Wo/Anders

Stadt Land Fluss

Stadt Land Fluss

Heute Abend geht es bei rbb QUEER aufs Land: "Stadt Land Fluss" erzählt eine schwule Liebesgeschichte, die unter Auszubildenden in einem großen brandenburgischen Agrarbetrieb spielt, und verbindet auf einzigartige Weise Dokumentar- mit Spielfilmelementen. Heißt: die Landschaft, die Mitarbeiter, die Tiere und die Rübenwaschanlange spielen sich selbst, nur die schwule Liebesgeschichte ist Magie - aber auch die könnte jederzeit dort wahr werden! André Wendler findet: Der Film ist so schön, den könnte man sich gar nicht ausdenken.
Mr. Gay Syria

Mr. Gay Syria

Ein LGBTI*-Blogger aus Damaskus hat in Deutschland Asyl beantragt, ein schwuler Familienvater aus Aleppo ist auf seiner Flucht in Istanbul gestrandet. Beide haben einen Traum: Beim nächsten „Mr. Gay World“-Wettbewerb in Malta soll ein Mann aus Syrien teilnehmen. Der Dokumentarfilm von Ayşe Toprak begleitet die beiden zwischen Aktivismus, Freiheitsträumen und der Sehnsucht nach Sichtbarkeit – wenn es sein muss: in Speedos und auf High Heels. Von Toby Ashraf.
Rift

Rift

Ein verängstigter Anruf vom Ex aus einer Blockhütte in einer abgeschiedenen Region im Westen Islands. Aus alter Verbundenheit reist Gunnar wieder nach Rökkur, um Einar zu beruhigen. Viel Zeit haben sie einst dort verbracht, nun gleiten die beiden rasch in ihre alten Streitereien ab. Doch allmählich muss auch Gunnar erkennen, dass sie nicht alleine in der Hütte sind... Regisseur Erlingur Thoroddsen nutzt die gewaltigen Weiten und schroffen Landschaften seiner isländischen Heimat, um eine schauerliche Mischung aus Melodram und Horrorfilm zu entwerfen, die er bis zum schauerlichen Finale immer weiter verdichtet. Für Rajko Burchardt ist "Rift" ein monströses Beziehungsdrama, bei dem man als Zuschauer_in nie weiß, was hinter der nächsten Felsspalte lauert.
Im Namen des …

Im Namen des …

Heute Abend läuft schon der fünfte Film bei rbb QUEER: In poetischen Bildern einer trügerischen sommerlichen Dorfidylle erzählt Regisseurin Małgorzata Szumowska in „Im Namen des …“ das Gewissensdrama eines katholischen Priesters, der verzweifelt gegen seine Gefühle ankämpft. Der Film wurde 2014 u.a. mit dem Teddy für den Besten Spielfilm und dem Jurypreis der Hamburger Lesbisch Schwulen Filmtage ausgezeichnet. Eine Annäherung von Ulrich Kriest.
Buchrezension: Queer Cinema

Buchrezension: Queer Cinema

"Alle fühlten sich den Anfängen einer Neuen Queeren Geschichtsschreibung verpflichtet, die in der Lage sein würde, das Jahrzehnt zu transformieren, voraus­gesetzt, die Tür bliebe lange genug geöffnet." Mit diesen Worten endet der 1992 publizierte Artikel "New Queer Cinema", in dem die Filmkritikerin B. Ruby Rich den Begriff für die große Erneuerungsbewegung des queeren Kinos in Nordamerika prägte. Bis heute sind die popkulturellen und akademischen Diskussionen zum Queer Cinema von ihrem Text beeinflusst. Die beiden Filmwissenschaftler_innen Dagmar Brunow und Simon Dickel haben nun den ersten deutschsprachigen Sammelband zum queeren Kino herausgegeben. "Queer Cinema" enthält die erste deutsche Übersetzung von Richs wegweisendem Text und folgt den Entwicklungs­linien queerer Filmwissenschaft von den 1990er-­Jahren bis in die Gegenwart. Beiträge von Filmemacher_innen wie Cheryl Dunye, Jim Hubbard und Barbara Hammer sowie Interviews mit Monika Treut und Angelina Maccarone stehen neben Grundlagentexten und theoretischen Zugängen, die an aktuelle Debatten um queere Zeitlich­keiten, die Bedeutung des Archivs, Medialität oder die Repräsentationspolitiken von Transgender anschließen. Maja Figge hat das Buch für uns gelesen – und sich dabei durch viele offene Türen treiben lassen.
Landrauschen

Landrauschen

Nach wilden Party-Jahren in Berlin kehrt die Endzwanzigerin Toni in ihr schwäbisches Heimatkaff zurück und muss zwischen Trachtengruppe und Blaskapelle erstmal gehörig Anpassung üben. Bis sie auf dem Faschingsfest ihre alte Schulfreundin Rosa wiedertrifft, die ihr zeigt, dass das Leben in der Provinz nicht zwangsläufig spießig und stock-hetero sein muss. Lisa Miller hat für ihren verspielt trashigen Debütfilm "Landrauschen" dieses Jahr in Saarbrücken den renommierten Max Ophüls Preis gewonnen. Unsere Autorin Alexandra Seitz hat sich mit Toni nach Bubenhausen gewagt – und einen erstaunlich queeren Heimatfilm entdeckt.
Rara – Meine Eltern sind irgendwie anders

Rara – Meine Eltern sind irgendwie anders

Seit der Trennung ihrer Eltern lebt Sara mit ihrer jüngeren Schwester bei der Mutter, die jetzt mit einer Frau zusammen ist. Der Alltag der vier unterscheidet sich kaum von dem anderer Familien, für Sara ist die Situation voll in Ordnung. Doch das sehen nicht alle so, insbesondere ihr Vater hat Bedenken. Das Spielfilmdebüt der chilenischen Regisseurin Pepa San Martín ist komplett aus der Perspektive der 13-jährigen Sara erzählt und beruht auf wahren Begebenheiten. "Rara" lief bereits auf der Berlinale 2016 im Rahmen der Jugendsektion Generation Kplus und wurde dort mit dem Großer Preis der Internationalen Jury ausgezeichnet. Seit gestern ist das einfühlsame Familienporträt endlich auch in einigen deutschen Kinos zu sehen. Von Babara Schweizerhof.
Überleben in Neukölln

Überleben in Neukölln

Rosa von Praunheim hat halbrunden Geburtstag und uns zur Feier einen neuen Film aus Neukölln mitgebracht. Das queere Panorama aus Porträts von kreativen, verrückten und – im Praunheimschen Sinne – herrlich perversen Bewohner_innen des berüchtigten Szenebezirks setzt das Prinzip der unangepassten Lebenstraumerzählungen fort, mit dem der Regisseur seit nunmehr 50 Jahren die heterornormativen Strukturen der deutschen Kino- und Fernsehlandschaft unterwandert. Eine Hommage von Jan Künemund.
Body Electric

Body Electric

Der Debütfilm des brasilianischen Regisseurs Marcelo Caetano zeichnet mit beeindruckender Beiläufigkeit das Porträt des Mizwanzingers Elias, dem in einem Vorort von Sao Paolo nicht das eigene Schwulsein zu schaffen macht, sondern die universelle Frage, was wichtiger ist: die Karriere oder das übrige Leben. Gegenüber dem mühsamen Arbeitsalltag in einer Großschneiderei, der die Gefahr birgt, den eigenen Körper zu verdinglichen, entwirft „Body Electric“ die Utopie einer Gruppe junger Leute, die über die Grenzen des sozialen Standes und der sexueller Identität hinweg füreinander da sind. Rajko Burchardt hat sich mittreiben lassen.
Herzstein

Herzstein

Borgarfjörður eystri ist ein kleines Fischerdörfchen irgendwo in Island. Hier hat Regisseur Guðmundur Arnar Guðmundsson sein Langfilmdebüt über zwei Jungs gedreht, die ihr sexuelles Erwachen in unterschiedliche Richtungen führt. Für sein vielschichtiges, in atemberaubenden Landschaftsbildern eingefangenes Porträt einer unbändigen und zugleich schwer verletzlichen Freundschaft wurde Guðmundsson letztes Jahr in Venedig vollkommen zurecht mit dem Queer Lion ausgezeichnet. Jetzt ist der Film auch auf DVD erhältlich.