Boys Club

Cousins

Cousins

Neu als DVD und VoD: Teenager Lucas lebt mit seiner strenggläubigen Tante Lourdes in einem Städtchen irgendwo in Brasilien. Als braver Neffe hilft er ihr im Garten und bei der Organisation der Bibelkreise. Doch ihre fromme Zweisamkeit wird durcheinandergebracht, als Lourdes einen weiteren Neffen im Haus aufnimmt: Mario kommt gerade aus dem Gefängnis und kann sich nur schwer an Regeln halten. Zunächst ist Lucas vom Verhalten seines wilden Cousins irritiert, aber in Lourdes' Abwesenheit kommen sich die zwei Jungs rasch näher... In ihrer verspielten Coming-of-Age-Komödie setzen Thiago Cazado und Mauro Carvalho dem religiösen Konservatismus in der brasilianischen Provinz die positive Geschichte einer emotionalen und sexuellen schwulen Erweckung entgegen. Unser Autor Andreas Köhnemann hat sich von der Leidenschaft und dem Humor des Films mitreißen lassen.
Jonathan Agassi Saved My Life

Jonathan Agassi Saved My Life

Jetzt auf DVD und VoD: Yonatan aus Tel Aviv war einst einer der bekanntesten Pornodarsteller der Welt: Unter dem Künstlernamen Jonathan Agassi war er Star Dutzender schwuler Hardcore-Filme, er trat in Live-Sex-Shows auf und arbeitete als Escort. Der israelische Regisseur Tomer Heymann ("Paper Dolls") hat Agassi über einen Zeitraum von acht Jahren mit der Kamera begleitet, zu Pornosets, Familientreffen und zum berüchtigten HustlaBall. Sein Film, der im Januar in der queerfilmnacht auf der großen Leinwand zu sehen ist, bietet nicht nur einen ungewohnt tiefen Einblick in die Welt schwuler Pornos und Escorts, sondern ist auch ein berührend aufrichtiger Film über einen getriebenen jungen Mann, der mit seiner Vergangenheit und den komplexen Beziehungen zu seiner Mutter und seinem Vater ringt. Rajko Burchardt über ein abgründigen Porträt.
Darkroom – Tödliche Tropfen

Darkroom – Tödliche Tropfen

In seinem neuen Film "Darkroom - Tödliche Tropfen" befasst sich Rosa von Praunheim mit einem wahren Kriminalfall aus der jüngsten Vergangenheit Berlins. Während der Krankenpfleger Lars mit seinem Freund Roland eine scheinbar perfekte Beziehung führt, treibt er sich heimlich im Nachtleben umher, mordet und experimentiert mit tödlichen Substanzen. Der diesjährige Eröffnungsfilm des Filmfestivals Max Ophüls Preis setzt nicht auf Hochglanz, sondern auf sein gut eingespieltes Hauptdarsteller-Duo. Stefan Hochgesand hat sich in die filmische Blackbox begeben und neben ekligen Momenten auch Paradiesisches entdeckt.
Nevrland

Nevrland

Neu als DVD, Blu-Ray und VoD: Jakob ist 17, arbeitet als Aushilfskraft in einem Schlachthof und kämpft mit einer lähmenden Angststörung. Als er in einem Sex-Cam-Chat den 26-jährigen Künstler Kristjan kennenlernt, beginnt für ihn eine transpersonale Reise nach Nevrland und zu den Wunden seiner Seele. Bildgewaltig und atmosphärisch dicht zeigt der österreichische Regisseur Gregor Schmidinger in seinem ersten Langfilm "Nevrland" den Prozess des sexuellen Erwachens und der Selbstfindung als existentiellen Trip, in dem die Grenzen zwischen Realität und Fantasie immer mehr verwischen. Newcomer Simon Frühwirth wurde für seine Rolle als Jakob bereits mehrfach ausgezeichnet. Sebastian Markt über einen tiefenpsychologisch fundierten Coming-of-Age-Film über den Mut, man selbst zu sein, und die gewaltige Angst, die oft davor liegt.
Zehn Filme des Jahres

Zehn Filme des Jahres

Eine verbotene Liebe in Kenia. Fünf wilde Jungs auf einer verwunschenen Insel. Zwei fremde Schwestern, die sich gleichen. Französisches Wortgewichse in neuer Haut. Emily Dickinsons Ehrenrettung. Erinnerungen an das Begehren früherer Tage. Phantome aus Blut und Sperma. Die Befreiung des weiblichen Blicks. Genderrevolten in Genf. Und eine sagenhafte Grenzüberschreitung. Zu Silvester wagt sissy wieder einen Blick zurück – und freut sich über ein großartiges, vielgestaltiges queeres Kino-Jahr, das uns vor allem mit vielen starken weiblichen Perspektiven begeistert hat. Eine kleine Passage entlang zehn nicht-heterosexueller Filmhighlights der letzten zwölf Monate – wie gewohnt in Form kurzer Auszügen aus den Originalrezensionen unserer Autor*innen.
Hamam – Das türkische Bad

Hamam – Das türkische Bad

Bei seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1997 wurde "Hamam - Das türkische Bad" als Meisterwerk gefeiert und ist längst zu einem Klassiker des queeren Kinos avanciert. Regisseur Ferzan Özpetek ("Die Ahnungslosen") nutzt die homoerotische und höchst sinnliche Atmosphäre türkischer Bäder und den Zauber der Metropole am Bosporus, um in verführerischen Bildern von einem sexuellen und kulturellen Erwachen zu erzählen – und vom Eintauchen in eine einzigartige, faszinierende Welt. Jetzt erscheint der Kultfilm in digital restaurierter Fassung. Unser Autor Christian Lütjens hat ihn als zeitloses Märchen über das Suchen und Finden der (Selbst-)Liebe erlebt.
Mapplethorpe

Mapplethorpe

Die Celebrity-Porträts, Blumen-Kompositionen und insbesondere die Milieustudien der New Yorker S/M-Underground-Szene von Robert Mapplethorpe (1946-1989) zählen heute zu den Meilensteinen der Fotografie des 20. Jahrhunderts. In ihrem Biopic "Mapplethorpe" spürt Ondi Timoner dem Seelenleben des queeren Künstlers nach, der sich selbst als "modernen Michelangelo" verstand. Unser Autor Peter Rehberg sah eine überzeugende Darstellung des "Doctor Who"-Stars Matt Smith in der Titelrolle – aber auch ein weiteres Biopic, das das Transgressive bagatellisiert.
Der Blonde

Der Blonde

Ein Vorort in Buenos Aires. Der blonde Gabriel ist gerade bei seinem Arbeitskollegen Juan eingezogen. Offiziell sind beide hetero: Der stille Gabriel hat eine kleine Tochter, Draufgänger Juan bringt eine weibliche Eroberung nach der anderen nach Hause. Trotzdem gibt es zwischen ihnen eine intensive körperliche Anziehung. Irgendwann folgen auf Blicke Berührungen und ein loses sexuelles Arrangement. Als aus den „flatmates with benefits“ ein richtiges Liebespaar werden könnte, gerät Juan in einen Identitätskonflikt. Mit gewohnt voyeuristischem Blick schaltet der argentinische Regisseur Marco Berger die homoerotische Stimmung schrittweise nach oben. „Der Blonde“ ist bereits der sechste Film von Teddy-Gewinner Berger („Plan B“). Unser Autor Christian Lütjens hat sich angesehen, wie er abermals die Grenzen der Intimsphäre gesprengt hat.
Kanarie

Kanarie

Südafrika, 1985. Der 18-jährige Boy-George-Fan Johan Niemand wird in den Soldatenchor „Kanaries“ aufgenommen - und merkt schnell, dass er dort, wie überall, eine bestimmte Rolle spielen muss: Der Chor hat die Aufgabe, die Werte des Staates und der katholischen Kirche anzupreisen. Als sich Johan während einer Tournee in einen singenden Kameraden verliebt, stellt er bald das repressive Ordnungssystem um sich herum infrage. Die mitreißende musikalische Coming-of-Age- und Liebesgeschichte „Kanarie“ von Christiaan Olwagen zeigt vor dem historischen Hintergrund des Apartheid-Regimes die Verwundungen, die Nationalismus und Religion jungen Menschen antun können – aber auch, wie man in der Allianz mit anderen Außenseitern seine eigene Stimme finden kann. Unser Autor Stefan Hochgesand hat sich gemeinsam mit den Chorjungs durch Widrigkeiten zu den Sternen begeben.
Giant Little Ones

Giant Little Ones

Franky und Ballas sind seit Ewigkeiten beste Freunde. Die Stars des Schwimm-Teams sind beliebt in der Highschool und begehrt bei den Mädchen. Doch als sich die beiden im betrunkenen Zustand sexuell näherkommen, ist plötzlich alles anders: Ballas will mit Franky nichts mehr zu tun haben und die Gerüchteküche in der Schule brodelt. Franky erlebt Mobbing und Gewalt, aber auch eine neue Nähe zu seinem Vater, der selbst seit einigen Jahren schwul lebt. Allmählich wird dem Teenager klar, wer er sein möchte. Keith Behrmans "Giant Little Ones" wurde nach seiner gefeierten Weltpremiere in Toronto vielfach ausgezeichnet – und läuft im November in der queerfilmnacht. Christian Lütjens über einen außergewöhnlichen Coming-of-Age-Film, der mit leuchtenden Bildern und mitreißenden Darsteller*innen Herzen und Horizonte öffnet.