Articles Written By: Christian Weber

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Futur Drei

Futur Drei

Jetzt im Kino: Parvis wächst als Kind der Millennial-Generation im komfortablen Wohlstand seiner iranischen Einwanderereltern auf. Dem Provinzleben in Hildesheim versucht er durch Popkultur und Grindr-Dates zu entfliehen. Als er in einer Unterkunft für Geflüchtete das Geschwisterpaar Banafshe und Amon kennenlernt, beginnt eine fragile Dreierbeziehung. Faraz Shariats autobiografisches Regiedebüt, das im Künstler*innen-Kollektiv Jünglinge entstanden ist, war der queere Film der Berlinale und wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Teddy und dem First Steps Award. Dennis Vetter spürt Shariats aktivistischem Gegenentwurf zum konventionellen deutschen Kino nach und plädiert selbst für mehr diverse Realität auf der Leinwand.
Kokon

Kokon

Jahrhundertsommer in Berlin-Kreuzberg. Im multikulturellen Mikrokosmos rund um das Kottbusser Tor bahnt sich die 14-jährige Nora ihren Weg durchs Erwachsenwerden. Während die Hitze auf ihrer Haut klebt, bekommt sie zum ersten Mal die Periode, entdeckt ihre Liebe für andere Mädchen und lernt die wilde Romy kennen... In ihrem zweiten Film erzählt Regisseurin Leonie Krippendorff ("Looping") in sinnlichen Bildern eine authentische Berliner Coming-of-Age-Geschichte über aufkeimende Gefühle, sexuelles Erwachen und die erste große Liebe. Neben der überragenden Hauptdarstellerin Lena Urzendowsky spielen die Kinostars Jella Haase und Lena Klenke. Unsere Autorin Esther Buss hat Nora bei ihrer Entpuppung zugesehen – und schreibt über einen Sommer, nach dem nichts mehr so sein wird wie zuvor.
Als wir tanzten: Video-Interview mit Levan Akin

Als wir tanzten: Video-Interview mit Levan Akin

Der schwedische Regisseur Levan Akin erzählt in seinem dritten Spielfilm "Als wir tanzten" nicht nur mitreißend und visuell virtuos von der Liebe zwischen zwei jungen Tänzern in Tiflis. Er macht zugleich dem Heimatland seiner georgischen Eltern, allen homophoben Tendenzen innerhalb der dortigen Gesellschaft zum Trotz, eine stürmische Liebeserklärung. Wir haben uns mit Akin in Berlin getroffen und mit ihm über die besonderen Herausforderungen beim Filmdreh, toxische Männlichkeit im Georgischen Tanz und die tausend Gesichter seines Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani gesprochen – und über jenen Weg, der auch in Georgien in die Freiheit führt.
Wir beide

Wir beide

Nach außen hin ist Nina nur die nette Nachbarin von gegenüber, aber für Madeleine ist sie die Liebe ihres Lebens. Schon seit Jahren führen die beiden eine geheime Beziehung und träumen davon, gemeinsam ein neues Leben in Rom zu beginnen. Doch Madeleine kann sich nicht überwinden, ihren erwachsenen Kindern die Wahrheit zu sagen. Als ein unerwartetes Ereignis dazu führt, dass die Wohnungstüren zwischen den Partnerinnen geschlossen bleiben, muss Nina alles riskieren, um zu Madeleine durchzudringen. Im Juli ist Filippo Meneghettis großartiges Liebesdrama "Wir beide" in der queerfilmnacht zu sehen; am 6. August startet es dann regulär in den Kinos. Unsere Autorin Alexandra Seitz hat sich von dem bewegenden Spiel Barbara Sukowas und Martine Chevalliers berühren lassen.
Monika Treut: Female Misbehavior!

Monika Treut: Female Misbehavior!

Aktuell gibt es eine tolle Gelegenheit, das Werk von Monika Treut und Elfi Mikesch wiederzuentdecken: Die Anthology Film Archives, das Goethe-Institut New York und Salzgeber präsentieren international auf Vimeo die Retrospektive "Female Misbehavior: The Films of Monika Treut & Elfi Mikesch", die sich den lustvoll-subversiven Filmen der zwei unerschrockenen Avantgardistinnen widmet. Seit dem in Co-Regie entstandenen sadomasochistischen Liebesdrama "Verführung: Die grausame Frau" (1985) verbindet die beiden eine lange und fruchtbare professionelle Partnerschaft, die auch zur gemeinsamen Gründung der unabhängigen Produktionsfirma Hyena Films führte. Vor zwei Jahren sprach Jan Künemund zur Veröffentlichung der DVD-Box "Monika Treut: Female Misbehavior!" mit Treut über drei Jahrzehnte weibliche Kino-Lust, Gender-Science-Fiction und queere Pionierarbeit – und natürlich auch über ihre Freundin und Kollegin Elfi Mikesch.
Schwarzer Ozean

Schwarzer Ozean

Mit tiefer Betroffenheit haben wir vom Tod Marion Hänsels erfahren. Wir erinnern an die große belgische Regisseurin mit unserem Text zu einem ihrer berührendsten Filme: In "Schwarzer Ozean" leisten drei junge Männer Militärdienst bei der französischen Marine, ihr Einsatzort ist das Mururoa-Atoll. Was man heute über die historischen Atomwaffenexperimente Frankreichs weiß, trifft die Hauptfiguren jäh und unvermittelt. Alexandra Seitz beschreibt, wie der Anblick des Unfassbaren in dem sensitivem und homoerotisch eingefärbtem Spielfilm die Grenze markiert, an der sich jugendliche Empfindsamkeit gegenüber einer kalten und gefühllosen Welt behaupten kann. Und wie Nüchternheit, Kraft und eine Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit Marion Hänsels gesamtes Schaffen auszeichnen.
In memoriam: Larry Kramer (1935-2020)

In memoriam: Larry Kramer (1935-2020)

Larry Kramer hat es weder seinen Feinden noch Freunden leicht gemacht. Der US-amerikanische Schriftsteller war nicht nur ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Rechte der Gay Community, sondern vor allem einer der entscheidenden Initiatoren des Aids-Aktivismus in den USA. Nun ist Larry Kramer, der Mitbegründer von ACT UP und Autor des legendären Romans "Schwuchteln" (1978) sowie des Theatermeilensteins "The Normal Heart" (1985), im Alter von 84 Jahren gestorben. Axel Schock ruft ihm nach.
In memoriam: Irm Hermann (1942-2020)

In memoriam: Irm Hermann (1942-2020)

Die große deutsche Schauspielerin Irm Hermann ist tot. Ihre frühe Karriere ist aufs Engste mit Rainer Werner Fassbinder verknüpft, mit dem sie 20 Filme drehte, Theater machte und eine Zeit lang ein Paar war. Nach Fassbinders Tod arbeitete sie u.a. mit Ulrike Ottinger, Herbert Achternbusch, Loriot –  und immer wieder mit Christoph Schlingensief. Andreas Wilink erinnert in seinem Nachruf an eine Künstlerin, die sich furchtlos in den Dienst ihrer Regisseur*innen stellte. Und an Hermanns eindrücklichste Rolle: die der stumm liebenden und souverän leidenden Dienerin Marlene in "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" (1972), in der sich ihre ambivalente Beziehung zu Fassbinder spiegelt wie in keiner anderen Figur.
100 Tage, Genosse Soldat

100 Tage, Genosse Soldat

"100 Tage, Genosse Soldat" gilt als einer der wenigen Klassiker des schwulen Kinos aus Russland, wo Homosexualität noch immer ein Tabu ist. Inspiriert von einer Erzählung des Schriftstellers Kuri Poljakov erzählt Regisseur Hussein Erkenov in poetischen Bildern von fünf jungen Soldaten und den unbarmherzigen Zuständen in der sowjetischen Armee. Ein Film wie ein Traum – visuell gewaltig, aufwühlend, gefühlvoll und radikal. Zum 30. Geburtstag seiner Entstehung erscheint nun die digital restaurierte Fassung von "100 Tage, Genosse Soldat" als VoD im Salzgeber Club. Für unseren Autor Christian Lütjens die Gelegenheit zu einer Würdigung von Erkenovs Meisterwerk.
Videobotschaft von Andrea Weiss (Bones of Contention)

Videobotschaft von Andrea Weiss (Bones of Contention)

In ihrem Dokumentarfilm "Bones of Contention" begibt sich Andrea Weiss ("Paris Was a Woman", "Escape to Life") auf die Suche nach den verschollenen Knochen des Federico García Lorca und setzt den nicht-heterosexuellen Opfern der Franco-Diktatur ein poetisches Denkmal. Für sissy meldet sich die Regisseurin aus ihrer Wohnung in New York. Sie versteht ihren Film über die Schrecken des spanischen Faschismus auch als Warnung für die USA von heute, wo rechte Politiker unter Führung von ganz oben selbst die Covid-19-Epidemie dazu benutzen, ihr antihumanistisches Programm voranzutreiben und die freiheitlichen Errungenschaften der letzten Jahre zurückzudrehen.