Andreas Wilink (Autor)

Judy

Judy

Die vielfach preisgekrönte, privat vom Unglück verfolgte Schauspielerin und Sängerin Judy Garland (1922-1969), durch den "Zauberer von Oz" und den Song "Over the Rainbow" zur Legende geworden, avancierte schon zu Lebzeiten zu einer Schwulenikone. Rupert Goold widmet sich in seinem Biopic "Judy" der letzten Karriere- und Lebensstation des früh verstorbenen Hollywood-Stars. Unser Autor Andreas Wilink findet vor allem Bewunderung für das dramatische Spiel von Hauptdarstellerin Renée Zellweger, die sich mit großer Geste um ihren zweiten Oscar bewirbt.
Die glitzernden Garnelen

Die glitzernden Garnelen

Nach einem homophoben Statement im Fernsehen wird der Vize-Schwimmweltmeister Matthias Le Goff von seinem Verband zu einem besonderen Job verdonnert: Er muss die schwule Wasserball-Mannschaft „Die glitzernden Garnelen“ trainieren und für die Gay Games in Kroatien fit machen. Irritierend ist für ihn vor allem, dass es den „Garnelen“ weniger um den Wettkampf geht, sondern in erster Linie darum, gemeinsam eine schillernde Zeit zu haben – und nebenbei die heißesten queeren Athleten der Welt kennenzulernen. Cédric Le Gallos und Maxime Govares Sport-Komödie basiert auf den eigenen Erfahrungen Le Gallos in einem schwulen Wasserball-Team, mit dem er seit sieben Jahren von Turnier zu Turnier reist. Der Film, der in Frankreich über eine halbe Million Zuschauer*innen im Kino begeisterte, startet nun auch auf deutschen Leinwänden und läuft in diesem Monat in der queerfilmnacht. Unser Autor Andreas Wilink hat sich von der ermutigenden Geschichte über Freundschaft und die Kraft der nicht-heterosexuellen Gemeinschaft mitreißen lassen.
Gelobt sei Gott

Gelobt sei Gott

Alexandre lebt mit seiner Familie in Lyon. Eines Tages erfährt er per Zufall, dass der Priester, von dem er in seiner Pfadfinderzeit missbraucht wurde, immer noch mit Kindern arbeitet. Er beschließt zu handeln und findet Unterstützung bei zwei weiteren Opfern, François und Emmanuel. Zusammen wollen sie das Schweigen brechen, das über ihrem Martyrium liegt – gegen alle Widerstände. François Ozon hat in seinem neuen Film die wahren Ereignisse des Missbrauchsskandals um den Lyoner Priester Preynat verarbeitet. Seine meisterhaft inszenierte Anklage der erschütternden Versäumnisse in der Katholischen Kirche wurde im Februar auf der Berlinale mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Ab Donnerstag ist "Gelobt sei Gott" bundesweit im Kino zu sehen. Andreas Wilink hat den Film für uns gesehen – und genau hingehört.
Wege zu Kraft und Schönheit

Wege zu Kraft und Schönheit

Was ist der vollkommene Körper – und wie erhält man ihn? Mit diesen Fragen setzte man sich bereits vor 100 Jahren auseinander. Nach dem Motto "Ein gesunder Geist lebt in einem gesunden Körper" zielt der Kulturfilm "Wege zu Kraft und Schönheit" (1925) auf die Wiederaneignung eines körperlichen Idealzustandes nach Vorbild der Antike ab und propagiert dazu vor allem die körperliche Ertüchtigung. In den 20er Jahren traf der didaktische Lehrfilm in sechs Kapiteln einen Nerv der Zeit und war Ausdruck eines neuen Körperbewusstseins, das sich in Form der Lebensreformbewegung und des Naturalismus etabliert hatte. Der Film ist aber auch ein wertvolles filmhistorisches Dokument, das als ideologischer Vorläufer des nationalsozialistischen Körperkultes angesehen werden kann, wie er später etwa in Propagandafilmen von Leni Riefenstahl zelebriert wurde. Nachdem "Wege zu Kraft und Schönheit" jahrzehntelang nur zensiert verfügbar war, erscheint der Film nun wissenschaftlich rekonstruiert, digital restauriert und erstmals in seiner vollständigen Fassung auf DVD und ist auch als VoD verfügbar. Andreas Wilink folgt den Spuren eines Klassikers des UFA-Kulturfilms.
Édouard Louis: Wer hat meinen Vater umgebracht

Édouard Louis: Wer hat meinen Vater umgebracht

"Literatur muss kämpfen", sagt Édouard Louis, "für all jene, die selbst nicht kämpfen können". Sein erster, autobiographischer Roman "Das Ende von Eddy" (2014), der in Frankreich und Deutschland zum Bestseller wurde, ist nicht nur das mitreißende Dokument der Selbstbefreiung eines jungen schwulen Mannes aus prekären Verhältnissen; es ist, ähnlich wie Louis' zweites Buch "Im Herzen der Gewalt" (2016), ein energischer Text gegen eine homo- und xenophobe französische Gesellschaft, die von kaum überbrückbaren sozialen Barrieren durchsetzt ist. In seinem neuen, gerade mal 80 Seiten dicken Buch geht Louis nicht mehr nur im eigenen Leben, sondern auch in dem des Vaters auf Spurensuche: Woher kam die Gewalt, die diesen erfüllte; wieso wählte der Vater die letzten Jahrzehnte stramm den Front National; inwieweit haben die sozialen Verhältnisse gar zu seinem allzu raschen körperlichen Verfall beigetragen? In der Nachfolge seiner intellektuellen Leitfigur Didier Eribon ("Rückkehr nach Reims") entdeckt Louis in seiner soziologischen Analyse den eigenen Vater noch einmal neu – und entwickelt so für sich die Möglichkeit, um ihn zu trauern. Andreas Wilink über eine wütende und höchst persönliche Protestnote.
Porträt: Xavier Dolan

Porträt: Xavier Dolan

Xavier Dolan feiert heute seinen 30. Geburtstag – und legt damit vielleicht auch endlich das vielzitierte Label des filmischen Wunderkinds ab, das ihm seit seinem Debütfilm "I Killed My Mother" (2009) beständig anhaftet. Um ihm stilecht zu gratulieren, kommt uns der eben erschienene Sammelband von Andreas Wilink gerade Recht. Unter dem wunderbar ambivalenten Titel "Aus der Fernnähe" hat Wilink – Kulturjournalist, Theater- und Filmkritiker – eigene Texte und Porträts aus den vergangenen 20 Jahren zusammengetragen und begegnet in dem Band auch zahlreichen queeren Bühnen- und Filmkünstlern wie Werner Schroeter, Rainer Werner Fassbinder oder Walter Bockmayer. Sein Text zu Xavier Dolan ist einer von nur zweien, denen keine persönliche Begegnung vorausgegangen ist. Aus der transantlantischen Ferne nähert sich Wilink in einer empathischen Betrachtung Dolans zügellosem Werk an, dessen erste sechs Filme er als Bausteine in einem zutiefst persönlichen Projekt der Selbstwerdung liest. Sein Porträt lässt uns umso gespannter auf Dolans neuen, siebten Film warten "The Death and Life of John F. Donovan", der im Laufe des Jahres auch in Deutschland in die Kinos kommen soll.