Tomasz Jedrowski: Im Wasser sind wir schwerelos

Tomasz Jedrowski: Im Wasser sind wir schwerelos

Als Tomasz Jedrowskis „Im Wasser sind wir schwerelos“ im vergangenen Jahr in Großbritannien herauskam, wurde es von der Presse gefeiert. Der Guardian kürte die schwule Coming-out- und Liebesgeschichte, die im sozialistischen Polen der frühen 1980er Jahre spielt, sogar zum Buch des Jahres. Auch Axel Schock ist begeistert, er vermisst aber etwas mehr Widerständigkeit.
Im Stillen laut

Im Stillen laut

Erika und Tine sind beide 81 und seit über 40 Jahren ein Paar. Zusammen leben und arbeiten sie auf dem Kunsthof Lietzen in Brandenburg – und blicken auf ein bewegtes Stück gemeinsame Geschichte zurück. Mit ihrer Neugier und Offenheit stellen Erika und Tine alles in Frage, das Vergangene und das Bestehende. Therese Koppes vielschichtiges dokumentarisches Porträt "Im Stillen laut", das jetzt im Salzgeber Club und auf DVD erscheint, ist ein Film über das Leben, die Kunst und selbst geschaffene Freiräume in der DDR, über Liebe im Alter und die Frage, wie man sich und seinen Idealen treu bleiben kann. Unsere Autorin Anja Kümmel genoss den Einblick in den Alltag von Erika und Tine und in eine Liebe, die ohne große Worte spürbar wird.
Futur Drei

Futur Drei

Parvis wächst als Kind der Millennial-Generation im komfortablen Wohlstand seiner iranischen Einwanderereltern auf. Dem Provinzleben in Hildesheim versucht er durch Popkultur und Grindr-Dates zu entfliehen. Als er in einer Unterkunft für Geflüchtete das Geschwisterpaar Banafshe und Amon kennenlernt, beginnt eine fragile Dreierbeziehung. Faraz Shariats autobiografisches Regiedebüt, das im Künstler*innen-Kollektiv Jünglinge entstanden ist, war *der* queere Film der Berlinale 2020 und wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Teddy und dem First Steps Award. Ab sofort gibt es „Futur Drei“ auf DVD, BluRay und im Salzgeber Club. Zudem findet bis zum 18. April das Festival „Futur 3.0“ statt: Auf der Festivalwebsite werden Videos und Angebote veröffentlicht, die inhaltlich und thematisch an den Film anknüpfen. Unser Autor Dennis Vetter spürt Shariats aktivistischem Gegenentwurf zum konventionellen deutschen Kino nach und plädiert selbst für mehr diverse Realität auf der Leinwand.
Neubau

Neubau

Wo möchte ich leben – und wie? Mit diesen existentiellen Fragen beschäftigen sich Autor/Hauptdarsteller Tucké Royale und Regisseur Johannes M. Schmit in ihrem Debütfilm „Neubau“ aus der Sicht eines jungen queeren Mannes in der Uckermark. Und beantworten sie mit einem dezidiert nicht-normativen Lebensentwurf, in dem die Befreiung aus konservativen Vorstellungen von Sexualität und Geschlechterzugehörigkeit ebenso eine Rolle spielen wie Commitment und gegenseitige Fürsorge. Ihr queerer Heimatfilm entstand fernab der großen Metropolen als unabhängige Produktion in einem Künstler*innen-Kollektiv, dem es um ambivalente (Gegen-)Erzählungen und eine „Neue Selbstverständlichkeit“ geht. Lukas Foerster über das Glitzern queerer Körper in der Weite Brandenburgs.
Ralf König: Vervirte Zeiten

Ralf König: Vervirte Zeiten

Zwischen März und Oktober 2020 erfreute Ralf König seine Fans auf Facebook und Instagram täglich mit Kurzcomics zum Leben und Lieben seines schwulen Kultpaars Konrad und Paul in Zeiten von Corona. In den Kommentaren wurde stets danach gefragt, ob es das auch bald als Buch gäbe. Nun hat König sämtliche Folgen im Band „Vervirte Zeiten“ zusammengefasst. Michael Sollorz hat das Pandemie-Tagebuch in Comicstripform gelesen und das Wiedersehen mit den Knollennasen wie ein Nach-Hause-Kommen empfunden.
Vojin Saša Vukadinović (Hg.): Zugzwänge

Vojin Saša Vukadinović (Hg.): Zugzwänge

Der von Vojin Saša Vukadinović herausgegebene Band „Zugzwänge: Flucht und Verlangen“, erschienen in der kontroversen Kreischreihe des Querverlags, nimmt die Situation queerer Geflüchteter in den Blick – aus theoretischen, politischen und aktivistischen Perspektiven. Für unseren Autor Peter Rehberg ist die Textsammlung vor allem zweierlei: das Projekt, durch Schilderungen der Situation vor Ort, Informationen über Organisationen und Initiativen, Lebensberichte und schließlich auch Literatur mehr über die Lebensbedingungen von Geflüchteten zu erfahren; und eine programmatische Abrechnung mit Queer Theory und postkolonialen Theorien. Letzteres weckt bei ihm reichlich ambivalente Gefühle. Eine kritische Analyse.
Die Hütte am See

Die Hütte am See

Jetzt im Salzgeber Club: "Die Hütte am See", einer der ersten schwulen finnischen Liebesfilme überhaupt. Mikko Makela lässt in seinem Debütfilm zwei junge Männer mit unterschiedlichen Lebensperspektiven und ähnlichen Grunderfahrungen bei der Renovierung eines idyllisch gelegenen Ferienhauses zusammentreffen. Der eine hat Finnland verlassen, weil es ihm keine Möglichkeit lässt, sich zu verwirklichen. Der andere ist dorthin geflohen, weil er sich an jenem Ort mehr Freiheit verspricht, als er in seiner syrischen Heimat erwarten könnte. Ein in seiner Unmittelbarkeit tief berührender Film, findet unser Autor Axel Schock.
Johann-Günther König: Friedo Lampe. Eine Biografie

Johann-Günther König: Friedo Lampe. Eine Biografie

Mit seiner innovativen, magisch realistischen Erzählweise gehört Friedo Lampe (1899-1945) zu den bemerkenswertesten deutschen Autoren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Über sein Leben als schwuler Mann während des Kaiserreichs, der Weimarer Republik und des Dritten Reichs ist indes kaum etwas bekannt. Der Bremer Schriftsteller und Publizist Johann-Günther König, der 1985 die Friedo-Lampe-Gesellschaft mitbegründete, hat nun die erste umfassende Biografie über Lampe verfasst. Unser Autor Detlef Grumbach hat sie mit großem Interesse gelesen.
Kate Davies: Love Addict

Kate Davies: Love Addict

Die 26-jährige Londonerin Julia geht einem monotonen Bürojob nach und hat schlechten Sex mit Männern. Bis sie zum ersten Mal mit einer Frau schläft und die Künstlerin Sam kennenlernt, die sie in die Welt der Sexclubs einführt. Julia ist überwältig, doch ihrer Liebe zu Sam stehen einige Hindernisse im Weg. Stefan Hochgesand hat Kate Davies' Debütroman für uns gelesen – ein Buch mit groteskem Figurenarsenal und lebensverändernden Orgasmen.
Are We Lost Forever

Are We Lost Forever

Hampus und Adrian trennen sich nach einer jahrelangen Beziehung. Hampus empfindet vor allem Erleichterung: Zu oft wurde er von seinem Ex verletzt und enttäuscht. Doch Adrian trauert tief und weiß nicht, wie er ohne Hampus weiterleben soll. Selbst als beide neue Partner finden, kann Adrian seine große Liebe nicht vergessen … In „Are We Lost Forever“, der im März in der queerfilmnacht online läuft, erzählt der schwedische Regisseur David Färdmar einfühlsam von den Scherben einer zerbrochenen Beziehung und der leisen Hoffnung auf einen Neuanfang. Unser Autor Philipp Stadelmaier über die Unentschiedenheiten und Phantasmen eines Ex-Paares – und das Bett als drittem Protagonisten.