Articles Written By: Christian Weber

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Jonas

Jonas

Neu als DVD und VoD: Jonas ist 33 und arbeitet dort als Krankenträger. In seiner Freizeit lässt er sich von einem Sexdate zum nächsten treiben, nachts zettelt er in Clubs regelmäßig Streit an. Er kann nicht vergessen, was vor 18 Jahren mit ihm passiert ist, kann Nathan nicht vergessen, den coolen Jungen mit der Narbe im Gesicht, der im neuen Schuljahr plötzlich neben ihm saß und ihm kurz darauf seinen ersten Kuss gab. Und den er in einer verhängnisvollen Nacht für immer verlor. Regisseur Christophe Charrier verknüpft in seinem Film virtuos zwei Zeitebenen miteinander, auf denen er vom schwulen Heranwachsen im Frankreich der 90er, der ersten großen Liebe, von Scham, Schuld und einem gewaltigen, alles verzehrendes Trauma erzählt, das nach und nach an die filmische Oberfläche kommt wie die Erinnerung an einen düsteren Traum. In der Hauptrolle brilliert mit Félix Maritaud ("120 BPM", "Sauvage", "Messer im Herz") einer der derzeit angesagtesten jungen Darsteller des europäischen Kinos. Für unseren Autor Philipp Stadelmaier erzählt "Jonas" vor allem die Geschichte einer verlorenen Unschuld.
Der Kreis

Der Kreis

Morgen startet rbb QUEER in die zweite Runde! Bis zum 15. August laufen dann wieder jeden Donnerstagabend queere Filme im rbb. Wie im letzten Jahr begleiten wir die Reihe mit einer Artikelserie. Den Anfang macht das preisgekrönte Schweizer Dokudrama "Der Kreis" (23h25 im rbb). Stefan Haupts Film über die gleichnamige Zeitschrift, die in den 1940ern bis in die späten 1960er Leser in der ganzen Welt hatte und das Medium einer der wichtigsten europäischen Schwulenbewegungen war, ist keine Geschichtsstunde. Er setzt, als Spielfilmversion einer wahren Geschichte, auf die exemplarische und doch ganz besondere Liebe zwischen Ernst und Röbi, die im Umfeld des Kreises zueinander fanden. In kurzen Dokumentaraufnahmen tauchen die beiden selbst im Film ihres Lebens auf – und bereichern die berührende Geschichte um die Dimension der eigenen Erfahrungen. Zur diesjährigen Eröffnung seiner queeren Filmreihe hätte sich der rbb am Abend des 50. Jubiläums der Stonewall Riots wohl keinen besseren Film aussuchen können. Sebastian Markt hat "Der Kreis" für uns besprochen.
Verfehlte Orte: Interview mit Christoph Geiser

Verfehlte Orte: Interview mit Christoph Geiser

Christoph Geiser, geboren 1949 in Basel, wurde als Spross einer alten Schweizer Familie mit autobiografisch geprägten Romanen schnell berühmt. "Wüstenfahrt" (1984), sein literarisches Coming-out, leitete die erste Wende in seiner Schriftstellerlaufbahn ein. Es folgten Auseinandersetzungen mit Caravaggio, de Sade, Goethe und Piranesi, dann wieder Autobiografisches. So ist in 50 Jahren ein Werk entstanden, das so abwechslungsreich ist wie das richtige Leben und mindestens so intensiv und leidenschaftlich. Dabei ist Geisers Ringen mit dem literarischen Ausdruck und der Sinnhaftigkeit des Schreibens stets ebenso präsent wie die Durchdringung der gesellschaftlichen Wirklichkeit aus der Perspektive des Außenseiters. Wir haben das Erscheinen des Erzählbands "Verfehlte Orte" zum Anlass für ein Gespräch mit dem Autor genommen.
Mark Merlis: Halbstark

Mark Merlis: Halbstark

Das schwule Bewegungsgedächtnis reicht bei den meisten von uns mit Ach und Krach bis zu den Stonewall Riots vor 50 Jahren zurück. Mark Merlis geht in seinem neuen Roman „Halbstark“ weiter zurück: in die frühen Sechzigerjahre, als New York noch ein chaotischer Moloch war, mit Stadtvierteln, um die selbst die Polizei einen weiten Bogen machte. Im Mittelpunkt seines Buchs steht der jüdische Intellektuelle Jonathan Ascher, der dem spießigen Alltag seine revolutionären Ideen entgegenstellt und für kurze Zeit zur landesweiten Berühmtheit wird. Gabriel Wolkenfeld, Jahrgang 1985, hat das Buch gelesen.
Jan Stressenreuter: Weil wir hier sind

Jan Stressenreuter: Weil wir hier sind

20 Jahre lang war Jan Stressenreuter ein literarischer Seismograf der schwulen Szene in Deutschland. Seine Bücher näherten sich dem Lebensgefühl seiner Generation aus immer wieder neuen, verblüffenden Richtungen an und hatten doch alle eins gemeinsam: Man merkte, hier schreibt jemand über Themen, die ihn selbst angehen, nicht abgehoben oder besserwisserisch, sondern bodenständig und im besten rheinischen Ton. Wenige Monate nach seinem plötzlichen Tod ist sein letzter, dystopischer Roman erschienen. Christian Lütjens hat ihn gelesen und verknüpft seine Besprechung mit einem persönlichen Nachruf.
Kim hat einen Penis

Kim hat einen Penis

Kim und ihr Freund Andreas sind irgendwie glücklich. Doch Kim will mehr. Sie will einen Penis. Nicht, weil sie gerne ein Mann wäre, sondern einfach nur, weil sie neugierig ist und das der Beziehung vielleicht einen neuen Kick geben könnte. Im neuen Film von Philipp Eichholtz geht das auch ganz einfach: Ab in die Schweiz, wo die Bestimmungen lockerer sind, ein paar Stunden in der Tagesklinik und mit einem Schwanz retour nach Berlin. Und dann mal sehen, was dieses zusätzliche Körperteil so macht mit einem, dem Alltag und dem Freund. Um eine Geschichte über weibliche Selbstverwirklichung zu erzählen, bedient sich Eichholtz eines aus Gender- und Queer-Perspektive erschreckend naiven Plots. Sein Film ist dabei zwar nicht direkt homo- oder transphob, findet unser Autor Stefan Hochgesand, aber in einer per se transphoben Gesellschaft riskiert Eichholtz mit seiner kaum reflektierten Sex- und Geschlechterkomödie erhebliche Kollateralschäden.
Konsequenzen

Konsequenzen

Neu als DVD und VoD: Weil er sich nicht an Regeln halten kann, landet Andrej erst vor Gericht und dann in einer Besserungsanstalt für Jugendliche. Unter den Teenagern dreht sich alles um Drogen, Sex und Gewalt. Und es herrscht eine klare Hackordnung, an deren Spitze der brutale und unberechenbare Gangleader Željko steht. Andrej und Željko geraten sofort aneinander, doch aus der Rivalität wird bald eine Kameradschaft, in der sich Andrej klar unterordnet. Doch je länger die beiden Zeit zusammen totschlagen, desto mehr fühlt sich Andrej auch körperlich zu Željko hingezogen... Fesselnd und authentisch erzählt "Konsequenzen" von unterdrücktem sexuellem Begehren und Teenage Angst, von den rohen Impulsen des Heranwachsens und den Unsicherheiten, die darunter liegen. Für seinen schonungslosen Debütfilm konnte Regisseur Darko Štante auf eigene Erfahrungen als Lehrer in einem slowenischen Jugendgefängnis zurückgreifen. Philipp Stadelmaier schreibt für uns über einen rauen und vor homosexueller Potenz strotzenden Coming-of-Age-Film, in dessen Zentrum ein jungen Mann steht, der versucht, ein guter Hetero zu sein, obwohl es vielleicht nichts gibt, was ihm weniger liegt.
Studio 54 – The Documentary

Studio 54 – The Documentary

Wilde Partys, Drogenexzesse und hemmungsloser Sex – das New Yorker Studio 54 war der berühmteste Nachtclub der späten 1970er Jahre. Mit seinen ausschweifenden Feiern zog er Weltstars wie Michael Jackson, Andy Warhol und Liza Minelli in seinen Bann. Mark Christopher hat in seinem legendären Spielfilm "Studio 54" (1998/2015) dem Club und seinem 1989 verstorbenen Co-Gründer Steve Rubell, dargestellt von Mike Myers, ein Denkmal gesetzt. Über 30 Jahre nach der Schließung des Clubs im Jahr 1986 erzählt Matt Tyrnauer nun in seinem gleichnamigen Dokumentarfilm vom Aufstieg und Niedergang des Mythos "Studio 54" – und konnte dafür u.a. erstmals den zweiten Gründer, Ian Schrager, für ein ausführliches Interview gewinnen. Andreas Köhnemann über das vielschichtige Porträt eines Urorts nicht-heterosexueller Partykultur, das im Juni exklusiv in der queerfilmnacht auf der großen Leinwand zu sehen ist.
OJ & ER: #ichwillihnberühren

OJ & ER: #ichwillihnberühren

Die Sozialen Medien haben die Suche nach Sex und Liebe bekanntermaßen radikal verändert. In dem Buch "#ichwillihnberühren" des anonymen Autorenduos OJ und ER lässt sich nun ein besonders skuriller Fall nachlesen, in dem das Netz mobiler Appnutzer selbst noch auf der Bettkante gegenwärtig ist und ins Liebesgeschehen miteingreift. Axel Schock geht dem Dokument einer ungewöhnlichen und zu Herzen gehenden Romanze auf die Spur.
Roads

Roads

Drei Jahre nach dem sensationellen Erfolg seines Film "Victoria" schickt Regisseur Sebastian Schipper in "Roads" zwei 18-Jährige auf einen Trip quer durch Europa. Der britische Shootingstar Fionn Whitehead ("Dunkirk") und der französischen Schauspieler und Stand-Up-Comedian Stéphane Bak ("Elle") spielen zwei Jungs, die sich auf ihrer Reise emotional immer näher kommen und in einer Welt im sozialen Umbruch erwachsen werden. "Roads" steht in der Tradition die Roadmovies und des Buddyfilms, denkt beide Genres aber neu, indem er der Beziehung zwischen seinen Hauptfiguren ihre sexuelle Ambivalenz lässt. Auch wenn der Film damit keine klassische schwule Romanze ist, so ist er doch ein berührender, queer-relevanter Film über eine lebensverändernde Liebe, findet unser Autor Andreas Köhnemann.