Dennis Vetter (Autor)

Männerfreundschaften

Männerfreundschaften

Wie schwul waren eigentlich Goethe und seine Zeitgenossen? Inspiriert von Robert D. Tobins geistesgeschichtlicher Studie „Warm Brothers – Queer Theory and the Age of Goethe“ (2000) geht Rosa von Praunheim in seinem neuen Film Homoerotik und -sexualität in der Weimarer Klassik auf den Grund. Briefwechsel, Lyrik und dramatische Texten aus der damaligen Zeit inszeniert er mit Schauspielern an den Orten ihres Entstehens; Interviews mit Literaturwissenschaftlern und Historikerinnen kommentieren die teilweise skurrilen Re-Enactments. Dennis Vetter über eine amüsante und überaus politische Geschichts-Collage, die kritisch auf die Gegenwart deutet – und morgen in den deutschen Kinos startet.
Latin Boys Go to Hell

Latin Boys Go to Hell

Rund 20 Jahre nach seiner Uraufführung erscheint der queere Klassiker „Latin Boys Go to Hell“ (1997) von Ela Troyano in einer restaurierten Fassung auf DVD. Das stilistisch wilde Melodram über die Leiden junger Latinos im tiefsten Brooklyn heute zu sehen, funktioniert einwandfrei und macht sogar Sinn, findet unser Autor Dennis Vetter. Denn die Regisseurin glaubt nicht an die Abgeschlossenheit von Geschichte und Identität, sondern an kulturelle Bewegungen. Eine Wiederbegegnung.
Geniale Göttin – Die Geschichte der Hedy Lamarr

Geniale Göttin – Die Geschichte der Hedy Lamarr

Hedwig Kiesler, eine Wiener Schauspielerin aus jüdischer Familie, wird durch Nacktszenen in einem Film bekannt, flüchtet vor einem eifersüchtigen Ehemann, der ihr das Spielen verbieten will, landet in den USA und bekommt eine neue Identität verpasst: Hedy Lamarr, für einige Zeit das „schönstes Gesicht Hollywoods“. Doch wird sie zu Lebzeiten weder als dramatische Schauspielerin noch als visionäre Erfinderin eines Kommunikationssystems ernstgenommen. Im Kino startet nun ein unruhiges Starporträt, in dem ein schönes Gesicht noch einmal neu ausgeleuchtet wird, ohne den selbstgewählten Anspruch zu verfolgen, dahinter zu blicken. Von Dennis Vetter.
Die Temperatur des Willens

Die Temperatur des Willens

Regisseur Peter Baranowski hat für seinen Dokumentarfilm "Die Temperatur des Willens" die Ordensgemeinschaft "Legionäre Christi" beim Missionieren und Demonstrieren, während intimer Zwiegespräche und bei öffentlichen PR-Events begleitet. Sein Film gewährt seltene Einblicke in die Denk- und Verhaltensmuster einer ultrakonservativen religiösen Vereinigungen und deren Überlebensstrategien in der heutigen Zeit – und zeigt den noch immer schwierigen Umgang mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs innerhalb der eigenen Reihen. Von Dennis Vetter.
Vier Tage in Frankreich

Vier Tage in Frankreich

Paris am frühen Morgen. Pierre wirft einen letzten Blick auf den Körper seines schlafenden Partners Paul. Und verlässt ihn dann. Er setzt sich ins Auto und fährt ohne konkretes Ziel einfach los. Es geht kreuz und quer durch ganz Frankreich, zwischendurch kommt Pierre mit Passanten ins Gespräch und hat Sex mit Männern, die er über Grindr findet. Paul nutzt die gleiche App, um seinen verschwundenen Freund zu suchen. Jérôme Reybauds Geschichte zweier Liebender, die von der mobilen Zerstreuung körperlichen Begehrens erst getrennt und dann wieder zusammengeführt werden, verläuft wie ein Katz-und-Maus-Spiel und ein einziger langer Cruising-Trip. Das auch in seiner Filmlänge ausufernde Road Movie erinnert in seinen romantisch-queeren Vignetten an die Filme Alain Guiraudies und Paul Vecchialis, entwickelt aber dank einer Serie von wunderbaren Nebenfiguren und Drehbuchfinten eine ganz eigene, verführerische Skurrilität. Dennis Vetter über einen Liebesfilm zu Zeiten der Sexdating-Apps.
Casting

Casting

Ab morgen im Kino: Im neuen Film von Nicolas Wackerbarth („Halbschatten“) soll eine junge Regisseurin Fassbinders wegweisendes Liebesmelodram „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (1972) neu verfilmen – als bieder gebürstetes Fernsehspiel mit einem hetero- anstatt eines homosexuellen Liebespaares. So kann das natürlich nicht funktionieren, der Stoff sträubt sich, bereits das Casting gerät zum Fiasko. Wackerbarth geht in seinem sinnlichen Film über das Filmemachen volles Risiko und zeigt, was dem deutschen Kino heute an freiem Denken, Dringlichkeit und durchdringender Emotionalität fehlt. Von Dennis Vetter.
Wie ein weißer Vogel im Schneesturm

Wie ein weißer Vogel im Schneesturm

Mehr als 20 Jahre ist es her, dass man die ersten Filme von Gregg Araki als 'New Queer Cinema' bezeichnete. Postpunk-Jugenddramen folgten, dann der abgründige „Mysterious Skin“ (2004), und wenig scheint sich dabei an der markanten Handschrift des Filmemachers geändert zu haben, auch wenn seine Schauspieler bekannter wurden und seine Budgets größer. Angesichts der Direct-to-DVD-Veröffentlichung seines aktuellsten Films „Wie ein weißer Vogel im Schneesturm“ hier ein Versuch über die Queerness seiner plakativen Figuren, bei denen man, sobald man an den schönen Oberflächen kratzt, nur auf weitere Oberflächen stößt. Von Dennis Vetter.