Alexandra Seitz (Autorin)

Räuberhände

Räuberhände

Janik und Samuel haben das Abi geschafft und wollen zusammen nach Istanbul reisen – in ein neues, selbstbestimmtes Leben. Doch kurz vor dem Trip wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Die Reise der beiden verläuft anders als geplant. Mit „Räuberhände“, der am 2. September im Kino startet, hat İlker Çatak den Erfolgsroman von Finn-Ole Heinrich verfilmt. Wahrhaftig und einfühlsam erzählt Çatak von einer tiefen, prägenden Freundschaft und vom einzigartigen Lebensgefühl mit 18 – jener Zeit des Aufbruchs, in der alle Möglichkeiten offen scheinen. Emil von Schönfels und Mekyas Mulugeta glänzen als Freundespaar, das sich auf eine länderüberspannende Suche nach Freiheit, Heimat und Identität macht. Alexandra Seitz über einen Film, der Spannungen zulässt und aushält und sich dabei simplen Lösungen verweigert.
Sechs Filme des Jahres

Sechs Filme des Jahres

Wenngleich das Kinojahr 2020 von großen Einschränkungen geprägt war, gab es auch in den letzten zwölf Monaten eine Reihe fantastischer queerer Filme. Manche waren auf der großen Leinwand zu sehen, andere sind direkt als VoD oder DVD erschienen, mitreißend und besonders fand sissy sie alle. In unserem traditionellen Rückblick lassen wir entlang  kurzer Auszüge aus den Rezensionen unserer Autor*innen unsere Filmhighlights Revue passieren. Wir folgen dabei einem Mädchen, das sich in einem heißen Kreuzberger Sommer zu einem Schmetterling entpuppt; einem Deliquenten, der in einem chilenischen Gefängnis Anfang der 1970er Jahre in ein Netz aus sexuellen Freiheiten und Abhängigkeiten gerät; zwei Damen, die nach Jahrzehnten im Geheimen für die Anerkennung ihre Liebe kämpfen; einen Tanzstudenten in Georgien, der gegen die Heternormatitvität und Repressionen in seinem Heimatland aufbegehrt; einem jungen Mann, der sich in eine New Yorker Vogue-Tänzerin verliebt und in deren Ballroom-Community gleich mit; und einem postmigrantischen Teenager in Hildesheim, der mit einem syrischen Geschwisterpaar die Zukunft erobert. Uns gehört die Welt!
Wir beide

Wir beide

Nach außen hin ist Nina nur die nette Nachbarin von gegenüber, aber für Madeleine ist sie die Liebe ihres Lebens. Schon seit Jahren führen die beiden eine geheime Beziehung und träumen davon, gemeinsam ein neues Leben in Rom zu beginnen. Doch Madeleine kann sich nicht überwinden, ihren erwachsenen Kindern die Wahrheit zu sagen. Als ein unerwartetes Ereignis dazu führt, dass die Wohnungstüren zwischen den Partnerinnen geschlossen bleiben, muss Nina alles riskieren, um zu Madeleine durchzudringen. Im Juli ist Filippo Meneghettis großartiges Liebesdrama "Wir beide" in der queerfilmnacht zu sehen; am 6. August startet es dann regulär in den Kinos. Unsere Autorin Alexandra Seitz hat sich von dem bewegenden Spiel Barbara Sukowas und Martine Chevalliers berühren lassen.
Schwarzer Ozean

Schwarzer Ozean

Mit tiefer Betroffenheit haben wir vom Tod Marion Hänsels erfahren. Wir erinnern an die große belgische Regisseurin mit unserem Text zu einem ihrer berührendsten Filme: In "Schwarzer Ozean" leisten drei junge Männer Militärdienst bei der französischen Marine, ihr Einsatzort ist das Mururoa-Atoll. Was man heute über die historischen Atomwaffenexperimente Frankreichs weiß, trifft die Hauptfiguren jäh und unvermittelt. Alexandra Seitz beschreibt, wie der Anblick des Unfassbaren in dem sensitivem und homoerotisch eingefärbtem Spielfilm die Grenze markiert, an der sich jugendliche Empfindsamkeit gegenüber einer kalten und gefühllosen Welt behaupten kann. Und wie Nüchternheit, Kraft und eine Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit Marion Hänsels gesamtes Schaffen auszeichnen.
Nina

Nina

Nina ist Mitte 30, Lehrerin und mit Wojtek verheiratet. Die Ehe der beiden hat schon vor einiger Zeit einen toten Punkt erreicht. Um die Beziehung zu retten, suchen sie nach einer Leihmutter, die ihr gemeinsames Kind zur Welt bringen soll. Mit der jungen Magda, die offen lesbisch lebt, scheinen sie endlich die ideale Kandidatin gefunden zu haben. Doch als sich Nina in Magda verliebt, wird alles, was in Ninas Leben vorher wichtig war, plötzlich bedeutungslos. Regisseurin Olga Chajdas fängt das komplizierte Beziehungsgeflecht ihrer drei Hauptfiguren mit großer Intimität ein und nähert sich nach und nach dem lesbischen Begehren einer jungen Frau an, die im Polen der Gegenwart bis dahin in gesellschaftlichen Rollen und Erwartungen gefangen war. Für ihr subtil politisches Regiedebüt wurde Chajdas u.a. mit dem renommierten Big Screen Award auf dem Internationalen Filmfestival Rotterdam. Alexandra Seitz über einen Film der Blicke und Gesten, der subtilen Andeutungen, Auslassungen und Ambivalenzen.
Duke of Burgundy

Duke of Burgundy

Der Duke of Burgundy ist nicht etwa die einzige männliche Figur im weltweit gefeierten Spielfilm von Peter Strickland, sondern der Name eines Schmetterlings, hamearis lucina, deutsch „Schlüsselblumen-Würfelfalter“. Er ist aber ein eher nebensächliches Objekt des Interesses zweier zusammen lebender Insektenforscherinnen, deren rigider, durchperfomter Alltag ansonsten von abgründigen Leidenschaften geprägt ist. Ganz grundsätzlich ist in diesem Film nichts so, wie es auf den dritten Blick erscheint.
Landrauschen

Landrauschen

Nach wilden Party-Jahren in Berlin kehrt die Endzwanzigerin Toni in ihr schwäbisches Heimatkaff zurück und muss zwischen Trachtengruppe und Blaskapelle erstmal gehörig Anpassung üben. Bis sie auf dem Faschingsfest ihre alte Schulfreundin Rosa wiedertrifft, die ihr zeigt, dass das Leben in der Provinz nicht zwangsläufig spießig und stock-hetero sein muss. Lisa Miller hat für ihren verspielt trashigen Debütfilm "Landrauschen" dieses Jahr in Saarbrücken den renommierten Max Ophüls Preis gewonnen. Unsere Autorin Alexandra Seitz hat sich mit Toni nach Bubenhausen gewagt – und einen erstaunlich queeren Heimatfilm entdeckt.
The Party

The Party

Die britische Regisseurin Sally Potter, die Mitte der 1960er die Schule abbrach, um Filme zu machen, und mit dem mit einem Frauenteam gedrehten Erstling „Gold Diggers“ (1983), später mit „Orlando“ (1992) queer-feministische Meilensteine in die Filmgeschichte setzte, ist auch 2017 kein bisschen braver geworden. Im Gegenteil: Mit ihrem energetischen Schnellschuss „The Party“ zeichnet sie kammerspielartig aktuelle (geschlechter-)politische Frontlinien nach und brachte damit Schwung in den Berlinale-Wettbewerb. Hilfe bekam sie dafür von einem Cast europäischer A-Schauspieler. Da knallen nicht nur die Sektkorken. Von Alexandra Seitz.
Toro

Toro

In der Welt von Toro und Victor wird nicht viel geredet, da sprechen die Körper. Sport, Sucht, Sex (solange er keinen Spaß macht) sind ihre Kommunikationsmittel. Die naiv erträumte bromoerotische Zukunft, in der gemeinsam geschwiegen werden kann, liegt außerhalb der Bilder, die in der Gegenwart von harten Gegensätzen geprägt sind. Martin Hawies zweiter Film, uraufgeführt in der Berlinale-Sektion Perspektive, ist ein kontrastreiches Genrestück, in dem es kein Grau und keinen Zwischenton gibt. Von Alexandra Seitz.
Below Her Mouth

Below Her Mouth

Im März in der queerfilmnacht: Lesbische Erotik aus der richtigen Perspektive. Dass “Below Her Mouth” von einem reinen Frauenteam gedreht worden ist, ist vor allem deshalb wichtig, weil er sich traut, offen und selbstbewusst viel lesbischen Sex zu zeigen. Die Story verlässt sich auf die üblichen Hetero-zu-L-Konflikte, gibt aber dem physischen Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen (u.a. das androgyne Top-Model Erika Linder) viel Raum und begnügt sich nicht nur mit Andeutungen. Von Alexandra Seitz.