Nachrufe (Film)

In memoriam: Tab Hunter (1931-2018)

In memoriam: Tab Hunter (1931-2018)

Tab Hunter war in den 1950er Jahren einer der größten Leindwandhelden und Teenie-Idole der USA. Unter dem Namen Arthur Andrew Kelm als Sohn deutscher Einwanderer in New York geboren, kam er als Junge mit seiner Mutter nach Kalifornien, wo er über kurze Karrieren im Eiskunstlauf und als Küstenwächter bei der Schauspielerei landete. Der berüchtigte Hollywood-Agent Henry Wilson, Spezialgebiet "pretty boys", verpasste dem durchtrainierten Jüngling mit dem strahlenden Lächeln den Künstlernamen Tab Hunter und verhalf ihn zu einem Exklusiv-Vertrag bei Warner Brothers. Auf Hunters erste, beinah kleiderlose Hauptrolle in dem Südseedrama "Insel der Verheißung" (1952) folgten Kassenschlager wie der Kriegsfilm "Der Seefuchs" (1955), das Oscar-nominierte Musical "Damn Yankees" (1958) und das Drama "So etwas von Frau!" (1959). Wie es sich für einen Frauenschwarm der damaligen Zeit gehörte, nahm Hunter auch höchst erfolgreich Songs, ja ganze Platten auf. Um größere Freiheiten bei der Rollenwahl zu haben, kaufte er sich aus dem Knebelvertrag mit Warner heraus – und leitete damit das Ende seine ungeheuerlichen Popularität ein. Für landesweite Aufsehen sorgte erst wieder die Veröffentlichung seiner Autobiografie "Tab Hunter Confidential" (2005), in der er seine Homosexualität öffentlich machte und Details über seine früheren Beziehungen mit Anthony Perkins und Eiskunstläufer Ronald Robertson sowie seine Affären mit Rudolf Nurejew und Helmut Berger preisgab. Drei Tage vor seinem 87. Geburtstag ist Hunter nun an den Folgen eines Herzstillstands gestorben, wie sein langjähriger Produzent und Partner Allan Glaser bestätigte. Wir erinnern an einen der schönsten Männer der golden-verdunkelten 50er Jahre in Hollywood mit seinem größten Hit, einer Liebeshymne mit angezogener Handbremse.
Der Moment: XXY

Der Moment: XXY

„Der MENSCH meines lebens bin ich.“ 1975 erschien „Häutungen“ von Verena Stefan. Der vielschichtige Roman über selbstbestimmte weibliche Sexualität wurde zum Klassiker der sogenannten „Neuen Frauenliteratur“ und ist bis heute ein internationaler Bestseller. Als die SISSY Verena Stefan 2011 bat, ihren Lieblingsmoment aus einem Film des queeren Kinos zu beschreiben, erhielt sie gleich mehrere, alle aus Lucía Puenzos „XXY“. Und, natürlich, ein Plädoyer für die Vieldeutigkeit. Nun ist Verena Stefan nach langer Krankheit gestorben. Mit der Wiederveröffentlichung ihres „Moments“ möchten wir an sie erinnern.
In memoriam: Manfred Salzgeber (1943-1994)

In memoriam: Manfred Salzgeber (1943-1994)

Wer hat eigentlich gesagt, dass man an Verstorbene und schmerzlich Vermisste nur zu runden Todestagen erinnern darf?! An diesem Samstag jährt sich der Tod des großen schwulen Filmverleihers, Festivalmachers, Cineasten und Aktivisten Manfred Salzgeber zum 23. Mal. Manfreds Engagement für die Filmkunst der Außenseiter und Minderheiten war schier grenzenlos: Er war Gründungsmitglied des Berlinale-Forums und des kommunalen Kinos Arsenal, betrieb in Berlin mehrere Programmkinos, als es den Begriff Programmkino noch gar nicht gab, leitete viele Jahre das Panorama der Berlinale und erfand zusammen mit Wieland Speck den Teddy Award. Als Mitte der 80er Jahre kein deutscher Verleih bereit war, das US-amerikanische Aids-Drama "Buddies" in die Kinos zu bringen, gründete er kurzerhand seinen eigenen Filmverleih, die bis heute höchst agile "Edition Salzgeber". Um an Manfreds Mut und seinen unermüdlichen Entdeckergeist zu erinnern, denen sich auch die sissy eng verbunden fühlt, veröffentlichen wir den berührenden Nachruf von Mariam Lau, der am 18. August 1994, sechs Tage nach Manfreds Tod, in der taz erschienen ist.