillen laut

Im Stillen laut

Erika und Tine sind beide 81 und seit über 40 Jahren ein Paar. Zusammen leben und arbeiten sie auf dem Kunsthof Lietzen in Brandenburg – und blicken auf ein bewegtes Stück gemeinsame Geschichte zurück. Mit ihrer Neugier und Offenheit stellen Erika und Tine alles in Frage, das Vergangene und das Bestehende. Therese Koppes vielschichtiges dokumentarisches Porträt "Im Stillen laut", das jetzt im Salzgeber Club und auf DVD erscheint, ist ein Film über das Leben, die Kunst und selbst geschaffene Freiräume in der DDR, über Liebe im Alter und die Frage, wie man sich und seinen Idealen treu bleiben kann. Unsere Autorin Anja Kümmel genoss den Einblick in den Alltag von Erika und Tine und in eine Liebe, die ohne große Worte spürbar wird.
Baby Jane

Baby Jane

Jonna ist gerade zum Studium nach Helsinki gezogen und taucht voller Abenteuerlust in das pulsierende Nachtleben ein. In einer queeren Bar lernt sie Piki kennen – und ist sofort fasziniert von der geheimnisvollen Frau mit der dunklen Stimme, die ihr ein ganzes Universum neuer Erfahrungen eröffnet. Katja Gauriloffs rauer Liebesfilm „Baby Jane“, der im März in der queerfilmnacht online läuft, zeigt Shootingstar Roosa Söderholm und die Sängerin Maria Ylipää als Paar, dessen stürmische Beziehung auch entlang von Abgründen verläuft. Unsere Autorin Anja Kümmel über eine flirrend-spannende Thriller-Romanze, die gängige Seh- und Deutungsgewohnheiten durchkreuzt.
Kokon

Kokon

Jahrhundertsommer in Berlin-Kreuzberg. Im multikulturellen Mikrokosmos rund um das Kottbusser Tor bahnt sich die 14-jährige Nora ihren Weg durchs Erwachsenwerden. Während die Hitze auf ihrer Haut klebt, bekommt sie zum ersten Mal die Periode, entdeckt ihre Liebe für andere Mädchen und lernt die wilde Romy kennen... In ihrem zweiten Film erzählt Regisseurin Leonie Krippendorff ("Looping") in sinnlichen Bildern eine authentische Berliner Coming-of-Age-Geschichte über aufkeimende Gefühle, sexuelles Erwachen und die erste große Liebe. Neben der überragenden Hauptdarstellerin Lena Urzendowsky spielen die Kinostars Jella Haase und Lena Klenke. Unsere Autorin Esther Buss hat Nora bei ihrer Entpuppung zugesehen – und schreibt über einen Sommer, nach dem nichts mehr so sein wird wie zuvor.
Sister My Sister

Sister My Sister

Frankreich 1933. Christine und ihre jüngere Schwester Lea arbeiten als Dienerinnen bei der herrischen Madame Danzard und ihrer Tochter Isabelle. Die Schwestern erledigen wortlos alle Aufgaben und ertragen jede Demütigung, weil sie sich auf diese Weise nah sein können. Nachts wird ihre Beziehung in der Zurückgezogenheit ihrer Dachkammer derweil immer körperlicher, ja rauschhafter. Doch dann bemerkt Madame Danzard erste Nachlässigkeiten im Haushalt. Nancy Mecklers Film beruht auf dem berüchtigten Kriminalfall um Christine und Léa Papin, der sich 1933 in Le Mans zugetragen hat und bereits Jean Genet zu seinem Theaterstück „Die Zofen“ inspirierte. „Sister My Sister“ ist zugleich messerscharfe soziale Klassenstudie und berührende Geschichte einer verbotenen Liebe. Ab morgen ist die filmische Entdeckung in digital restaurierter Fassung als DVD und VoD zu sehen. Unsere Autorin Anja Kümmel über ein vielschichtiges und aufregendes filmisches Wagnis.
Ulrike Ottinger – Die Nomadin vom See

Ulrike Ottinger – Die Nomadin vom See

Die Filme von Ulrike Ottinger gehören zum Aufregendsten, was die deutsche Kinogeschichte zu bieten hat. Für ihr Lebenswerk erhielt die gebürtige Konstanzerin 2010 das Bundesverdienstkreuz und 2012 den Special Teddy der Berlinale. Im Dokumentarfilm „Ulrike Ottinger – Die Nomadin vom See“, der ab Donnerstag im Salzgeber Club zu sehen ist, gibt Brigitte Kramer, ebenfalls in Konstanz aufgewachsen, einen Einblick in Ottingers surreales Werk – und zeichnet zugleich das Bild einer Epoche, die vom Aufbruch der Frauen in den Künsten geprägt war. Fritz Göttler über das Porträt einer Ausnahmekünstlerin und das ganze Glück des Kinos.
Sechs Filme des Jahres

Sechs Filme des Jahres

Wenngleich das Kinojahr 2020 von großen Einschränkungen geprägt war, gab es auch in den letzten zwölf Monaten eine Reihe fantastischer queerer Filme. Manche waren auf der großen Leinwand zu sehen, andere sind direkt als VoD oder DVD erschienen, mitreißend und besonders fand sissy sie alle. In unserem traditionellen Rückblick lassen wir entlang  kurzer Auszüge aus den Rezensionen unserer Autor*innen unsere Filmhighlights Revue passieren. Wir folgen dabei einem Mädchen, das sich in einem heißen Kreuzberger Sommer zu einem Schmetterling entpuppt; einem Deliquenten, der in einem chilenischen Gefängnis Anfang der 1970er Jahre in ein Netz aus sexuellen Freiheiten und Abhängigkeiten gerät; zwei Damen, die nach Jahrzehnten im Geheimen für die Anerkennung ihre Liebe kämpfen; einen Tanzstudenten in Georgien, der gegen die Heternormatitvität und Repressionen in seinem Heimatland aufbegehrt; einem jungen Mann, der sich in eine New Yorker Vogue-Tänzerin verliebt und in deren Ballroom-Community gleich mit; und einem postmigrantischen Teenager in Hildesheim, der mit einem syrischen Geschwisterpaar die Zukunft erobert. Uns gehört die Welt!