Articles Written By: Christian Weber

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In memoriam: Irm Hermann (1942-2020)

In memoriam: Irm Hermann (1942-2020)

Die große deutsche Schauspielerin Irm Hermann ist tot. Ihre frühe Karriere ist aufs Engste mit Rainer Werner Fassbinder verknüpft, mit dem sie 20 Filme drehte, Theater machte und eine Zeit lang ein Paar war. Nach Fassbinders Tod arbeitete sie u.a. mit Ulrike Ottinger, Herbert Achternbusch, Loriot –  und immer wieder mit Christoph Schlingensief. Andreas Wilink erinnert in seinem Nachruf an eine Künstlerin, die sich furchtlos in den Dienst ihrer Regisseur*innen stellte. Und an Hermanns eindrücklichste Rolle: die der stumm liebenden und souverän leidenden Dienerin Marlene in "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" (1972), in der sich ihre ambivalente Beziehung zu Fassbinder spiegelt wie in keiner anderen Figur.
100 Tage, Genosse Soldat

100 Tage, Genosse Soldat

"100 Tage, Genosse Soldat" gilt als einer der wenigen Klassiker des schwulen Kinos aus Russland, wo Homosexualität noch immer ein Tabu ist. Inspiriert von einer Erzählung des Schriftstellers Kuri Poljakov erzählt Regisseur Hussein Erkenov in poetischen Bildern von fünf jungen Soldaten und den unbarmherzigen Zuständen in der sowjetischen Armee. Ein Film wie ein Traum – visuell gewaltig, aufwühlend, gefühlvoll und radikal. Zum 30. Geburtstag seiner Entstehung erscheint nun die digital restaurierte Fassung von "100 Tage, Genosse Soldat" als VoD im Salzgeber Club. Für unseren Autor Christian Lütjens die Gelegenheit zu einer Würdigung von Erkenovs Meisterwerk.
Videobotschaft von Andrea Weiss (Bones of Contention)

Videobotschaft von Andrea Weiss (Bones of Contention)

In ihrem Dokumentarfilm "Bones of Contention" begibt sich Andrea Weiss ("Paris Was a Woman", "Escape to Life") auf die Suche nach den verschollenen Knochen des Federico García Lorca und setzt den nicht-heterosexuellen Opfern der Franco-Diktatur ein poetisches Denkmal. Für sissy meldet sich die Regisseurin aus ihrer Wohnung in New York. Sie versteht ihren Film über die Schrecken des spanischen Faschismus auch als Warnung für die USA von heute, wo rechte Politiker unter Führung von ganz oben selbst die Covid-19-Epidemie dazu benutzen, ihr antihumanistisches Programm voranzutreiben und die freiheitlichen Errungenschaften der letzten Jahre zurückzudrehen.
Bones of Contention

Bones of Contention

Entlang von Spaniens Landstraßen, verdeckt von Pinienbäumen, liegen die Massengräber von über 120.000 anonymen Opfern der Franco-Diktatur. Unter ihnen sind auch zahlreiche Lesben und Schwule, die während des Regimes im Verborgenen leben mussten. Noch heute kämpfen die Hinterbliebenen dafür, die Überreste ihrer Angehörigen bergen und würdig bestatten zu dürfen. Besonders rätselhaft ist, was mit der Leiche des spanischen Dichters Federico García Lorca passiert ist. Die US-amerikanische Regisseurin Andrea Weiss („Paris Was a Woman“, „Escape to Life“) stellt in ihrem neuen Film die Frage, wie ein Land eine Vergangenheit ausgraben kann, die noch heute von oberster Stelle unterdrückt wird, und zeigt dabei den mutigen Kampf der queeren Community um Aufklärung, Gerechtigkeit und Sichtbarkeit. Jessica Ellen über ein poetisches filmisches Denkmal für die vergessenen Opfer unter Franco, das ab 21. Mai im Salzgeber Club zu sehen ist.
Bent

Bent

Ab 14. Mai ist der queere Klassiker "Bent" aus dem Jahr 1997 in digital restaurierter Fassung im Salzgeber Club zu sehen. In seiner Verfilmung von Martin Shermans bahnbrechendem Theaterstück erzählt Regisseur Sean Mathias eindrücklich von den Grauen der Homosexuellen-Verfolgung durch die Nazis – und von zwei KZ-Häftlingen, die trotz widrigster Umstände einen Weg finden, sich zu lieben. Die Hauptrolle spielt Clive Owen, in weiteren Rollen sind u.a. Ian McKellen als schwuler Onkel, Mick Jagger als alternde Dragqueen und Nikolaj Coster-Waldau ("Game of Thrones") als blonder SA-Mann zu sehen. Für unseren Autor Andreas Wilink ist "Bent" weit mehr als ein historisches Dokument: Es ist Gleichnis und Aufforderung zur Erziehung der Herzen.
Videobotschaft von Jasco Viefhues (Rettet das Feuer)

Videobotschaft von Jasco Viefhues (Rettet das Feuer)

Der Künstler Jürgen Baldiga (1959-1993) hat in den Achtzigern mit seiner Fotokamera die Berliner Tunten und Aids-Aktivist*innen porträtiert – und sich selbst zum Gegenstand seines radikalrealistischen Werks gemacht. Jasco Viefhues hat die Puzzlestücke aus Baldigas Leben mit Hilfe von dessen Weggefährt*innen zusammengetragen und zu einem berührenden Porträtfilm zusammegesetzt. In seiner Videobotschaft aus dem Home Office erzählt uns Viefhues von einem großartigen, lebenshungrigen Künstler und vom kollektiven Trauma Aids, das sich tief ins Gedächtnis der schwulen Community in Berlin eingeschrieben hat. "Rettet das Feuer" ist aktuell im Salzgeber Club als VoD zu sehen.
Videobotschaft von Stéphane Riethauser (Madame)

Videobotschaft von Stéphane Riethauser (Madame)

Wegen Corona musste die bis dahin höchst erfolgreiche Welttournee von "Madame" abgebrochen werden. Der französische Kinostart wurde drei Tage vor dem offiziellen Termin gecancelt, zahlreiche Festivals abgesagt, und auch die Verleihung des Schweizer Filmpreises, für den "Madame" in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" nominiert war, fiel aus. Umso mehr freut sich Regisseur Stéphane Riethauser, dass sein Film ab heute als VoD im Salzgeber Club zu sehen ist. Und meldet sich mit einer Videobotschaft aus seinem Berliner Home Office.
Madame

Madame

Scheidung in den 1920ern, erfolgreiche Geschäftsfrau in den 1930ern. Caroline hat sich immer über Grenzen hinweggesetzt, die die patriarchale Gesellschaft für sie vorgesehen hatte. In den 1980ern führt ihr Enkelsohn Stéphane einen ähnlichen Kampf: Als schwuler Junge in einer großbürgerlichen Schweizer Familie sucht er der Rolle des angepassten, maskulinen Heteros zu entkommen. Und beginnt als 13-Jähriger, sich und seine Umgebung mit einer Video-Kamera aufzunehmen. Aus seinem umfangreichen biografischen Bildarchiv hat Stéphane Riethauser als erwachsener Regisseur ein berührendes Doppelporträt von sich und seiner flamboyanten Großmutter gewonnen. Sascha Westphal schreibt über den großartigen Essayfilm "Madame", der konservative Vorstellungen von Geschlechterverhältnissen und Sexualität infrage stellt – und ab 23. April im Salzgeber Club als VoD zu sehen ist.
Videobotschaft von Peter Strickland (Duke of Burgundy)

Videobotschaft von Peter Strickland (Duke of Burgundy)

Auch diese Woche haben wir wieder digitale Flaschenpost aus der Quarantäne bekommen: Peter Strickland meldet sich aus seinem Home Office in Ungarn und erzählt in der Reflektion des Soundtracks seines grandiosen lesbischen Liebesdramas "Duke of Burgundy", warum er sich aktuell ein wenig wie James Stewart fühlt.
Videobotschaft von Cédric Le Gallo (Die glitzernden Garnelen)

Videobotschaft von Cédric Le Gallo (Die glitzernden Garnelen)

Wie geht es queeren Filmemacher*innen in der aktuellen Situation, wie gehen sie mit der Krise um, persönlich und professionell? In einer neuen Videoserie sammelt sissy digitale Flaschenpost aus der ganzen Welt. Letzte Woche hat uns Hari Sama aus Mexico City berichtet. Diese Woche meldet sich Cédric Le Gallo, Regisseur der französischen Hit-Komödie "Die glitzernden Garnelen", aus einem kleinen Dorf zwischen Biarritz und Toulouse. Er erzählt von einem beinah menschenleeren Paris, ganz viel Quarantäne-Kuchen und seiner Arbeit an der "Garnelen"-Fortsetzung.