Jan Künemund (Autor)

Monika Treut: Female Misbehavior!

Monika Treut: Female Misbehavior!

Aktuell gibt es eine tolle Gelegenheit, das Werk von Monika Treut und Elfi Mikesch wiederzuentdecken: Die Anthology Film Archives, das Goethe-Institut New York und Salzgeber präsentieren international auf Vimeo die Retrospektive "Female Misbehavior: The Films of Monika Treut & Elfi Mikesch", die sich den lustvoll-subversiven Filmen der zwei unerschrockenen Avantgardistinnen widmet. Seit dem in Co-Regie entstandenen sadomasochistischen Liebesdrama "Verführung: Die grausame Frau" (1985) verbindet die beiden eine lange und fruchtbare professionelle Partnerschaft, die auch zur gemeinsamen Gründung der unabhängigen Produktionsfirma Hyena Films führte. Vor zwei Jahren sprach Jan Künemund zur Veröffentlichung der DVD-Box "Monika Treut: Female Misbehavior!" mit Treut über drei Jahrzehnte weibliche Kino-Lust, Gender-Science-Fiction und queere Pionierarbeit – und natürlich auch über ihre Freundin und Kollegin Elfi Mikesch.
The Whisper of the Jaguar

The Whisper of the Jaguar

Als Queer-Punk-Movie haben Thais Guisasola und Simon(e) Jaikiriuma Paetau "The Whisper of the Jaguar" konzipert, als vielfältig überlagerte filmische Reise aus normativen Zuständen in ein ego-loses Bewusstsein. Wie in Apichatpong Weerasethakuls "Tropical Malady" verflüchtigen sich hier rauschhaft feste Identitäten, doch die Verwandlungen werden als Projekt behauptet und gelingen den Hauptfiguren nur bedingt. Als Erzählung, performatives Spiel und poetische Bilderfolge vermisst der ungewöhnliche Film, der ab dem 4. Oktober selbst durch deutsche Kinos reist, Möglichkeiten und Gesten des Widerstands in einer zugerichteten und gewalttätigen Welt. Von Jan Künemund.
Mein Leben mit James Dean

Mein Leben mit James Dean

In „Mein Leben mit James Dean“ ist ein junger Filmemacher mit seinem ersten Film, der von schwulem Begehren und Kinoleidenschaft erzählt, auf Kinotour in der französischen Küstenprovinz. Mit schrägem Humor und traumähnlichen Bildern verwandelt Dominique Choisy den selbstreferentiellen Komödienplot in eine beharrliche Liebeserklärung an das Kino. Denn das unerwartete Kulturevent infiziert die wenigen Menschen, die es aus unterschiedlichen Gründen ins Kino verschlägt, mit einer Sehnsucht nach Leidenschaft und Andersartigkeit, die schnell auch den Film darüber erfasst. Von Jan Künemund.
Überleben in Neukölln

Überleben in Neukölln

Rosa von Praunheim hat halbrunden Geburtstag und uns zur Feier einen neuen Film aus Neukölln mitgebracht. Das queere Panorama aus Porträts von kreativen, verrückten und – im Praunheimschen Sinne – herrlich perversen Bewohner_innen des berüchtigten Szenebezirks setzt das Prinzip der unangepassten Lebenstraumerzählungen fort, mit dem der Regisseur seit nunmehr 50 Jahren die heterornormativen Strukturen der deutschen Kino- und Fernsehlandschaft unterwandert. Eine Hommage von Jan Künemund.
Dream Boat

Dream Boat

Acht Tage Kreuzfahrt mit 3.000 schwulen Männern aus 89 Nationen. Und Tristan Ferland Milewski war mit Kameras dabei. Für viele eine schreckliche Idee, für Anwesende eine große Party oder permanente Überforderung, für die Augen ein Fest, für den Filmemacher der Ansporn, hinter die oberflächliche Fassade des Glad-to-be-gay-Tourismus unter maximal reibungsfreien Bedingungen zu schauen. Ein Hoch auf die schwule Seefahrt. Oder sowas Ähnliches. Im Juli in der queerfilmnacht! Von Jan Künemund.
Liebmann

Liebmann

Ein Deutscher, der nicht herausrückt mit der Sprache, mietet sich im Norden Frankreichs ein, wo er von Männern und Frauen umschwärmt wird, die sich von seinem schlechten Französisch nicht in die Flucht schlagen lassen. Sie möchten, genau wie wir, seinem Geheimnis auf die Schliche kommen. Jules Herrmans Debütspielfilm „Liebmann“, in der Berlinale-Perspektive 2016 uraufgeführt, verwirrt kunstvoll, bleibt aber im großen Drama ausgesprochen léger. Von Jan Künemund.
Teenage Kicks

Teenage Kicks

„Teenage Kicks“ erzählt von einer Jungsfreundschaft, die von gemeinsamer Flucht träumt und in Familientragödien stecken bleibt. Aber schnell entwickelt sich der Debütfilm von Craig Boreham zur aufregenden Odyssee eines erfahrungshungrigen Teenagers, der sich zwischendurch mehr erregende Räume öffnet, als er am Ende in bürgerlicher Absicht wieder schließen kann. Ein typischer Vertreter des jüngeren schwullesbischen Kinos aus Australien: deftig, offen, etwas grell und entschieden nach Intensitäten suchend. Und gesurft wird natürlich auch. Von Jan Künemund.
Auf der Suche: Interview mit Jan Krüger

Auf der Suche: Interview mit Jan Krüger

Anlässlich des Kinostarts seines Films „Auf der Suche" (2011) sprach Jan Krüger mit der sissy über den Ausgangspunkt seiner Geschichten, den Zauber von Marseille und postemanzipatorische Lebensfragen.
Jonathan

Jonathan

In „Jonathan“ von Piotr J. Lewandowski wird Schwulsein als familiengeschichtlich begrabenes Geheimnis aufgedeckt. Diesen Job muss die Hauptfigur übernehmen, ein sich mit Haut und Haar dem Landleben verschreibender 23-Jähriger, dem Jannis Niewöhner eine intensive Präsenz verleiht. Mit einer queeren Perspektive hat das wenig zu tun, trotzdem gibt es Einiges anzuschauen, wenn man den Plot ein bisschen ausblendet. Von Jan Künemund.
Closet Monster

Closet Monster

Stephen Dunns Debütfilm „Closet Monster“ ist ein klassischer Coming-of-Age-and-Out-Film: er erzählt von einem Jungen, dessen Erkenntnis, anders zu sein, dazu führt, einen eigenen Weg aus ungesunden Familienstrukturen heraus zu finden. Aber „Closet Monster“ ist auch ein ungewöhnlicher Film: ungewöhnlich drastisch, ungewöhnlich blutig, ungewöhnlich deutlich. Teenage Angst und psychosomatischer Horror werden hier ausbuchstabiert, stellen sich aber nicht als lebensgefährlich heraus. Der jugendliche Held hat nämlich eine kreative Begabung – und einen Hamster namens Buffy, der sich mit Dämonen ganz gut auskennt. Von Jan Künemund.