Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

1987 in El Paso, Texas: Die Teenager Aristoteles und Dante sind nach Philosophen benannt worden, haben sonst aber nur wenig gemeinsam. Dennoch werden sie Freunde und tauchen ins Universum des jeweils anderen ein. Aristoteles erkennt, dass er vieles in der Welt verpasst, wenn er sich ihr nicht öffnet, und den Mut aufbringen muss, seine geheimen Sehnsüchte zuzulassen. Als Dante überraschend ankündigt, mit seinen Eltern für ein Jahr nach Chicago gehen zu müssen, droht seine Vorstellung eines gemeinsamen Sommers zu platzen. In der Verfilmung des gleichnamigen, vielfach ausgezeichneten und 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierten Romans von Benjamin Alire Sáenz erzählt Regisseurin Aitch Alberto zärtlich und ehrlich von der Selbstentdeckung zweier Teenager. Andreas Köhnemann über eine emotionale Coming-of-Age-Geschichte, die aktuell im Kino zu sehen ist.
Single, Out

Single, Out

Wenn Teenager Adam gerade nicht an seinem Kunstprojekt arbeitet, hält er online nach heißen Typen Ausschau. Dass er schwul ist, sollen eigentlich noch nicht alle wissen. Doch als sich einer seiner Chats als Josh herausstellt, der beste Freund seines großen Bruders Clay, traut sich Adam aus seinem Versteck. Nach dem ersten Mal ist plötzlich alles anders. Adam ist jetzt out – aber immer noch Single. Die Frage ist nur: wie lange noch? In sechs Episoden erzählt Lee Galea in seiner Miniserie „Single, Out“ von den sexuellen Irrungen und Wirrungen von Bilderbuch-Twink Adam, der sich dabei auf seine Freunden fast immer verlassen kann. Jetzt gibt es die komplette erste Staffel des Publikumshits aus Australien auch in Deutschland zu sehen. Christian Horn über eine Feelgood-Serie mit viel Selbstironie.
All of Us Strangers

All of Us Strangers

Drehbuchautor Adam lebt in einem fast leeren Hochhaus am Rande von London. Eines Nachts steht sein mysteriöser Nachbar Harry vor der Tür, flirtet mit ihm und bittet um Einlass. In den nächsten Tagen und Wochen entwickelt sich zwischen den beiden eine Beziehung von höchster Intimität. Währenddessen schreibt Adam an seinem neuen Drehbuch, das ihn zum Ort seiner Kindheit führt. In dem alten Haus der Familie trifft er auf seine Eltern, die noch immer genauso alt sind wie an dem Tag, an dem sie 30 Jahre zuvor tödlich verunglückten. Wie kaum ein anderer Regisseur kann der Brite Andrew Haigh („Weekend“, „Looking“) schwule Erfahrungen und Gefühle in die Sprache des Kinos übersetzen. „All of Us Strangers“ mit dem Leinwandtraumpaar Andrew Scott und Paul Mescal ist sein bisher schönstes und tiefgreifendstes Werk – und einer der berührendsten Filme der letzten Jahre. Andreas Köhnemann über eine bittersüße Kinoerfahrung.
Gabriel Wolkenfeld: Wir Propagandisten

Gabriel Wolkenfeld: Wir Propagandisten

Ein junger Deutscher kommt im Jahr 2012 als Sprachlehrer ins russische Jekaterinburg. Er erlebt Wodka-Gelage in chaotischen WG-Küchen, Prinzipienreiterei in tristen Amtsstuben, pompöse Empfänge, versteckte Hinterhof-Partys. Er ist mittendrin im Leben und bleibt doch Außenseiter. Weil er schwul ist – genau wie viele seiner russischen Freunde. Ihr Alltag ist ein lustvoller Gegenentwurf zum Spießertum der breiten Masse. Doch als die Duma die Einführung des sogenannten „Homo-Propaganda-Gesetzes“ beschließt, wird das Antanzen gegen den Mainstream zur existenziellen Gefahr. Diese autobiografisch gefärbte Geschichte erzählt Autor und Lyriker Gabriel Wolkenfeld in „Wir Propagandisten“ – präzise, assoziativ, authentisch. Sebastian Galyga über einen Roman, der gleichzeitig sehr russisch und sehr deutsch ist und gerade wegen seiner heiteren Nostalgie die bestürzende Lage queerer Russ:innen von heute zu verdeutlichen weiß.
Le Paradis

Le Paradis

In einer Jugendstrafanstalt bereitet sich der 17-Jährige Joe auf seine Rückkehr in die Gesellschaft vor, unsicher, welches Leben ihn jenseits der Mauern erwartet. Doch als Neuzugang William die Nachbarzelle bezieht, wird Joes Sehnsucht nach Freiheit durch ein anderes Begehren abgelöst. Einander mit wachsender Begierde und Verzweiflung umkreisend, begeben sich Joe und William auf eine Reise der emotionalen Emanzipation. Der Debütfilm des belgischen Regisseurs Zeno Graton verfolgt die Irrungen und Wirrungen einer Leidenschaft zwischen zwei jungen Männern, die für ihre Liebe im wahrsten Sinne des Wortes Mauern sprengen müssen. Andreas Wilink über einen Ausbruch der Gefühle, den man im Februar in der Queerfilmnacht und ab 29. Februar regulär im Kino miterleben kann.
Maestro

Maestro

Als „unerschrockene Liebesgeschichte“ beschreibt Netflix sein Leonard-Bernstein-Biopic „Maestro“ und meint damit natürlich die komplexe Beziehung zwischen der Musikerlegende und seiner Ehefrau, der chilenischen Schauspielerin Felicia Montealegre – und eben nicht eine von Bernsteins diversen schwulen Beziehungen. Gerade wurde Bradley Coopers ziemlich normativer Ritt durch das Liebesleben des Dirigentenstars für sieben Oscars nominiert. Christian Lütjens kann dem Schauspiel und der Inszenierung zwar Einiges abgewinnen, findet aber auch, dass der Film die Sprachlosigkeit, die in den 1950er- und 1960er-Jahren im Umgang mit Homosexualität vorherrschte, durchaus reproduziert, indem er entscheidende Kontexte nur andeutet oder ganz aulässt.
Knochen und Namen

Knochen und Namen

Jetzt im Kino: Boris und Jonathan sind seit vielen Jahren ein Paar, haben sich aber nicht mehr viel zu sagen. Schauspieler Boris vergräbt sich immer tiefer in die Proben zu einem neuen Film mit der ambitionierten Regisseurin Jeanne und vermischt dabei reale und fiktive Charaktere. Jonathan versucht seine Stimme als Schriftsteller neu zu definieren. Durch die Tage des Ringens um Distanz, Nähe, Vertrauen, Verlangen und Verlustangst geistert Jonathans kleine Nichte Josie. Fabian Stumm erzählt in seinem fein gewebtem Langfilmdebüt von der tatsächlichen und möglichen Abwesenheit der Anderen. Cosima Lutz über einen zugleich herzzerreißend traurigen und wahnsinnig komischen Film, bei dem immer, wenn Wahrheit offenbar werden könnte oder tatsächlich offenbar wird, Kaffee ins Spiel kommt.
Die Spur deiner Lippen

Die Spur deiner Lippen

Eine namenlose Pandemie versetzt ganz Mexiko in einen Lockdown. B-Movie-Schauspieler Román sitzt alleine in seinem Apartment fest. Auf der anderen Straßenseite wohnt Aldo. Die beiden lernen sich online kennen, sie können miteinander reden und sich über Videochats sehen, aber sie können sich nicht berühren. Doch die Sehnsucht, die Lippen des anderen zu spüren, wird immer größer. In seinem neuen Spielfilm zeigt der zweifache Teddy-Preisträger Julián Hernández („Mil Nubes – Liebessehnsucht“, „Raging Sun, Raging Sky“), wie Begehren und Lust gerade im Moment von Einsamkeit und Isolation ins Unermessliche wachsen können. „Die Spur deiner Lippen“ spiegelt dabei nicht nur die sexuellen Erfahrungen von alleinlebenden Menschen während der Covid-Pandemie, sondern auch die Tabuisierung von schwuler Lust während der Aids-Epidemie. Christian Lütjens über eine vielschichtige, erotische Parabel, die die Eigendynamik von Fantasien und Sehnsüchten im Angesicht einer unberechenbaren Weltlage mit ganz eigenen Stilmitteln verhandelt.
Pirkko Saisio: Das rote Buch der Abschiede

Pirkko Saisio: Das rote Buch der Abschiede

Eine Protagonistin sucht in Helsinki nach der Liebe und kämpft um Selbstbestimmung – zu einer Zeit, in der Kunst und Kommunismus eine unheilvolle Allianz bilden und queeres Begehren nur im Untergrund stattfindet. Mit dieser autobiografisch grundierten Erzählung rührte die Autorin Pirkko Saisio in „Punainen erokirja“ im Jahr 2003 den Kulturbetrieb ihrer finnischen Heimat auf und wurde dafür prompt mit dem Finlandia-Preis, einer der renommiertesten Literaturauszeichnungen des Landes, bedacht. Jetzt ist der Roman unter dem Titel „Das rote Buch der Abschiede“ erstmals in deutscher Übersetzung erschienen. Anja Kümmel hat sich von der Stimme der Erzählerin in einen Dschungel verschiedener Perspektiven und Zeitebenen entführen lassen.
Norwegian Dream

Norwegian Dream

Der 19-Jährige Pole Robert ist gerade an die norwegische Küste gezogen. In einer Fischfabrik nahe Trondheim will er genug Geld verdienen, um die Schulden seiner Mutter begleichen zu können. Er findet schnell Anschluss bei den anderen Polen im Team und verliebt sich in Ivar, den Adoptivsohn des Fabrikeigentümers. Doch während Ivar offen schwul ist, will Robert seine Gefühle lieber geheim halten. Leiv Igor Devolds Spielfilmdebüt ist im Januar in der Queerfilmnacht zu sehen und startet am 1. Februar im Kino. Stefan Hochgesand über eine mitreißende schwule Liebesgeschichte mit großem sozialem Bewusstsein.