Love, Cecil

Love, Cecil

Brando, Garbo, Churchill, Monroe, Queen Elizabeth II – der britische Fotograf Cecil Beaton (1904-1980) hatte sie alle vor der Kamera und schuf serienweise Ikonen der Porträtfotografie. Beaton war aber auch ein höchst erfolgreicher Kostümbildner und Innenarchitekt, der für die Kleider und Setdecors für „Gigi“ (1959) und „My Fair Lady“ (1965) drei Oscars erhielt. Regisseurin Lisa Immordino Vreeland („Peggy Guggenheim“) hat über das Multitalent nun einen vielstimmigen Dokumentarfilm gedreht. Darin beleuchtet sie nicht nur die bahnbrechende visuelle Kunst des ewigen Ästheten, sondern auch das schillernde Privatleben des schwulen Dandys und Netzwerkers. Matthias Frings über ein Leben im hellen Glanz – und mit tiefen Schatten.
In memoriam: Tab Hunter (1931-2018)

In memoriam: Tab Hunter (1931-2018)

Tab Hunter war in den 1950er Jahren einer der größten Leindwandhelden und Teenie-Idole der USA. Unter dem Namen Arthur Andrew Kelm als Sohn deutscher Einwanderer in New York geboren, kam er als Junge mit seiner Mutter nach Kalifornien, wo er über kurze Karrieren im Eiskunstlauf und als Küstenwächter bei der Schauspielerei landete. Der berüchtigte Hollywood-Agent Henry Wilson, Spezialgebiet "pretty boys", verpasste dem durchtrainierten Jüngling mit dem strahlenden Lächeln den Künstlernamen Tab Hunter und verhalf ihn zu einem Exklusiv-Vertrag bei Warner Brothers. Auf Hunters erste, beinah kleiderlose Hauptrolle in dem Südseedrama "Insel der Verheißung" (1952) folgten Kassenschlager wie der Kriegsfilm "Der Seefuchs" (1955), das Oscar-nominierte Musical "Damn Yankees" (1958) und das Drama "So etwas von Frau!" (1959). Wie es sich für einen Frauenschwarm der damaligen Zeit gehörte, nahm Hunter auch höchst erfolgreich Songs, ja ganze Platten auf. Um größere Freiheiten bei der Rollenwahl zu haben, kaufte er sich aus dem Knebelvertrag mit Warner heraus – und leitete damit das Ende seine ungeheuerlichen Popularität ein. Für landesweite Aufsehen sorgte erst wieder die Veröffentlichung seiner Autobiografie "Tab Hunter Confidential" (2005), in der er seine Homosexualität öffentlich machte und Details über seine früheren Beziehungen mit Anthony Perkins und Eiskunstläufer Ronald Robertson sowie seine Affären mit Rudolf Nurejew und Helmut Berger preisgab. Drei Tage vor seinem 87. Geburtstag ist Hunter nun an den Folgen eines Herzstillstands gestorben, wie sein langjähriger Produzent und Partner Allan Glaser bestätigte. Wir erinnern an einen der schönsten Männer der golden-verdunkelten 50er Jahre in Hollywood mit seinem größten Hit, einer Liebeshymne mit angezogener Handbremse.
Zwischen Sommer und Herbst

Zwischen Sommer und Herbst

Im Juli bringt die queerfilmnacht eine lesbische Romanze aus Deutschland auf die große Leinwand, genauer gesagt aus Ostwestfalen. Lena ist 17, gerade mit der Schule fertig und voller abenteuerlicher Zukunftspläne. Doch die geraten erst einmal gehörig durcheinander, als ihr eines Nachts am Familienkühlschrank Eva begegnet, die neue Freundin ihres Bruders Jonas. Regisseur Daniel Manns erzählt in "Zwischen Sommer und Herbst" eine zarte, authentische Geschichte über das Erwachsenwerden und zwei junge Frauen, die erst die eigenen Unsicherheiten überwinden müssen, um als Paar eine Chance zu bekommen. Von Jessica Ellen.
Marvin

Marvin

Martin Clement, geboren als Marvin Bijou, ist entkommen: dem Dorf seiner Kindheit, der Tyrannei seiner Eltern, den Schikanen seiner Mitschüler. In Paris, dem Ort seiner Zuflucht, bereitet er mit der Schauspielerin Isabelle Huppert die Uraufführung seines autobiographischen Debütdramas vor. Die Geschichte von Marvins schwuler und intellektueller Befreiung aus den Untiefen der französischen Provinz erinnert nicht zufällig an Édouard Louis' bahnbrechenden queeren Bildungsroman "Das Ende von Eddy" (2014). Inspiriert von der Biografie des Autors entwickelt Regisseurin Anne Fontaine in "Marvin" eine eigene, künstlerisch-humanistische Perspektive auf das Thema. Heute startet der berührende Coming-of-Age-Film, der im vergangenen Jahr in Venedig mit dem Queer Lion ausgezeichnet wurde, bundesweit im Kino. Von Matthias Frings.
Love, Simon

Love, Simon

Simon ist schwul, nur weiß das noch keiner. Als sich ein Junge im Blog der Highschool anonym, aber mit E-Mail-Adresse outet, beginnt Simon mit ihm eine romantische Brieffreundschaft. Bis ihre Mails von einem Mitschüler entdeckt werden. "Love, Simon", der heute in den deutschen Kinos startet, klingt wie eine Mainstream-Romcom aus Hollywood. Und ist auch eine, aber eben mit einer queeren Hauptfigur. In dieser Hinsicht ist Greg Berlantis Film bahnbrechend – und gehört ganz nebenbei auch noch zum Schönsten, was es dieses Jahr im Kino zu sehen gibt. Paul Schulz über ein quietschbuntes und saukomisches schwules Märchen für Zuschauer_innen jeden Alters.
Ocean’s 8

Ocean’s 8

In Steven Soderberghs kommerziell höchst erfolgreicher "Ocean's-Trilogie" (2001-07) gaunerte sich eine Truppe sprücheklopfenden Meisterdiebe, gespielt von einer All-Star-Besetzung um George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon, durch die Casinos der Welt. Elf Jahre nach dem letzten Teil dürfen nun auch mal die Frauen ran. Gary Ross' Spin-Off "Ocean's 8" ist mit weiblichen Superstars aus Hollywood gespickt und verspricht emanzipierte Frauenfiguren, vielleicht sogar eine clevere Dekonstruktion des männlich dominierten Heist-Film-Genres. Doch kann der Gender-Swap mit Sandra Bullock, Cate Blanchett und Anne Hathaway dem Stoff wirklich den tiefsitzenden Chauvinismus austreiben? Macht ein Film mit und über Frauen schon einen feministischen Film? Eine Feldversuch von Beatrice Behn.
Die Temperatur des Willens

Die Temperatur des Willens

Regisseur Peter Baranowski hat für seinen Dokumentarfilm "Die Temperatur des Willens" die Ordensgemeinschaft "Legionäre Christi" beim Missionieren und Demonstrieren, während intimer Zwiegespräche und bei öffentlichen PR-Events begleitet. Sein Film gewährt seltene Einblicke in die Denk- und Verhaltensmuster einer ultrakonservativen religiösen Vereinigungen und deren Überlebensstrategien in der heutigen Zeit – und zeigt den noch immer schwierigen Umgang mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs innerhalb der eigenen Reihen. Von Dennis Vetter.
Der Prinz und der Dybbuk

Der Prinz und der Dybbuk

Als Regisseur und Produzent von Hollywood-Filmen schuf Michał Waszyński über 40 Filme. Er arbeitete mit Stars wie Sophia Loren, Claudia Cardinale und Orson Welles. Seine eigentliche Obsession aber galt dem Film „Der Dybbuk“, bei dem er 1937 Regie führte und der heute als einer der geheimnisvollsten Filme der jiddischen Filmgeschichte gilt. Aber wer Michał Waszyński, der 1904 als Moshe Waks und Sohn eines armen Schmiedes aus der Ukraine geboren wurde und 1965 in Italien als polnischer Prinz starb, wirklich? Ein Wunderkind des Kinos, ein raffinierter Betrüger oder ein Mann, der filmische Illusion und Realität nicht auseinanderhalten konnte? Für ihr Porträt eines menschlichen Chamäleons, das kontinuierlich Namen, Religion, Titel und Länder wechselte, um seine eigene Lebensgeschichte wie ein Filmdrehbuch zu schreiben, wurden Elwira Niewiera und Piotr Rosołowski im vergangenen Jahr in Venedig mit dem Löwen für den Besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Lukas Foerster folgt ihrer faszinierenden Spurensuche.
Die Misandristinnen

Die Misandristinnen

Jetzt auf DVD und VoD: Im neuen Film des kanadischen Kultregisseurs Bruce LaBruce („The Raspberry Reich“, „Otto; or, Up with Dead People“, „Gerontophilia“) geht es um eine queer-feministischen Terrorstinnen-Zelle, die „irgendwo in Ger(wo)many“ hinter der Fassade eines katholischen Mädcheninternats den Umsturz des Patriarchats vorbereitet, ehe ein verletzter Soldat ins Haus gelangt und die Ordnung der Frauen empfindlich stört. Nicht ohne Grund mögen bei der Geschichte manche an den jüngsten Film von Sofia Coppola, „Die Verführten“ (2017), denken. Beide Filme sind Remakes von Don Siegels Bürgerkriegsmelodram „The Beguiled“ (1971). Das ungleich geringere Budget seines Films kompensiert LaBruce mit der Besetzung von queeren Underground-Stars (wie Susanne Sachsse und Kembra Pfahler) und radikalen Regieeinfällen, die die Grenzen des guten Geschmacks bis aufs Äußerste ausreizen. Lukas Foerster wagt eine filmhistorische und queerpolitische Einordung.
Vier Tage in Frankreich

Vier Tage in Frankreich

Paris am frühen Morgen. Pierre wirft einen letzten Blick auf den Körper seines schlafenden Partners Paul. Und verlässt ihn dann. Er setzt sich ins Auto und fährt ohne konkretes Ziel einfach los. Es geht kreuz und quer durch ganz Frankreich, zwischendurch kommt Pierre mit Passanten ins Gespräch und hat Sex mit Männern, die er über Grindr findet. Paul nutzt die gleiche App, um seinen verschwundenen Freund zu suchen. Jérôme Reybauds Geschichte zweier Liebender, die von der mobilen Zerstreuung körperlichen Begehrens erst getrennt und dann wieder zusammengeführt werden, verläuft wie ein Katz-und-Maus-Spiel und ein einziger langer Cruising-Trip. Das auch in seiner Filmlänge ausufernde Road Movie erinnert in seinen romantisch-queeren Vignetten an die Filme Alain Guiraudies und Paul Vecchialis, entwickelt aber dank einer Serie von wunderbaren Nebenfiguren und Drehbuchfinten eine ganz eigene, verführerische Skurrilität. Dennis Vetter über einen Liebesfilm zu Zeiten der Sexdating-Apps.