Heute gehe ich allein nach Hause

Heute gehe ich allein nach Hause

Als Gabriel neu in Leonardos Klasse kommt, ist es eben nicht Liebe auf den ersten Blick. Denn Leonardo ist blind. Und er will endlich loskommen von den übervorsichtigen Eltern. Daniel Ribeiros mit Preisen überhäufter Spielfilm „Heute gehe ich allein nach Hause“, der ab sofort im Salzgeber Club läuft, ist so süß, dass man selbst in ihn verliebt ist, ehe man sich's versieht. So ging es auch unserer Autorin Maike Hank, die den Coming-of-Age-Film als behutsam und zärtlich empfand und darin ein realistisches Märchen erkannte.
Akrobaten

Akrobaten

Zwei Fremde begegnen sich in einer unfertigen Wohnung. Christophe ist offensichtlich reich, attraktiv und erfolgreich, zumindest auf den ersten Blick, Micha ein in Russland geborener Hochseilartist, dessen Karriere durch ein gebrochenes Bein gefährdet ist. Aus dem ersten anonymen Treffen entwickelt sich ein körperlich und seelisch extremes Verhältnis, in dem die Abhängigkeiten ständig zu changieren scheinen: Wer dominiert, wer manipuliert wen? „Akrobaten“ ist bereits der sechste Spielfilm des kanadischen Regisseurs Rodrigue Jean („Alex – Süchtig nach Liebe“). In der expliziten, eiskalten Darstellung einer ambivalenten Sexbeziehung erkennt unser Autor Philipp Stadelmaier die zeitgenössische und porno-queere Variante eines Skandalfilms aus dem Jahr 1972. Nur mit anderen Gespenstern.
Lola und das Meer

Lola und das Meer

Ab jetzt im Salzgeber Club: Lola ist 18, hat pinke Haare und macht gerade ihr Diplom als Veterinär-Assistentin. Als ihre Mutter stirbt, sorgt ihr Vater dafür, dass sie die Trauerfeier verpasst, weil er Lolas Trans-Outing vor zwei Jahren noch immer nicht annehmen kann. Doch Lola ist entschlossen, ihrer Mutter den letzten Wunsch zu erfüllen und deren Asche an der belgischen Küste zu verstreuen. Widerwillig machen sich Vater und Tochter auf die gemeinsame Reise. Für ihre einfühlsame Darstellung wurde Hauptdarstellerin Mya Bollaers als erste trans Person mit dem belgischen Filmpreis Magritte ausgezeichnet. Ebenso eindrucksvoll spielt für unsere Autorin Barbara Schweizerhof aber auch der französische Kinostar Benoît Magimel („Die Klavierspielerin“) – als Lolas Vater, den die Tochter nach und nach aus der toxisch-männlichen Reserve lockt.
Jürgen Bauer: Portrait

Jürgen Bauer: Portrait

In Jürgen Bauers „Portrait“ erzählen drei Menschen aus ihrer persönlichen Sicht von Georg: die Mutter, der Geliebte und die Ehefrau. Von der Geburt und dem Aufwachsen auf einem ärmlichen Bauernhof, vom wilden, schwulen Leben im Wien der 1970er Jahre und von einem Eheleben in der vermeintlichen „Normalität“. Unser Autor Fabian Hischmann hat sich von Bauers Erzählkunst in die Köpfe der Figuren hineinziehen lassen – auch wenn es schmerzhaft wurde.
Andrej Seuss: Nur das Eine, furchtbare – Andreas ist tot!

Andrej Seuss: Nur das Eine, furchtbare – Andreas ist tot!

Der junge Künstler Andreas Walser (1908-1930) zieht 1929 nach Paris, wo er von enormem Schaffensdrang getrieben wird, Drogen nimmt und ein maßloses Leben führt. Zudem trifft er auf den Schriftsteller Albert H. Rausch (1882-1949). "Nur das Eine, furchtbare – Andreas ist tot!" von Andrej Seuss gibt Einblicke in die Freundschaft zwischen den beiden schwulen Männern, die der Hang zum Entrückten, zur völligen Hingabe, zum Genialischen und zur Romantik verband. Anhand ihres Briefwechsels erfahren wir auch, wie Rausch vergeblich versuchte, Walser vom Drogenkonsum abzubringen. Unser Autor Elmar Kraushaar schreibt über die erkenntnisreiche Nachzeichnung einer kurzen, aber intensiven Beziehung.
Maurice

Maurice

Großbritannien im Jahre 1909. Maurice und Clive studieren in Cambridge – und verlieben sich wider die gesellschaftlichen Normen ineinander. Aber um seine beginnende Karriere als Anwalt nicht zu gefährden, löst Clive die Verbindung auf und stürzt Maurice damit in eine Sinn- und Lebenskrise. Dann begegnet dieser jedoch dem Jagdaufseher Scudder. Der für sein Drehbuch zu "Call Me By Your Name" mit dem Oscar ausgezeichnete James Ivory inszenierte "Maurice" nach dem gleichnamigen Roman von E. M. Forster. Der Film, der nun in einer Special Edition auf Blu-ray erscheint, zeigt Hugh Grant in seiner ersten Hauptrolle. Unser Autor Matthias Frings blickt zurück auf das Coming out des britischen Kinos.
Mario Cruz: Der Prinz

Mario Cruz: Der Prinz

Chile, Anfang der 1970er Jahre. Am Ende einer durchzechten Nacht ersticht der junge Jaime seinen heimlich begehrten besten Freund. Im Gefängnis wird der gefürchtete El Potro zu Jaimes Beschützer, fordert hierfür jedoch Loyalität und sexuelle Unterordnung. Mit seinem Roman "Der Prinz" führt uns Mario Cruz in eine Welt der Hierarchien und Machtproben, deren Doppelbödigkeit er in knapper, schnörkelloser Sprache offenlegt. Der 1972 im Selbstverlag gedruckte Roman avancierte in Chile zunächst zum Underground-Hit, geriet nach der Machtergreifung Pinochets aber in Vergessenheit und wird nun zum ersten Mal wieder veröffentlicht. Michael Sollorz über ein Buch, das erstaunt und direkt in die Vollen geht.
Die Starken

Die Starken

Ab sofort im Salzgeber Club: Lucas weiß noch nicht so recht, wo er im Leben hinwill. Als er seine Schwester in einem abgelegenen Fischerdorf im Süden Chiles besucht, verliebt er sich ausgerechnet hier im Nirgendwo in den attraktiven Hafenarbeiter Antonio. Damit die Beziehung der beiden introvertierten jungen Männer eine Chance hat, müssen sie über sich hinauswachsen. Mit wahrhaftigen Dialogen, einer authentischen Darstellung des Dorfalltags und zwei beeindruckenden Hauptdarstellern entwickelt Drehbuchautor und Regisseur Omar Zúñiga in "Die Starken" aus der melancholischen Grundstimmung nach und nach ein wild loderndes Liebesdrama. Für unseren Autor Christian Lütjens war der Film nicht weniger als ein Geschenk.
Im Stillen laut

Im Stillen laut

Erika und Tine sind beide 81 und seit über 40 Jahren ein Paar. Zusammen leben und arbeiten sie auf dem Kunsthof Lietzen in Brandenburg – und blicken auf ein bewegtes Stück gemeinsame Geschichte zurück. Mit ihrer Neugier und Offenheit stellen Erika und Tine alles in Frage, das Vergangene und das Bestehende. Therese Koppes vielschichtiges dokumentarisches Porträt "Im Stillen laut", das jetzt im Kino startet, ist ein Film über das Leben, die Kunst und selbst geschaffene Freiräume in der DDR, über Liebe im Alter und die Frage, wie man sich und seinen Idealen treu bleiben kann. Unsere Autorin Anja Kümmel genoss den Einblick in den Alltag von Erika und Tine und in eine Liebe, die ohne große Worte spürbar wird.
Der Prinz

Der Prinz

Chile 1970. Am Ende einer durchzechten Nacht begeht der 20-jährige Jaime einen Mord. Im Gefängnis landet er in einer Gruppenzelle, die vom gefürchteten „Potro“ geführt wird. Dieser wird Jaimes Beschützer und macht ihn zu seinem neuen „Prinzen“, erwartet dafür aber Loyalität und sexuelle Unterordnung. Die „schwarze Liebe“ zwischen den beiden erfüllt Jaimes Bedürfnis nach Zuneigung und Zugehörigkeit. Doch dann entbrennt im Knast ein brutaler Machtkampf... „Der Prinz“ von Sebastián Muñoz basiert auf Mario Cruz’ lange verschollenem Roman, der parallel zum Film erstmals in deutscher Übersetzung erscheint. Das faszinierende Porträt Chiles kurz vor dem Amtsantritt Salvador Allendes kommt am 19. November ins Kino und läuft schon in diesem Monat in der queerfilmnacht. Unser Autor Andreas Wilink hat hinter die Gitter auf ein emotionales Biotop geblickt.