Cats

Cats

Nächste Woche startet endlich "Cats", Tom Hoopers heiß ersehnte Verfilmung von Andrew Lloyd Webbers Erfolgsmusical – und die internationale Filmkritik zerreißt sie bereits seit Tagen in der Luft. Insbesondere die tricktechnisch gestützten, den Menschen allzu ähnlich wirkenden Katzenfiguren irritieren. Eine beispiellose "Monstrosität" sei der Film, ja "das Schlimmste, das Katzen seit Hunden passiert ist". Aus queerer Perspektive kann man das aber auch alles ganz anders sehen. Beatrice Behn hat sich in Hoopers pelziges und bemerkenswert sexualiertes Gruselkabinett gewagt und einen Film entdeckt, der größtes Unbehagen verursacht und zugleich queere Schaulust befriedigt wie kaum ein zweiter der letzten Jahre. "Cats" ist der jüngste Beweis dafür, dass Camp immer seinen Weg findet, vor allem in den Händen von nichts ahnenden Heteros.
Cunningham

Cunningham

Der US-amerikanische Tänzer und Choreograf Merce Cunningham (1919-2009) gilt dank seiner wagemutigen Tanz-Experimente als einer der visionärsten und einflussreichsten Bewegungskünstler der Welt. Im 3D-Dokumentarfilm "Cunningham" verbindet die Regisseurin Alla Kovgan die Biografie des Künstlers, der eine enge Arbeits- und Liebesbeziehung mit dem Komponisten John Cage führte, mit Darbietungen seiner Choreografien. Andreas Köhnemann hat sich von der kreativen Bilderfülle und der inszenatorischen Dynamik mitreißen lassen.
Hamam – Das türkische Bad

Hamam – Das türkische Bad

Bei seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1997 wurde "Hamam - Das türkische Bad" als Meisterwerk gefeiert und ist längst zu einem Klassiker des queeren Kinos avanciert. Regisseur Ferzan Özpetek ("Die Ahnungslosen") nutzt die homoerotische und höchst sinnliche Atmosphäre türkischer Bäder und den Zauber der Metropole am Bosporus, um in verführerischen Bildern von einem sexuellen und kulturellen Erwachen zu erzählen – und vom Eintauchen in eine einzigartige, faszinierende Welt. Jetzt erscheint der Kultfilm in digital restaurierter Fassung. Unser Autor Christian Lütjens hat ihn als zeitloses Märchen über das Suchen und Finden der (Selbst-)Liebe erlebt.
Bibliothek rosa Winkel: Interview mit Wolfram Setz

Bibliothek rosa Winkel: Interview mit Wolfram Setz

Im Rahmen eines einzigartigen editorischen Projekts sichert die "Bibliothek rosa Winkel" seit 1991 die historischen Texte der schwulen und queeren Emanzipationsbewegung. 76 Bände sind in den vergangenen 28 Jahren erschienen, außerdem sieben Bände in der "Sonderreihe Wissenschaft". Initiator, Herausgeber und Mäzen dieser außergewöhnlichen Bibliothek, die verlegerisch mittlerweile bei Männerschwarm ihr Zuhause gefunden hat, ist der Historiker Wolfram Setz. Wir haben mit ihm gesprochen.
Mapplethorpe

Mapplethorpe

Die Celebrity-Porträts, Blumen-Kompositionen und insbesondere die Milieustudien der New Yorker S/M-Underground-Szene von Robert Mapplethorpe (1946-1989) zählen heute zu den Meilensteinen der Fotografie des 20. Jahrhunderts. In ihrem Biopic "Mapplethorpe" spürt Ondi Timoner dem Seelenleben des queeren Künstlers nach, der sich selbst als "modernen Michelangelo" verstand. Unser Autor Peter Rehberg sah eine überzeugende Darstellung des "Doctor Who"-Stars Matt Smith in der Titelrolle – aber auch ein weiteres Biopic, das das Transgressive bagatellisiert.
Die glitzernden Garnelen: Video-Interview mit Cédric Le Gallo

Die glitzernden Garnelen: Video-Interview mit Cédric Le Gallo

In Frankreich lockten "Die glitzernden Garnelen" über eine halbe Million Zuschauer*innen ins Kino. Seit Donnerstag ist die turbulente Komödie des Regie-Duos Cédric Le Gallo und Maxime Govare über ein queeres Pariser Wasserball-Team und seine Reise zu den Gay Games in Kroatien auch in den deutschen Kinos zu sehen. Im Interview hat uns Cédric verraten, wie seine persönliche Geschichte den Film inspiriert hat, wieso eine queere Sportmannschaft immer auch eine Art Ersatzfamilie ist und was man bei der Genre-gemäßen Arbeit mit Stereotypen beachten sollte.
Schönheit und Vergänglichkeit

Schönheit und Vergänglichkeit

In ihrem neuen Film „Schönheit und Vergänglichkeit“ porträtiert Annekatrin Hendel den Fotokünstler Sven Marquardt sowie dessen Modelle Dominique Hollenstein und Robert Paris. Alle drei waren im Ost-Berlin der 1980er Jahre ein zentraler Teil der Subkultur und „ineinander verschossen.“ Hendel beobachtet und begleitet das Trio und lässt es über das Gestern und Heute reflektieren. Unsere Autorin Cosima Lutz hat den Dokumentarfilm als barockes Vanitas-Gemälde erlebt, in dem unterschiedliche Welten hart aneinandergrenzen.
Peter Rehberg: Hipster Porn

Peter Rehberg: Hipster Porn

Queertheoretische Denker gehen über die Frage, ob Pornografie zu verdammen sei oder nicht, hinaus und fragen stattdessen nach dem subversiven Potenzial pornografischer Inszenierungen. Im Interview mit Verlegerin Claudia Gehrke haben wir bereits die Möglichkeiten nicht-exploitativer Erotik und Pornografie am Beispiel des Jahrbuchs „Mein heimliches Auge“ erörtert. In „Hipster Porn“ unterzieht nun Peter Rehberg das Porno-Fanzine „Butt“ einer hochabstrakten queertheoretischen Analyse. Mike Laufenberg gibt einen Überblick über diese komplexe Studie.
Der Blonde

Der Blonde

Ein Vorort in Buenos Aires. Der blonde Gabriel ist gerade bei seinem Arbeitskollegen Juan eingezogen. Offiziell sind beide hetero: Der stille Gabriel hat eine kleine Tochter, Draufgänger Juan bringt eine weibliche Eroberung nach der anderen nach Hause. Trotzdem gibt es zwischen ihnen eine intensive körperliche Anziehung. Irgendwann folgen auf Blicke Berührungen und ein loses sexuelles Arrangement. Als aus den „flatmates with benefits“ ein richtiges Liebespaar werden könnte, gerät Juan in einen Identitätskonflikt. Mit gewohnt voyeuristischem Blick schaltet der argentinische Regisseur Marco Berger die homoerotische Stimmung schrittweise nach oben. „Der Blonde“ ist bereits der sechste Film von Teddy-Gewinner Berger („Plan B“). Unser Autor Christian Lütjens hat sich angesehen, wie er abermals die Grenzen der Intimsphäre gesprengt hat.
Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln

Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln

Das Biopic „Mishima - Ein Leben in vier Kapiteln“ widmet sich in stark fiktionalisierter Form dem gefeierten japanischen Autor Yukio Mishima (*1925), der 1970 den traditionellen Selbstmord, Seppuku, beging. Die Geschichte des queeren, widersprüchlichen Künstlers wird erzählt, indem sie mit drei Erzählungen seiner Bücher parallelisiert wird. Im Jahr 1985 feierte der Film der New-Hollywood-Ikone Paul Schrader seine Weltpremiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Der restaurierte Director’s Cut wurde beim diesjährigen San Sebastian Film Festival gezeigt und läuft jetzt im Kino an. Unser Autor Fritz Göttler hat ihn gesehen - und spürt den Zusammenhängen zwischen Mishimas (zu) großem Traum und dessen Werk, Körper und Queerness nach.