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Narziss und Goldmund

Narziss und Goldmund

In seiner Adaption der berühmten Erzählung von Hermann Hesse bietet der österreichische Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky ("Die Fälscher") nicht nur Bildgewalt und Star-Besetzung (Sabin Tambrea, Jannis Niewöhner), sondern setzt zugleich die homoerotischen Untertöne der Vorlage deutlich nach oben. Im mittelalterlichen Kloster Mariabronn werden der tiefreligiöse Narziss und der ungestüme Goldmund zu engen Freunden. Während Narziss im Kloster bleibt, zieht es Goldmund in die Welt, die zahlreiche Liebschaften, aber auch Elend und Tod für ihn bereithält. Andreas Köhnemann hat nach dem emotionalen Herzstück der bemerkenswert schwulen Großproduktion gegraben.
Darkroom – Tödliche Tropfen

Darkroom – Tödliche Tropfen

In seinem neuen Film "Darkroom - Tödliche Tropfen" befasst sich Rosa von Praunheim mit einem wahren Kriminalfall aus der jüngsten Vergangenheit Berlins. Während der Krankenpfleger Lars mit seinem Freund Roland eine scheinbar perfekte Beziehung führt, treibt er sich heimlich im Nachtleben umher, mordet und experimentiert mit tödlichen Substanzen. Der diesjährige Eröffnungsfilm des Filmfestivals Max Ophüls Preis setzt nicht auf Hochglanz, sondern auf sein gut eingespieltes Hauptdarsteller-Duo. Stefan Hochgesand hat sich in die filmische Blackbox begeben und neben ekligen Momenten auch Paradiesisches entdeckt.
Schönheit und Vergänglichkeit

Schönheit und Vergänglichkeit

In ihrem neuen Film „Schönheit und Vergänglichkeit“ porträtiert Annekatrin Hendel den Fotokünstler Sven Marquardt sowie dessen Modelle Dominique Hollenstein und Robert Paris. Alle drei waren im Ost-Berlin der 1980er Jahre ein zentraler Teil der Subkultur und „ineinander verschossen.“ Hendel beobachtet und begleitet das Trio und lässt es über das Gestern und Heute reflektieren. Unsere Autorin Cosima Lutz hat den Dokumentarfilm als barockes Vanitas-Gemälde erlebt, in dem unterschiedliche Welten hart aneinandergrenzen.
Ich bin Anastasia

Ich bin Anastasia

Anastasia Biefang wurde bei ihrer Geburt das Geschlecht "männlich" zugewiesen. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere bei der Bundeswehr entscheidet sie sich, zukünftig in ihrem gefühlten weiblichen Geschlecht zu leben. Erstaunlicherweise gibt es nach ihrem Outing keine Karriereeinbußen. Gleich nach ihrer Geschlechtsangleichung übernimmt sie das Informationstechnik-Bataillon im brandenburgischen Storkow – und wird damit die erste Transgender in der Bundeswehr auf dem Posten einer Kommandeurin. Regisseur Thomas Ladenburger hat Oberstleutnant Biefang bei ihrem Transitionsprozess und während ihres Dienstantritts begleitet. Barbara Schweizerhof über ein feinfühliges und reflektiertes Porträt, das heute in den deutschen Kino startet.
Searching Eva

Searching Eva

In ihrem Langfilmdebüt "Searching Eva" porträtiert Pia Hellenthal die in Berlin lebende Italienerin Eva Collé, die seit Jahren ihre Follower im Internet und auf Social-Media-Kanälen an ihrem Alltag mit allen Höhen und Tiefen teilhaben lässt – und dabei auch intimste Details nicht ausspart. Eva lebt vielfältige Identitäten, sie ist Katzenbesitzerin, Dichterin, Sexarbeiterin, Bisexuelle, Ex-Junkie, Feministin, Anarchistin, Model. Ihre Realität ist virtuell und das Leben eine subjektive Konstruktion unter eigener Regie. Beatrice Behn über einen hybridartigen Film mit einer höchst queeren und im besten Sinne schamlosen Protagonistin.
Heute oder morgen

Heute oder morgen

Sommer in Berlin. Maria und Niels lieben sich, das Leben und die Freiheiten, die sie sich gegenseitig geben. Was morgen ist, interessiert nicht, es zählt nur der Moment. Dann treffen sie auf Chloe. Maria wagt den ersten Schritt, aus einem Flirt entwickelt sich schnell eine intensive Romanze zwischen den beiden Frauen. Niels wird Teil davon – und verfällt Chloe ebenso. Eine Ménage-à-trois, in der alles lustvoll ist. Doch dann stellt eine unerwartete Nachricht die Gefühle der drei Liebenden auf eine harte Probe. In seinem Debütfilm erzählt Thomas Moritz Helm ein modernes Berliner Sommermärchen fernab von konservativen Moralvorstellungen. Im Zentrum stehen drei junge Menschen, die nach einer neuen Definition von Liebe und Beziehung suchen. Andreas Köhnemann hat ein Buch über sexuell ambivalente Dreiecksbeziehungen im Film geschrieben ("Liebe in alle Richtungen", 2016) – und sich "Heute oder morgen", den es jetzt als DVD und VoD gibt, angesehen.
Westler

Westler

Berlin, Mitte der 1980er Jahre. ‚Westler’ Felix und Thomas aus Ostberlin leben nur wenige Kilometer voneinander entfernt – und doch in zwei unterschiedlichen Welten. Zwischen ihnen liegt die Berliner Mauer, pro Woche können sie sich nur einen Tag sehen und pro Tag nur vier, fünf Stunden. Irgendwann weiß Thomas nur noch einen Ausweg: die Flucht aus der DDR, über Prag in den Westen, zu Felix. Regisseur Wieland Speck und sein Team mussten 1985 im Ostteil Berlins zum Teil mit versteckter Kamera drehen. 34 Jahre nach seiner Entstehung erscheint "Westler", ein Klassiker des Queeren Kinos, jetzt in digital restaurierter Fassung als DVD und VoD. Andreas Wilink hat sich den grenzenüberschreitenden Liebesfilm noch einmal angesehen und fühlt sich zurücktransportiert in die alte Mauerstadt.
Wege zu Kraft und Schönheit

Wege zu Kraft und Schönheit

Was ist der vollkommene Körper – und wie erhält man ihn? Mit diesen Fragen setzte man sich bereits vor 100 Jahren auseinander. Nach dem Motto "Ein gesunder Geist lebt in einem gesunden Körper" zielt der Kulturfilm "Wege zu Kraft und Schönheit" (1925) auf die Wiederaneignung eines körperlichen Idealzustandes nach Vorbild der Antike ab und propagiert dazu vor allem die körperliche Ertüchtigung. In den 20er Jahren traf der didaktische Lehrfilm in sechs Kapiteln einen Nerv der Zeit und war Ausdruck eines neuen Körperbewusstseins, das sich in Form der Lebensreformbewegung und des Naturalismus etabliert hatte. Der Film ist aber auch ein wertvolles filmhistorisches Dokument, das als ideologischer Vorläufer des nationalsozialistischen Körperkultes angesehen werden kann, wie er später etwa in Propagandafilmen von Leni Riefenstahl zelebriert wurde. Nachdem "Wege zu Kraft und Schönheit" jahrzehntelang nur zensiert verfügbar war, erscheint der Film nun wissenschaftlich rekonstruiert, digital restauriert und erstmals in seiner vollständigen Fassung auf DVD und ist auch als VoD verfügbar. Andreas Wilink folgt den Spuren eines Klassikers des UFA-Kulturfilms.
Von Mädchen und Pferden

Von Mädchen und Pferden

Heute Abend läuft der wunderbarer Coming-of-Age-Film "Von Mädchen und Pferden" bei rbb QUEER (23h30 im rbb). Ganz im Norden, am Rickelsbüller Koog, soll die 16-jährige Alex endlich feste Strukturen kennen lernen. Das zumindest erhofft sich ihre Adoptivmutter, die die Schulabbrecherin zu einem Praktikum auf den Reiterhof abgeschoben hat. Alex ist zunächst wenig begeistert – Rauchverbot, kaum Handyempfang und viel Arbeit. Aber eben auch: Pferde, ein endlos langer Strand, das Meer – und die charismatische Reitlehrerin Nina, die offen lesbisch lebt... Monika Treut, die große Pionierin des queeren Kinos in Deutschland, befreit den Blick ihrer jugendlichen Protagonistin und eröffnet ihr ganz neue Welten. Tania Witte geht dem Zauber des Films, der für die Begeisterung von Mädchen für Pferde ziemlich handfeste Bilder findet, auf den Grund.
Tackling Life

Tackling Life

Neu auf DVD und VoD: Die „Berlin Bruisers“, Berlins schwules Rugby-Team, sind leider die schlechteste Mannschaft der Stadt. Dennoch haben sie miteinander etwas aufgebaut, das über die Fantasien von Menschen, die die Wort-Kombination „schwul“ und „Rugby“ entweder widersprüchlich oder sexy finden, weit hinausgeht. Und über den sportlichen Ehrgeiz sowieso. Johannes List hat einen Film über den Einzelkampf im Alltag und den Teamgeist auf dem Trainingsplatz gemacht, der ein warmes Communitygefühl ausstrahlt. Können wir gut gebrauchen, findet Axel Schock.