Loving Highsmith

Loving Highsmith

Jetzt im Kino: Mit Romanen wie „Zwei Fremde im Zug“ und „Der talentierte Mr. Ripley“ schuf Patricia Highsmith Weltliteratur. Ihr Privatleben hielt die Meisterin des psychologischen Thrillers derweil zeitlebens vor der Öffentlichkeit verborgen. Dass sie lesbisch war, wusste nicht einmal ihre Familie in Texas. Ihren lesbischen Liebesroman „Salz und sein Preis“ (später als „Carol“ erschienen) konnte sie 1952 nur unter Pseudonym herausbringen. Über ihr eigenes, bewegtes Liebesleben schrieb sie in ihren Tage- und Notizbüchern, die erst nach ihrem Tod entdeckt wurden. Eva Vitijas vielschichtige Liebesbiografie „Loving Highsmith“ folgt den Lieben und Leidschaften der Autorin – und ist zugleich das Porträt einer Generation von Frauen, die mit Highsmiths „Salz und sein Preis“ den Mut fand, für ihr Recht auf Liebe zu kämpfen. Anja Kümmel über ein dichtes, berührendes Porträt.
Abteil Nr. 6

Abteil Nr. 6

Die finnische Archäologiestudentin Laura ist fest entschlossen, die berühmten Felsenmalereien in Murmansk am nördlichen Polarkreis mit eigenen Augen zu sehen. Im Zug dorthin sitzt sie aber nicht neben ihrer Freundin Irina, die den Trip kurzfristig abgesagt hat, sondern mit dem Bergarbeiter Ljoha, der ihr mit seiner ruppigen Art den letzten Nerv zu rauben scheint. Doch dann kommt es auf engstem Raum zu ein besonderen Annäherung. Juho Kuosmanen erzählt in seinem Railroadmovie „Abteil Nr. 6“ eine der ungewöhnlichsten und schönsten nicht-heteronormativen Liebesgeschichten der letzten Jahre. Barbara Schweizerhof über einen meisterhaften Film der versteckten Blicke und magischen Abzweigungen.
Hochwald

Hochwald

Ab jetzt im Salzgeber Club: In ihrem Regiedebüt „Hochwald“ erzählt Evi Romen inmitten der trügerischen Idylle der Südtiroler Berge von einem jungen Mann, der an dem Ort, in den er hineingeboren wurde, vollkommen fehl am Platz ist. Er muss raus aus der Enge, in ein anderes, freieres Leben – sonst bleibt er für immer ein Verlorener. Die Geschichte von Mario verknüpft sie mit dem Thema der terroristischen Bedrohung und der damit verbundenen Gefahr der Stigmatisierung von Menschen, die anders glauben. Für ihr vielschichtiges und bildgewaltiges Außenseiterdrama, in dem Newcomer Thomas Prenn und Noah Saavedra glänzen, wurde sie u.a. mit dem Goldenen Auge des Zürich Film Festivals und dem Große Diagonale Preis ausgezeichnet. Beim Österreichischen Filmpreis 2021 war „Hochwald“ in neun Kategorien nominiert (u.a. Bester Film). Thomas Prenn erhielt für sein mitreißendes Porträt den Preis als Bester Hauptdarsteller. Sascha Westphal über einen zugleich harten und zarten Film, der sich nicht fassen, nur annähernd beschreiben lässt.
Tobi Lakmaker: Die Geschichte meiner Sexualität

Tobi Lakmaker: Die Geschichte meiner Sexualität

Mit 17 plant Sofie eine „solide Entjungferung“ mit Walter. Einige Jahre später hat sie es aufgegeben, die Frau zu werden, die andere in ihr sehen. Sie trägt die Haare raspelkurz, schwärmt für Jennifer, Muriel und Frida. Wie Sofie fast zum Star der lesbischen Community von Amsterdam wird, unter heftiger Verliebtheit leidet und doch darum ringt, andere nah an sich heranzulassen, erzählt Tobi Lakmaker in seinem Debütroman „Die Geschichte meiner Sexualität“. Er schreibt von den Räumen zwischen Weiblichkeit und Männlichkeit, von queerer, fluider und Trans-Identität – und von wahrer Intimität, die dort beginnt, wo wir alle Kategorien vergessen. Anja Kümmel über einen (Nicht-)Roman, der immer dann am besten ist, wenn er melancholische Risse in der ironischen Distanziertheit zulässt.
Thomas Savage: Die Gewalt der Hunde

Thomas Savage: Die Gewalt der Hunde

Das queere Westerndrama „The Power of the Dog“ von Jane Campion ist aktuell für zwölf Oscars nominiert. Bevor am Sonntag die Preisträger:innen bekannt gegeben werden, blicken wir auf die die Buchvorlage „Die Gewalt der Hunde“ von Thomas Savage aus dem Jahr 1967, die im Dezember erstmals auf Deutsch erschienen ist. In der Welt des alten Wilden Westens erzählt Savage von unterdrückter Homosexualität, Selbsthass und Rache. Tilman Krause ist begeistert von der erzählerischen Wucht des Romans und seiner meisterhaft gezeichneten Figuren.
Tove

Tove

Jetzt im Kino: Tove Jansson ist die Schöpferin der Mumins – der knuddeligen Trollfiguren aus dem Mumintal, die seit über 70 Jahren Kinder und Erwachsene auf der ganzen Welt verzaubern. Das mitreißende Biopic „Tove“ erzählt nun vom aufregenden Leben der wohl bekanntesten Autorin und Zeichnerin Finnlands. Von Toves turbulenter Suche nach Identität, künstlerischer Freiheit und sexueller Selbstbestimmung. Und davon, wie ihre zunächst nur nebenbei gezeichneten Fabelwesen zu einem einmaligen Erfolgsphänomen wurden. Beatrice Behn vermutete zunächst ein typisches „Drama à la lesbienne“, wurde aber mit einer sehr komplexen Hauptfigur überrascht.
Pink Narcissus

Pink Narcissus

Seinen 89. Geburtstag am 28. März hat James Bidgood nicht mehr erlebt, er starb Ende Januar. Um an den visionären Filmemacher und Fotografen zu erinnern, gibt es sein Meisterwerk „Pink Narcissus“ ab dem 24. März im Salzgeber Club. Der Kultklassiker zelebriert die Schönheit einer einzigen Person: Bobby Kendall. Der begehrenswerte Narziss entführt in obsessiv erotische Traumwelten, in denen er sich wahlweise als Torero, römischer Sklave, Stricher oder verliebter Draufgänger stilisiert. Jochen Werner über ein faszinierendes Artefakt – und wie man es heute zu fassen bekommt.
Kaśka Bryla: Die Eistaucher

Kaśka Bryla: Die Eistaucher

Iga, Jess und Ras sind Außenseiter:innen in ihrer Klasse, doch gemeinsam bilden sie eine verschworene Truppe: die Eistaucher. Als die Jugendlichen eines Nachts einen polizeilichen Übergriff beobachten und die Tat folgenlos bleibt, nehmen sie das Recht in die eigenen Hände. Zwanzig Jahre später taucht ein geheimnisvoller Fremder auf, der von dem damaligen Racheakt zu wissen scheint ... Kaśka Bryla („Roter Affe“) geht in ihrem zweiten Roman „Die Eistaucher“ den Ursachen von Radikalisierung nach und verbindet ihre Suche mit einem Plädoyer für Solidarität und Liebe. Gabriel Wolkenfeld über eine queere Geschichte, die sogar einen Gegenentwurf zu klassischen Jugendromanen in sich trägt.
Zu schön, um wahr zu sein – Die JT LeRoy Story

Zu schön, um wahr zu sein – Die JT LeRoy Story

Für ihre Darstellung von Lady Diana in Pablo Larraíns Biopic „Spencer“ ist Kristen Stewart aktuell für den Oscar nominiert. In Justin Kellys „Zu schön, um wahr zu sein – Die JT LeRoy Story“ (2018), der hierzulande nie in die Kinos kam, aber als DVD, BluRay und VoD erhältlich ist, verkörpert sie Savannah Knoop, eine junge Frau, die in den 2000er Jahren Teil eines Schwindels in der Literaturszene war, der im Oktober 2005 vom New York Magazine in einem aufsehenerregenden Artikel aufgedeckt wurde. In Verkleidung war Knoop als Jungautor JT LeRoy mit bewegter Stricher-Vergangenheit aufgetreten – eine Erfindung der Schriftstellerin Laura Albert, die sich wiederum als JTs Agentin ausgegeben hatte. Andreas Köhnemann über ein komplexes queeres Spiel mit Identitäten, kantige Protagonistinnen und uneitles Schauspiel.
Parallele Mütter

Parallele Mütter

In seinem neuen Film „Parallele Mütter“ erzählt Pedro Almodóvar von zwei Frauen und zwei ungeplanten Schwangerschaften. Während Janis (Penélope Cruz) der Geburt ihres Kindes überglücklich entgegensieht, ist die Jugendliche Ana (Milena Smit) voller Angst und Zweifel. Durch einen Zufall werden die Leben der beiden Mütter auf dramatische Weise durcheinandergebracht. Verena Schmöller ist ergriffen von den großen Gefühlen – und davon, wie es Almodóvar ein weiteres Mal gelingt, diese durch Bilder, Farben, Musik und Stimmung in den Kinosaal zu transportieren.