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Ralf König: Stehaufmännchen

Ralf König: Stehaufmännchen

In einem Interview erzählt Ralf König, er habe als Kind die Comic-Helden Asterix und Obelix geliebt. Das erkläre, warum in seinen Geschichten so oft ein sehr kleiner kluger und ein sehr kräftiger dummer Mann vorkommen, die jedoch nicht an Wildschweine, sondern etwas ganz anderes denken: an Sex. In "Bullenklöten" (1992) fing das an: der kleine Paul verliebt sich in einen spanischen Bauarbeiter namens Ramon. Viele weitere "Ramons" folgten, und der allerneueste ist zugleich der allererste der Menschheitsgeschichte: ein strunzdummer homo robustus mit Namen Rob, in den sich der kleine homo sapiens Flop verliebt. Und das mit Grund: Rob hat als homo robustus einen in der Evolution später verschwundenen Penisknochen! Alles weitere über "Stehaufmännchen" erzählt Christian Lütjens.
Der Sommer von Sangailé

Der Sommer von Sangailé

Heute Abend geht es bei rbb QUEER nach Litauen, wo nicht-heterosexuelles Kino Seltenheitswert hat. Das eigentlich Besondere an "Der Sommer von Sangailé" (23h25 im rbb) ist aber, mit welcher Leichtigkeit die Regisseurin Alanté Kavaïté von panischer Höhenangst und der ersten großen Liebe, von selbstverletzenden Handlungen und weiblichem Erwachsenwerden in der baltischen Provinz erzählt, in der der Sowjetkommunismus noch heute sichtbare Spuren hinterlassen hat. Für ihren wildromantischen Coming-of-Age-Film wurde Kavaïté 2015 in Sundance mit dem Regie-Preis ausgezeichnet. Jessica Ellen hat ihn für uns besprochen.
Border

Border

Die Grenzbeamtin Tina ist die Beste in ihrem Job, denn sie hat eine besondere Fähigkeit: Sie kann bei anderen Menschen Angst, Scham und Wut wittern. Weil diese Begabung sie ihren Mitmenschen gegenüber aber auch fremd sein lässt, lebt Tina zurückgezogen und einsam in einer Hütte im Wald. Doch dann begegnet sie Vore, der ihr nicht nur auffallend ähnlich sieht, sondern bei dem ihre Fähigkeit auch an eine Grenze stößt, selbst wenn sie ahnt, dass er etwas verbirgt. Vores Wildheit, die ihr merkwürdig vertraut vorkommt, zieht sie magisch an. Als er sein Geheimnis preisgibt, hat das auch für Tinas Leben weitreichende Folgen. Nachdem "Border" bereits letztes Jahr in Cannes als eine der großen Entdeckungen des Festivals gefeiert wurde und mit dem Preis der Nebensektion "Un certain regard" ausgezeichnet wurde, ist Ali Abassis abgründiges queeres Märchen jetzt endlich auch in den deutschen Kinos zu sehen. Dennis Vetter über einen fantastischen Film, der seine Zuschauer*innen kühn über Genre- und Identitätsgrenzen hinweg auf einen Pfad ungeahnter Erkenntnisse führt.
Der verlorene Sohn

Der verlorene Sohn

Der 19-jährige Jared (Lucas Hedges) wächst in einem Baptistenprediger-Haushalt in den amerikanischen Südstaaten auf – und ist schwul. Weil das aus der Sicht seiner strenggläubigen Eltern (Nicole Kidman, Russell Crowe) nicht zusammengeht, schicken sie den Sohn zu einer Konversionstherapie. Doch die "Behandlung" im Kreise der übrigen "Patienten" trägt andere Früchte, als sich die Eltern erhofft haben. Basierend auf dem gefeierten autobiografischen Roman "Boy Erased" von Garrard Conley erzählt das fein besetzte Drama (in Nebenrollen sind Xavier Dolan und Troye Sivan zu sehen) von den repressiven Lebensumständen von queeren Menschen im Bible Belt der USA – und der mutigen Selbstermächtigung eines jungen Mannes. Patrick Heidmann über einen Film, der in Trump-Amerika von bestürzender Aktualität ist.
Der Prinz und der Dybbuk

Der Prinz und der Dybbuk

Neu auf DVD: Als Regisseur und Produzent von Hollywood-Filmen schuf Michał Waszyński über 40 Filme. Er arbeitete mit Stars wie Sophia Loren, Claudia Cardinale und Orson Welles. Seine eigentliche Obsession aber galt dem Film „Der Dybbuk“, bei dem er 1937 Regie führte und der heute als einer der geheimnisvollsten Filme der jiddischen Filmgeschichte gilt. Aber wer war Michał Waszyński, der 1904 als Moshe Waks und Sohn eines armen Schmiedes in der Ukraine geboren wurde und 1965 in Italien als polnischer Prinz starb, wirklich? Ein Wunderkind des Kinos, ein raffinierter Betrüger oder ein Mann, der filmische Illusion und Realität nicht auseinanderhalten konnte? Für ihr Porträt eines menschlichen Chamäleons, das kontinuierlich Namen, Religion, Titel und Länder wechselte, um seine eigene Lebensgeschichte wie ein Filmdrehbuch zu schreiben, wurden Elwira Niewiera und Piotr Rosołowski im vergangenen Jahr in Venedig mit dem Löwen für den Besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Lukas Foerster folgt ihrer faszinierenden Spurensuche.
The Crying Game

The Crying Game

IRA-Kämpfer locken den britischen Soldaten Jody in eine Falle und nehmen ihn als Geisel, um ihn als Druckmittel für die Freilassung eines ihrer Soldaten zu benutzen. Doch Jody freundet sich mit seinem Bewacher Fergus an. Als die britische Armee nicht auf den Erpressungsversuch der IRA eingeht, soll Fergus den Gefangenen exekutieren. Jody kann fliehen, kommt aber auf der Flucht ums Leben. Der treue Fergus macht sich auf die Suche nach Jodys Freundin, die schöne Dil, um ihr persönlich die Todesnachricht zu überbringen – doch seine Reise verläuft anders als geplant... Neil Jordans smarter Neo-Noir-Thriller über politische und sexuelle Identitäten war einer der einflussreichsten Independent-Filme der 90er Jahre und wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Oscar für das Beste Drehbuch. Zum DVD- und Blu-ray-Start der digital restaurierten Fassung von "The Crying Game" hat sich Fritz Göttler Jordans Meisterwerk noch einmal angesehen und einen Film wiederentdeckt, der nichts von seiner faszinierenden Unnahbarkeit verloren hat. Und das hat maßgeblich mit der mysteriösen Femme fatale zu tun, die das diverse Zentrum der amourösen Dreiecksgeschichte bildet.
Männerfreundschaften

Männerfreundschaften

Wie schwul waren eigentlich Goethe und seine Zeitgenossen? Inspiriert von Robert D. Tobins geistesgeschichtlicher Studie „Warm Brothers – Queer Theory and the Age of Goethe“ (2000) geht Rosa von Praunheim in seinem neuen Film Homoerotik und -sexualität in der Weimarer Klassik auf den Grund. Briefwechsel, Lyrik und dramatische Texten aus der damaligen Zeit inszeniert er mit Schauspielern an den Orten ihres Entstehens; Interviews mit Literaturwissenschaftlern und Historikerinnen kommentieren die teilweise skurrilen Re-Enactments. Dennis Vetter über eine amüsante und überaus politische Geschichts-Collage, die kritisch auf die Gegenwart deutet – und morgen in den deutschen Kinos startet.
Becks

Becks

Neu als DVD und VoD: Nach der schmerzhaften Trennung von ihrer Freundin zieht die Folk-Musikerin Becks von Brooklyn zurück in ihre Heimatstadt St. Louis, um sich fernab vom New Yorker Künstler_innen-Trubel neu zu finden. Doch erstmal ist sie damit beschäftigt, mit ihrer streng katholischen Mutter die Fronten der sexuellen Freiheiten zu klären und mit Gitarrenunterricht etwas Geld zu verdienen. Ihre erste Schülerin ist ausgerechnet die schüchterne Elyse, die mit Becks altem High-School-Erzfeind Mitch verheiratet ist. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft, die Elyses bisherigen Lebensentwurf gehörig ins Wanken bringt. Elizabeth Rohrbaugh und Daniel Powell haben sich für ihren Film "Becks" vom Leben der US-amerikanischen Singer/Songwriterin Alyssa Robbins inspirieren, von der auch die meisten der bittersüßen Liebeslieder im Film stammen. Neben dem berührenden Soundtrack wird "Becks" vor allem von seinem starken Darstellerinnen-Ensemble getragen. Unsere Autorin Natália Wiedmann hat sich vor allem von Hauptdarstellerin Lena Hall verzaubern lassen.
Tackling Life

Tackling Life

Neu auf DVD und VoD: Die „Berlin Bruisers“, Berlins schwules Rugby-Team, sind leider die schlechteste Mannschaft der Stadt. Dennoch haben sie miteinander etwas aufgebaut, das über die Fantasien von Menschen, die die Wort-Kombination „schwul“ und „Rugby“ entweder widersprüchlich oder sexy finden, weit hinausgeht. Und über den sportlichen Ehrgeiz sowieso. Johannes List hat einen Film über den Einzelkampf im Alltag und den Teamgeist auf dem Trainingsplatz gemacht, der ein warmes Communitygefühl ausstrahlt. Können wir gut gebrauchen, findet Axel Schock.
Bohemian Rhapsody

Bohemian Rhapsody

Heiß ersehnt, vor allem von Queen-Fans: Seit dieser Woche läuft Bryan Singers "Bohemian Rhapsody" in den deutschen Kinos, das vor allem ein Biopic des legendären Freddie Mercury sein will. In der Hauptrolle brilliert der in Deutschland bisher weitgehend unbekannte US-Schauspieler Rami Malek ("Mr. Robot", "Papillon"). Das man dem echten Freddie trotz Maleks beeindruckender Bühnenpräsenz nur selten nahe kommt, hat seine Gründe in einem allzu pathetischen und mutlosen Drehbuch, das nur haarscharf am Straightwashing vorbeischrammt. Ein fragwürdiges Filmspektakel, findet unser Autor Paul Schulz.