Kokon

Kokon

Jahrhundertsommer in Berlin-Kreuzberg. Im multikulturellen Mikrokosmos rund um das Kottbusser Tor bahnt sich die 14-jährige Nora ihren Weg durchs Erwachsenwerden. Während die Hitze auf ihrer Haut klebt, bekommt sie zum ersten Mal die Periode, entdeckt ihre Liebe für andere Mädchen und lernt die wilde Romy kennen... In ihrem zweiten Film erzählt Regisseurin Leonie Krippendorff ("Looping") in sinnlichen Bildern eine authentische Berliner Coming-of-Age-Geschichte über aufkeimende Gefühle, sexuelles Erwachen und die erste große Liebe. Neben der überragenden Hauptdarstellerin Lena Urzendowsky spielen die Kinostars Jella Haase und Lena Klenke. Unsere Autorin Esther Buss hat Nora bei ihrer Entpuppung zugesehen – und schreibt über einen Sommer, nach dem nichts mehr so sein wird wie zuvor.
Ahmad Danny Ramadan: Die Wäscheleinen-Schaukel

Ahmad Danny Ramadan: Die Wäscheleinen-Schaukel

Zwei Männer lernen sich im kriegszerrütteten Syrien kennen und verlieben sich einander. Über Beirut und Kairo können sie zusammen nach Vancouver fliehen. Ihre zurückgelassene Heimat bleibt in fantasievollen Geschichten erhalten, als einer der beiden vier Jahrzehnte später versucht, den anderen am Sterbebett am Leben zu halten. Ein Mosaik aus Eindrücken einer Kindheit in Damaskus, von heimlicher Liebe, Homophobie und Gewalterfahrungen des Krieges, aber auch von Hoffnung und gewonnener Freiheit. „Die Wäscheleinen-Schaukel“ von Ahmad Danny Ramadan, der selbst 2012 von Syrien nach Kanada geflohen ist, wurde 2019 von The Independent unter die 30 besten Debütromane gewählt. Unser Autor Michael Sollorz über eine kühne Erzählung, die die Dringlichkeit des Erinnerns demonstriert.
Kleines Mädchen

Kleines Mädchen

Sasha wusste schon immer, dass sie ein Mädchen ist, auch wenn sie mit männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde. Von ihren liebevollen Eltern erfährt die 7-Jährige vollste Unterstützung, doch andere in ihrem Umfeld, besonders die Lehrer, beharren auf einem starren Junge-Mädchen-Denken. Für Sasha bedeutet das einen täglichen Kampf, als die gesehen und anerkannt zu werden, die sie wirklich ist. Ein Jahr lang hat der preisgekrönte Regisseur Sébastien Lifshitz („Sommer wie Winter“, „Wild Side“,„Bambi“) das kleine Mädchen und ihre Eltern mit der Kamera begleitet. Ihre Erfolge und Rückschläge fängt er behutsam und voller Empathie ein. „Kleines Mädchen“ wurde selbst bereits vielfach ausgezeichnet und läuft ab Donnerstag im Salzgeber Club. Unsere Autorin Cosima Lutz über einen verheißungsvollen Film, der konservative Vorstellungen von Geschlecht berührend in Frage stellt.
Minjan

Minjan

Im Februar in der queerfilmnacht online: David stammt aus einer russischen Einwandererfamilie und nimmt als guter Sohn regelmäßig an den Gottesdiensten seiner jüdischen Gemeinde teil, um das nötige Quorum zu erreichen. Doch als Junge, der auf andere Jungs steht, fühlt er sich von den strengen Regeln seiner Community mehr und mehr eingeengt. Ausgerechnet die Nachbarn seines Großvaters, ein älteres schwules Paar, lassen ihn die Möglichkeiten homosexueller Liebe erahnen – aber auch die plötzliche Vergänglichkeit allen Lebens. In seinem vielschichtigen Regiedebüt erzählt Eric Steel vom sexuellen Erwachen und einem Glaubenskonflikt inmitten eines noch nicht gentrifizierten New Yorks Ende der 80er Jahre. Für unseren Autor Manuel Schubert kollidieren in „Minjan“ zudem die Erinnerungen an den Holocaust mit den Erfahrungen der Aids-Epidemie. Über einen Film, der zeigt, wie scheinbar Unaussprechliches doch sagbar gemacht werden könnte.
Eine total normale Familie

Eine total normale Familie

Im Februar in der queerfilmnacht online: Die 11-jährige Emma hat immer gedacht, dass ihre Familie wie alle anderen ist. Bis ihr Papa Thomas sich eines Morgens als trans outet und erklärt, dass er von nun an als Frau leben möchte. Während aus Thomas nach und nach die elegant gekleidete Agnete wird, verändert sich auch die Beziehung zwischen Vater und Tochter. Mit viel Feingefühl und leisem Humor zeigt Malou Reymann in „Eine total normale Familie“, wie sich eine Familie von heteronormativen Vorstellungen lösen muss, um eine gemeinsame Zukunft zu haben. Unsere Autorin Esther Buss über eine dänische Tragikomödie, die vom Glauben an gemeinsame Veränderung erzählt.
Sigrid Nunez: Sempre Susan

Sigrid Nunez: Sempre Susan

In den 1970er Jahren teilten sich die US-amerikanische Autorin Sigrid Nunez und Susan Sontag in New York eine heruntergekommene Wohnung voller Bücher. Jetzt setzt Nunez ihrer einstigen Mentorin Sontag ein literarisches Denkmal. In „Sempre Susan“ erinnert sie sich an die Schatten- und Sonnenseiten der gemeinsamen Zeit. Axel Schock über eine knappe, aber komplexe Charakterstudie.
Hugh Nini & Neal Treadwell: Loving

Hugh Nini & Neal Treadwell: Loving

Der Bildband „Loving“ gibt Einblick in die umfangreiche Sammlung des New Yorker Ehepaars Hugh Nini und Neal Treadwell. 350 bisher unveröffentlichte Fotografien zeigen Männer, die sich lieben – über ein Jahrhundert hinweg, von 1850 bis 1950, von den USA und Kanada bis hin zu den europäischen, südamerikanischen, asiatischen und australischen Kontinenten, oft vor ländlichem Hintergrund oder in proletarischem Ambiente. Unser Autor Marko Martin über selbstbewusste, vielsagende Blicke voller Zuneigung in einer Zeit nahezu weltumspannender Homophobie.
Gleichung mit einem Unbekannten

Gleichung mit einem Unbekannten

Ein Mann cruist mit seinem Motorrad durch Paris. Heimlich beobachtet er zwei Fußballer in einer Umkleidekabine beim Sex. Er driftet von einer Gruppenorgie zur nächsten. Realität und Traum verschwimmen. Nachdem der Kunstporno „Gleichung mit einem Unbekannten“ jahrzehntelang nicht mehr zu sehen war, hat Yann Gonzalez Dietrich de Velsas Film bei der Recherche zu seinem eigenen erotischen Psychothriller „Messer im Herz“ wiederentdeckt – und direkt restaurieren lassen. Jetzt kann man den sinnlichen Solitär des queeren Hardcorekinos im Salzgeber Club sehen. Unser Autor Sascha Westphal über eine berauschende Huldigung jugendlicher Schönheit, in der zugleich das Wissen um die Flüchtigkeit aller Lusterfüllung mitschwingt.
Zaia Alexander: Erdbebenwetter

Zaia Alexander: Erdbebenwetter

Zaia Alexanders literarisches Debüt „Erdbebenwetter“ ist ein moderner Hexenroman: Die orientierungslose Lou wird in Los Angeles in einen magischen Zirkel eingeführt. Ihr Alltag gewinnt schlagartig elektrisierende Intensität. „Erdbebenwetter“ bringt Hierarchien zwischen Tier und Mensch ebenso ins Wanken wie zwischen Kindern und Eltern. Unsere Autorin Anja Kümmel über eine ungewöhnliche Geschichte der Selbstbestimmung an einem flirrenden Ort zwischen Apokalypse und Utopie.
Moffie

Moffie

Südafrika 1981, zur Zeit der Apartheid: Wie alle weißen jungen Männer muss auch Nicholas seinen zweijährigen Militärdienst leisten, um den Staat vor der vermeintlichen Bedrohung durch den Kommunismus und die „Schwarze Gefahr“ zu verteidigen. Dass Nicholas schwul ist, darf niemand wissen, denn wer in der Truppe als „Moffie“ erkannt ist, wird brutal schikaniert und gequält. Doch dann verliebt sich Nicholas in seinen Kameraden Dylan. Oliver Hermanus zeigt, wie das Apartheid-Regime damals neben all seinen rassistischen Gräueltaten auch unzählige weiße junge Männer körperlich und physisch zugrunde gerichtet hat. Das episch bebilderte Soldatendrama gibt es jetzt in der queerfilmnacht online. Unser Autor Philipp Stadelmaier über einen melancholischen und zugleich gleißend schönen Film der Erinnerungen.