Im Kino

König der Raben

König der Raben

Jetzt im Kino: In seinem zweiten Spielfilm „König der Raben“ erzählt Piotr J. Lewandowski („Jonathan“) von der engen Freundschaft zwischen drei gesellschaftlichen Außenseitern und einer amour fou: Der junge Mazedonier Darko schlägt sich mit seinen Freunden Yanoosh und Manolo irgendwie durch, ohne Aufenthaltserlaubnis, immer in Deckung vor der Polizei. Um sich über Wasser zu halten, züchtet er Tauben, die er auf Hochzeiten fliegen lässt. Als er bei einer Feier Alina kennenlernt, wirft er sich voller Leidenschaft in eine Affäre mit der geheimnisvollen Künstlerin. Christian Lütjens schreibt über das ambivalente Idyll einer abgeschotteten Welt und Figuren, die gegen die Ausweglosigkeit ankämpfen.
Neubau

Neubau

Jetzt im Kino: Wo möchte ich leben – und wie? Mit diesen existentiellen Fragen beschäftigen sich Autor/Hauptdarsteller Tucké Royale und Regisseur Johannes M. Schmit in ihrem Debütfilm „Neubau“ aus der Sicht eines jungen queeren Mannes in der Uckermark. Und beantworten sie mit einem dezidiert nicht-normativen Lebensentwurf, in dem die Befreiung aus konservativen Vorstellungen von Sexualität und Geschlechterzugehörigkeit ebenso eine Rolle spielen wie Commitment und gegenseitige Fürsorge. Ihr queerer Heimatfilm entstand fernab der großen Metropolen als unabhängige Produktion in einem Künstler*innen-Kollektiv, dem es um ambivalente (Gegen-)Erzählungen und eine „Neue Selbstverständlichkeit“ geht. Lukas Foerster über das Glitzern queerer Körper in der Weite Brandenburgs.
Look Me Over – Liberace

Look Me Over – Liberace

Er war die erste Las-Vegas-Ikone, Prunk-Pianist und Idol für Millionen: Liberace! „I’m a one-man-Disneyland!“ Getreu dieser Maxime wuchsen seine schillernden Shows und schmalzig-poppigen TV-Auftritte ins Unermessliche – meterlange schneeweiße Chinchilla-Mäntel, pompöse Nerz-Stolen und kiloweise Brillantschmuck inklusive. Kein anderer Künstler kultivierte schwule Selbstinszenierung derart glitzernd auf der großen Bühne, doch öffentlich stritt Liberace seine Homosexualität stets vehement ab. In „Look Me Over – Liberace“, der ab 5. August im Kino zu sehen ist, begibt sich Jeremy J.P. Fekete auf die Suche nach dem Menschen hinter der Maskerade. Axel Schock ist vor allem von den elegischen Bildern und der exquisiten Sammlung an Archivmaterial und Devotionalien begeistert.
Matthias & Maxime

Matthias & Maxime

Lange mussten die Fans von Xavier Dolan hierzulande auf „Matthias & Maxime“ warten. Nachdem der Film bereits im Mai 2019 in Cannes seine Premiere hatte, kommt er nun endlich in die deutschen Kinos. Dolan erzählt darin von den lange unterdrückten Gefühlen, denen sich die besten Freunde Matthias und Maxime plötzlich stellen müssen. Dolan-Experte Andreas Wilink beschreibt, wie präzise „Matthias & Maxime“ die Stimmung seiner Titelhelden zwischen Hast, Unrast und Wehmut einfängt.
Sommer 85

Sommer 85

Ein heißer Sommer in der Normandie, 1985: Der 16-jährige Alexis verbringt die Ferien mit seinen Eltern in einem malerischen Küstenort. Als ihn ein überraschend aufziehendes Unwetter in seiner kleinen Segeljolle zum Kentern bringt, wird er von dem etwas älteren David gerettet. Ein unbeschwertes Liebesglück beginnt – doch bald überschlagen sich die Ereignisse. In seinem 19. Film „Sommer ’85“ erzählt François Ozon von der ersten großen Liebe zwischen zwei jungen Männern, basierend auf dem schwulen Coming-of-Age-Roman „Dance on my Grave“ (1982) von Aidan Chambers. Matthias Frings über eine bittersüße Love Story im Zeitraffer.
Kokon

Kokon

Jahrhundertsommer in Berlin-Kreuzberg. Im multikulturellen Mikrokosmos rund um das Kottbusser Tor bahnt sich die 14-jährige Nora ihren Weg durchs Erwachsenwerden. Während die Hitze auf ihrer Haut klebt, bekommt sie zum ersten Mal die Periode, entdeckt ihre Liebe für andere Mädchen und lernt die wilde Romy kennen... In ihrem zweiten Film erzählt Regisseurin Leonie Krippendorff ("Looping") in sinnlichen Bildern eine authentische Berliner Coming-of-Age-Geschichte über aufkeimende Gefühle, sexuelles Erwachen und die erste große Liebe. Neben der überragenden Hauptdarstellerin Lena Urzendowsky spielen die Kinostars Jella Haase und Lena Klenke. Unsere Autorin Esther Buss hat Nora bei ihrer Entpuppung zugesehen – und schreibt über einen Sommer, nach dem nichts mehr so sein wird wie zuvor.
Enfant Terrible

Enfant Terrible

Ein Biopic über Rainer Werner Fassbinder (1945-1982), das sagenumwobene und höchst produktive Genie des Neuen Deutschen Films, das heute in einer Reihe mit Orson Welles, Jean-Luc Godard und Douglas Sirk steht – das muss man sich als zeitgenössischer Regisseur erst mal zutrauen. Oskar Roehler traut sich bekanntermaßen einiges zu und hat dabei in der Vergangenheit durchaus auch schon mal queer-affine Filme gedreht wie "Agnes und seine Brüder" (2004, mit Fassbinder-Star Margit Carstensen), denen man ansieht, dass RWF ein starkes filmisches Vorbild ist. Wie nahe Roehler dem Meister und dessen wilder künstlerischer Wahlfamilie in seinem leicht aktifiziellem und teils originell besetztem Spielfilmporträt kommt, hat Fassbinder-Kenner Andreas Wilink für uns erkundet.
Kiss Me Kosher

Kiss Me Kosher

"Shalom Shabbat": Bereits bei der Begrüßung in Tel Aviv läuft so einiges durcheinander. Und es soll noch komplizierter werden für ein lesbisches Paar, das eigentlich nur zusammen in die Zukunft blicken will, dabei aber mit familiärem Widerstand und der eigenen Geschichte konfrontiert wird. Autorin und Regisseurin Shirel Peleg verhandelt in ihrem Spielfilmdebüt "Kiss Me Kosher", das jetzt im Kino läuft, auf offene, unterhaltsame Weise die deutsch-israelischen Beziehungen und macht dabei mit viel Witz auch Platz für kulturelle Annäherungen und Neuanfänge, findet unsere Autorin Elisabeth Hergt.
Als wir tanzten: Video-Interview mit Levan Akin

Als wir tanzten: Video-Interview mit Levan Akin

Der schwedische Regisseur Levan Akin erzählt in seinem dritten Spielfilm "Als wir tanzten" nicht nur mitreißend und visuell virtuos von der Liebe zwischen zwei jungen Tänzern in Tiflis. Er macht zugleich dem Heimatland seiner georgischen Eltern, allen homophoben Tendenzen innerhalb der dortigen Gesellschaft zum Trotz, eine stürmische Liebeserklärung. Wir haben uns mit Akin in Berlin getroffen und mit ihm über die besonderen Herausforderungen beim Filmdreh, toxische Männlichkeit im Georgischen Tanz und die tausend Gesichter seines Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani gesprochen – und über jenen Weg, der auch in Georgien in die Freiheit führt.
Berlin Alexanderplatz

Berlin Alexanderplatz

Burhan Qurbani verlegt Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz" aus dem Jahr 1929 in die Jetztzeit. Aus dem Protagonisten Franz Biberkopf wird Francis, der nach einer illegalen Überfahrt von Afrika nach Europa in der deutschen Hauptstadt landet. Wie schon in der 14-teiligen Miniserien-Adaption von Rainer Werner Fassbinder aus den Achtzigern entsteht zwischen der gebrochenen, naiven Hauptfigur und dem mephistophelischen Reinhold eine enge Bande mit fatalen Folgen. Unser Autor Dennis Vetter hat drei Stunden voller Spannung und Spektakel, Konflikten und Körpern erlebt – und das Resultat als extrem aktuell und erschreckend traditionell zugleich empfunden.