Lebensbilder

Als wir tanzten

Als wir tanzten

Am 23. Juli startet endlich Levan Akins großartiges Liebes- und Tanzdrama "Als wir tanzten" bundesweit im Kino. Den Juli über ist der Film, der ursprünglich schon im April starten sollte, zudem in der queerfilmnacht zu sehen. "Als wir tanzten" erzählt die Geschichte des Nachwuchstänzers Merab, der an der Akademie des Georgischen Nationalballetts in Tiflis studiert. Als Irakli neu in die Klasse kommt, sieht Merab in ihm zunächst einen Rivalen. Aus der Konkurrenz wird bald ein immer stärkeres Begehren. Doch im homophoben Umfeld der Schule wird von den beiden erwartet, dass sie ihre Liebe geheim halten. Akins Films wurde in Cannes als Entdeckung gefeiert und seitdem vielfach ausgezeichnet. Der in Georgien erschreckend weit verbreiteten Queer-Feindlichkeit, die sich auch in homophoben Protesten bei der Landespremiere zeigte, hält Akin eine entschiedene Feier von nicht-heterosexueller Liebe entgegen. Und sissy feiert gleich doppelt mit: Sascha Westphal spürt der sexuellen und tänzerischen Befreiungsbewegung nach, die Merab den Repressionen in seiner Heimat energisch entgegensetzt. Und Stefan Hochgesand musste aufpassen, nicht gleich wie Honig dahinzuschmelzen.
Monika Treut: Female Misbehavior!

Monika Treut: Female Misbehavior!

Aktuell gibt es eine tolle Gelegenheit, das Werk von Monika Treut und Elfi Mikesch wiederzuentdecken: Die Anthology Film Archives, das Goethe-Institut New York und Salzgeber präsentieren international auf Vimeo die Retrospektive "Female Misbehavior: The Films of Monika Treut & Elfi Mikesch", die sich den lustvoll-subversiven Filmen der zwei unerschrockenen Avantgardistinnen widmet. Seit dem in Co-Regie entstandenen sadomasochistischen Liebesdrama "Verführung: Die grausame Frau" (1985) verbindet die beiden eine lange und fruchtbare professionelle Partnerschaft, die auch zur gemeinsamen Gründung der unabhängigen Produktionsfirma Hyena Films führte. Vor zwei Jahren sprach Jan Künemund zur Veröffentlichung der DVD-Box "Monika Treut: Female Misbehavior!" mit Treut über drei Jahrzehnte weibliche Kino-Lust, Gender-Science-Fiction und queere Pionierarbeit – und natürlich auch über ihre Freundin und Kollegin Elfi Mikesch.
I Am Not Your Negro

I Am Not Your Negro

Raoul Pecks Oscar-nominierter Film basiert auf einem Manuskript von James Baldwin (1924-1987), in dem sich der Autor und Aktivist mit den Biografien dreier enger Freunde beschäftigt: Martin Luther King, Malcolm X und Medgar Evers. Die Erinnerungen an die drei großen Bürgerrechtler, die alle bei Attentaten ermordet wurden, verknüpft Baldwin mit einer Reflektion der eigenen, schmerzhaften Lebenserfahrung als Schwarzer in den USA. Pecks Film schreibt Baldwins Fragment im Geiste des Autors fort und verdichtet es zu einer beißenden Analyse, die den Bogen bis in die Jetztzeit: zur noch immer allgegenwärtigen weißen Polizeigewalt gegen Schwarze und der Black-Lives-Matter-Bewegung. „I Am Not Your Negro“ muss gerade jetzt auch in Deutschland (wieder) gesehen werden! In Solidarität mit George Floyd und allen anderen Opfern rassistisch motivierter Gewalt in den USA steht der Film ab sofort für nur 1 EU als Stream zum Ausleihen im Salzgeber Club zur Verfügung.
Bones of Contention

Bones of Contention

Entlang von Spaniens Landstraßen, verdeckt von Pinienbäumen, liegen die Massengräber von über 120.000 anonymen Opfern der Franco-Diktatur. Unter ihnen sind auch zahlreiche Lesben und Schwule, die während des Regimes im Verborgenen leben mussten. Noch heute kämpfen die Hinterbliebenen dafür, die Überreste ihrer Angehörigen bergen und würdig bestatten zu dürfen. Besonders rätselhaft ist, was mit der Leiche des spanischen Dichters Federico García Lorca passiert ist. Die US-amerikanische Regisseurin Andrea Weiss („Paris Was a Woman“, „Escape to Life“) stellt in ihrem neuen Film die Frage, wie ein Land eine Vergangenheit ausgraben kann, die noch heute von oberster Stelle unterdrückt wird, und zeigt dabei den mutigen Kampf der queeren Community um Aufklärung, Gerechtigkeit und Sichtbarkeit. Jessica Ellen über ein poetisches filmisches Denkmal für die vergessenen Opfer unter Franco, das ab 21. Mai im Salzgeber Club zu sehen ist.
Label Me

Label Me

Das Verhältnis zwischen dem geflüchteten Syrer Waseem und seinem deutschen Freier Lars ist klar geregelt. Und doch verändert sich ihre Beziehung im Laufe ihrer sexuellen Begegnungen. Es kommt zu einer Annäherung, die zur Gefahr in der harten Lebensrealität von Waseems Unterkunft wird. Nachwuchsregisseur Kai Kreuser, einer der Macher der queeren Webserie "Kuntergrau", wurde im vergangenen Jahr für "Label Me" mit dem Max Ophüls Preis für den Besten mittelangen Film ausgezeichnet. Zusammen mit "Bester Mann" von Florian Forsch ist seine prägnante Charakterstudie ab sofort im Salzgeber Club zu sehen. Axel Schock über einen klug nuancierten Abschlussfilm.
Rettet das Feuer

Rettet das Feuer

In den Achtzigern ist Jürgen Baldiga einer der umtriebigsten Künstler des West-Berliner Undergrounds: Er macht Musik, Lyrik und Drag, vor allem aber fotografiert er seine Umgebung und sich. Nach seiner HIV-Infektion nutzt er die Kunst, um das eigene Sterben und das der Freunde zu dokumentieren. Ein Vierteljahrhundert nach Baldigas Tod hat sich Regisseur Jasco Viefhues mit dessen Weggefährt*innen und Freund*innen getroffen. Seine Gespräche fügt er mit einer Fülle von Fotos und teilweise noch nie gesehenem Archivmaterial zusammen. Unser Autor Matthias Frings schreibt über den Künstler Jürgen Baldiga, der ein besonderes Leuchten in seinen hellen Augen hatte, und über einen Film, der ohne Pathos und Heldenverehrung auskommt, weil er so viel Liebe hat. Ab 30. April ist "Rettet das Feuer" im Salzgeber Club zu sehen.
Madame

Madame

Scheidung in den 1920ern, erfolgreiche Geschäftsfrau in den 1930ern. Caroline hat sich immer über Grenzen hinweggesetzt, die die patriarchale Gesellschaft für sie vorgesehen hatte. In den 1980ern führt ihr Enkelsohn Stéphane einen ähnlichen Kampf: Als schwuler Junge in einer großbürgerlichen Schweizer Familie sucht er der Rolle des angepassten, maskulinen Heteros zu entkommen. Und beginnt als 13-Jähriger, sich und seine Umgebung mit einer Video-Kamera aufzunehmen. Aus seinem umfangreichen biografischen Bildarchiv hat Stéphane Riethauser als erwachsener Regisseur ein berührendes Doppelporträt von sich und seiner flamboyanten Großmutter gewonnen. Sascha Westphal schreibt über den großartigen Essayfilm "Madame", der konservative Vorstellungen von Geschlechterverhältnissen und Sexualität infrage stellt – und ab 23. April im Salzgeber Club als VoD zu sehen ist.
Taxi zum Klo

Taxi zum Klo

Diese Woche geht der Salzgeber Club in die dritte Runde und zeigt mit Frank Ripplohs "Taxi zum Klo" einen der großen Klassiker des schwulen Kinos in digital restaurierte Fassung. Bei seiner Erstveröffentlichung vor 40 Jahren löste der Film über einen offen schwulen Lehrer aus West-Berlin und dessen sexuelle Abenteuer einen Skandal in der braven Bundesrepublik aus – und wurde kurz darauf sensationell mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet. Philipp Stadelmaier über einen Film, der heute zurecht als Meilenstein des nicht-heterosexuellen Kinos aus Deutschland gilt, weil er in seiner Darstellung einer souveränen schwulen Hauptfigur der Zeit weit voraus war.
This Is Not Berlin

This Is Not Berlin

Auch in dieser Woche präsentiert der Salzgeber Club eine exklusive VoD-Premiere. Ab 9.4. ist der preisgekrönte mexikanische Coming-of-Age-Film „This Is Not Berlin“ auf salzgeber.de zu sehen. Regisseur Hari Sama erzählt darin die Geschichte des 17-jährigen Carlos, der im Mexico City des Jahres 1986 in einen Sog von Sex, Drogen und dem Rausch der Freiheit gerät – und dabei erwachsen wird. Unser Autor Andreas Köhnemann sprang, von stimmiger Musik begleitet, mit den Figuren ins Unbekannte und landete in einer mitreißenden Erweckungsgeschichte.
Kopfplatzen

Kopfplatzen

Der neue Salzgeber Club präsentiert ab sofort jede Woche eine exklusive VoD-Premiere. Zum Start gibt es "Kopfplatzen" von Savaş Ceviz. In dem bewegenden Drama spielt Max Riemelt ("Freier Fall") einen Pädosexuellen, der gegen die immer lauter werdenden Rufe in seinem Kopf ankämpft. Unser Autor Philipp Stadelmaier ist nicht nur von Riemelts mutiger Rollenwahl und aufwühlender Darstellung beeindruckt, sondern hat in "Kopfplatzen" auch interessante Antworten auf die Frage gefunden, wie man filmisch ein Begehren zeigen kann, das permanent unterbrochen werden muss.