Literatur

Pierre Loti: Mein Bruder Yves

Pierre Loti: Mein Bruder Yves

Pierre Lotis Roman „Mein Bruder Yves“ (1883) spielt auf einem Schiff der Kriegsmarine. Der Ich-Erzähler ist Yves Kermadec, dem „geschicktesten, seetüchtigsten Mann“ an Bord, innig verbunden. Er ist fasziniert von Yves' Schönheit und will seinen „Bruder“, der an Land dem Alkohol verfallen ist, vor der Zügellosigkeit schützen. Unser Autor Dino Heicker schreibt über den faszinierenden, weitgereisten Autor Pierre Loti, der wie in „Lichtes Meer“ auch immer wieder schwule Matrosenromantik inspiriert hat, und dessen noch heute höchst lesenswerte Geschichte einer Männerfreundschaft auf hoher See.
Jan Morris: Rätsel

Jan Morris: Rätsel

Die ersten 35 Jahre lebt Jan Morris, geboren 1926, nach außen hin als Mann: beim britischen Militär, im journalistischen Milieu, in einer Ehe mit vier Kindern. Doch dann fasst Jan einen Entschluss. In „Rätsel“ liefert die Schriftstellerin einen spannenden und zugleich humorvollen Bericht ihres Lebens als "Betrachtung einer Wandlung". Unser Autor Tilman Krause hat das 1971 erstmals veröffentlichte und nun auch in deutscher Übersetzung erhältliche Buch mit Gewinn und Vergnügen gelesen.
Ich bin Linus

Ich bin Linus

In seinem Debüt „Ich bin Linus“ schildert Linus Giese, wie es ihm gelang, nach 31 Jahren laut auszusprechen, dass er ein trans Mann ist. Er erzählt von unangenehmen Arztbesuchen, bürokratischen Hürden, alltäglicher Diskriminierung, virtueller Gewalt, aber auch von Euphorie, Freundschaft, Solidarität und queeren Held*innen. Unser Autor Samuel Benke über einen selbstbestimmten Lebensbericht, der ihn zu Tränen rührte.
Jürgen Bauer: Portrait

Jürgen Bauer: Portrait

In Jürgen Bauers „Portrait“ erzählen drei Menschen aus ihrer persönlichen Sicht von Georg: die Mutter, der Geliebte und die Ehefrau. Von der Geburt und dem Aufwachsen auf einem ärmlichen Bauernhof, vom wilden, schwulen Leben im Wien der 1970er Jahre und von einem Eheleben in der vermeintlichen „Normalität“. Unser Autor Fabian Hischmann hat sich von Bauers Erzählkunst in die Köpfe der Figuren hineinziehen lassen – auch wenn es schmerzhaft wurde.
Andrej Seuss: Nur das Eine, furchtbare – Andreas ist tot!

Andrej Seuss: Nur das Eine, furchtbare – Andreas ist tot!

Der junge Künstler Andreas Walser (1908-1930) zieht 1929 nach Paris, wo er von enormem Schaffensdrang getrieben wird, Drogen nimmt und ein maßloses Leben führt. Zudem trifft er auf den Schriftsteller Albert H. Rausch (1882-1949). "Nur das Eine, furchtbare – Andreas ist tot!" von Andrej Seuss gibt Einblicke in die Freundschaft zwischen den beiden schwulen Männern, die der Hang zum Entrückten, zur völligen Hingabe, zum Genialischen und zur Romantik verband. Anhand ihres Briefwechsels erfahren wir auch, wie Rausch vergeblich versuchte, Walser vom Drogenkonsum abzubringen. Unser Autor Elmar Kraushaar schreibt über die erkenntnisreiche Nachzeichnung einer kurzen, aber intensiven Beziehung.
Mario Cruz: Der Prinz

Mario Cruz: Der Prinz

Chile, Anfang der 1970er Jahre. Am Ende einer durchzechten Nacht ersticht der junge Jaime seinen heimlich begehrten besten Freund. Im Gefängnis wird der gefürchtete El Potro zu Jaimes Beschützer, fordert hierfür jedoch Loyalität und sexuelle Unterordnung. Mit seinem Roman "Der Prinz" führt uns Mario Cruz in eine Welt der Hierarchien und Machtproben, deren Doppelbödigkeit er in knapper, schnörkelloser Sprache offenlegt. Der 1972 im Selbstverlag gedruckte Roman avancierte in Chile zunächst zum Underground-Hit, geriet nach der Machtergreifung Pinochets aber in Vergessenheit und wird nun zum ersten Mal wieder veröffentlicht. Michael Sollorz über ein Buch, das erstaunt und direkt in die Vollen geht.
Rachilde: Monsieur Vénus

Rachilde: Monsieur Vénus

Die französische Fin-de-siècle-Schriftstellerin Rachilde (1860-1953) schrieb den Roman "Monsieur Vénus" mit Anfang 20. Sie verstieß darin so vehement gegen die damaligen gesellschaftlichen und sexuellen Konventionen, dass das Werk ihr eine Geld- und Haftstrafe einbrachte und nur in einer zensierten Version erscheinen durfte. Rachilde erzählt von einer jungen Adeligen, die sich in einen Künstler aus einfachen Verhältnissen verliebt und diesen nicht etwa zum Liebhaber macht, sondern zur Geliebten umerzieht. Erstmals erscheint das Buch, das jüngst in den Fokus der Gender Studies gerückt ist, jetzt auf Deutsch in vollständiger Originalfassung; unser Autor Dino Heicker hat es mit Begeisterung gelesen – und Lust auf mehr bekommen.
Benedikt Wolf: Mit Deutschland leben! Felix Rexhausens Literatur zwischen Zersetzung und Formspiel

Benedikt Wolf: Mit Deutschland leben! Felix Rexhausens Literatur zwischen Zersetzung und Formspiel

Felix Rexhausen (1932-1992) war als Schriftsteller, Journalist und Satiriker einer der wenigen Störenfriede, die schon zu Beginn der 1960er Jahre dem Mief der Adenauer-Ära den Kampf ansagten. Seine undogmatische Vernunft war der Ideologie der Zeit in vielem voraus. Neben Hubert Fichte und Guido Bachmann zählte er damals zu den wenigen offen schwul auftretenden Autoren deutscher Sprache. Der Germanist Benedikt Wolf hat nun die erste Monografie zu Rexhausens Werk geschrieben. Unser Autor Dino Heicker hat sie gelesen.
Khaled Alesmael: Selamlik

Khaled Alesmael: Selamlik

In seinem autobiografisch gefärbten Debütroman "Selamlik" erzählt der syrische Autor Khaled Alesmael von Furat, der in einer gutbürgerlichen Familie aufwächst. Während seiner Studienzeit in Damaskus erkundet Furat das heimliche Leben schwuler Männer in Parks, Saunen und Pornokinos. Während des Bürgerkriegs werden die Schwulen des Landes von islamistischen Rebellen gezielt gejagt. Als das Haus von Furats Familie von Kampftruppen attackiert wird, flieht der junge Mann nach Schweden und wird dort im Asylantenheim erneut mit der Homophobie seiner Landsleute konfrontiert. Unser Autor Matthias Frings über eine wuchtige Geschichte zwischen Sex und drohendem Tod.
Simon Raven: Almosen fürs Vergessen – Fielding Gray

Simon Raven: Almosen fürs Vergessen – Fielding Gray

Die Romanreihe „Almosen fürs Vergessen“ von Simon Raven erscheint erstmals in deutscher Übersetzung. Die zehn Bände umspannen die Jahre 1945 bis 1973. Miteinander verwoben sind sie durch die Mitglieder einer Gruppe privilegierter Internatsschüler, die im ersten Band „Fielding Gray“ in  Schaltstellen der britischen Gesellschaft aufzurücken versuchen. Der strebsame Titelheld Fielding Gray verliebt sich vor Antritt seines letzten Schuljahres in den unschuldigen blonden Christopher. Eine Tragödie bahnt sich an – und Fieldings strahlende Zukunft gerät ins Wanken. Unser Autor Tilman Krause empfand die elegant-lakonische Erzählweise Ravens als very british.