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Vier Tage in Frankreich

Vier Tage in Frankreich

Paris am frühen Morgen. Pierre wirft einen letzten Blick auf den Körper seines schlafenden Partners Paul. Und verlässt ihn dann. Er setzt sich ins Auto und fährt ohne konkretes Ziel einfach los. Es geht kreuz und quer durch ganz Frankreich, zwischendurch kommt Pierre mit Passanten ins Gespräch und hat Sex mit Männern, die er über Grindr findet. Paul nutzt die gleiche App, um seinen verschwundenen Freund zu suchen. Jérôme Reybauds Geschichte zweier Liebender, die von der mobilen Zerstreuung körperlichen Begehrens erst getrennt und dann wieder zusammengeführt werden, verläuft wie ein Katz-und-Maus-Spiel und ein einziger langer Cruising-Trip. Das auch in seiner Filmlänge ausufernde Road Movie erinnert in seinen romantisch-queeren Vignetten an die Filme Alain Guiraudies und Paul Vecchialis, entwickelt aber dank einer Serie von wunderbaren Nebenfiguren und Drehbuchfinten eine ganz eigene, verführerische Skurrilität. Dennis Vetter über einen Liebesfilm zu Zeiten der Sexdating-Apps.
The Happy Prince

The Happy Prince

Rupert Everett hat fast zehn Jahre gebraucht, bis er „The Happy Prince“ endlich drehen konnte. Darin erzählt er als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller das tragische Ende von Oscar Wilde und wird dabei von einem stargespickten Ensemble unterstützt. Ein großer, schöner und sehr schwuler Historienschinken, für den es keinen Teddy, aber schon einen Bayerischen Filmpreis gab. Von Paul Schulz.
Mein Leben mit James Dean

Mein Leben mit James Dean

In „Mein Leben mit James Dean“ ist ein junger Filmemacher mit seinem ersten Film, der von schwulem Begehren und Kinoleidenschaft erzählt, auf Kinotour in der französischen Küstenprovinz. Mit schrägem Humor und traumähnlichen Bildern verwandelt Dominique Choisy den selbstreferentiellen Komödienplot in eine beharrliche Liebeserklärung an das Kino. Denn das unerwartete Kulturevent infiziert die wenigen Menschen, die es aus unterschiedlichen Gründen ins Kino verschlägt, mit einer Sehnsucht nach Leidenschaft und Andersartigkeit, die schnell auch den Film darüber erfasst. Von Jan Künemund.
Der Moment: Stand by Me

Der Moment: Stand by Me

"Stand by Me", Rob Reiners Verfilmung von Stephen Kings Novelle "Die Leiche" (1982), gilt als Meilenstein des US-amerikanischen Coming-of-Age-Kinos. Der Film erzählt nicht nur mitreißend und voller Empathie zu seinen Figuren von den lebensprägenden "Geheimnissen eines Sommers", wie der deutsche Untertitel des Films verspricht. Er weigert sich vor allem überzeugend und nicht ganz un-queer, Kindheit und Jugend und all das Ungefestigte und Ambivalente darin als abgeschlossen zu betrachen. Eine ähnliche Perspektive nimmt auch der gefeierte Debütroman des Schriftstellers Fabian Hischmann, "Am Ende schmeißen wir mit Gold" (2014), ein, dem im vergangenen Jahr ein zweiter Roman, "Das Umgehen der Orte" (2017), folgte. Als "Stand by Me" 1986 in die Kinos kam, war unser Autor erst drei Jahre alt. Den Moment seiner queeren Filmgeschichte hat er trotzdem in ihm gefunden – und seitdem nie mehr verloren.
Nobody’s Watching

Nobody’s Watching

In ihrem dritten Spielfilm erzählt Regisseurin Julia Solomonoff („Mein Sommer mit Mario“, 2009) von einem jungen schwulen Argentinier, der nach New York zieht, um dort als Schauspieler Fuß zu fassen. Eine fein beobachtete Studie darüber, wie ein bereits angebrochenes Herz am alltäglichen Rassismus und den wenig romantischen Lebensbedingungen in New York noch weiter zerbrechen kann. Von Paul Schulz.
Jahr des Tigers

Jahr des Tigers

Tom hat zwei ungewöhnliche Hobbies: Er sammelt Tiermasken und bricht mit seinem Kumpel gern in fremde Wohnungen ein. Bei einem Einbruch steht er plötzlich vor dem Bett des schlafenden Lars. Tom kann sich noch unbemerkt aus der Wohnung stehlen, doch ab diesem Moment ist er von Lars besessen und beginnt ihn heimlich zu verfolgen. Bis der seinem Beobachter auf die Schliche kommt... Regisseur Tor Iben legt seinen neuen Film als ein raffiniertes Labyrinth der Leidenschaften an. „Jahr des Tigers“ ist ein Berliner Erotikthriller, eine Studie über queere Männlichkeit – und im April in der queerfilmnacht zu sehen. Von Paul Schulz.
Velociraptor

Velociraptor

In seinem zweiten Langfilm „Velociraptor“ erzählt der junge mexikanische Regisseur Chucho E. Quintero von einer Welt, deren Ende kurz bevorsteht, und von den letzten Stunden im Leben des schwulen Alex und seines Hetero-Freundes Diego. Der Film ist wie der titelgebende Saurier: klein, schnell, beweglich und in der Lage, auch große Gegner anzugreifen, weil er im Rudel jagt. Eine Studie über Freundschaft, eine Meditation über queere Sexualität, Teenagerkomödie und Endzeitvision. Von Paul Schulz.
Für dich soll’s ewig Rosen geben

Für dich soll’s ewig Rosen geben

Giulio und Claudio sind seit Ewigkeiten zusammen. Dass nicht nur Claudios Gesundheit Probleme bereitet, sondern das Paar auch in finanzielle Bedrängnis geraten ist, versucht Giulio so gut es geht vor seinem Partner zu verheimlichen. Doch als Giulios Tochter Valeria plötzlich mit Enkelsohn Marco auftaucht, droht das mühsam aufgebaute Lügengerüst in sich zusammenzufallen. Cesare Furesis Film ist eine ruhige, schön komponierte und fein besetzte Tragikomödie über eine lebenslange Liebe. Von Frank Brenner.
Walter Pfeiffer – Chasing Beauty

Walter Pfeiffer – Chasing Beauty

Mit 71 Jahren steht der Schweizer Fotograf und Zeichner Walter Pfeiffer im Zenit seines Schaffens. Fast 30 Jahre lang erschienen seine sinnlich-verspielten Bilder von hübschen jungen Männern, mit denen er für nicht wenige Schwule in den 80ern und 90ern zu einem persönlichen Helden wurde, nur in Underground-Magazinen, bis ihm in den 2000ern der Durchbruch als international gefragter Modefotograf gelang. Heute gilt er als Wegbereiter von Fotografie-Stars wie Wolfgang Tillmans und Jürgen Teller, er arbeitet mit Supermodels, seine Bilder erscheinen in Zeitschriften wie Vogue und i-D. Der Regisseur Iwan Schumacher hat über Pfeiffer nun einen hinreißenden Porträtfilm voller Esprit und hintergründigem Humor gedreht, in dem der Meister von seinem Leben zwischen Zürcher Schaufenster-Dekors und Pariser Glamour-Shootings erzählt, aber auch viele seiner Ex-Modelle und Weggefährten zu Wort kommen. Unser Autor und Fotokunst-Experte Matthias Frings hat sich den Film angesehen und begibt sich mit Pfeiffer auf die ewige Suche nach der wahren Schönheit.
The Smell of Us

The Smell of Us

20 Jahre nach seinem bahnbrechenden Jugenddrama "Kids" (1995) hat Larry Clark wieder einen Film über heranwachsende Skater, Sex und Gewalt gedreht. Clark zeichnet in "The Smell of Us" (2014), der bei uns nie im Kino lief und jetzt direkt auf DVD und BluRay erscheint, die Jugend einmal mehr als einen Zustand zwischen Langeweile und Exzess, Unschuld und Verdorbenheit. Anders als sein bisheriges Werk, zu dem auch die Not-Coming-of-Age-Klassiker "Bully" (2001) und "Ken Park" (2002) gehören, ist der neue Film aber auch eine Studie über das Begehren alter Männer geworden – und letztlich ein Film über Larry Clark selbst. Von Toby Ashraf.