In memoriam: Larry Kramer (1935-2020)

In memoriam: Larry Kramer (1935-2020)

Larry Kramer hat es weder seinen Feinden noch Freunden leicht gemacht. Der US-amerikanische Schriftsteller war nicht nur ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Rechte der Gay Community, sondern vor allem einer der entscheidenden Initiatoren des Aids-Aktivismus in den USA. Nun ist Larry Kramer, der Mitbegründer von ACT UP und Autor des legendären Romans "Schwuchteln" (1978) sowie des Theatermeilensteins "The Normal Heart" (1985), im Alter von 84 Jahren gestorben. Axel Schock ruft ihm nach.
In memoriam: Irm Hermann (1942-2020)

In memoriam: Irm Hermann (1942-2020)

Die große deutsche Schauspielerin Irm Hermann ist tot. Ihre frühe Karriere ist aufs Engste mit Rainer Werner Fassbinder verknüpft, mit dem sie 20 Filme drehte, Theater machte und eine Zeit lang ein Paar war. Nach Fassbinders Tod arbeitete sie u.a. mit Ulrike Ottinger, Herbert Achternbusch, Loriot –  und immer wieder mit Christoph Schlingensief. Andreas Wilink erinnert in seinem Nachruf an eine Künstlerin, die sich furchtlos in den Dienst ihrer Regisseur*innen stellte. Und an Hermanns eindrücklichste Rolle: die der stumm liebenden und souverän leidenden Dienerin Marlene in "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" (1972), in der sich ihre ambivalente Beziehung zu Fassbinder spiegelt wie in keiner anderen Figur.
100 Tage, Genosse Soldat

100 Tage, Genosse Soldat

"100 Tage, Genosse Soldat" gilt als einer der wenigen Klassiker des schwulen Kinos aus Russland, wo Homosexualität noch immer ein Tabu ist. Inspiriert von einer Erzählung des Schriftstellers Kuri Poljakov erzählt Regisseur Hussein Erkenov in poetischen Bildern von fünf jungen Soldaten und den unbarmherzigen Zuständen in der sowjetischen Armee. Ein Film wie ein Traum – visuell gewaltig, aufwühlend, gefühlvoll und radikal. Zum 30. Geburtstag seiner Entstehung erscheint nun die digital restaurierte Fassung von "100 Tage, Genosse Soldat" als VoD im Salzgeber Club. Für unseren Autor Christian Lütjens die Gelegenheit zu einer Würdigung von Erkenovs Meisterwerk.
Joshua Whitehead: Jonny Appleseed

Joshua Whitehead: Jonny Appleseed

Two-Spirit, queer und "NDN Glitzerfee" — das ist "Jonny Appleseed". Der Angehörige des Volkes der Oji-Cree hat das Reservat verlassen und schlägt sich in Winnipeg als Sexarbeiter durch. Viele seiner weißen Kunden sind vom Indianer-Mythos fasziniert. Als er vom Tod seines Stiefvaters erfährt, bleibt Jonny eine Woche, bis er zur Beerdigung ins Reservat zurückkehren muss. In seinem Debüt-Roman erzählt Joshua Whitehead in einer mitreißenden Sprache und in berührenden Traumbildern von Jonnys Leben zwischen den Kulturen. Unser Autor Michael Sollorz ließ sich von Whiteheads sinnlicher Schilderung mitreißen.
Videobotschaft von Andrea Weiss (Bones of Contention)

Videobotschaft von Andrea Weiss (Bones of Contention)

In ihrem Dokumentarfilm "Bones of Contention" begibt sich Andrea Weiss ("Paris Was a Woman", "Escape to Life") auf die Suche nach den verschollenen Knochen des Federico García Lorca und setzt den nicht-heterosexuellen Opfern der Franco-Diktatur ein poetisches Denkmal. Für sissy meldet sich die Regisseurin aus ihrer Wohnung in New York. Sie versteht ihren Film über die Schrecken des spanischen Faschismus auch als Warnung für die USA von heute, wo rechte Politiker unter Führung von ganz oben selbst die Covid-19-Epidemie dazu benutzen, ihr antihumanistisches Programm voranzutreiben und die freiheitlichen Errungenschaften der letzten Jahre zurückzudrehen.
Thomas Jonigk: Weiter.

Thomas Jonigk: Weiter.

Anfang des Jahres feierte Thomas Jonigks Bühnenfassung von Klaus Manns "Mephisto" Premiere im Staatstheater Kassel. Jetzt ist Jonigks neuer Roman erschienen: "Weiter." steht in der Erzähltradition von Oscar Wilde, allerdings ohne dessen Schöngeist zu kultivieren. Im Gegenteil: Die Figuren des Romans sind total am Ende und versuchen deshalb, sich gegenseitig vor dem Schlimmsten zu bewahren. Was deprimierend klingt, entpuppt sich jedoch als faszinierendes Kammerspiel mit optimistischem Ausgang. Unser Autor Christian Lütjens ist beeindruckt.
Bones of Contention

Bones of Contention

Entlang von Spaniens Landstraßen, verdeckt von Pinienbäumen, liegen die Massengräber von über 120.000 anonymen Opfern der Franco-Diktatur. Unter ihnen sind auch zahlreiche Lesben und Schwule, die während des Regimes im Verborgenen leben mussten. Noch heute kämpfen die Hinterbliebenen dafür, die Überreste ihrer Angehörigen bergen und würdig bestatten zu dürfen. Besonders rätselhaft ist, was mit der Leiche des spanischen Dichters Federico García Lorca passiert ist. Die US-amerikanische Regisseurin Andrea Weiss („Paris Was a Woman“, „Escape to Life“) stellt in ihrem neuen Film die Frage, wie ein Land eine Vergangenheit ausgraben kann, die noch heute von oberster Stelle unterdrückt wird, und zeigt dabei den mutigen Kampf der queeren Community um Aufklärung, Gerechtigkeit und Sichtbarkeit. Jessica Ellen über ein poetisches filmisches Denkmal für die vergessenen Opfer unter Franco, das ab 21. Mai im Salzgeber Club zu sehen ist.
Hans Georg Berger / Hervé Guibert: Phantomparadies

Hans Georg Berger / Hervé Guibert: Phantomparadies

13 Jahre hat Hans Georg Berger den französischen Schriftsteller und Fotografen Hervé Guibert auf gemeinsamen Reisen, an Rückzugsorten und Schreibstätten mit der Kamera abgelichtet. 145 dieser bislang weitgehend unveröffentlichten poetischen, intimen Schwarz-Weiß-Fotografien hat Berger nun für den opulent gestalteten Band „Phantomparadies“ zusammengestellt. Guibert ist dabei nicht einfach nur Model und fotografisches Objekt, sondern auch aktiver Part einer kunstvollen (Selbst-)Inszenierung. Guibert-Kenner Axel Schock stellt den Band vor.
Bent

Bent

Ab 14. Mai ist der queere Klassiker "Bent" aus dem Jahr 1997 in digital restaurierter Fassung im Salzgeber Club zu sehen. In seiner Verfilmung von Martin Shermans bahnbrechendem Theaterstück erzählt Regisseur Sean Mathias eindrücklich von den Grauen der Homosexuellen-Verfolgung durch die Nazis – und von zwei KZ-Häftlingen, die trotz widrigster Umstände einen Weg finden, sich zu lieben. Die Hauptrolle spielt Clive Owen, in weiteren Rollen sind u.a. Ian McKellen als schwuler Onkel, Mick Jagger als alternde Dragqueen und Nikolaj Coster-Waldau ("Game of Thrones") als blonder SA-Mann zu sehen. Für unseren Autor Andreas Wilink ist "Bent" weit mehr als ein historisches Dokument: Es ist Gleichnis und Aufforderung zur Erziehung der Herzen.
Bester Mann

Bester Mann

Gemobbt zu werden ist für den schüchternen Teenager Kevin Alltag. Eines Tages kommt ihm ein Unbekannter auf einem Motorrad zu Hilfe. Kevin ist fasziniert von Bennie, der ihm erzählt, dass er als Talentscout arbeitet und professionell Fotos macht. Und er freut sich zunächst, dass Bennie auch ihn fotografieren will. Doch die Bilder werden viel freizügiger, als der Junge gedacht hat... Florian Forschs mittellanger Film erzählt eine Geschichte über Missbrauch, die Verletzlichkeit von Jugend und darüber, wie gut sich organisiertes Verbrechen hinter einer einfachen Ideologie verbergen lässt. "Bester Mann" wurde 2018 mit den Max Ophüls Preis ausgezeichnet, war für den Österreichischen Filmpreis nominiert und ist ab sofort zusammen mit "Label Me" von Kai Kreuser im Salzgeber Club zu sehen. Rajko Burchardt über einen eindrucksvollen Film voller Abgründe.