Esther Buss (Autorin)

Die Erbinnen

Die Erbinnen

In "Die Erbinnen" erzählt Regisseur Marcelo Martinessi die Geschichte zweier Frauen um die 60, die als Paar in einem bürgerlichen Viertel der paraguayischen Hauptstadt Asunción leben. Als Chiquita auf Grund der gemeinsam angehäuften Schulden ins Gefängnis muss, beginnt für Chela ein zaghafter Befreiungsprozess. Das private Drama der beiden Frauen spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung, die Paraguay nach langen Jahren der Diktatur und der Absetzung der ersten demokratischen Regierung genommen hat, und erzählt zugleich universell von eingespielten Abhängigkeiten und einem späten Neuanfang. Martinessis Film, der auf der Berlinale mit dem Alfred-Bauer-Preis und dem Preis für die Beste Darstellerin (Ana Brun) ausgezeichnet wurde, ist seit gestern deutschlandweit in den Kinos zu sehen. Esther Buss über ein subtil sozialkritisches Frauenporträt, dessen Formsprache sichtbar an den Melodramen Rainer Werner Fassbinders geschult wurde.
Thelma

Thelma

Die schüchterne Thelma verlässt ihr konservatives Elternhaus in den norwegischen Wäldern, um in Oslo zu studieren. Als sie auf dem Campus Anja kennenlernt, entwickelt sich zwischen den beiden jungen Frauen eine starke Anziehungskraft. Doch plötzlich bekommt Thelma epilepsieartige Anfälle. Und es beschleicht sie das Gefühl, dass sie übernatürliche Fähigkeiten haben könnte... In seinem neuen Film erzählt Joachim Trier ("Oslo, 31. August", "Louder Than Bombs") das sexuelle Erwachen einer jungen Frau als doppelbödigen Mystery-Thriller und findet für ihre Unterdrückung und das immer stärker werdende Begehren sinnlich-unheimliche Bilder. Für sissy haben sich gleich zwei Autorinnen von "Thelma" betören lassen: Esther Buss liest den Film als feministische Wirkungsgeschichte, Beatrice Behn als lesbisches Quasi-Remake des Horrorfilmklassikers "Carrie" (1976). Ein gar nicht so geisterhafter Film über die Befreiung aus der Hetero-Hölle.
Die Wunde

Die Wunde

Queere Filme aus Afrika, wo Homosexualität noch immer in vielen Ländern tabuisiert, in einigen sogar unerbittlich verfolgt wird, sind selten. Selbst in Südafrika, das als eher progressiv gilt, wird außerhalb der großen Städte darüber nur selten offen gesprochen. John Trengove erzählt in seinem Debütfilm nicht nur von einer unterdrückten schwulen Liebe zwischen zwei erwachsenen Xhosa-Männern. Er bricht auch noch mit einem zweiten Tabu seines Heimatlandes, indem er die Geschichte von Xolani und Vija in das uralte Ukwaluka-Beschneidungsritual einbettet. Das Ritual, das die beiden als Mentoren betreuen, soll den rebellischen Stadtjungen Kwanda zum „richtigen“ Mann machen, tatsächlich bringt der aber Xolanis Selbstbild radikal ins Wanken. Auf die universelle Frage, wie man schwules Begehren in einer von maskulinen Rollenbildern dominierten Kultur leben kann, findet Trengove als Antwort packende und magisch berührende Bilder. Nachdem „Die Wunde“ bereits in Sundance und im Panorama der diesjährigen Berlinale gefeiert wurde, läuft er bei uns im August in der queerfilmnacht, bevor er am 14. September auch regulär im Kino startet. Von Esther Buss.