Literatur

Zaia Alexander: Erdbebenwetter

Zaia Alexander: Erdbebenwetter

Zaia Alexanders literarisches Debüt „Erdbebenwetter“ ist ein moderner Hexenroman: Die orientierungslose Lou wird in Los Angeles in einen magischen Zirkel eingeführt. Ihr Alltag gewinnt schlagartig elektrisierende Intensität. „Erdbebenwetter“ bringt Hierarchien zwischen Tier und Mensch ebenso ins Wanken wie zwischen Kindern und Eltern. Unsere Autorin Anja Kümmel über eine ungewöhnliche Geschichte der Selbstbestimmung an einem flirrenden Ort zwischen Apokalypse und Utopie.
Glitter

Glitter

„Glitter“ versteht sich als „Die Gala der Literaturzeitschriften“. Sie erscheint jährlich im Dezember; nun bereits zum vierten Mal. Zu lesen gibt es darin queere Kurzgeschichten, Lyrik und Essays, queer illustriert und queer verteilt. Unser Autor Stefan Hochgesand hat sich in die glitzernden Wunderkammern aus Texten begeben und dabei große Freude empfunden.
Jonas Eika: Nach der Sonne

Jonas Eika: Nach der Sonne

Über Dänemarks queeres Literaturwunderkind Jonas Eika wurde in den letzten Monaten so viel geschrieben, dass man mit den Rezensionsversuchen, die surreale Gesellschaftskritik in der Story-Sammlung „Nach der Sonne“ einzuordnen, locker einen eigenen Band füllen könnte, der dreimal so dick wäre wie die 160 Seiten starke Story-Sammlung selbst. Warum eigentlich dieser Hype? Unser Autor Christian Lütjens mit dem Versuch einer sachlichen Betrachtung des Autors und dessen Buches.
Simon Raven: Die Säbelschwadron

Simon Raven: Die Säbelschwadron

„Fielding Gray“ machte im Frühjahr den Auftakt der erstmals ins Deutsche übertragenen, zehnbändigen Romanreihe „Almosen fürs Vergessen“ von Simon Raven. Nun folgt „Die Säbelschwadron“, in dem es nicht nur ein Wiedersehen mit Fielding Gray gibt, sondern auch um den jüdischen Wissenschaftler Daniel Mond geht, der 1952 von Cambridge nach Göttingen reist, um sich dem Nachlass eines deutschen Mathematikers zu widmen. Ravens Roman ist zugleich harter Agententhriller und homoerotisch aufgeladene Milieustudie der britischen Armee. Tilman Krause hat sich in eine Männerwelt der schillernden Rituale in kräftigem Altrosa begeben.
Jan Morris: Rätsel

Jan Morris: Rätsel

Jan Morris, geboren 1926 und erst kürzlich am 20. November 2020 verstorben, führte die ersten 35 Jahre nach außen hin ein Leben als Mann: beim britischen Militär, im journalistischen Milieu, in einer Ehe mit vier Kindern. Doch dann fasste Jan einen Entschluss. In „Rätsel“ liefert die Schriftstellerin einen spannenden und zugleich humorvollen Bericht ihres Lebens als "Betrachtung einer Wandlung". Unser Autor Tilman Krause hat das 1974 erstmals veröffentlichte und nun auch in deutscher Übersetzung erhältliche Buch mit Gewinn und Vergnügen gelesen.
Pierre Loti: Mein Bruder Yves

Pierre Loti: Mein Bruder Yves

Pierre Lotis Roman „Mein Bruder Yves“ (1883) spielt auf einem Schiff der Kriegsmarine. Der Ich-Erzähler ist Yves Kermadec, dem „geschicktesten, seetüchtigsten Mann“ an Bord, innig verbunden. Er ist fasziniert von Yves' Schönheit und will seinen „Bruder“, der an Land dem Alkohol verfallen ist, vor der Zügellosigkeit schützen. Unser Autor Dino Heicker schreibt über den faszinierenden, weitgereisten Autor Pierre Loti, der wie in „Lichtes Meer“ auch immer wieder schwule Matrosenromantik inspiriert hat, und dessen noch heute höchst lesenswerte Geschichte einer Männerfreundschaft auf hoher See.
Linus Giese: Ich bin Linus

Linus Giese: Ich bin Linus

In seinem Debüt „Ich bin Linus“ schildert Linus Giese, wie es ihm gelang, nach 31 Jahren laut auszusprechen, dass er ein trans Mann ist. Er erzählt von unangenehmen Arztbesuchen, bürokratischen Hürden, alltäglicher Diskriminierung, virtueller Gewalt, aber auch von Euphorie, Freundschaft, Solidarität und queeren Held*innen. Unser Autor Samuel Benke über einen selbstbestimmten Lebensbericht, der ihn zu Tränen rührte.
Jürgen Bauer: Portrait

Jürgen Bauer: Portrait

In Jürgen Bauers „Portrait“ erzählen drei Menschen aus ihrer persönlichen Sicht von Georg: die Mutter, der Geliebte und die Ehefrau. Von der Geburt und dem Aufwachsen auf einem ärmlichen Bauernhof, vom wilden, schwulen Leben im Wien der 1970er Jahre und von einem Eheleben in der vermeintlichen „Normalität“. Unser Autor Fabian Hischmann hat sich von Bauers Erzählkunst in die Köpfe der Figuren hineinziehen lassen – auch wenn es schmerzhaft wurde.
Andrej Seuss: Nur das Eine, furchtbare – Andreas ist tot!

Andrej Seuss: Nur das Eine, furchtbare – Andreas ist tot!

Der junge Künstler Andreas Walser (1908-1930) zieht 1929 nach Paris, wo er von enormem Schaffensdrang getrieben wird, Drogen nimmt und ein maßloses Leben führt. Zudem trifft er auf den Schriftsteller Albert H. Rausch (1882-1949). "Nur das Eine, furchtbare – Andreas ist tot!" von Andrej Seuss gibt Einblicke in die Freundschaft zwischen den beiden schwulen Männern, die der Hang zum Entrückten, zur völligen Hingabe, zum Genialischen und zur Romantik verband. Anhand ihres Briefwechsels erfahren wir auch, wie Rausch vergeblich versuchte, Walser vom Drogenkonsum abzubringen. Unser Autor Elmar Kraushaar schreibt über die erkenntnisreiche Nachzeichnung einer kurzen, aber intensiven Beziehung.
Mario Cruz: Der Prinz

Mario Cruz: Der Prinz

Chile, Anfang der 1970er Jahre. Am Ende einer durchzechten Nacht ersticht der junge Jaime seinen heimlich begehrten besten Freund. Im Gefängnis wird der gefürchtete El Potro zu Jaimes Beschützer, fordert hierfür jedoch Loyalität und sexuelle Unterordnung. Mit seinem Roman "Der Prinz" führt uns Mario Cruz in eine Welt der Hierarchien und Machtproben, deren Doppelbödigkeit er in knapper, schnörkelloser Sprache offenlegt. Der 1972 im Selbstverlag gedruckte Roman avancierte in Chile zunächst zum Underground-Hit, geriet nach der Machtergreifung Pinochets aber in Vergessenheit und wird nun zum ersten Mal wieder veröffentlicht. Michael Sollorz über ein Buch, das erstaunt und direkt in die Vollen geht.