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Der Moment: Stand by Me

Der Moment: Stand by Me

"Stand by Me", Rob Reiners Verfilmung von Stephen Kings Novelle "Die Leiche" (1982), gilt als Meilenstein des US-amerikanischen Coming-of-Age-Kinos. Der Film erzählt nicht nur mitreißend und voller Empathie zu seinen Figuren von den lebensprägenden "Geheimnissen eines Sommers", wie der deutsche Untertitel des Films verspricht. Er weigert sich vor allem überzeugend und nicht ganz un-queer, Kindheit und Jugend und all das Ungefestigte und Ambivalente darin als abgeschlossen zu betrachen. Eine ähnliche Perspektive nimmt auch der gefeierte Debütroman des Schriftstellers Fabian Hischmann, "Am Ende schmeißen wir mit Gold" (2014), ein, dem im vergangenen Jahr ein zweiter Roman, "Das Umgehen der Orte" (2017), folgte. Als "Stand by Me" 1986 in die Kinos kam, war unser Autor erst drei Jahre alt. Den Moment seiner queeren Filmgeschichte hat er trotzdem in ihm gefunden – und seitdem nie mehr verloren.
Nobody’s Watching

Nobody’s Watching

In ihrem dritten Spielfilm erzählt Regisseurin Julia Solomonoff („Mein Sommer mit Mario“, 2009) von einem jungen schwulen Argentinier, der nach New York zieht, um dort als Schauspieler Fuß zu fassen. Eine fein beobachtete Studie darüber, wie ein bereits angebrochenes Herz am alltäglichen Rassismus und den wenig romantischen Lebensbedingungen in New York noch weiter zerbrechen kann. Von Paul Schulz.
Jahr des Tigers

Jahr des Tigers

Tom hat zwei ungewöhnliche Hobbies: Er sammelt Tiermasken und bricht mit seinem Kumpel gern in fremde Wohnungen ein. Bei einem Einbruch steht er plötzlich vor dem Bett des schlafenden Lars. Tom kann sich noch unbemerkt aus der Wohnung stehlen, doch ab diesem Moment ist er von Lars besessen und beginnt ihn heimlich zu verfolgen. Bis der seinem Beobachter auf die Schliche kommt... Regisseur Tor Iben legt seinen neuen Film als ein raffiniertes Labyrinth der Leidenschaften an. „Jahr des Tigers“ ist ein Berliner Erotikthriller, eine Studie über queere Männlichkeit – und im April in der queerfilmnacht zu sehen. Von Paul Schulz.
Velociraptor

Velociraptor

In seinem zweiten Langfilm „Velociraptor“ erzählt der junge mexikanische Regisseur Chucho E. Quintero von einer Welt, deren Ende kurz bevorsteht, und von den letzten Stunden im Leben des schwulen Alex und seines Hetero-Freundes Diego. Der Film ist wie der titelgebende Saurier: klein, schnell, beweglich und in der Lage, auch große Gegner anzugreifen, weil er im Rudel jagt. Eine Studie über Freundschaft, eine Meditation über queere Sexualität, Teenagerkomödie und Endzeitvision. Von Paul Schulz.
Für dich soll’s ewig Rosen geben

Für dich soll’s ewig Rosen geben

Giulio und Claudio sind seit Ewigkeiten zusammen. Dass nicht nur Claudios Gesundheit Probleme bereitet, sondern das Paar auch in finanzielle Bedrängnis geraten ist, versucht Giulio so gut es geht vor seinem Partner zu verheimlichen. Doch als Giulios Tochter Valeria plötzlich mit Enkelsohn Marco auftaucht, droht das mühsam aufgebaute Lügengerüst in sich zusammenzufallen. Cesare Furesis Film ist eine ruhige, schön komponierte und fein besetzte Tragikomödie über eine lebenslange Liebe. Von Frank Brenner.
Walter Pfeiffer – Chasing Beauty

Walter Pfeiffer – Chasing Beauty

Mit 71 Jahren steht der Schweizer Fotograf und Zeichner Walter Pfeiffer im Zenit seines Schaffens. Fast 30 Jahre lang erschienen seine sinnlich-verspielten Bilder von hübschen jungen Männern, mit denen er für nicht wenige Schwule in den 80ern und 90ern zu einem persönlichen Helden wurde, nur in Underground-Magazinen, bis ihm in den 2000ern der Durchbruch als international gefragter Modefotograf gelang. Heute gilt er als Wegbereiter von Fotografie-Stars wie Wolfgang Tillmans und Jürgen Teller, er arbeitet mit Supermodels, seine Bilder erscheinen in Zeitschriften wie Vogue und i-D. Der Regisseur Iwan Schumacher hat über Pfeiffer nun einen hinreißenden Porträtfilm voller Esprit und hintergründigem Humor gedreht, in dem der Meister von seinem Leben zwischen Zürcher Schaufenster-Dekors und Pariser Glamour-Shootings erzählt, aber auch viele seiner Ex-Modelle und Weggefährten zu Wort kommen. Unser Autor und Fotokunst-Experte Matthias Frings hat sich den Film angesehen und begibt sich mit Pfeiffer auf die ewige Suche nach der wahren Schönheit.
The Smell of Us

The Smell of Us

20 Jahre nach seinem bahnbrechenden Jugenddrama "Kids" (1995) hat Larry Clark wieder einen Film über heranwachsende Skater, Sex und Gewalt gedreht. Clark zeichnet in "The Smell of Us" (2014), der bei uns nie im Kino lief und jetzt direkt auf DVD und BluRay erscheint, die Jugend einmal mehr als einen Zustand zwischen Langeweile und Exzess, Unschuld und Verdorbenheit. Anders als sein bisheriges Werk, zu dem auch die Not-Coming-of-Age-Klassiker "Bully" (2001) und "Ken Park" (2002) gehören, ist der neue Film aber auch eine Studie über das Begehren alter Männer geworden – und letztlich ein Film über Larry Clark selbst. Von Toby Ashraf.
Call Me by Your Name

Call Me by Your Name

Luca Guadagninos Verfilmung von André Acimans gleichnamigen Roman aus dem Jahr 2007 erzählt vielschichtig, handwerklich makellos und tief berührend die Geschichte einer ersten Liebe im Italien Anfang der 80er. Seit „Brokeback Mountain“ (2005) war keine schwule Romanze mehr so anschlussfähig für Heteros, wie die vielen Auszeichnungen für den Film, vier Oscar-Nominierungen und die riesige internationale PR-Kampagne von Sony Pictures belegen. „Call Me by Your Name“ ist aber auch ein explizit queeres Erweckungsdrama, das unsere ganz eigenen Erfahrungen von Begehren und Angst, Erinnerung und Verleugnung, Lust und Trauer filmisch durchdekliniert. Heute startet der Film endlich auch in den deutschen Kinos. Von Christian Weber.
Pihalla

Pihalla

Nachdem Miku bei einer Party beinahe die Wohnung seiner Eltern in Schutt und Asche gelegt hat, muss er zur Strafe für den Rest der Ferien mit ihnen ins Häuschen aufs Land. Es droht ein Sommer der Langeweile. Bis auf einmal der smarte und selbstbewusste Elias im Garten auftaucht und sich als Nachbar vorstellt. Plötzlich fühlt sich der Sommer für Miku so toll an, dass er am besten nie mehr endet. Unser Autor Paul Schulz hat sich "Pihalla", der im Februar in der queerfilmnacht läuft, angesehen und findet: Nils-Erik Ekbloms Spielfilmdebüt ist schlau, sexy, sehr, sehr komisch und eine zarte, ganz untypisch finnische Liebesgeschichte zwischen zwei Teenagern.
120 BPM – Gespräch mit Robin Campillo

120 BPM – Gespräch mit Robin Campillo

Anfang der 1990er engagierte sich Robin Campillo in Paris selbst bei der Aids-Aktivistengruppe ACT UP. 25 Jahre später hat er über diese Zeit einen tief berührenden Film gedreht, der nicht nur der Verzweiflung und Trauer, sondern auch dem leidenschaftlichen Widerstand und der unbändigen Lebensfreude der Gruppe ein Denkmal setzt. Anlässlich des Kinostarts von "120 BPM" im November letzten Jahres haben wir Campillo zusammen mit der europäischen HIV/Aids-Forschungsgruppe EUROPACH ins Berliner Friedrichshain-Kreuzberg-Museum eingeladen. Im Gespräch mit den beiden Sozialwissenschaftlern Todd Sekuler (Humboldt-Universität, Berlin) und Agata Dziuban (Jagiellonen-Universität, Krakau) erinnerte sich Campillo an ausufernde Gruppendiskussionen, wütende Demonstrationen und schmerzlich vermisste Freunde – und erklärte, warum er schon lange mit dem politischen Aktivismus aufgehört und seine Widerständigkeit auf andere, filmische Bahnen gelenkt hat. Zum DVD- und VoD-Start von "120 BPM" zeigen wir hier eine Zusammenfassung der regen Runde, an der sich auch viele der anwesenden HIV/Aids-Aktivisten und -Forscher beteiligten.