Lebensbilder

Futur Drei

Futur Drei

Parvis wächst als Kind der Millennial-Generation im komfortablen Wohlstand seiner iranischen Einwanderereltern auf. Dem Provinzleben in Hildesheim versucht er durch Popkultur und Grindr-Dates zu entfliehen. Als er in einer Unterkunft für Geflüchtete das Geschwisterpaar Banafshe und Amon kennenlernt, beginnt eine fragile Dreierbeziehung. Faraz Shariats autobiografisches Regiedebüt, das im Künstler*innen-Kollektiv Jünglinge entstanden ist, war *der* queere Film der Berlinale 2020 und wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Teddy und dem First Steps Award. Ab sofort gibt es „Futur Drei“ auf DVD, BluRay und im Salzgeber Club. Zudem findet bis zum 18. April das Festival „Futur 3.0“ statt: Auf der Festivalwebsite werden Videos und Angebote veröffentlicht, die inhaltlich und thematisch an den Film anknüpfen. Unser Autor Dennis Vetter spürt Shariats aktivistischem Gegenentwurf zum konventionellen deutschen Kino nach und plädiert selbst für mehr diverse Realität auf der Leinwand.
Neubau

Neubau

Wo möchte ich leben – und wie? Mit diesen existentiellen Fragen beschäftigen sich Autor/Hauptdarsteller Tucké Royale und Regisseur Johannes M. Schmit in ihrem Debütfilm „Neubau“ aus der Sicht eines jungen queeren Mannes in der Uckermark. Und beantworten sie mit einem dezidiert nicht-normativen Lebensentwurf, in dem die Befreiung aus konservativen Vorstellungen von Sexualität und Geschlechterzugehörigkeit ebenso eine Rolle spielen wie Commitment und gegenseitige Fürsorge. Ihr queerer Heimatfilm entstand fernab der großen Metropolen als unabhängige Produktion in einem Künstler*innen-Kollektiv, dem es um ambivalente (Gegen-)Erzählungen und eine „Neue Selbstverständlichkeit“ geht. Lukas Foerster über das Glitzern queerer Körper in der Weite Brandenburgs.
Kleines Mädchen

Kleines Mädchen

Sasha wusste schon immer, dass sie ein Mädchen ist, auch wenn sie mit männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde. Von ihren liebevollen Eltern erfährt die 7-Jährige vollste Unterstützung, doch andere in ihrem Umfeld, besonders die Lehrer, beharren auf einem starren Junge-Mädchen-Denken. Für Sasha bedeutet das einen täglichen Kampf, als die gesehen und anerkannt zu werden, die sie wirklich ist. Ein Jahr lang hat der preisgekrönte Regisseur Sébastien Lifshitz („Sommer wie Winter“, „Wild Side“,„Bambi“) das kleine Mädchen und ihre Eltern mit der Kamera begleitet. Ihre Erfolge und Rückschläge fängt er behutsam und voller Empathie ein. „Kleines Mädchen“ wurde selbst bereits vielfach ausgezeichnet und läuft ab Donnerstag im Salzgeber Club. Unsere Autorin Cosima Lutz über einen verheißungsvollen Film, der konservative Vorstellungen von Geschlecht berührend in Frage stellt.
Minjan

Minjan

David stammt aus einer russischen Einwandererfamilie und nimmt als guter Sohn regelmäßig an den Gottesdiensten seiner jüdischen Gemeinde teil, um das nötige Quorum zu erreichen. Doch als Junge, der auf andere Jungs steht, fühlt er sich von den strengen Regeln seiner Community mehr und mehr eingeengt. Ausgerechnet die Nachbarn seines Großvaters, ein älteres schwules Paar, lassen ihn die Möglichkeiten homosexueller Liebe erahnen – aber auch die plötzliche Vergänglichkeit allen Lebens. In seinem vielschichtigen Regiedebüt erzählt Eric Steel vom sexuellen Erwachen und einem Glaubenskonflikt inmitten eines noch nicht gentrifizierten New Yorks Ende der 80er Jahre. Für unseren Autor Manuel Schubert kollidieren in „Minjan“ zudem die Erinnerungen an den Holocaust mit den Erfahrungen der Aids-Epidemie. Über einen Film, der zeigt, wie scheinbar Unaussprechliches doch sagbar gemacht werden könnte.
Eine total normale Familie

Eine total normale Familie

Die 11-jährige Emma hat immer gedacht, dass ihre Familie wie alle anderen ist. Bis ihr Papa Thomas sich eines Morgens als trans outet und erklärt, dass er von nun an als Frau leben möchte. Während aus Thomas nach und nach die elegant gekleidete Agnete wird, verändert sich auch die Beziehung zwischen Vater und Tochter. Mit viel Feingefühl und leisem Humor zeigt Malou Reymann in „Eine total normale Familie“, wie sich eine Familie von heteronormativen Vorstellungen lösen muss, um eine gemeinsame Zukunft zu haben. Unsere Autorin Esther Buss über eine dänische Tragikomödie, die vom Glauben an gemeinsame Veränderung erzählt.
Ulrike Ottinger – Die Nomadin vom See

Ulrike Ottinger – Die Nomadin vom See

Die Filme von Ulrike Ottinger gehören zum Aufregendsten, was die deutsche Kinogeschichte zu bieten hat. Für ihr Lebenswerk erhielt die gebürtige Konstanzerin 2010 das Bundesverdienstkreuz und 2012 den Special Teddy der Berlinale. Im Dokumentarfilm „Ulrike Ottinger – Die Nomadin vom See“, der ab Donnerstag im Salzgeber Club zu sehen ist, gibt Brigitte Kramer, ebenfalls in Konstanz aufgewachsen, einen Einblick in Ottingers surreales Werk – und zeichnet zugleich das Bild einer Epoche, die vom Aufbruch der Frauen in den Künsten geprägt war. Fritz Göttler über das Porträt einer Ausnahmekünstlerin und das ganze Glück des Kinos.
Port Authority

Port Authority

Auf sanfte Weise radikal erzählt Danielle Lessovitz in „Port Authority“ die Geschichte eines jungen Mannes, der sich im New York von heute in eine Vogue-Tänzerin verliebt – und in deren faszinierende Ballroom-Community gleich mit. Eigentlich sollte der Film mit Shootingstar Fionn Whitehead und Queer-Ikone Leyna Bloom, der in Cannes Premiere feierte, im Dezember im Kino anlaufen. Stattdessen ist „Port Authority“ jetzt sowohl im Salzgeber Club zu sehen als auch auf DVD erhältlich. Unsere Autorin Cosima Lutz über einen mitreißenden Tanzfilm, der Liebe und Geborgenheit jenseits normativer Paar- und Familienbilder feiert.
Das letzte Spiel – La Partida

Das letzte Spiel – La Partida

In Antonio Hens’ kraftvollem Spielfilm „Das letzte Spiel – La Partida“, der jetzt im Salzgeber Club zu sehen ist, wird die Liebe zweier kubanischer Jungs schlicht und einfach dadurch erdrückt, dass sie kaum etwas zu essen haben, die Bedürfnisse ihrer Familien, ihrer Frauen und ihrer Freier befriedigen müssen und gar keine Möglichkeiten haben, ihren eigenen nachzugehen. Das erreicht eine ungeheure Komplexität, wenn Hens diese beiden zerbrechlichen Jungs handlungsunfähig macht, ohne ihnen seine Liebe zu entziehen. Unser Autor Malte Göbel über eine tragische Boy-meets-Boy-Geschichte.
Jean Paul Gaultier: Freak & Chic

Jean Paul Gaultier: Freak & Chic

Leben und Werk von Jean Paul Gaultier fließen seit jeher ineinander. Die „Fashion Freak Show“, in der der ikonische Modeschöpfer im Jahr 2018 seine Biografie als prunkvolle Bühnenrevue verarbeitet hat, erschien deswegen fast zwangsläufig. Regisseur Yann L'Hénoret wirft in „Jean Paul Gaultier: Freak & Chic“ einen Blick hinter die Kulissen der aufwendigen Produktion auf der legendären Pariser Varietébühne Folies Bergère. Catherine Deneuve, Rossy de Palma und Madonna sind mit dabei. Unsere Autorin Barbara Schweizerhof war aber vor allem vom Zusammenhalt hinter der Bühne beeindruckt.
Making Montgomery Clift

Making Montgomery Clift

Am 17. Oktober 2020 wäre Montgomery Clift 100 Jahre alt geworden. Bildhübsch, sensibel und sexuell ambig verkörperte er in den 1950ern und frühen 60ern vor allem die tragischen Antihelden des Hollywood-Kinos – und gilt mit James Dean und Marlon Brando als einer der drei großen „rebel males“. Doch spätestens seit Clifts frühem Tod mit 46 Jahren dominierte in den Medien das Bild des „sad young man“, der sich nie offen zu seiner vermeintlichen Homosexualität bekannt habe und der dem Starsystem zum Opfer gefallen sei. In einem neuen Dokumentarfilm zeichnen Robert Clift, jüngster Neffe des Filmstars, und Hillary Demmon ein anderes Bild – von einem lebensfrohen, lustvollen und ambitionierten Schauspieler. Unser Autor Matthias Frings über den Versuch eines Gegennarrativs.