Boys Club

Konsequenzen

Konsequenzen

Neu als DVD und VoD: Weil er sich nicht an Regeln halten kann, landet Andrej erst vor Gericht und dann in einer Besserungsanstalt für Jugendliche. Unter den Teenagern dreht sich alles um Drogen, Sex und Gewalt. Und es herrscht eine klare Hackordnung, an deren Spitze der brutale und unberechenbare Gangleader Željko steht. Andrej und Željko geraten sofort aneinander, doch aus der Rivalität wird bald eine Kameradschaft, in der sich Andrej klar unterordnet. Doch je länger die beiden Zeit zusammen totschlagen, desto mehr fühlt sich Andrej auch körperlich zu Željko hingezogen... Fesselnd und authentisch erzählt "Konsequenzen" von unterdrücktem sexuellem Begehren und Teenage Angst, von den rohen Impulsen des Heranwachsens und den Unsicherheiten, die darunter liegen. Für seinen schonungslosen Debütfilm konnte Regisseur Darko Štante auf eigene Erfahrungen als Lehrer in einem slowenischen Jugendgefängnis zurückgreifen. Philipp Stadelmaier schreibt für uns über einen rauen und vor homosexueller Potenz strotzenden Coming-of-Age-Film, in dessen Zentrum ein jungen Mann steht, der versucht, ein guter Hetero zu sein, obwohl es vielleicht nichts gibt, was ihm weniger liegt.
Studio 54 – The Documentary

Studio 54 – The Documentary

Wilde Partys, Drogenexzesse und hemmungsloser Sex – das New Yorker Studio 54 war der berühmteste Nachtclub der späten 1970er Jahre. Mit seinen ausschweifenden Feiern zog er Weltstars wie Michael Jackson, Andy Warhol und Liza Minelli in seinen Bann. Mark Christopher hat in seinem legendären Spielfilm "Studio 54" (1998/2015) dem Club und seinem 1989 verstorbenen Co-Gründer Steve Rubell, dargestellt von Mike Myers, ein Denkmal gesetzt. Über 30 Jahre nach der Schließung des Clubs im Jahr 1986 erzählt Matt Tyrnauer nun in seinem gleichnamigen Dokumentarfilm vom Aufstieg und Niedergang des Mythos "Studio 54" – und konnte dafür u.a. erstmals den zweiten Gründer, Ian Schrager, für ein ausführliches Interview gewinnen. Andreas Köhnemann über das vielschichtige Porträt eines Urorts nicht-heterosexueller Partykultur, das im Juni exklusiv in der queerfilmnacht auf der großen Leinwand zu sehen ist.
It’s My Party

It’s My Party

Fast zwei Jahrzehnte war Regisseur Randal Kleiser in Hollywood zuständig für massenkompatible Familienunterhaltung, er machte mit dem Musical "Grease" (1978) Olivia Newton-John zum Weltstar und sorgte mit "Die blaue Lagune" (1980) für feuchte Teenagerträume. 1995 aber verfilmte er mit "It’s My Party" einen ganz persönlichen Stoff: die Geschichte seines Aids-kranken Lebensgefährten Harry Stein, der wenige Jahre zuvor nach einem Fest mit seinen Freunden seinem Leben ein Ende gesetzt hatte. Anlässlich der deutschen Erstveröffentlichung des Films auf DVD und Blu-ray geht Axel Schock der Frage nach, warum "It’s My Party" trotz eigentlich idealer Grundvoraussetzungen im Gegensatz zu "Philadelphia" ein so wenig beachteter Aids-Film geblieben ist.
Roads

Roads

Drei Jahre nach dem sensationellen Erfolg seines Film "Victoria" schickt Regisseur Sebastian Schipper in "Roads" zwei 18-Jährige auf einen Trip quer durch Europa. Der britische Shootingstar Fionn Whitehead ("Dunkirk") und der französischen Schauspieler und Stand-Up-Comedian Stéphane Bak ("Elle") spielen zwei Jungs, die sich auf ihrer Reise emotional immer näher kommen und in einer Welt im sozialen Umbruch erwachsen werden. "Roads" steht in der Tradition die Roadmovies und des Buddyfilms, denkt beide Genres aber neu, indem er der Beziehung zwischen seinen Hauptfiguren ihre sexuelle Ambivalenz lässt. Auch wenn der Film damit keine klassische schwule Romanze ist, so ist er doch ein berührender, queer-relevanter Film über eine lebensverändernde Liebe, findet unser Autor Andreas Köhnemann.
Rocketman

Rocketman

In einem berührenden Text für den britischen Guardian hat Elton John vor kurzem beschrieben, wie viel ihm der Film "Rocketman", der seit gestern auch in den deutschen Kinos läuft, bedeutet. Dabei sei es gar nicht so einfach gewesen, ein Hollywood-Studio zu finden, das bereit war, sein an Sex und Drogen nicht gerade armes Leben einigermaßen authentisch zu verfilmen. Wohin ein gehemmter Umgang mit Homosexualität auf Produzentenseite führen kann, konnten wir unlängst im Freddie-Mercury-Biopic "Bohemian Rhapsody" beobachten. Andreas Köhnemann hat sich "Rocketman", der von Elton Johns Ehemann David Furnish co-produziert wurde, angesehen und findet, dass der Film weit aufrichtiger ist als "Bohemian Rhapsody", weil er sich traut, sich auf die Queerness seines Protagonisten voll einzulassen.
The Wild Boys

The Wild Boys

Eine Zeitreise zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Fünf Jungs aus gutem Hause begehen ein scheußliches Verbrechen. Um sie auf den rechten Pfad zu führen, vertrauen ihre Mütter sie einem alten Kapitän an, der dafür bekannt ist, wilde Herwachsende auf seinem Schiff mit harter Hand zu brechen. Von der Schikane an Bord zermürbt, meutern die Jungs mit letzter Kraft. Sie stranden auf einer Insel voller bizarrer Gewächse, von denen eine geheimnisvolle Kraft ausgehen soll. Bald beginnt der Zauber der Pflanzen zu wirken, die Jungs verändern sich, doch anders, als gedacht... Bertrand Mandicos vor sinnlicher Energie und visueller Kraft beinah berstender Debütfilm ist erzählerisch ungestüm und formal mit gängigen Kategorien nicht zu fassen, er ist schwindelerregend referentiell, seltsam lustvoll und auf transformative Weise queer. Spätestens seit die "Cahiers du Cinéma" das mysteriöse Kinomärchen 2018 zum Film des Jahres gekürt haben, gilt es nicht mehr als Geheimtipp. Jetzt ist "The Wild Boys" endlich auch in deutschen Kinos zu sehen. Sebastian Markt hat sich in Mandicos fantastische Bilderorgie treiben lassen.
Freak Show

Freak Show

Jetzt als DVD und VoD: Billy Bloom will nur eins in seinem Leben: fabelhaft sein! Für den frühreifen Teenager heißt das, größten Wert auf die richtige Kleidung, auf Haare und Make-up zu legen, perfekten Sinn für den besonderen Auftritt zu haben und vor allem nie langweilig zu sein. In der konservativen US-Kleinstadtschule, in die ihn sein steinreicher Vater gesteckt hat, stößt Billy mit seinem Charisma auf breites Unverständnis und offenes Mobbing. Nachdem ihn eine Gruppe homophober Mitschüler krankenhausreif geprügelt hat, holt Billy zum Gegenschlag aus – und erklärt seine Kandidatur zur Homecoming Queen. Als High-School-Film getarnt, erzählt "Freak Show" mit campem Humor, skurrilen Nebenfiguren und viel Herz die Außenseitergeschichte eines sonderbaren Jungen als nicht-heterosexuelles Selbstermächtigungs-Märchen. In Trudie Stylers Regiedebüt glänzen neben dem britischen Nachwuchsstar Alex Lawther ("Departure") auch Abigail Breslin ("Little Miss Sunshine") als biestige Chef-Cheerleaderin und Schauspielikone Bette Midler als Billys exzentrische, aber weitgehend abwesende Mutter Muv. Anja Kümmel über einen extravaganten Coming-of-Age-Film, der eine Lanze für die Magie des schillernden Andersseins bricht.
Sauvage

Sauvage

Ab jetzt im Kino: In seinem ersten Langfilm erzählt Camille Vidal-Naquet die Geschichte des 22-jährigen Léo, der in Straßburg lebt und als Stricher arbeitet. Nachts lässt sich Léo durch die Stadt treiben, tagsüber schläft er irgendwo für ein paar Stunden. Wenn es Ärger mit Freiern gibt, hilft ihm sein bester Freund Ahd. Aber der Partner, nach dem Léo sich sehnt, kann Ahd nicht für ihn sein. Für seine kompromisslose Darstellung eines jungen Mannes zwischen körperlicher Selbstausbeutung und einer unstillbarer Sehnsucht nach menschlicher Nähe wurde Félix Maritaud in Cannes mit dem Rising Star Award ausgezeichnet und als neue Hoffnung des französischen Kinos gefeiert. Unser Autor Sascha Westphal fühlt sich bei Léos rastloser Suche an die Hauptfiguren in Patrice Chéreaus "Der verführte Mann" (1983) und André Téchinés "Ich küsse nicht" (1991) erinnert – und nähert sich der zarten Rohheit von Vidal-Naquets Porträt deswegen über einen Rekurs auf das stolze Genre des französischen Stricherfilms an.
Der verlorene Sohn

Der verlorene Sohn

Der 19-jährige Jared (Lucas Hedges) wächst in einem Baptistenprediger-Haushalt in den amerikanischen Südstaaten auf – und ist schwul. Weil das aus der Sicht seiner strenggläubigen Eltern (Nicole Kidman, Russell Crowe) nicht zusammengeht, schicken sie den Sohn zu einer Konversionstherapie. Doch die "Behandlung" im Kreise der übrigen "Patienten" trägt andere Früchte, als sich die Eltern erhofft haben. Basierend auf dem gefeierten autobiografischen Roman "Boy Erased" von Garrard Conley erzählt das fein besetzte Drama (in Nebenrollen sind Xavier Dolan und Troye Sivan zu sehen) von den repressiven Lebensumständen von queeren Menschen im Bible Belt der USA – und der mutigen Selbstermächtigung eines jungen Mannes. Patrick Heidmann über einen Film, der in Trump-Amerika von bestürzender Aktualität ist.
The Pass

The Pass

Neu als DVD und VoD: Zwei gut gebaute junge Männer, nur mit Unterhosen bekleidet, zusammen in einem Hotelzimmer. Das Szenario, das auf den ersten Blick stark homoerotisch wirkt, bleibt zunächst heterosexuell geprägt. Schließlich sind die beiden Freunde seit kurzem Profifußballer, am nächsten Tag steht ihr erstes Spiel in der Champions League an. Schwulsein ist in diesem Beruf keine Option. Ben A. Williams hat für sein Langfilmdebüt "The Pass" das gleichnamige Theaterstück von John Donnelly verfilmt, das im Jahr 2014, kurz nach dem medienwirksamen Coming-out des ehemaligen Premier-League-Players Thomas Hitzelsberger, in London über Monate vor ausverkauften Rängen gespielt wurde. Russell Tovey ("Looking") spielt wie zuvor am Royal Court Theatre die Hauptrolle. Ein intensives Psychogramm in drei Akten über Geheimnisse, Lügen und Heucheleien – und eines der letzten homosexuellen Tabuthemen.