Sebastian Markt (Autor)

Nevrland

Nevrland

Im September in der queerfilmnacht: Jakob ist 17, arbeitet als Aushilfskraft in einem Schlachthof und kämpft mit einer lähmenden Angststörung. Als er in einem Sex-Cam-Chat den 26-jährigen Künstler Kristjan kennenlernt, beginnt für ihn eine transpersonale Reise nach Nevrland und zu den Wunden seiner Seele. Bildgewaltig und atmosphärisch dicht zeigt der österreichische Regisseur Gregor Schmidinger in seinem ersten Langfilm "Nevrland" den Prozess des sexuellen Erwachens und der Selbstfindung als existentiellen Trip, in dem die Grenzen zwischen Realität und Fantasie immer mehr verwischen. Newcomer Simon Frühwirth wurde für seine Rolle als Jakob bereits mehrfach ausgezeichnet. Sebastian Markt über einen tiefenpsychologisch fundierten Coming-of-Age-Film über den Mut, man selbst zu sein, und die gewaltige Angst, die oft davor liegt.
Der Kreis

Der Kreis

Morgen startet rbb QUEER in die zweite Runde! Bis zum 15. August laufen dann wieder jeden Donnerstagabend queere Filme im rbb. Wie im letzten Jahr begleiten wir die Reihe mit einer Artikelserie. Den Anfang macht das preisgekrönte Schweizer Dokudrama "Der Kreis" (23h25 im rbb). Stefan Haupts Film über die gleichnamige Zeitschrift, die in den 1940ern bis in die späten 1960er Leser in der ganzen Welt hatte und das Medium einer der wichtigsten europäischen Schwulenbewegungen war, ist keine Geschichtsstunde. Er setzt, als Spielfilmversion einer wahren Geschichte, auf die exemplarische und doch ganz besondere Liebe zwischen Ernst und Röbi, die im Umfeld des Kreises zueinander fanden. In kurzen Dokumentaraufnahmen tauchen die beiden selbst im Film ihres Lebens auf – und bereichern die berührende Geschichte um die Dimension der eigenen Erfahrungen. Zur diesjährigen Eröffnung seiner queeren Filmreihe hätte sich der rbb am Abend des 50. Jubiläums der Stonewall Riots wohl keinen besseren Film aussuchen können. Sebastian Markt hat "Der Kreis" für uns besprochen.
The Wild Boys

The Wild Boys

Eine Zeitreise zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Fünf Jungs aus gutem Hause begehen ein scheußliches Verbrechen. Um sie auf den rechten Pfad zu führen, vertrauen ihre Mütter sie einem alten Kapitän an, der dafür bekannt ist, wilde Herwachsende auf seinem Schiff mit harter Hand zu brechen. Von der Schikane an Bord zermürbt, meutern die Jungs mit letzter Kraft. Sie stranden auf einer Insel voller bizarrer Gewächse, von denen eine geheimnisvolle Kraft ausgehen soll. Bald beginnt der Zauber der Pflanzen zu wirken, die Jungs verändern sich, doch anders, als gedacht... Bertrand Mandicos vor sinnlicher Energie und visueller Kraft beinah berstender Debütfilm ist erzählerisch ungestüm und formal mit gängigen Kategorien nicht zu fassen, er ist schwindelerregend referentiell, seltsam lustvoll und auf transformative Weise queer. Spätestens seit die "Cahiers du Cinéma" das mysteriöse Kinomärchen 2018 zum Film des Jahres gekürt haben, gilt es nicht mehr als Geheimtipp. Jetzt ist "The Wild Boys" endlich auch in deutschen Kinos zu sehen. Sebastian Markt hat sich in Mandicos fantastische Bilderorgie treiben lassen.
Hard Paint

Hard Paint

Schon in ihrem Coming-of-Age-Film "Seashore" (2015) und der vierteiligen Mini-Serie "Das Nest" (2016) haben die beiden jungen Regisseure Filipe Matzembacher und Marcio Reolon in aufregenden und realistischen Bildern vom queeren Leben in Brasilien, genauer gesagt ihrer Heimatstadt Porto Alegre, erzählt. In der Metropole im Süden des weiten Landes spielt auch ihr zweiter Langfilm "Hard Paint", der von einem introvertierten jungen Mann handelt, der sein Geld in Sex-Cam-Chats verdient und doch nach etwas ganz anderem sucht. Im Februar wurde "Hard Paint" auf der Berlinale mit dem Teddy ausgezeichnet, am Donnerstag startet der Film bei uns im Kino. Unser Autor Sebastian Markt findet sich wieder in einem Rausch neonfarbener Bilder und sich bewegender, begehrender Körper.
Touch Me Not

Touch Me Not

Als die experimentelle Sexualitäts- und Liebesstudie "Touch Me Not" im Februar mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet wurde, war die Filmkritik zwischen heller Begeisterung für die unorthodoxe Wahl und scharfer Empörung tief gespalten. Radikal entblößt die rumänische Regisseurin Adina Pintilie in dem Film die seelischen und körperlichen Tabus unserer vermeintlich sexuell befreiten Zeit und scheut sich auch nicht, Menschen mit Angststörungen und körperlicher Behinderung auf dem Weg zu einer erfüllten Intimität zu begleiten. Sebastian Markt hat sich an "Touch Me Not" herangewagt – und sich von ihm berühren lassen.
Kater

Kater

Szenen einer Beziehung zeichnet Händl Klaus in seinem zweiten Spielfilm nach, der sich zunächst wie eine Satire auf bürgerliche schwule (weiße, westliche, ...) Lebensmodelle anfühlt, so behaglich ist das gemeinsame Glück der musisch veranlagten Männer mit ihrer Hauskatze Moses ausbuchstabiert. Doch weder macht sich der neugierige Blick des Regisseurs über seine Figuren lustig, noch erscheint diese schwule Idylle ungefährdet. Die internationale Jury des Teddy-Awards, die „Kater“ als besten queeren Spielfilm des diesjährigen Berlinale-Programms auszeichnete, betonte sein „packendes“ und „verwirrendes“ Potential, das unser Autor zum einen auf seine großdimensionierte Symbolebene zurückführt, andererseits auf die Genauigkeit und Lässigkeit, die „Kater“ in Anlehnung an das „New Wave Queer Cinema“ findet. Ein faszinierender, schillernder Beziehungsfilm. Von Sebastian Markt.
Zoolander 2

Zoolander 2

„Hast du ein Brötchen oder einen Hotdog?“, wird ein von Benedict Cumberbatch gespieltes Transgender-Supermodel gefragt, was mit einem dümmlichen Kichern beantwortet wird. Auf etwa diesem Niveau bewegt sich „Zoolander 2“, das 15 Jahre lang erwartete Sequel zu Ben Stillers großartiger Mode-Satire, in seinem körperpolitisch ausdifferenzierten Setting, was schon nach Trailerveröffentlichung zu Boykottaufrufen von Transgender-AktivistInnen geführt hat. Trans- und Schwulenwitze in einer Modesatire? Na sowas. Ein Anlass zur Witzanalyse. Von Sebastian Markt.
A Bigger Splash

A Bigger Splash

In Jack Hazans Film „A Bigger Splash“ stellt David Hockney einen Künstler namens David Hockney dar, der versucht, ein Portrait jenes Liebhabers anzufertigen, von dem er eben verlassen worden ist. Weder schlicht Dokument noch bloß Fantasie, ist der Film eine dem Leben abgetrotzte Fiktion, deren Intimität auf den sich selbst Darstellenden Hockney eine solch schockierende Wirkung hatte, dass dieser erst von seinem Umfeld dazu bewogen werden musste, einer Veröffentlichung zuzustimmen. Was heute davon bleibt, ist das Porträt eines Künstlers, einer Zeit und einer Szene, eine melancholische Liebesgeschichte, ein Werk von wunderbarer Hybridität. Von Sebastian Markt.
Saint Laurent

Saint Laurent

„Ich hasse Biopics“, ließ sich Regisseur Bertrand Bonello zitieren, als die Pläne eines weiteren, nämlich seines, Films über Yves Saint Laurent bekannt wurden, nachdem die vom Saint-Laurent-Nachlassverwalter und -Lebensgefährten abgesegnete (und rechtschaffend öde) Version „Yves Saint Laurent“ bereits in den letzten Produktionszügen war. Seine Annäherung an die somit schon heiliggesprochene queere Figur der internationalen Modegeschichte versucht dann auch etwas ganz anderes, etwas Unmögliches vielleicht: ein queeres Pic über das Monster, das aus einer Biografie erwachsen kann, ohne diese Biografie zu schließen und die überlieferten Fakten kausal anzuordnen. In Deutschland lief „Yves Saint Laurent“ erfolgreich in den Kinos. „Saint Laurent“, immerhin im Wettbewerb von Cannes uraufgeführt, erschien lediglich auf DVD. Von Sebastian Markt.
Limbo

Limbo

In einer postindustriellen Landschaft stellen sich Fragen nach der Zukunft unter Jugendlichen, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, nochmal dringlicher. Und für eine Schülerin besonders, da sie einen Crush auf ihre neue Lehrerin entwickelt hat. Der atmosphärisch eigenwillige „Limbo“ ist der erste Spielfilm der dffb-Absolventin Anna Sofie Hartmann. Sebastian Markt hat ihn sich angesehen.