Heute oder morgen

Heute oder morgen

Sommer in Berlin. Maria und Niels lieben sich, das Leben und die Freiheiten, die sie sich gegenseitig geben. Was morgen ist, interessiert nicht, es zählt nur der Moment. Dann treffen sie auf Chloe. Maria wagt den ersten Schritt, aus einem Flirt entwickelt sich schnell eine intensive Romanze zwischen den beiden Frauen. Niels wird Teil davon – und verfällt Chloe ebenso. Eine Ménage-à-trois, in der alles lustvoll ist. Doch dann stellt eine unerwartete Nachricht die Gefühle der drei Liebenden auf eine harte Probe. In seinem Debütfilm erzählt Thomas Moritz Helm ein modernes Berliner Sommermärchen fernab von konservativen Moralvorstellungen. Im Zentrum stehen drei junge Menschen, die nach einer neuen Definition von Liebe und Beziehung suchen. Nach seiner Weltpremiere auf der diesjährigen Berlinale startet der Film am 19. September im Kino und ist im August bereits in der queerfilmnacht zu sehen. Andreas Köhnemann hat ein Buch über sexuell ambivalente Dreiecksbeziehungen im Film geschrieben ("Liebe in alle Richtungen", 2016) – und sich "Heute oder morgen" angesehen.
Liberté

Liberté

Nachdem er sich in seinem Film „Der Tod von Louis XIV“ (2016) dem Sterben des Sonnenkönigs gewidmet hatte, befasste sich Albert Serra in seinem selbstgeschriebenen Stück „Liberté“ mit einer Gruppe von Libertins wenige Jahre vor der Französischen Revolution. Im Frühjahr 2018 feierte es an der Berliner Volksbühne seine Premiere, u.a. mit Helmut Berger und Ingrid Caven. Nun kommt die gleichnamige Verfilmung, die in Cannes uraufgeführt wurde, in die Kinos - montiert aus 300 Stunden Material, das mit drei Kameras aufgenommen wurde. Unser Autor Dennis Vetter hat den Film für uns gesehen und sich auf die Logik des Verspielten eingelassen.
Odd Klippenvåg: Ein liebenswerter Mensch

Odd Klippenvåg: Ein liebenswerter Mensch

Norwegen ist 2019 Gastland der Frankfurter Buchmesse, und so erscheint endlich ein weiterer Roman von Odd Klippenvåg auf Deutsch. Unser Rezensent Tilman Krause erklärt, weshalb es tatsächlich Sinn macht, Literatur nach regionalen Zusammenhängen zu betrachten: Norweger erzählen oft anders als Deutsche, Franzosen oder Amerikaner. Odd Klippenvåg zum Beispiel spricht nicht gern über Gefühle; stattdessen dringt er mit seiner entschleunigten Schreibweise tief ins Innenleben seiner Figuren und die Strukturen ihrer Beziehungen ein und lässt die Fakten sprechen.
Nevrland

Nevrland

Im September in der queerfilmnacht: Jakob ist 17, arbeitet als Aushilfskraft in einem Schlachthof und kämpft mit einer lähmenden Angststörung. Als er in einem Sex-Cam-Chat den 26-jährigen Künstler Kristjan kennenlernt, beginnt für ihn eine transpersonale Reise nach Nevrland und zu den Wunden seiner Seele. Bildgewaltig und atmosphärisch dicht zeigt der österreichische Regisseur Gregor Schmidinger in seinem ersten Langfilm "Nevrland" den Prozess des sexuellen Erwachens und der Selbstfindung als existentiellen Trip, in dem die Grenzen zwischen Realität und Fantasie immer mehr verwischen. Newcomer Simon Frühwirth wurde für seine Rolle als Jakob bereits mehrfach ausgezeichnet. Sebastian Markt über einen tiefenpsychologisch fundierten Coming-of-Age-Film über den Mut, man selbst zu sein, und die gewaltige Angst, die oft davor liegt.
Synonymes

Synonymes

Yoav kommt aus Israel nach Paris und erwischt keinen guten Start: Als er in einer leer stehenden Wohnung ein Bad nimmt, werden ihm erstmal all seine Sachen gestohlen. Caroline und Emile kommen ihm zu Hilfe und werden seine Freunde, doch ihr Interesse ist nicht ganz selbstlos. Yoavs große Sehnsucht ist es, seine alte Herkunft abzulegen und Franzose zu werden. Das soll vor allem über die Sprache gelingen: Kein hebräisches Wort darf ihm mehr über die Lippen kommen auf seinen ziellosen Streifzügen durch die Stadt... Basierend auf eigenen Erfahrungen erzählt Nadav Lapid mit linguistischer Raffinesse von der Schwierigkeit, neue Wurzeln in einem fremden Land zu schlagen. Im Februar wurde sein rauschhafter Trip durch Paris, der zugleich tragikomische Hommage an das Kino der Nouvelle Vague ist, aber auch einen dezidiert queeren Blick in sich trägt, mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Philipp Stadelmaier über ein (film)sprachliches Meisterwerk, das ab heute bundesweit im Kino zu sehen ist.
Der Honiggarten – Das Geheimnis der Bienen

Der Honiggarten – Das Geheimnis der Bienen

Schottland in den 50er Jahren: Als die junge Ärztin und Bienenzüchterin Jean in den Ort ihrer Kindheit zurückkehrt, lernt sie die alleinerziehende Mutter und Fabrikarbeiterin Lydia kennen. Weil Lydia die Miete für sich und ihren kleinen Sohn Charlie nicht mehr bezahlen kann, nimmt Jean die beiden bei sich auf. Die Frauen kommen sich näher – und aus Freundschaft wird Liebe. In Annabel Jankels Verfilmung des Weltbestsellers von Fiona Shaw brillieren Oscar-Preisträgerin Anna Paquin und Holliday Grainger als Paar, das sich gegen die Moralvorstellungen der konservativen Gesellschaft behaupten muss. Barbara Schweizerhof hat sich das romantische Sittengemälde angesehen.
Ralf König: Stehaufmännchen

Ralf König: Stehaufmännchen

In einem Interview erzählt Ralf König, er habe als Kind die Comic-Helden Asterix und Obelix geliebt. Das erkläre, warum in seinen Geschichten so oft ein sehr kleiner kluger und ein sehr kräftiger dummer Mann vorkommen, die jedoch nicht an Wildschweine, sondern etwas ganz anderes denken: an Sex. In "Bullenklöten" (1992) fing das an: der kleine Paul verliebt sich in einen spanischen Bauarbeiter namens Ramon. Viele weitere "Ramons" folgten, und der allerneueste ist zugleich der allererste der Menschheitsgeschichte: ein strunzdummer homo robustus mit Namen Rob, in den sich der kleine homo sapiens Flop verliebt. Und das mit Grund: Rob hat als homo robustus einen in der Evolution später verschwundenen Penisknochen! Alles weitere über "Stehaufmännchen" erzählt Christian Lütjens.
queerfilmfestival 2019

queerfilmfestival 2019

Am Mittwoch startet zeitgleich in Berlin, München und Stuttgart die erste Ausgabe des queerfilmfestivals. Bis Sonntag sind dann in den drei Städten 18 der besten queeren Filme des Jahres zu sehen – alle als Stadt-Premieren oder sogar Deutschland-Premieren. Zum Warm-up wirft sich schon heute Abend in Berlin und München eine Truppe schwuler Wasserballer ins Getümmel. Kooperationspartnerin sissy hat die wichtigsten Infos.
Heiner Möllers: Die Affäre Kießling

Heiner Möllers: Die Affäre Kießling

Noch anfang der Achtzigerjahre reichte allein der Verdacht, nicht-heterosexuell zu sein, um als Träger gewisser Ämter und Würden in Verruf zu geraten. Von Günter Kießling, dem hochdekorierten Viersterne-General der Bundeswehr und stellvertretenden Oberkommandierenden der NATO, hieß es irgendwann, er sei schwul. Es blieb bei Gerüchten, der General wurde dennoch entlassen. Die "Affäre Kießling" erregte die Bundesrepublik wie kaum ein zweiter Skandal in der Amtszeit Helmut Kohls, und das allein will einiges heißen. Nach 35 Jahren hat nun ein Offizier der Bundeswehr die offizielle Chronik der Ereignisse geschrieben. Detlef Grumbach, der die Affäre einst journalistisch begleitete, hat das Buch mit dürftigem Erkenntnisgewinn gelesen – und sieht alte Denkfiguren noch immer am Werke.
Einfach Charlie

Einfach Charlie

Jetzt als DVD und VoD: Charlie ist 14 und liebt es, Fußball zu spielen. Gerade hat der Teenager das Angebot bekommen, in die Jugendabteilung eines Clubs in der ersten englischen Liga aufgenommen zu werden. Charlies Vater platzt fast vor Stolz, auch weil es einst sein eigener Traum war, Profifußballer zu werden. Für Charlie ist die Aussicht aber ein einziger Albtraum, denn "er" ist eigentlich ein Mädchen, dem bei der Geburt das Geschlecht "männlich" zugewiesen wurde. Als Charlie sich ihren Freunden und Eltern anvertraut, reagieren nicht alle mit Verständnis. Die britische Regisseurin Rebekah Fortune erzählt in "Einfach Charlie" nicht nur vom Suchen und Finden der eigenen Identität, sondern auch die Geschichte von Charlies Familie und dem sozialen Druck, den das mutige Coming-out auslöst. Samuel Benke hat sich den in seiner Realitätsnähe berührenden Coming-of-Age-Film für uns gesehen.