Im Kino

Kokon

Kokon

Jahrhundertsommer in Berlin-Kreuzberg. Im multikulturellen Mikrokosmos rund um das Kottbusser Tor bahnt sich die 14-jährige Nora ihren Weg durchs Erwachsenwerden. Während die Hitze auf ihrer Haut klebt, bekommt sie zum ersten Mal die Periode, entdeckt ihre Liebe für andere Mädchen und lernt die wilde Romy kennen... In ihrem zweiten Film erzählt Regisseurin Leonie Krippendorff ("Looping") in sinnlichen Bildern eine authentische Berliner Coming-of-Age-Geschichte über aufkeimende Gefühle, sexuelles Erwachen und die erste große Liebe. Neben der überragenden Hauptdarstellerin Lena Urzendowsky spielen die Kinostars Jella Haase und Lena Klenke. Unsere Autorin Esther Buss hat Nora bei ihrer Entpuppung zugesehen – und schreibt über einen Sommer, nach dem nichts mehr so sein wird wie zuvor.
Als wir tanzten: Video-Interview mit Levan Akin

Als wir tanzten: Video-Interview mit Levan Akin

Der schwedische Regisseur Levan Akin erzählt in seinem dritten Spielfilm "Als wir tanzten" nicht nur mitreißend und visuell virtuos von der Liebe zwischen zwei jungen Tänzern in Tiflis. Er macht zugleich dem Heimatland seiner georgischen Eltern, allen homophoben Tendenzen innerhalb der dortigen Gesellschaft zum Trotz, eine stürmische Liebeserklärung. Wir haben uns mit Akin in Berlin getroffen und mit ihm über die besonderen Herausforderungen beim Filmdreh, toxische Männlichkeit im Georgischen Tanz und die tausend Gesichter seines Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani gesprochen – und über jenen Weg, der auch in Georgien in die Freiheit führt.
Als wir tanzten

Als wir tanzten

Heute startet endlich Levan Akins großartiges Liebes- und Tanzdrama "Als wir tanzten" bundesweit im Kino. Der Film erzählt die Geschichte des Nachwuchstänzers Merab, der an der Akademie des Georgischen Nationalballetts in Tiflis studiert. Als Irakli neu in die Klasse kommt, sieht Merab in ihm zunächst einen Rivalen. Aus der Konkurrenz wird bald ein immer stärkeres Begehren. Doch im homophoben Umfeld der Schule wird von den beiden erwartet, dass sie ihre Liebe geheim halten. Akins Films wurde in Cannes als Entdeckung gefeiert und seitdem vielfach ausgezeichnet. Der in Georgien erschreckend weit verbreiteten Queer-Feindlichkeit, die sich auch in homophoben Protesten bei der Landespremiere zeigte, hält Akin eine entschiedene Feier von nicht-heterosexueller Liebe entgegen. Und sissy feiert gleich doppelt mit: Sascha Westphal spürt der sexuellen und tänzerischen Befreiungsbewegung nach, die Merab den Repressionen in seiner Heimat energisch entgegensetzt. Und Stefan Hochgesand musste aufpassen, nicht gleich wie Honig dahinzuschmelzen.
Berlin Alexanderplatz

Berlin Alexanderplatz

Burhan Qurbani verlegt Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz" aus dem Jahr 1929 in die Jetztzeit. Aus dem Protagonisten Franz Biberkopf wird Francis, der nach einer illegalen Überfahrt von Afrika nach Europa in der deutschen Hauptstadt landet. Wie schon in der 14-teiligen Miniserien-Adaption von Rainer Werner Fassbinder aus den Achtzigern entsteht zwischen der gebrochenen, naiven Hauptfigur und dem mephistophelischen Reinhold eine enge Bande mit fatalen Folgen. Unser Autor Dennis Vetter hat drei Stunden voller Spannung und Spektakel, Konflikten und Körpern erlebt – und das Resultat als extrem aktuell und erschreckend traditionell zugleich empfunden.
Beach Rats

Beach Rats

Sommer auf Coney Island. Tagsüber hängt Frankie mit seinen Hetero-Kumpels am Strand ab, abends datet er Simone, nachts zieht es ihn in schwule Chatrooms – und irgendwann in die Cruising-Bereiche am Flussufer. In "Beach Rats", der heute Abend um 23h25 bei rbb QUEER läuft, fängt die US-amerikanische Filmemacherin Eliza Hittman Frankies Coming-of-Age am äußersten Rand New Yorks, wo Arbeitslosigkeit und Jugendkriminalität zum Alltag gehören, mit poetisch-realistischen Bildern ein. Dafür wurde sie in Sundance mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet. Die große Entdeckung des Films ist ihr Hauptdarsteller Harris Dickinson, der Frankies Ambivalenzen zwischen lässigem Nichtstun, Verdrängung und homosexueller Erregung derart glaubwürdig verkörpert, dass ihn Teile der US-Presse zum neuen Shooting Star des Independent-Kinos ausgerufen haben. Unser Autor Frédéric Jaeger driftet mit ihm durch Tag und Nacht.
I Am Not Your Negro

I Am Not Your Negro

Raoul Pecks Oscar-nominierter Film basiert auf einem Manuskript von James Baldwin (1924-1987), in dem sich der Autor und Aktivist mit den Biografien dreier enger Freunde beschäftigt: Martin Luther King, Malcolm X und Medgar Evers. Die Erinnerungen an die drei großen Bürgerrechtler, die alle bei Attentaten ermordet wurden, verknüpft Baldwin mit einer Reflektion der eigenen, schmerzhaften Lebenserfahrung als Schwarzer in den USA. Pecks Film schreibt Baldwins Fragment im Geiste des Autors fort und verdichtet es zu einer beißenden Analyse, die den Bogen bis in die Jetztzeit: zur noch immer allgegenwärtigen weißen Polizeigewalt gegen Schwarze und der Black-Lives-Matter-Bewegung. „I Am Not Your Negro“ muss gerade jetzt auch in Deutschland (wieder) gesehen werden! In Solidarität mit George Floyd und allen anderen Opfern rassistisch motivierter Gewalt in den USA steht der Film ab sofort für nur 1 EU als Stream zum Ausleihen im Salzgeber Club zur Verfügung.
Rettet das Feuer

Rettet das Feuer

In den Achtzigern ist Jürgen Baldiga einer der umtriebigsten Künstler des West-Berliner Undergrounds: Er macht Musik, Lyrik und Drag, vor allem aber fotografiert er seine Umgebung und sich. Nach seiner HIV-Infektion nutzt er die Kunst, um das eigene Sterben und das der Freunde zu dokumentieren. Ein Vierteljahrhundert nach Baldigas Tod hat sich Regisseur Jasco Viefhues mit dessen Weggefährt*innen und Freund*innen getroffen. Seine Gespräche fügt er mit einer Fülle von Fotos und teilweise noch nie gesehenem Archivmaterial zusammen. Unser Autor Matthias Frings schreibt über den Künstler Jürgen Baldiga, der ein besonderes Leuchten in seinen hellen Augen hatte, und über einen Film, der ohne Pathos und Heldenverehrung auskommt, weil er so viel Liebe hat. Ab 30. April ist "Rettet das Feuer" im Salzgeber Club zu sehen.
Madame

Madame

Scheidung in den 1920ern, erfolgreiche Geschäftsfrau in den 1930ern. Caroline hat sich immer über Grenzen hinweggesetzt, die die patriarchale Gesellschaft für sie vorgesehen hatte. In den 1980ern führt ihr Enkelsohn Stéphane einen ähnlichen Kampf: Als schwuler Junge in einer großbürgerlichen Schweizer Familie sucht er der Rolle des angepassten, maskulinen Heteros zu entkommen. Und beginnt als 13-Jähriger, sich und seine Umgebung mit einer Video-Kamera aufzunehmen. Aus seinem umfangreichen biografischen Bildarchiv hat Stéphane Riethauser als erwachsener Regisseur ein berührendes Doppelporträt von sich und seiner flamboyanten Großmutter gewonnen. Sascha Westphal schreibt über den großartigen Essayfilm "Madame", der konservative Vorstellungen von Geschlechterverhältnissen und Sexualität infrage stellt – und ab 23. April im Salzgeber Club als VoD zu sehen ist.
Narziss und Goldmund

Narziss und Goldmund

In seiner Adaption der berühmten Erzählung von Hermann Hesse bietet der österreichische Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky ("Die Fälscher") nicht nur Bildgewalt und Star-Besetzung (Sabin Tambrea, Jannis Niewöhner), sondern setzt zugleich die homoerotischen Untertöne der Vorlage deutlich nach oben. Im mittelalterlichen Kloster Mariabronn werden der tiefreligiöse Narziss und der ungestüme Goldmund zu engen Freunden. Während Narziss im Kloster bleibt, zieht es Goldmund in die Welt, die zahlreiche Liebschaften, aber auch Elend und Tod für ihn bereithält. Andreas Köhnemann hat nach dem emotionalen Herzstück der bemerkenswert schwulen Großproduktion gegraben.
Darkroom – Tödliche Tropfen

Darkroom – Tödliche Tropfen

In seinem neuen Film "Darkroom - Tödliche Tropfen" befasst sich Rosa von Praunheim mit einem wahren Kriminalfall aus der jüngsten Vergangenheit Berlins. Während der Krankenpfleger Lars mit seinem Freund Roland eine scheinbar perfekte Beziehung führt, treibt er sich heimlich im Nachtleben umher, mordet und experimentiert mit tödlichen Substanzen. Der diesjährige Eröffnungsfilm des Filmfestivals Max Ophüls Preis setzt nicht auf Hochglanz, sondern auf sein gut eingespieltes Hauptdarsteller-Duo. Stefan Hochgesand hat sich in die filmische Blackbox begeben und neben ekligen Momenten auch Paradiesisches entdeckt.