Alexander Graeff: Queer

Alexander Graeff: Queer

Nach „Schönheit“, „Geschlecht“ und „Lust“ widmet sich die Essay-Reihe des Verlagshaus Berlin dem Thema „Queer“ und fragt im Klappentext: „Wie können wir uns freisprechen und freidichten von einer Welt, die uns permanent in Schubladen stecken will?“ An einer Antwort versucht sich der Dichter, Schriftsteller und Philosoph Alexander Graeff. Der hat im gleichen Verlag bereits zwei Erzählbände und eine Gedichtsammlung herausgebracht und sich in den vergangenen Jahren unter anderem als Initiator der queeren Lese- und Gesprächsreihe „Schreiben gegen die Norm(en)“ und Literaturverantwortlicher der Queer Media Society profiliert. In seinem 48 Seiten straffen „Queer“-Essay lässt Graeff Poesie und Biografie, Sprache und Körper ineinanderfließen – für Tobias Schiller eine treffende und horizonterweiternde Methode, um dem gewollt uneindeutigen Thema gerecht zu werden.
So Damn Easy Going

So Damn Easy Going

Im Dezember in der Queerfilmnacht: In Joanas Kopf dreht eine Achtbahnfahrt wilde Loopings, alles ist ständig in Bewegung. Medizinisch gesagt: Sie hat ADHS. Mitten im Chaos steht plötzlich eine neue Klassenkameradin vor ihr, die coole und selbstbewusste Audrey. Und Joana hat nicht mehr nur blitzende Gedanken, sondern auch ein wild pochendes Herz. In „So Damn Easy Going“ lässt uns der schwedische Regisseur Christoffer Sandler mit viel Humor und leuchtenden Bildern in die Erfahrungswelt seiner Hauptfigur eintauchen. Anne Küper hat sich von dem wunderbaren Zuviel des Films mitreißen lassen, weil genau das so gut passt zu dieser besonderen Liebesgeschichte.
Zwischen uns beiden

Zwischen uns beiden

Jetzt als DVD und VoD: Laeti und Elodie sind seit Jahren zusammen und wünschen sich ein Kind. Der neue Untermieter Simon soll das nötige Geld in die Paarkasse bringen. Doch plötzlich fühlt sich Laeti auf mysteriöse Weise körperlich zu dem attraktiven Zauberkünstler hingezogen. Nach seinem Sektendrama „In-Sect“ und der Marilyn-Monroe-Hommage „Fragments“ verschränkt der französische Regisseur Jude Bauman in „Zwischen uns beiden“ den Kampf zweier Frauen um ihr Liebesglück mit Fragen nach queerer Elternschaft und Familienplanung. Christian Lütjens hat sich von den opulenten Bildern und der sinnlichen Stimmung des Films einfangen lassen.
Bones and All

Bones and All

Der neue Film von Luca Guadagnino gilt spätestens seit seiner umjubelten Weltpremiere in Venedig als gesetztes Highlight des Kinosherbsts – nicht nur, weil wieder Timothée Chalamet, der derzeit wohl größte Filmstar seiner Generation, eine der Hauptrollen spielt. Doch wie passt das romantische Road Movie über die Liebe zwischen zwei jungen Kannibal:innen im Reagan-Amerika zu Guadagninos letzten Filmen, dem schwulen Erweckungsdrama „Call Me By Your Name“ (2017) und dem referentiellen Horrorfilm-Remake „Suspiria“ (2018)? Für Philipp Stadelmaier geht es in allen drei Fällen um das Ende der Unschuld.
Wet Sand

Wet Sand

Jetzt im Kino: Ein Dorf am Schwarzen Meer in Georgien, mit freundlichen Menschen, die glauben, sich zu kennen. Eines Tages wird Eliko erhängt aufgefunden. Seine Enkelin Moe reist aus der Stadt an, um die Beerdigung zu organisieren – und stößt auf ein Netz aus Lügen, das sich über zwei Jahrzehnte in die Vergangenheit spannt. „Wet Sand“ von Elene Naveriani gibt den Außenseiter:innen des ländlichen Georgiens eine Stimme und ist ein filmisches Manifest gegen Homophobie. Seine Premiere feierte das Drama über generationsübergreifende Solidarität und queere Selbstermächtigung in Locarno. Anja Kümmel über Schutzpanzer, die langsam aufbrechen, unmissverständliche Botschaften und die Kraft der Gegenbewegung.
Nelly & Nadine

Nelly & Nadine

Die belgische Opernsängerin Nelly Mousset-Vos und die belgisch-chinesische Juristin Nadine Hwang lernen sich Heiligabend 1944 im KZ Ravensbrück kennen, wo beide Gefangene sind. Ab diesem Moment verbringen sie so viel Zeit wie möglich miteinander. Kurz vor Kriegsende werden sie für einige Monate getrennt, finden sich wieder, ziehen zusammen nach Venezuela und später nach Brüssel. Anhand von Nellys Tagebüchern und Fotos, Liebesbriefen und Filmrollen erzählt der schwedische Regisseur Magnus Gertten in seinem Dokumentarfilm eine bemerkenswerte Liebesgeschichte. Angelika Nguyen hat sich von ihr berühren lassen.
Pier Paolo Pasolini: Porno–Theo–Kolossal

Pier Paolo Pasolini: Porno–Theo–Kolossal

Nur fünf Wochen vor seinem gewaltsamen Tod stellte Pier Paolo Pasolini (1922-75) die letzte Fassung des Treatments zu seinem Filmprojekt „Porno–Theo–Kolossal“ fertig. Es sollte sein letzter Film werden, nach dem er sich ganz dem Schreiben widmen wollte. Das provisorisch gebliebene Drehbuch erschien 15 Jahre nach Pasolinis Tod und wurde jetzt von der Kulturwissenschaftlerin Dagmar Reichardt und dem Theologen und Filmwissenschaftler Reinhold Zwick in deutscher Übersetzung und zusammen mit einem ausführlichen Kommentar sowie begleitenden Texten im Filmbuchverlag Schüren herausgegeben. Philipp Stadelmaier taucht ein in ein abgründiges Roadmovie, in dessen Stationen sich alle zentralen politischen, religiösen und sexuellen Themen und Motive von Pasolinis einzigartigem Œuvre spiegeln.
Sublime

Sublime

Manu und Felipe sind beste Freunde. Sie spielen zusammen in einer Band und teilen sonst auch so ziemlich alles miteinander. Als Manu das „erste Mal“ mit seiner Freundin plant, bespricht er das natürlich mit Felipe. Doch plötzlich sind da Gefühle, die Manu immer mehr durcheinander bringen: Eigentlich würde er viel lieber Felipe küssen! Mariano Biasin erzählt in „Sublime“ von einem Gefühlschaos, das wohl jede:r schon einmal erlebt hat: Was passiert mit einer Freundschaft, wenn plötzlich Liebe und Begehren ins Spiel kommen? Andreas Köhnemann über einen authentischen Coming-of-Age-Film aus Argentinien, der noch ans Träumen glaubt.
Rakel Haslund-Gjerrild: Adam im Paradies

Rakel Haslund-Gjerrild: Adam im Paradies

Der Roman „Adam im Paradies“ verschränkt eine sprachgewaltige Erzählung über das Leben des dänischen Meistermalers Kristian Zahrtmann (1843-1917) mit authentischen Schriftstücken, die die Hetze gegen Homosexuelle im Dänemark zu Beginn des 20. Jahrhunderts dokumentieren. Das Ergebnis ist einerseits ein Dialog zwischen historischer Wirklichkeit und Fiktion, anderseits eine literarische Antwort auf Zahrtmanns queere Kunst und seine nie öffentlich eingestandene Homosexualität. Dafür wurde Autorin Rakel Haslund-Gjerrild in ihrer dänischen Heimat mit Kritikerlob und Preisen bedacht. Zu Recht, findet Can Mayaoglu, die für die jüngst erschienene deutsche Übersetzung des Romans in ihrem Bücherregal schon mal einen Platz neben den nordischen Meistern freigeräumt hat.
Beautiful Beings

Beautiful Beings

Addi ist 14 und streunt mit seinen Kumpels Siggi und Konni durch die Straßen. Der schüchterne Balli ist der Neue in der Gang, in der es eine klare Rangordnung gibt. Zusammen proben sie ihren Mut, naschen Pilze, betrinken sich und gehen spätnachts im Freibad schwimmen. Doch Aggressionen und Gewalt sind stets nur einen Lidschlag entfernt. Und dann träumt Addi auch noch, dass etwas Furchtbares passieren wird. Bildgewaltig und voller Empathie erzählt der isländische Regisseur Guðmundur Arnar Guðmundsson („Herzstein“) in seinem neuen Film von vier Jungs, die ihren Weg suchen und sich dabei wie Ringkämpfer ineinander verhaken, und von einer jugendlichen Welt, in der kaputte Familien und Verwahrlosung ebenso alltäglich sind wie magische Vorahnungen und Poesie. Natália Wiedmann tritt mit seinen beautiful beings an die Schwelle zum Erwachsenwerden.