Sigrid Nunez: Sempre Susan

Sigrid Nunez: Sempre Susan

In den 1970er Jahren teilten sich die US-amerikanische Autorin Sigrid Nunez und Susan Sontag in New York eine heruntergekommene Wohnung voller Bücher. Jetzt setzt Nunez ihrer einstigen Mentorin Sontag ein literarisches Denkmal. In „Sempre Susan“ erinnert sie sich an die Schatten- und Sonnenseiten der gemeinsamen Zeit. Axel Schock über eine knappe, aber komplexe Charakterstudie.
Hugh Nini & Neal Treadwell: Loving

Hugh Nini & Neal Treadwell: Loving

Der Bildband „Loving“ gibt Einblick in die umfangreiche Sammlung des New Yorker Ehepaars Hugh Nini und Neal Treadwell. 350 bisher unveröffentlichte Fotografien zeigen Männer, die sich lieben – über ein Jahrhundert hinweg, von 1850 bis 1950, von den USA und Kanada bis hin zu den europäischen, südamerikanischen, asiatischen und australischen Kontinenten, oft vor ländlichem Hintergrund oder in proletarischem Ambiente. Unser Autor Marko Martin über selbstbewusste, vielsagende Blicke voller Zuneigung in einer Zeit nahezu weltumspannender Homophobie.
Gleichung mit einem Unbekannten

Gleichung mit einem Unbekannten

Ein Mann cruist mit seinem Motorrad durch Paris. Heimlich beobachtet er zwei Fußballer in einer Umkleidekabine beim Sex. Er driftet von einer Gruppenorgie zur nächsten. Realität und Traum verschwimmen. Nachdem der Kunstporno „Gleichung mit einem Unbekannten“ jahrzehntelang nicht mehr zu sehen war, hat Yann Gonzalez Dietrich de Velsas Film bei der Recherche zu seinem eigenen erotischen Psychothriller „Messer im Herz“ wiederentdeckt – und direkt restaurieren lassen. Jetzt kann man den sinnlichen Solitär des queeren Hardcorekinos im Salzgeber Club sehen. Unser Autor Sascha Westphal über eine berauschende Huldigung jugendlicher Schönheit, in der zugleich das Wissen um die Flüchtigkeit aller Lusterfüllung mitschwingt.
Zaia Alexander: Erdbebenwetter

Zaia Alexander: Erdbebenwetter

Zaia Alexanders literarisches Debüt „Erdbebenwetter“ ist ein moderner Hexenroman: Die orientierungslose Lou wird in Los Angeles in einen magischen Zirkel eingeführt. Ihr Alltag gewinnt schlagartig elektrisierende Intensität. „Erdbebenwetter“ bringt Hierarchien zwischen Tier und Mensch ebenso ins Wanken wie zwischen Kindern und Eltern. Unsere Autorin Anja Kümmel über eine ungewöhnliche Geschichte der Selbstbestimmung an einem flirrenden Ort zwischen Apokalypse und Utopie.
Moffie

Moffie

Südafrika 1981, zur Zeit der Apartheid: Wie alle weißen jungen Männer muss auch Nicholas seinen zweijährigen Militärdienst leisten, um den Staat vor der vermeintlichen Bedrohung durch den Kommunismus und die „Schwarze Gefahr“ zu verteidigen. Dass Nicholas schwul ist, darf niemand wissen, denn wer in der Truppe als „Moffie“ erkannt ist, wird brutal schikaniert und gequält. Doch dann verliebt sich Nicholas in seinen Kameraden Dylan. Oliver Hermanus zeigt, wie das Apartheid-Regime damals neben all seinen rassistischen Gräueltaten auch unzählige weiße junge Männer körperlich und physisch zugrunde gerichtet hat. Das episch bebilderte Soldatendrama gibt es jetzt in der queerfilmnacht online. Unser Autor Philipp Stadelmaier über einen melancholischen und zugleich gleißend schönen Film der Erinnerungen.
Sister My Sister

Sister My Sister

Frankreich 1933. Christine und ihre jüngere Schwester Lea arbeiten als Dienerinnen bei der herrischen Madame Danzard und ihrer Tochter Isabelle. Die Schwestern erledigen wortlos alle Aufgaben und ertragen jede Demütigung, weil sie sich auf diese Weise nah sein können. Nachts wird ihre Beziehung in der Zurückgezogenheit ihrer Dachkammer derweil immer körperlicher, ja rauschhafter. Doch dann bemerkt Madame Danzard erste Nachlässigkeiten im Haushalt. Nancy Mecklers Film beruht auf dem berüchtigten Kriminalfall um Christine und Léa Papin, der sich 1933 in Le Mans zugetragen hat und bereits Jean Genet zu seinem Theaterstück „Die Zofen“ inspirierte. „Sister My Sister“ ist zugleich messerscharfe soziale Klassenstudie und berührende Geschichte einer verbotenen Liebe. Ab morgen ist die filmische Entdeckung in digital restaurierter Fassung in der queerfilmnacht online und auf DVD zu sehen. Unsere Autorin Anja Kümmel über ein vielschichtiges und aufregendes filmisches Wagnis.
Ulrike Ottinger – Die Nomadin vom See

Ulrike Ottinger – Die Nomadin vom See

Die Filme von Ulrike Ottinger gehören zum Aufregendsten, was die deutsche Kinogeschichte zu bieten hat. Für ihr Lebenswerk erhielt die gebürtige Konstanzerin 2010 das Bundesverdienstkreuz und 2012 den Special Teddy der Berlinale. Im Dokumentarfilm „Ulrike Ottinger – Die Nomadin vom See“, der ab Donnerstag im Salzgeber Club zu sehen ist, gibt Brigitte Kramer, ebenfalls in Konstanz aufgewachsen, einen Einblick in Ottingers surreales Werk – und zeichnet zugleich das Bild einer Epoche, die vom Aufbruch der Frauen in den Künsten geprägt war. Fritz Göttler über das Porträt einer Ausnahmekünstlerin und das ganze Glück des Kinos.
Sechs Filme des Jahres

Sechs Filme des Jahres

Wenngleich das Kinojahr 2020 von großen Einschränkungen geprägt war, gab es auch in den letzten zwölf Monaten eine Reihe fantastischer queerer Filme. Manche waren auf der großen Leinwand zu sehen, andere sind direkt als VoD oder DVD erschienen, mitreißend und besonders fand sissy sie alle. In unserem traditionellen Rückblick lassen wir entlang  kurzer Auszüge aus den Rezensionen unserer Autor*innen unsere Filmhighlights Revue passieren. Wir folgen dabei einem Mädchen, das sich in einem heißen Kreuzberger Sommer zu einem Schmetterling entpuppt; einem Deliquenten, der in einem chilenischen Gefängnis Anfang der 1970er Jahre in ein Netz aus sexuellen Freiheiten und Abhängigkeiten gerät; zwei Damen, die nach Jahrzehnten im Geheimen für die Anerkennung ihre Liebe kämpfen; einen Tanzstudenten in Georgien, der gegen die Heternormatitvität und Repressionen in seinem Heimatland aufbegehrt; einem jungen Mann, der sich in eine New Yorker Vogue-Tänzerin verliebt und in deren Ballroom-Community gleich mit; und einem postmigrantischen Teenager in Hildesheim, der mit einem syrischen Geschwisterpaar die Zukunft erobert. Uns gehört die Welt!
Der Prinz

Der Prinz

Chile 1970. Am Ende einer durchzechten Nacht begeht der 20-jährige Jaime einen Mord. Im Gefängnis landet er in einer Gruppenzelle, die vom gefürchteten Potro geführt wird. Dieser wird Jaimes Beschützer und macht ihn zu seinem neuen „Prinzen“, erwartet dafür aber Loyalität und sexuelle Unterordnung. Die „schwarze Liebe“ zwischen den beiden erfüllt Jaimes Bedürfnis nach Zuneigung und Zugehörigkeit. Doch dann entbrennt im Knast ein brutaler Machtkampf... „Der Prinz“ von Sebastián Muñoz basiert auf Mario Cruz’ lange verschollenem Roman, der kürzlich erstmals in deutscher Übersetzung erschienen ist. Das faszinierende Porträt Chiles kurz vor dem Amtsantritt Salvador Allendes startet am 24.12. im Salzgeber Club und ist bereits auf DVD erhältlich. Unser Autor Andreas Wilink hat hinter die Gitter auf ein emotionales Biotop geblickt.
Glitter

Glitter

„Glitter“ versteht sich als „Die Gala der Literaturzeitschriften“. Sie erscheint jährlich im Dezember; nun bereits zum vierten Mal. Zu lesen gibt es darin queere Kurzgeschichten, Lyrik und Essays, queer illustriert und queer verteilt. Unser Autor Stefan Hochgesand hat sich in die glitzernden Wunderkammern aus Texten begeben und dabei große Freude empfunden.