Literatur

Douglas Stuart: John of John

Douglas Stuart: John of John

Auch in seinem dritten Roman „John of John“ erzählt der schottische Autor Douglas Stuart von schwulen Schicksalen an Orten, an denen Homosexualität verdrängt, angefeindet und ignoriert wird. Waren diese Schicksale im Debüt „Shuggie Bain“ und dessen Nachfolger „Young Mungo“ im Arbeitermilieu von Glasgow verortet, spielt „John of John“ in der archaischen Inselwelt der Äußeren Hebriden. Auch sonst ist einiges anders, doch die Erzählkunst ist geblieben. So steht „John of John“ auf der Longlist des renommierten Booker Prize, den Douglas Stuart 2020 mit „Shuggie Bain“ bereits gewonnen hat. Zu Recht? Axel Schock hat das 560-Seiten-Epos für uns gelesen.
Vratislav Maňák: Mit Wittgenstein in der Schwulensauna

Vratislav Maňák: Mit Wittgenstein in der Schwulensauna

Im Essay-Band „Mit Wittgenstein in der Schwulensauna“ tanzt der tschechische Autor Vratislav Maňák lust- und gedankenvoll durch die Freiräume zwischen Hoch - und Subkultur. Seine Reportagen über „gay spaces“ in Budapest, Wien, Prag oder Berlin setzen schwulen Cruising-Orten ein Denkmal, indem sie deren Vergangenheit und Bedeutung hinterfragen. Dabei enthüllen Maňáks Texte vieles, verschweigen aber auch so manches. Intellektueller Durchbruch oder literarischer Budenzauber? Marko Martin hat sich von der Lektüre inspirieren, irritieren und provozieren lassen.
Jacob Israël de Haan: Pijpelijntjes – Die Jahre mit Sam

Jacob Israël de Haan: Pijpelijntjes – Die Jahre mit Sam

„Pijpelijntjes“ von Jacob Israël de Haan gilt als der erste niederländische Roman, der die Liebesbeziehung zweier junger Männer schildert. Die Erstausgabe des Buches im Jahr 1904 wurde als obszön, unmoralisch und verdorben herabgewürdigt und löste einen Skandal aus. Außerhalb der Niederlande wurde der überraschend zeitlose Text erst in den vergangenen Jahren neu entdeckt. Mit „Pijpelijntjes – Die Jahre mit Sam“ ist nun erstmals eine deutsche Fassung erschienen. Axel Schock über das literarische Debüt eines oft verkannten queeren Vorreiters.
Ersi Sotiropoulos: Was bleibt von der Nacht

Ersi Sotiropoulos: Was bleibt von der Nacht

Der schwule Dichter Konstantinos Kavafis (1863 – 1933) gilt als einer der bedeutendsten griechischen Lyriker der Neuzeit. Über neunzig Jahre nach seinem Tod zeichnet Schriftstellerin Ersi Sotiropoulos in dem Roman „Was bleibt von der Nacht“ ein sprachgewaltiges Porträt des bedeutenden Kollegen. Die 1953 geborene Sotiropoulos ist in Griechenland selbst eine gestandene und vielfach ausgezeichnete Literaturgröße. Sie nähert sich Kavafis an, indem sie ihn drei folgenreiche Tage lang durch das pulsierende Paris der Belle Époque im Jahr 1897 wandeln lässt. Marko Martin ist ihm durch den Roman gefolgt. Dabei hat er Treibhausluft und etwas Plüsch gewittert, vor allem aber einen großen Wurf entdeckt.
I.V. Nuss: R-O-N=O

I.V. Nuss: R-O-N=O

Was bedeutet es, wenn Queerness zur Allegorie wird? Was, wenn wir die ekstatische Überschreitung der Realität, die mit der „Ontologie“ des Transsexuellen verbunden ist, nicht als bloße Metapher, sondern als Aufgabe betrachten? Diesen Fragen widmet sich I.V. Nuss in ihrem zweiten Roman „R-O-N=O“ – unter anderem. Nuss’ literarisches Debüt „Die Realität kommt“ charakterisierte Anja Kümmel in ihrer sissy-Rezension als „wilden Ritt durch die Welten“ und als „Höllenspaß“. Im Nachfolger hat Kevin Junk eine nicht minder wilde Mischung aus Roadtrip, SciFi-Story, Furry-Manifest, Transitionsbericht und popliterarischem Experiment gefunden.
Eva Baltasar: Mammut

Eva Baltasar: Mammut

Als eine „sprachgewaltige und sehr originelle Autorin“ pries Pedro Almodóvar die katalanische Autorin Eva Baltasar. Nun ist erstmals einer ihrer Romane auf Deutsch erschienen. In „Mammut“ geht es um eine junge Frau, die, frustriert von ihrem schlecht bezahlten Uni-Job und ihren erfolglosen Versuchen, schwanger zu werden, beschließt, ein ursprüngliches und einfaches Leben fernab urbaner Zivilisation zu führen. Anja Kümmel hat die deutsche Version von „Mammut“ ebenso gelesen wie die spanischen Fassungen der beiden zuvor erschienenen Romane von Eva Baltasar – und dabei eine Autorin entdeckt, die brillant, komisch und zielstrebig zum Kern des Wesentlichen vordringt.
Enrico Ippolito: Modesta

Enrico Ippolito: Modesta

Was hält unsere Beziehungen zusammen? Wann beginnt sexuelle Freiheit? Und wie entkommen wir unserer Herkunft? Um all diese Fragen kreist „Modesta“, der neue Roman des deutsch-italienischen Schriftstellers Enrico Ippolito. Das Buch schildert zwölf Stunden im Leben eines Verlassenen. Während die beste Freundin eine Party für ihn vorbereitet, um ihn von der plötzlichen Trennung seines Exfreunds abzulenken, schlendert er gedankenverloren durch die Stadt. Dabei holen ihn die Phantome der Vergangenheit ein, allen voran die Moralhüterin Modesta. Aber auch Virginia Woolf, Boris Vian und der queere Zeitgeist spuken durch diesen Roman. Angelo Algieri hat sich von dem Buch irritieren und inspirieren lassen.
Mads Ananda Lodahl: Sauna

Mads Ananda Lodahl: Sauna

In Dänemark sorgte Mads Ananda Lodahls Debütroman „Sauna“ für einiges Aufsehen. Die altehrwürdige Tageszeitung Politiken charakterisierte die Liebesgeschichte zwischen dem Studenten Johan und dem trans Mann William als „zarten, harten und erschütternden Roman, der nicht davor zurückschreckt, das infrage zu stellen, was wir für gegeben hinnehmen“, Regisseur Mathias Broe verarbeitete den Stoff in einer Verfilmung. Bevor letztere im November in den Kinos des deutschsprachigen Raums startet, kam im September bereits die deutsche Übersetzung des Romans von Andreas Donat heraus. Kevin Junk hat das Buch gelesen, mit den Protagonisten mitgefiebert und mitgelitten, vor allem aber eine Geschichte entdeckt, die bis jetzt viel zu selten erzählt wurde.
Andrew McMillan: Herzgrube

Andrew McMillan: Herzgrube

Ein Grubenunglück, das über Generationen hinweg Spuren hinterlässt. Ein Vater, der sein Schwulsein nur versteckt auslebt, anders als sein Sohn. Eine Drag Queen, die als Eiserne Lady queeren Stolz mit Polit-Aktivismus verbindet. Und ein Soziologie-Team, das den sozialen Abstieg einer nordenglischen Stadt aufarbeitet. In seinem autobiografisch unterfütterten Debütroman „Herzgrube“ führt Andrew McMillan alle Erzählfäden als vielstimmigen Chor zu einem großen Panorama zusammen. Axel Schock hat das Buch gelesen und darin ein Meisterstück der Komposition entdeckt.
Dino Heicker: Weltgeschichte der Queerness

Dino Heicker: Weltgeschichte der Queerness

Was für ein Versprechen: Die gesamte „Weltgeschichte der Queerness“ will Literaturhistoriker Dino Heicker in seinem neuen Buch aufrollen. Wie umfangreich muss ein solches Werk wohl sein? Zumal wenn der Autor vor den Kapiteln zu den alten Griechen und dem Römischen Reich auch noch die griechische Götterwelt und die Bibel auf ihren queeren Gehalt durchleuchtet. Axel Schock hat das 300-Seiten-Kompendium unter die Lupe genommen.