queerfilmnacht

Before Stonewall

Before Stonewall

New York, Christopher Street, in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969: Eine Gruppe Homo- und Transsexueller widersetzt sich in der Bar Stonewall-Inn entschlossen der Polizei, die das Lokal eigentlich räumen will. Ihr Aufstand und die sich anschließenden Unruhen und Demonstrationen in den folgenden Tagen gelten als Urknall lesbisch-schwulen Selbstbewusstseins – und als Wendepunkt im Kampf um Anerkennung und Gleichstellung, an den seitdem jährlich bei den Christopher-Street-Day-Paraden erinnert wird. Greta Schiller und Robert Rosenberg erzählen in ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm "Before Stonewall" (1984) vom Leben und Alltag der US-amerikanischen Schwulen und Lesben vor jener Nacht in New York. Ihr Film ist reich an seltenem Archivmaterial und enthält neben Interviews mit bekannten Persönlichkeiten wie Allen Ginsberg und Audre Lorde vor allem Berichte und Annekdoten von Schwulen und Lesben aus der breiten Bevölkerung. Zum 50. Jahrestag der Stonewall Riots kommt Schillers und Rosenbergs tief bewegender "Kochbuchfilm zu unserer Geschichte" (Manfred Salzgeber) in neu restaurierter Fassung als DVD heraus und ist nun auch als VoD zu sehen. Matthias Frings über "Before Stonewall" und dessen historische Bedeutung.
Jonas

Jonas

Neu als DVD und VoD: Jonas ist 33 und arbeitet dort als Krankenträger. In seiner Freizeit lässt er sich von einem Sexdate zum nächsten treiben, nachts zettelt er in Clubs regelmäßig Streit an. Er kann nicht vergessen, was vor 18 Jahren mit ihm passiert ist, kann Nathan nicht vergessen, den coolen Jungen mit der Narbe im Gesicht, der im neuen Schuljahr plötzlich neben ihm saß und ihm kurz darauf seinen ersten Kuss gab. Und den er in einer verhängnisvollen Nacht für immer verlor. Regisseur Christophe Charrier verknüpft in seinem Film virtuos zwei Zeitebenen miteinander, auf denen er vom schwulen Heranwachsen im Frankreich der 90er, der ersten großen Liebe, von Scham, Schuld und einem gewaltigen, alles verzehrendes Trauma erzählt, das nach und nach an die filmische Oberfläche kommt wie die Erinnerung an einen düsteren Traum. In der Hauptrolle brilliert mit Félix Maritaud ("120 BPM", "Sauvage", "Messer im Herz") einer der derzeit angesagtesten jungen Darsteller des europäischen Kinos. Für unseren Autor Philipp Stadelmaier erzählt "Jonas" vor allem die Geschichte einer verlorenen Unschuld.
Studio 54 – The Documentary

Studio 54 – The Documentary

Wilde Partys, Drogenexzesse und hemmungsloser Sex – das New Yorker Studio 54 war der berühmteste Nachtclub der späten 1970er Jahre. Mit seinen ausschweifenden Feiern zog er Weltstars wie Michael Jackson, Andy Warhol und Liza Minelli in seinen Bann. Mark Christopher hat in seinem legendären Spielfilm "Studio 54" (1998/2015) dem Club und seinem 1989 verstorbenen Co-Gründer Steve Rubell, dargestellt von Mike Myers, ein Denkmal gesetzt. Über 30 Jahre nach der Schließung des Clubs im Jahr 1986 erzählt Matt Tyrnauer nun in seinem gleichnamigen Dokumentarfilm vom Aufstieg und Niedergang des Mythos "Studio 54" – und konnte dafür u.a. erstmals den zweiten Gründer, Ian Schrager, für ein ausführliches Interview gewinnen. Andreas Köhnemann über das vielschichtige Porträt eines Urorts nicht-heterosexueller Partykultur, das im Juni exklusiv in der queerfilmnacht auf der großen Leinwand zu sehen ist.
Princess Cyd

Princess Cyd

Neu als DVD und VoD: Die 16-jährige Cyd besucht in den Sommerferien ihre Tante Miranda, eine bekannte Schriftstellerin, in Chicago. Während Cyd den ganzen Tag Fußball spielen und sich im Garten sonnen möchte, sitzt Miranda am liebsten hinterm Schreibtisch und arbeitet an ihren Texten. Auch beim Thema Liebe gehen die beiden andere Wege: Cyd erkundet gerade ihr sexuelles Begehren und verliebt sich in die smarte Kellnerin Katie; Miranda hingegen ist Langzeit-Single und hat scheinbar kein Bedürfnis, daran etwas zu ändern. Als Cyd ihre Tante aus der Liebesreserve locken will, erklärt Miranda ihr ein paar Dinge über das Glücklichsein. Mit feinem Gespür für kleine Gesten, Blicke und Zwischentöne porträtiert Regisseur Stephen Cone („Einen Freund zum Geburtstag“, 2015) zwei unterschiedliche Frauenfiguren, die nicht nur einen Schmerz, sondern auch eine Sehnsucht teilen. Nátalia Wiedmann über einen bemerkenswert schwerelosen Film über weibliche Sensibilität, Sexualität und Befreiung.
Sorry Angel

Sorry Angel

Neu als DVD und VoD: Christophe Honoré zählt seit seinen Kritikerlieblingen "Meine Mutter" (2004) und "Chanson der Liebe" (2007) zu den aufregendsten queeren Regisseuren Europas. Sein neuer Film, der im Wettbewerb von Cannes uraufgeführt wurde, erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem HIV-positiven Schriftsteller Jacques (Pierre Deladonchamps, "Der Fremde am See") und dem jungen Filmstudenten Arthur (Vincent Lacoste, "Eden") im Frankreich der frühen 90er Jahre. "Sorry Angel" ist ein generationenübergreifendes Zeitstück über schwules Leben in der Pariser Bohème in der Hochphase der Aids-Krise. Ein zärtlicher und zutiefst berührender Film. Und Honorés bislang persönlichster. Sascha Westphal erkundet ihn entlang der Verlust- und Erinnerungslinien im vielseitigen Gesamtwerk des Regisseurs, das sich als ein fortwährender Dialog mit den Toten und der Vergangenheit präsentiert.
Tackling Life

Tackling Life

Neu auf DVD und VoD: Die „Berlin Bruisers“, Berlins schwules Rugby-Team, sind leider die schlechteste Mannschaft der Stadt. Dennoch haben sie miteinander etwas aufgebaut, das über die Fantasien von Menschen, die die Wort-Kombination „schwul“ und „Rugby“ entweder widersprüchlich oder sexy finden, weit hinausgeht. Und über den sportlichen Ehrgeiz sowieso. Johannes List hat einen Film über den Einzelkampf im Alltag und den Teamgeist auf dem Trainingsplatz gemacht, der ein warmes Communitygefühl ausstrahlt. Können wir gut gebrauchen, findet Axel Schock.
Girl

Girl

Bei seiner Weltpremiere im Mai in Cannes wurde "Girl" erst mit stehenden Ovationen gefeiert und dann mit der Queer Palm und der Caméra d'Or – dem Preis für den besten Erstlingsfilm – ausgezeichnet. Mit traumwandlerischer Sicherheit erzählt der junge belgische Regisseur Lukas Dhont darin die Geschichte der 15-jährigen Lara, die mit ihrem Vater und kleinem Bruder nach Brüssel zieht, um sich an einer renommierten Akademie zur Ballerina ausbilden zu lassen. Neben dem Einstieg in die neue Schule beschäftigt Lara vor allem die bevorstehende Hormonbehandlung. Denn mit ihrem 16. Geburtstag darf sie, die als Junge geboren wurde, aber sich schon immer als Mädchen gefühlt hat, endlich offiziell mit der Anpassung ihres biologischen Geschlechts beginnen. Dhonts großer Wurf besteht darin, dass er einen Film weniger über eine Transition, als, sehr viel subtiler und grundlegender, über einen Penis gemacht hat, findet unser Autor Philipp Stadelmaier. Und ist dabei vor allem von Victor Polster beeindruckt, dem kühnen Lara-Darsteller, der in Cannes mit dem Darsteller-Preis der Sektion "Un Certain Regard" geehrt wurde und diesen erst annahm, als das Festival einwilligte, ihn geschlechtslos zu verleihen. Im Oktober ist "Girl" als Special in der queerfilmnacht zu sehen, am 18. Oktober startet er regulär in den Kinos.
Marvin

Marvin

Martin Clement, geboren als Marvin Bijou, ist entkommen: dem Dorf seiner Kindheit, der Tyrannei seiner Eltern, den Schikanen seiner Mitschüler. In Paris, dem Ort seiner Zuflucht, bereitet er mit der Schauspielerin Isabelle Huppert die Uraufführung seines autobiographischen Debütdramas vor. Die Geschichte von Marvins schwuler und intellektueller Befreiung aus den Untiefen der französischen Provinz erinnert nicht zufällig an Édouard Louis' bahnbrechenden queeren Bildungsroman "Das Ende von Eddy" (2014). Inspiriert von der Biografie des Autors entwickelt Regisseurin Anne Fontaine in "Marvin" eine eigene, künstlerisch-humanistische Perspektive auf das Thema. Den berührenden Coming-of-Age-Film, der im vergangenen Jahr in Venedig mit dem Queer Lion ausgezeichnet wurde, gibt es jetzt auf DVD und VoD. Von Matthias Frings.
Jahr des Tigers

Jahr des Tigers

Tom hat zwei ungewöhnliche Hobbies: Er sammelt Tiermasken und bricht mit seinem Kumpel gern in fremde Wohnungen ein. Bei einem Einbruch steht er plötzlich vor dem Bett des schlafenden Lars. Tom kann sich noch unbemerkt aus der Wohnung stehlen, doch ab diesem Moment ist er von Lars besessen und beginnt ihn heimlich zu verfolgen. Bis der seinem Beobachter auf die Schliche kommt... Regisseur Tor Iben legt seinen neuen Film als ein raffiniertes Labyrinth der Leidenschaften an. „Jahr des Tigers“ ist ein Berliner Erotikthriller, eine Studie über queere Männlichkeit – und im April in der queerfilmnacht zu sehen. Von Paul Schulz.
Verrückt nach Cécile

Verrückt nach Cécile

Als ihre Freundin Schluss macht, ist Océanerosemarie nur einen Moment lang am Boden zerstört. Schließlich hat die quirlige und party-erprobte Osteopathin eine durchgeknallte Familie und ungefähr 76 Ex-Freundinnen, die sie auf Trab halten. Doch dann lernt sie beim Joggen die bildhübsche Cécile kennen – und verliebt sich Hals über Kopf. Um Céciles Herz zu gewinnen, muss sich Océanerosemarie einiges einfallen lassen – und sich fragen, was sie im Leben und vom einer Beziehung wirklich möchte... „Verrückt nach Cécile“ bedient sich genüsslich den Genre-Konventionen der zu Recht als heteronormativ verufenen Romantic Comedy, um diese im nächste Moment auf absurd-komische und reichlich queere Weise zu unterwandern. Endlich! Eine entzückende lesbische Liebeskomödie! Im März ist der Liebesreigen aus Frankreich in der queerfilmnacht zu sehen. Von Barbara Schweizerhof.