Literatur

Peter Rehberg: Hipster Porn

Peter Rehberg: Hipster Porn

Queertheoretische Denker gehen über die Frage, ob Pornografie zu verdammen sei oder nicht, hinaus und fragen stattdessen nach dem subversiven Potenzial pornografischer Inszenierungen. Im Interview mit Verlegerin Claudia Gehrke haben wir bereits die Möglichkeiten nicht-exploitativer Erotik und Pornografie am Beispiel des Jahrbuchs „Mein heimliches Auge“ erörtert. In „Hipster Porn“ unterzieht nun Peter Rehberg das Porno-Fanzine „Butt“ einer hochabstrakten queertheoretischen Analyse. Mike Laufenberg gibt einen Überblick über diese komplexe Studie.
Jeanette Winterson: Frankissstein

Jeanette Winterson: Frankissstein

Seit ihrem erfolgreichen Debüt „Orangen sind nicht die einzige Frucht“ im Jahr 1985 kreist Jeannette Wintersons literarische Fantasie beharrlich um Fragen nach den Grenzen von Körperlichkeit, des Vorstellungsvermögens und der sexuellen Identität. Insofern ist es kein Wunder, dass die komplexe Thematik von Mary Shelleys Roman „Frankenstein“ eines Tages in ihren Blick geriet. In einer Zeit, in der Geschlechtsangleichungen längst Normalität geworden sind und mit künstlicher Intelligenz experimentiert wird, erzählt Winterson die Liebesgeschichte von Ry Shelley und Victor Stein. Anja Kümmel hat sie gelesen.
Ulrike Heider: Der Schwule und der Spießer

Ulrike Heider: Der Schwule und der Spießer

Als links engagierte Studentin und Hausbesetzerin war die Journalistin Ulrike Heider mit ein paar zornigen jungen Männern befreundet, die 1971 in Frankfurt am Main die Politgruppe RotZSchwul (Rote Zelle Schwul) gründeten. Die beginnende Schwulenbewegung erschien Heider wie eine zweite 68er-Revolte: Provokation, sexueller Hedonismus und spielerische Aktionsformen knüpften ebenso an den Antiautoritarismus von 1968 an wie an die radikale Kritik an der Gesellschaft. Über diese Zeit hat sie nun ein vielstimmiges Erinnerungsbuch geschrieben. Roter Faden dabei ist das provokative Leben und politische Wirken eines engen Freundes, des 1992 an Aids verstorbenen Lyrikers Albert Lörken. Boris von Brauchitsch hat den berührenden Zeitzeuginnenbericht für uns gelesen.
Fabian Hischmann: Alle wollen was erleben

Fabian Hischmann: Alle wollen was erleben

Nach zwei Romanen hat Fabian Hischmann jetzt die Story-Sammlung "Alle wollen was erleben" veröffentlicht. Anders als in Neil Postmans Klassiker "Wir amüsieren uns zu Tode" liegt der Akzent dieses Bands auf dem "Wollen" – denn wie sich in der Komfortzone der Ersten Welt ein gutes Leben gestalten ließe, kann kaum eine der Figuren Hischmanns beantworten. Unser Rezensent Christian Lütjens meint: Ein Meisterstück der mehrdimensionalen Diversität in 13 Teilen.
Mein heimliches Auge: Interview mit Claudia Gehrke

Mein heimliches Auge: Interview mit Claudia Gehrke

Claudia Gehrke ist eine der letzten legendären Gestalten der deutschen Verlagslandschaft. In den 70er-Jahren war die intellektuelle und politische Diskussion in Deutschland von einer Handvoll Zeitschriften geprägt, von denen ihr „Konkursbuch“ beinahe als einzige bis heute überlebte. Bald entstand um die Zeitschrift herum ein Verlag, in dem ungewöhnliche sexuelle Perspektiven stets eine große Rolle spielten. Das berühmteste Produkt des Konkursbuch-Verlags in Tübingen ist jedoch das 1982 gegründete Jahrbuch „Mein heimliches Auge“. Über diese Geschichte dieses Jahrbuchs sprachen wir mit Verlegerin Claudia Gehrke.
Pauline Delabroy-Allard: Es ist Sarah

Pauline Delabroy-Allard: Es ist Sarah

Liebesromane gibt es wie Sand am Meer. In den meisten von ihnen geht es um die Suche nach einer beglückenden Partnerschaft oder nach Sex. In ihrem Roman "Es ist Sarah" dagegen beschreibt Pauline Delabroy-Allard die Liebe als eine Art Naturgewalt, vielleicht als eine Art Krankheit. Damit hat sie in Frankreich viel Aufsehen erregt – vollkommen zu Recht, findet unsere Rezensentin Anja Kuemmel.
Sally Rooney: Gespräche mit Freunden

Sally Rooney: Gespräche mit Freunden

Ein Roman, der den intersektionalen Feminismus einem Alltagstest unterzieht, verortet sich sofort als Stimme der Millennial-Generation: Sally Rooney wurde 1991 in Irland geboren und weiß, wovon sie schreibt. Ihr Roman „Gespräche mit Freunden“ erkundet ein modernes Lebensgefühl und unterscheidet sich damit höchst erfreulich von all den Familien-, Liebes- und Krankengeschichten, die die Gegenwartsliteratur derzeit dominieren. Anja Kümmel hat das Buch für uns gelesen.
Christopher Isherwood: Die Welt am Abend

Christopher Isherwood: Die Welt am Abend

Christopher Isherwoods literarisches Werk ist vielfältig: Neben den "Berlin Stories" seiner Jugend gibt es Berichte über seine Annäherung an den Buddhismus und schließlich wieder autobiografisch gefärbte Texte über sein Leben als Hochschullehrer in den USA. Sein Roman "Die Welt am Abend" aus dem Jahr 1954 ist stark von Introspektion geprägt, der Suche nach Liebe und dem eigenen Platz im Leben. Tilman Krause hat das Buch, das jetzt erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt, für uns gelesen.
Luis Alegre: Lob der Homosexualität

Luis Alegre: Lob der Homosexualität

Der deutsche Sexualwissenschaftler Martin Dannecker widmete 1978 ein Kapitel seiner Doktorarbeit dem „superioren Homosexuellen“, das heißt der Unsitte der Schwulenbewegung, sich den „armen Heteros“ haushoch überlegen zu fühlen. Der spanische Philosoph Luis Alegre war gerade ein Jahr alt, als dieser Text Danneckers erschien; offenbar hat er ihn weder damals noch später gelesen. In seinem Buch „Lob der Homosexualität“ trägt er alle positiven Klischees über Queere und alle negativen über Heteros zusammen. Unser Rezensent Elmar Kraushaar meint: Soll er doch!
André Aciman: Fünf Lieben lang

André Aciman: Fünf Lieben lang

Der Roman "Call Me by Your Name" machte André Aciman 2007 schlagartig berühmt – und wurde vor zwei Jahren von Luca Guadagnino fulminant verfilmt. Acimans neues Buch heißt im Original "Enigma Variations", wie der Titel eines Musikstücks von Edward Elgar, Variationen über ein Rätsel. Bei Aciman bedeutet das: Variationen über die Vielfalt der Liebe. Der deutsche Titel lautet etwas prosaischer "Fünf Lieben lang". Schon Sokrates meinte, der Liebende sei göttlicher als der Geliebte. Unsere Rezensentin Tania Witte meint, von dieser Überlegenheit sei Aciman offensichtlich etwas zu sehr überzeugt, was der Figur seines liebenden Ich-Erzählers nicht gut bekommen sei. Vielleicht ist die Lösung des Rätsels ja ganz einfach: Zur Liebe gehören immer zwei.