Frauenbande

Kiss Me Kosher

Kiss Me Kosher

"Shalom Shabbat": Bereits bei der Begrüßung in Tel Aviv läuft so einiges durcheinander. Und es soll noch komplizierter werden für ein lesbisches Paar, das eigentlich nur zusammen in die Zukunft blicken will, dabei aber mit familiärem Widerstand und der eigenen Geschichte konfrontiert wird. Autorin und Regisseurin Shirel Peleg verhandelt in ihrem Spielfilmdebüt "Kiss Me Kosher", das jetzt im Kino läuft, auf offene, unterhaltsame Weise die deutsch-israelischen Beziehungen und macht dabei mit viel Witz auch Platz für kulturelle Annäherungen und Neuanfänge, findet unsere Autorin Elisabeth Hergt.
Lollipop Monster

Lollipop Monster

Ein Film, wie man ihn aus Deutschland nicht erwartet. Comic-Autorin Ziska Riemann hat zusammen mit Luci van Org eine sehr besondere Mädchenfreundschaft auf die Leinwand gezeichnet. "Lollipop Monster" ist ein herrliches Geschöpf geworden. Das quietschbunte Kuddelmuddel mit dunklen Abgründen zeigt Jella Haase in ihrer ersten Kinorolle – und steht ab heute als Stream zum Ausleihen und Kaufen im Salzgeber Club zur Verfügung. Unsere Autorin Jenni Zylka schreibt über ihre Filmeindrücke als "Ex-Pubertistin".
Rafiki

Rafiki

"Gute kenianische Mädchen werden gute kenianische Ehefrauen" – Kena lernt schon früh, was von Mädchen und Frauen in ihrem Heimatland erwartet wird: artig sein und sich dem Willen der Männer fügen. Doch die selbstbewusste Kena lässt sich nicht vorschreiben, wie sie zu leben hat. So freundet sie sich auch mit der hübschen Ziki an, obwohl ihre Väter politische Konkurrenten sind. Das Gerede im Viertel ist den Mädchen zunächst ziemlich egal. Doch als sich Kena und Ziki ineinander verlieben, müssen sie sich entscheiden: zwischen der vermeintlichen Sicherheit, ihre Liebe zu verbergen, und der Chance auf ihr gemeinsamen Glück. "Rafiki" – der Titel bedeutet auf Suaheli „Freund(in)“ – ist der erste kenianische Film, der bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde. In Kenia selbst, wo Homosexualität noch immer unter Strafe steht, wurde der Film zunächst mit einem Aufführungsverbot belegt, das erst nach einer Klage der Regisseurin gelockert wurde. Beatrice Behn geht in ihrer Besprechung den Ursprüngen der homophoben Ordnungen auf den Grund, die noch immer in weiten Teilen Afrikas herrschen – und feiert den lesbischen Liebesfilm als mitreißende Utopie, die tief in afrikanischen Traditionen verwurzelt ist.
Tru Love

Tru Love

Diven sind Mutterfiguren für queere Herzen. Meistens glänzen sie unter schwuler Regie, doch auch lesbische Erzählungen beschäftigen sich vermehrt mit ihnen. Das zeigt „Tru Love“ von Kate Johnston und Shauna MacDonald, der nun als Stream zum Ausleihen und Kaufen im Salzgeber Club zur Verfügung steht. Eine flamboyante tatsächliche Mutter lässt sich darin experimentierfreudig und ziemlich weit auf die beste lesbische Freundin der Tochter ein. Unsere Autorin Noemi Yoko Molitor hat den preisgekrönten kanadischen Film gesehen – und setzt ihn in Kontext zu anderen Geschichten über ungewöhnliche Mutter-Tochter-Beziehungen.
La belle saison – Eine Sommerliebe

La belle saison – Eine Sommerliebe

Stadt und Land, Enge und Weite, Stillstand und Aufbruch – Catherine Corsinis Melodram "La belle saison – Eine Sommerliebe" mit Cécile de France und Izïa Higelin lässt Gegensätze aufeinander prallen, brüchig werden, und ist selbst dabei immer in Bewegung. Sascha Westphal über eine großen Liebesgeschichte, die sich mit dem privaten und gesellschaftlichen Aufbruch auseinandersetzt. Der Film läuft heute Abend um 23h30 bei rbb QUEER.
Wir beide

Wir beide

Nach außen hin ist Nina nur die nette Nachbarin von gegenüber, aber für Madeleine ist sie die Liebe ihres Lebens. Schon seit Jahren führen die beiden eine geheime Beziehung und träumen davon, gemeinsam ein neues Leben in Rom zu beginnen. Doch Madeleine kann sich nicht überwinden, ihren erwachsenen Kindern die Wahrheit zu sagen. Als ein unerwartetes Ereignis dazu führt, dass die Wohnungstüren zwischen den Partnerinnen geschlossen bleiben, muss Nina alles riskieren, um zu Madeleine durchzudringen. Im Juli ist Filippo Meneghettis großartiges Liebesdrama "Wir beide" in der queerfilmnacht zu sehen; am 6. August startet es dann regulär in den Kinos. Unsere Autorin Alexandra Seitz hat sich von dem bewegenden Spiel Barbara Sukowas und Martine Chevalliers berühren lassen.
Siebzehn

Siebzehn

"Siebzehn" erzählt von der Internatsschülerin Paula, die heimlich in Charlotte verliebt ist. Doch die ist mit Michael zusammen. Und dann bekommt Paula auch noch von Tim den Hof gemacht. Paula muss sich entscheiden, ob sie ihren eigenen Gefühlen folgt oder denen der anderen. Regie-Debütantin Monja Art zeigt in ihrem herrlich unkonventionellen Coming-of-Drama das Teenagersein in der niederösterreichischen Provinz als Achterbahnfahrt der Gefühle und in einer Ansammlung von amourösen Minidramen. Tania Witte spürt der jugendlichen Sehnsucht nach – und entdeckt ein Verlangen von unaufgeregter Gewaltigkeit. Ein Film über all das, was plötzlich geschehen könnte.
Wild Nights with Emily

Wild Nights with Emily

Jetzt als DVD und VoD: Emily Dickinson (1830-1886) gilt als eine der wichtigsten Dichterinnen der Weltliteratur – und als „Einsiedlerin“. Dass sie über Jahrzehnte eine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit ihrer Jugendfreundin und späteren Schwägerin Susan Gilbert führte, wussten zu ihrer Lebzeit nur wenige. Auch nach Emilys Tod wurde die Beziehung streng geheim gehalten – u.a. von Emilys Verlegerin Mabel, die sogar die postum veröffentlichen Gedichte manipulierte und Emilys feurige Liebesbriefe an Susan an Männer umadressierte. Madeleine Olneks lustvolle Komödie „Wild Nights with Emily“ zeigt die leidenschaftliche lesbische Liebe einer quicklebendigen Dichterin und schildert beispielhaft, wie eine dezidiert weibliche, queere Lebensgeschichte bewusst manipuliert wurde, um in ein heteronormatives Narrativ zu passen. Unsere Autorin Anja Kümmel hat sich auf die willkommene Abzweigung von tradierten Bildern und Vorstellungen begeben.
Infam

Infam

Die Freundinnen Karen und Martha leiten gemeinsam ein Mädcheninternat. Als sie eine aufsässige Schülerin zurechtweisen, nutzt das Mädchen einen heimlich beobachteten Moment, um seine Lehrerinnen zu verleumden. Bald kreisen Gerüchte um die Schule, die weitreichende, tragische Konsequenzen für die beiden Frauen haben. Der dreifache Oscar-Preisträger William Wyler setzt in seiner Theaterstück-Verfilmung "Infam" die Hollywood-Superstars Audrey Hepburn und Shirley MacLaine in Szene – und erzählt auf sensible Weise von unterdrückter Liebe. Unsere Autorin Anja Kümmel hat sich den Filmklassiker des lesbischen Kinos, der erstmals auf Blu-ray erscheint, angesehen – und eine erstaunliche Öffnung des Raums für die Möglichkeiten queeren Begehrens entdeckt.
Das melancholische Mädchen

Das melancholische Mädchen

Jetzt als DVD und VoD: Auf der Suche nach einem Schlafplatz streift das melancholische Mädchen durch die Großstadt. Unterwegs begegnet sie jungen Müttern, die ihre Mutterschaft als religiöses Erweckungserlebnis feiern, findet Unterschlupf bei einem abstinenten Existentialisten, für den Sex "auch nur noch ein Markt" ist, und wartet in einer Drag Bar "auf das Ende des Kapitalismus". Statt sich zu bemühen hineinzupassen, fängt das Mädchen an, ihre Depression als Politikum zu betrachten. In 15 komischen Begegnungen erforscht Susanne Heinrich in ihrem gefeierten Debütfilm die postmoderne, neoliberale Gesellschaft zwischen Prekarisierung und Self Marketing, Ernüchterung und Glückszwang. "Das melancholische Mädchen" verbindet Pop und Theorie und ist voll von Zitaten, die man in Neonbuchstaben auf Werbetafeln leuchten sehen will. Beatrice Behn über eine feministiche Komödie, die sich nicht nur der Kino-üblichen männlich-normativen Blickführung verweigert, sondern auch den Ordnungen der konventionellen Filmkritik.