Matthias Frings (Autor)

Sommer 85

Sommer 85

Ein heißer Sommer in der Normandie, 1985: Der 16-jährige Alexis verbringt die Ferien mit seinen Eltern in einem malerischen Küstenort. Als ihn ein überraschend aufziehendes Unwetter in seiner kleinen Segeljolle zum Kentern bringt, wird er von dem etwas älteren David gerettet. Ein unbeschwertes Liebesglück beginnt – doch bald überschlagen sich die Ereignisse. In seinem 19. Film „Sommer ’85“ erzählt François Ozon von der ersten großen Liebe zwischen zwei jungen Männern, basierend auf dem schwulen Coming-of-Age-Roman „Dance on my Grave“ (1982) von Aidan Chambers. Matthias Frings über eine bittersüße Love Story im Zeitraffer.
Christine Wunnicke: Die Kunst der Bestimmung

Christine Wunnicke: Die Kunst der Bestimmung

Während Christine Wunnicke in ihrem aktuellen Buch „Die Dame mit der bemalten Hand“ von der Begegnung zweier schräger Wissenschaftler im Jahre 1764 erzählt, geht es in „Die Kunst der Bestimmung“ (2003) um das Aufeinandertreffen eines kauzigen skandinavischen Akademikers und eines unberechenbaren Adeligen. Der schwedische Professor Simon Chrysander ist berühmt für seine Fähigkeit, Dinge zu ordnen und zu bestimmen. Im Jahr 1678 bestellt ihn die englische Royal Society nach London, um ihre naturkundliche Sammlung zu sortieren. Doch je mehr Struktur er in das obskure Durcheinander aus konservierten Kuriositäten bringt, desto mehr stürzt sein eigenes Dasein ins Chaos. Verantwortlich hierfür ist der junge Lord Fearnall, der sich allen Ordnungsrastern entzieht. Ein Kräftemessen zwischen Abwehr und Zuneigung, Ratio und Ungewissheit, Leben und Tod. Matthias Frings über einen beinah makellosen Roman, der jetzt als Neuausgabe vorliegt.
Making Montgomery Clift

Making Montgomery Clift

Am 17. Oktober 2020 wäre Montgomery Clift 100 Jahre alt geworden. Bildhübsch, sensibel und sexuell ambig verkörperte er in den 1950ern und frühen 60ern vor allem die tragischen Antihelden des Hollywood-Kinos – und gilt mit James Dean und Marlon Brando als einer der drei großen „rebel males“. Doch spätestens seit Clifts frühem Tod mit 46 Jahren dominierte in den Medien das Bild des „sad young man“, der sich nie offen zu seiner vermeintlichen Homosexualität bekannt habe und der dem Starsystem zum Opfer gefallen sei. In einem neuen Dokumentarfilm zeichnen Robert Clift, jüngster Neffe des Filmstars, und Hillary Demmon ein anderes Bild – von einem lebensfrohen, lustvollen und ambitionierten Schauspieler. Unser Autor Matthias Frings über den Versuch eines Gegennarrativs.
Maurice

Maurice

Großbritannien im Jahre 1909. Maurice und Clive studieren in Cambridge – und verlieben sich wider die gesellschaftlichen Normen ineinander. Aber um seine beginnende Karriere als Anwalt nicht zu gefährden, löst Clive die Verbindung auf und stürzt Maurice damit in eine Sinn- und Lebenskrise. Dann begegnet dieser jedoch dem Jagdaufseher Scudder. Der für sein Drehbuch zu "Call Me By Your Name" mit dem Oscar ausgezeichnete James Ivory inszenierte "Maurice" nach dem gleichnamigen Roman von E. M. Forster. Der Film, der nun in einer Special Edition auf Blu-ray erscheint, zeigt Hugh Grant in seiner ersten Hauptrolle. Unser Autor Matthias Frings blickt zurück auf das Coming out des britischen Kinos.
Khaled Alesmael: Selamlik

Khaled Alesmael: Selamlik

In seinem autobiografisch gefärbten Debütroman "Selamlik" erzählt der syrische Autor Khaled Alesmael von Furat, der in einer gutbürgerlichen Familie aufwächst. Während seiner Studienzeit in Damaskus erkundet Furat das heimliche Leben schwuler Männer in Parks, Saunen und Pornokinos. Während des Bürgerkriegs werden die Schwulen des Landes von islamistischen Rebellen gezielt gejagt. Als das Haus von Furats Familie von Kampftruppen attackiert wird, flieht der junge Mann nach Schweden und wird dort im Asylantenheim erneut mit der Homophobie seiner Landsleute konfrontiert. Unser Autor Matthias Frings über eine wuchtige Geschichte zwischen Sex und drohendem Tod.
Ocean Vuong: Nachthimmel mit Austrittswunden

Ocean Vuong: Nachthimmel mit Austrittswunden

Lyrik gilt als Feinschmecker-Literatur, an die sich nur wenige Verlage wagen. Wenn der Autor bereits einen Bestseller geschrieben hat, verbessert das allerdings erheblich die Chancen auf eine Veröffentlichung. Nach seinem gefeierten Roman "Auf Erden sind wir kurz grandios" ist nun auch Ocean Vuongs erster Gedichtband "Nachthimmel mit Austrittswunden" in einer zweisprachigen Ausgabe in Deutschland erschienen. Unser Autor Matthias Frings ließ sich von Vuongs dezidiert queerer Poesie begeistern.
Rettet das Feuer

Rettet das Feuer

In den Achtzigern ist Jürgen Baldiga einer der umtriebigsten Künstler des West-Berliner Undergrounds: Er macht Musik, Lyrik und Drag, vor allem aber fotografiert er seine Umgebung und sich. Nach seiner HIV-Infektion nutzt er die Kunst, um das eigene Sterben und das der Freunde zu dokumentieren. Ein Vierteljahrhundert nach Baldigas Tod hat sich Regisseur Jasco Viefhues mit dessen Weggefährt*innen und Freund*innen getroffen. Seine Gespräche fügt er mit einer Fülle von Fotos und teilweise noch nie gesehenem Archivmaterial zusammen. Unser Autor Matthias Frings schreibt über den Künstler Jürgen Baldiga, der ein besonderes Leuchten in seinen hellen Augen hatte, und über einen Film, der ohne Pathos und Heldenverehrung auskommt, weil er so viel Liebe hat. Ab 30. April ist "Rettet das Feuer" im Salzgeber Club zu sehen.
Buddies

Buddies

New York im Sommer 1985. Der 25-jährige schwule Schriftsetzer David will etwas gegen die Aids-Epidemie tun und meldet sich freiwillig bei einem Community-Programm an, das "buddies" an Menschen vermittelt, die von HIV betroffen sind. So lernt er den 32-jährigen Aktivisten Robert kennen, der nach seiner Erkrankung von Partner und Freunden im Stich gelassen wurde. In einem kleinen Krankenhauszimmer reden die zwei jungen Männer über ihr Leben, die richtige Haltung zum Schwulsein, über leidenschaftlichen Sex und die Angst vor dem Tod. Dann verschlechtert sich Roberts Zustand rapide… Arthur J. Bressan Jr.s "Buddies" war 1985 der erste Spielfilm über die Aids-Epidemie. Sein Kammerspiel ist eine zutiefst berührende Studie über Leben und Sterben zu Zeiten von Aids – und ein zeitloses Dokument schwuler Solidarität. Matthias Frings über einen Meilenstein des schwulen Kinos, den es jetzt in digital restaurierter Fassung als DVD und VoD gibt.
Before Stonewall

Before Stonewall

New York, Christopher Street, in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969: Eine Gruppe Homo- und Transsexueller widersetzt sich in der Bar Stonewall-Inn entschlossen der Polizei, die das Lokal eigentlich räumen will. Ihr Aufstand und die sich anschließenden Unruhen und Demonstrationen in den folgenden Tagen gelten als Urknall lesbisch-schwulen Selbstbewusstseins – und als Wendepunkt im Kampf um Anerkennung und Gleichstellung, an den seitdem jährlich bei den Christopher-Street-Day-Paraden erinnert wird. Greta Schiller und Robert Rosenberg erzählen in ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm "Before Stonewall" (1984) vom Leben und Alltag der US-amerikanischen Schwulen und Lesben vor jener Nacht in New York. Ihr Film ist reich an seltenem Archivmaterial und enthält neben Interviews mit bekannten Persönlichkeiten wie Allen Ginsberg und Audre Lorde vor allem Berichte und Annekdoten von Schwulen und Lesben aus der breiten Bevölkerung. Zum 50. Jahrestag der Stonewall Riots kommt Schillers und Rosenbergs tief bewegender "Kochbuchfilm zu unserer Geschichte" (Manfred Salzgeber) in neu restaurierter Fassung als DVD heraus und ist nun auch als VoD zu sehen. Matthias Frings über "Before Stonewall" und dessen historische Bedeutung.
Patrick Henze: Schwule Emanzipation und ihre Konflikte

Patrick Henze: Schwule Emanzipation und ihre Konflikte

Die Entschärfung des §175 im Jahr 1969 hob den Deckel von einem viel zu lange geschlossenen Topf. Schwule Männer, deren Sexualität bis dahin mit Gefängnis bestraft wurde, meldeten sich in der Öffentlichkeit zu Wort und die "Zweite deutsche Schwulenbewegung" begann, in deren Verlauf die meisten Infrastruktureinrichtungen des heutigen queeren Lebens geschaffen wurden. Die umtriebige Berliner Polittunte und Geschlechterforscherin Patsy l’Amour laLove, Herausgeberin der heiß diskutierten Sammelbände "Beißreflexe" (2017) und "Selbsthass & Emanzipation" (2016), hat über die bewegten Siebzigerjahre promoviert und die Dissertation nun unter ihrem bürgerlichen Namen Patrick Henze veröffentlicht. Der Untertitel "Zur westdeutschen Schwulenbewegung" führt allerdings etwas in die Irre, denn im Grunde ist fast ausschließlich von Berlin die Rede, und in den Siebzigerjahren war "Westdeutschland" von Berlin aus gesehen ungefähr so weit weg wie der Mond. Matthias Frings hat das Buch für uns gelesen.