Aktuell

Postcards from London

Postcards from London

Neu auf DVD und als VoD: Regisseur Steve McLean hat sich nach seinem hochgelobten Erstling "Postcards from America" (1994) lange Zeit für seinen zweiten Film gelassen. Das Warten hat sich gelohnt! Diesmal schickt er uns "Postcards from London", eine selbstironische Ode an die Kunst der käuflichen Liebe, in der Escorts als die einzig wahren Träger schwuler Kulturgeschichte gelten. Die lustvolle Erweckungsgeschichte des jungen Jim aus der englischen Provinz in einem zum Neonlicht-Viertel hochstilisierten Soho der Gegenwart ist filmisch eng verwoben mit Fassbinders "Querelle" (1982) und Van Sants "My Own Private Idaho" (1991), mit den Bilderwelten Caravaggios und Derek Jarmans. In der Hauptrolle glänzt Harris Dickinson, der seit dem preisgekröntem Jugenddrama "Beach Rats" (2017) zu einem der aufregendsten Darsteller seiner Generation zählt. Andreas Köhnemann hat sich auf Expedition durch McLeans lustvoll-artifiziellen Referenzen-Dschungel begeben.
Tackling Life

Tackling Life

Neu auf DVD und VoD: Die „Berlin Bruisers“, Berlins schwules Rugby-Team, sind leider die schlechteste Mannschaft der Stadt. Dennoch haben sie miteinander etwas aufgebaut, das über die Fantasien von Menschen, die die Wort-Kombination „schwul“ und „Rugby“ entweder widersprüchlich oder sexy finden, weit hinausgeht. Und über den sportlichen Ehrgeiz sowieso. Johannes List hat einen Film über den Einzelkampf im Alltag und den Teamgeist auf dem Trainingsplatz gemacht, der ein warmes Communitygefühl ausstrahlt. Können wir gut gebrauchen, findet Axel Schock.
Girl

Girl

Bei seiner Weltpremiere im Mai in Cannes wurde "Girl" erst mit stehenden Ovationen gefeiert und dann mit der Queer Palm und der Caméra d'Or – dem Preis für den besten Erstlingsfilm – ausgezeichnet. Mit traumwandlerischer Sicherheit erzählt der junge belgische Regisseur Lukas Dhont darin die Geschichte der 15-jährigen Lara, die mit ihrem Vater und kleinem Bruder nach Brüssel zieht, um sich an einer renommierten Akademie zur Ballerina ausbilden zu lassen. Neben dem Einstieg in die neue Schule beschäftigt Lara vor allem die bevorstehende Hormonbehandlung. Denn mit ihrem 16. Geburtstag darf sie, die als Junge geboren wurde, aber sich schon immer als Mädchen gefühlt hat, endlich offiziell mit der Anpassung ihres biologischen Geschlechts beginnen. Dhonts großer Wurf besteht darin, dass er einen Film weniger über eine Transition, als, sehr viel subtiler und grundlegender, über einen Penis gemacht hat, findet unser Autor Philipp Stadelmaier. Und ist dabei vor allem von Victor Polster beeindruckt, dem kühnen Lara-Darsteller, der in Cannes mit dem Darsteller-Preis der Sektion "Un Certain Regard" geehrt wurde und diesen erst annahm, als das Festival einwilligte, ihn geschlechtslos zu verleihen. Im Oktober ist "Girl" als Special in der queerfilmnacht zu sehen, am 18. Oktober startet er regulär in den Kinos.
Die Hütte am See

Die Hütte am See

Neu auf DVD und VoD: "Die Hütte am See", einer der ersten schwulen finnischen Liebesfilme überhaupt. Mikko Makela lässt in seinem Debütfilm zwei junge Männer mit unterschiedlichen Lebensperspektiven und ähnlichen Grunderfahrungen bei der Renovierung eines idyllisch gelegenen Ferienhauses zusammentreffen. Der eine hat Finnland verlassen, weil es ihm keine Möglichkeit lässt, sich zu verwirklichen. Der andere ist dorthin geflohen, weil er sich an jenem Ort mehr Freiheit verspricht, als er in seiner syrischen Heimat erwarten könnte. Ein in seiner Unmittelbarkeit tief berührender Film, findet unser Autor Axel Schock.
Marvin

Marvin

Martin Clement, geboren als Marvin Bijou, ist entkommen: dem Dorf seiner Kindheit, der Tyrannei seiner Eltern, den Schikanen seiner Mitschüler. In Paris, dem Ort seiner Zuflucht, bereitet er mit der Schauspielerin Isabelle Huppert die Uraufführung seines autobiographischen Debütdramas vor. Die Geschichte von Marvins schwuler und intellektueller Befreiung aus den Untiefen der französischen Provinz erinnert nicht zufällig an Édouard Louis' bahnbrechenden queeren Bildungsroman "Das Ende von Eddy" (2014). Inspiriert von der Biografie des Autors entwickelt Regisseurin Anne Fontaine in "Marvin" eine eigene, künstlerisch-humanistische Perspektive auf das Thema. Den berührenden Coming-of-Age-Film, der im vergangenen Jahr in Venedig mit dem Queer Lion ausgezeichnet wurde, gibt es jetzt auf DVD und VoD. Von Matthias Frings.
Jahr des Tigers

Jahr des Tigers

Tom hat zwei ungewöhnliche Hobbies: Er sammelt Tiermasken und bricht mit seinem Kumpel gern in fremde Wohnungen ein. Bei einem Einbruch steht er plötzlich vor dem Bett des schlafenden Lars. Tom kann sich noch unbemerkt aus der Wohnung stehlen, doch ab diesem Moment ist er von Lars besessen und beginnt ihn heimlich zu verfolgen. Bis der seinem Beobachter auf die Schliche kommt... Regisseur Tor Iben legt seinen neuen Film als ein raffiniertes Labyrinth der Leidenschaften an. „Jahr des Tigers“ ist ein Berliner Erotikthriller, eine Studie über queere Männlichkeit – und im April in der queerfilmnacht zu sehen. Von Paul Schulz.
Verrückt nach Cécile

Verrückt nach Cécile

Als ihre Freundin Schluss macht, ist Océanerosemarie nur einen Moment lang am Boden zerstört. Schließlich hat die quirlige und party-erprobte Osteopathin eine durchgeknallte Familie und ungefähr 76 Ex-Freundinnen, die sie auf Trab halten. Doch dann lernt sie beim Joggen die bildhübsche Cécile kennen – und verliebt sich Hals über Kopf. Um Céciles Herz zu gewinnen, muss sich Océanerosemarie einiges einfallen lassen – und sich fragen, was sie im Leben und vom einer Beziehung wirklich möchte... „Verrückt nach Cécile“ bedient sich genüsslich den Genre-Konventionen der zu Recht als heteronormativ verufenen Romantic Comedy, um diese im nächste Moment auf absurd-komische und reichlich queere Weise zu unterwandern. Endlich! Eine entzückende lesbische Liebeskomödie! Im März ist der Liebesreigen aus Frankreich in der queerfilmnacht zu sehen. Von Barbara Schweizerhof.
Pihalla

Pihalla

Nachdem Miku bei einer Party beinahe die Wohnung seiner Eltern in Schutt und Asche gelegt hat, muss er zur Strafe für den Rest der Ferien mit ihnen ins Häuschen aufs Land. Es droht ein Sommer der Langeweile. Bis auf einmal der smarte und selbstbewusste Elias im Garten auftaucht und sich als Nachbar vorstellt. Plötzlich fühlt sich der Sommer für Miku so toll an, dass er am besten nie mehr endet. Unser Autor Paul Schulz hat sich "Pihalla", der im Februar in der queerfilmnacht läuft, angesehen und findet: Nils-Erik Ekbloms Spielfilmdebüt ist schlau, sexy, sehr, sehr komisch und eine zarte, ganz untypisch finnische Liebesgeschichte zwischen zwei Teenagern.
Handsome Devil

Handsome Devil

Ein rothaariger Nerd und Indiemusik-Fan, der von seinen Mitschülern böse gemobbt wird. Ein muskelbepackter Rugby-Crack, der weit sensibler ist, als zunächst angenommen. Ein unkonventioneller Englischlehrer, der seinen Schülern nicht nur den Unterrichtsstoff beibringt, sondern Lektionen fürs Leben. In „Handsome Devil“, der im November in der queerfilmnacht läuft, variiert der irische Regisseur John Butler gleich mehrere Figuren des bei Schwulen und Lesben überaus beliebten Internatsfilm-Genres. Axel Schock folgt den homosozialen Spuren der Filmform und entdeckt in „Handsome Devil“ nicht nur smarte Wendungen und hinreißende Hauptdarsteller, sondern auch eine berührende Botschaft.
Herzstein

Herzstein

Borgarfjörður eystri ist ein kleines Fischerdörfchen irgendwo in Island. Hier hat Regisseur Guðmundur Arnar Guðmundsson sein Langfilmdebüt über zwei Jungs gedreht, die ihr sexuelles Erwachen in unterschiedliche Richtungen führt. Für sein vielschichtiges, in atemberaubenden Landschaftsbildern eingefangenes Porträt einer unbändigen und zugleich schwer verletzlichen Freundschaft wurde Guðmundsson letztes Jahr in Venedig vollkommen zurecht mit dem Queer Lion ausgezeichnet. Jetzt ist der Film auch auf DVD erhältlich.