Endstation Sehnsucht

Synonymes

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Yoav kommt aus Israel nach Paris und erwischt keinen guten Start: Als er in einer leer stehenden Wohnung ein Bad nimmt, werden ihm erstmal all seine Sachen gestohlen. Caroline und Emile kommen ihm zu Hilfe und werden seine Freunde, doch ihr Interesse ist nicht ganz selbstlos. Yoavs große Sehnsucht ist es, seine alte Herkunft abzulegen und Franzose zu werden. Das soll vor allem über die Sprache gelingen: Kein hebräisches Wort darf ihm mehr über die Lippen kommen auf seinen ziellosen Streifzügen durch die Stadt... Basierend auf eigenen Erfahrungen erzählt Nadav Lapid mit linguistischer Raffinesse von der Schwierigkeit, neue Wurzeln in einem fremden Land zu schlagen. Im Februar wurde sein rauschhafter Trip durch Paris, der zugleich tragikomische Hommage an das Kino der Nouvelle Vague ist, aber auch einen dezidiert queeren Blick in sich trägt, mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Philipp Stadelmaier über ein (film)sprachliches Meisterwerk, das ab heute bundesweit im Kino zu sehen ist.
Tiefe Wasser

Tiefe Wasser

Morgen Abend ist Tomasz Wasilewskis visuell meisterhaftes Drama "Tiefe Wasser" als Free-TV-Premiere bei rbb QUEER zu sehen (23h30 im rbb). Dessen Held ist ein Leistungsschwimmer in Polen, der sich unter dem Druck seiner Umwelt einen Lebens- und Liebesspielraum zu erobern versucht. Das Wasser ist sein Element, er taucht unter, schwimmt sich frei, lässt sich treiben. Aber wie in der berühmten Volksballade der Königskinder ist auch in diesem Film das Wasser kein Ort, an dem zwei Liebende zusammenkommen können. Eine Filmbesprechung als motivischer Vergleich von Gunther Geltinger.
Leid und Herrlichkeit

Leid und Herrlichkeit

Auch der neue Filme von Pedro Almodóvar ist wieder ein faszinierendes Vexierspiel zwischen Fiktion und vermeintlicher autobiographischer Wahrheit. Über drei Epochen fächert "Leid und Herrlichkeit" das schillernde Leben von Salvador Mallo auf, einem berühmten Filmregisseur am Ende seiner Laufbahn. Superstar Antonio Banderas, Star aus Almodóvars Frühwerk, spielt einen Künstler, der einst vor Lebenslust und Kreativität sprühte und sich heute nur noch mit Krankheiten herumplagt. Fritz Göttler hat sich den Film angesehen und neben einer großen Melancholie die energische Kraft der Movida Madrileña wiederentdeckt, jener lustvollen kulturellen Gegenbewegung des Madrids der 80er Jahre, die Almodóvar entscheidend geprägt hat – und der er mit seinem gesamten Kino eine Autobiografie geschrieben hat.
Helmut Berger, meine Mutter und ich

Helmut Berger, meine Mutter und ich

"Was macht eigentlich Helmut Berger?", fragt sich Bettina Vorndamme, Filmfan in den besten Jahren – und googelt los. Im Netz der Schock: Skandalauftritte, Dschungelcamp, Alkoholsucht! Der Schauspielstar aus "Die Verdammten" und "Ludwig II.", einstmals "schönster Mann der Welt", scheint nur noch ein Schatten seiner Selbst zu sein. Die Finanzcontrollerin aus Niedersachsen beschließt kurzerhand, den Niedergang zu stoppen. Mit Hilfe ihrer Tochter nimmt sie Kontakt nach Salzburg auf. Und kurz darauf sitzt die Schauspielikone tatsächlich auf dem Sofa ihres Bauernhauses und trinkt Kaffee aus Omas Sammeltassen. Filmemacherin Valesca Peters begleitet das Kennenlernen zwischen ihrer Mutter und dem eigenwilligen Schauspieler mit der Kamera – und nähert sich dem Menschen Helmut Berger dabei selbst immer mehr an. Entlang von Peters' Film und Bergers über 50 Jahre umspannenden Karriere spinnt unser Autor Sascha Westphal ein Geflecht aus Filmbildern, Gedanken und Figuren, in dessen Zentrum ein Schauspieler steht, der ein Geschöpf seiner eigenen Erinnerungen geworden ist. Jetzt gibt es "Helmut Berger, meine Mutter und ich" als DVD und VoD.
Sauvage

Sauvage

Ab jetzt im Kino: In seinem ersten Langfilm erzählt Camille Vidal-Naquet die Geschichte des 22-jährigen Léo, der in Straßburg lebt und als Stricher arbeitet. Nachts lässt sich Léo durch die Stadt treiben, tagsüber schläft er irgendwo für ein paar Stunden. Wenn es Ärger mit Freiern gibt, hilft ihm sein bester Freund Ahd. Aber der Partner, nach dem Léo sich sehnt, kann Ahd nicht für ihn sein. Für seine kompromisslose Darstellung eines jungen Mannes zwischen körperlicher Selbstausbeutung und einer unstillbarer Sehnsucht nach menschlicher Nähe wurde Félix Maritaud in Cannes mit dem Rising Star Award ausgezeichnet und als neue Hoffnung des französischen Kinos gefeiert. Unser Autor Sascha Westphal fühlt sich bei Léos rastloser Suche an die Hauptfiguren in Patrice Chéreaus "Der verführte Mann" (1983) und André Téchinés "Ich küsse nicht" (1991) erinnert – und nähert sich der zarten Rohheit von Vidal-Naquets Porträt deswegen über einen Rekurs auf das stolze Genre des französischen Stricherfilms an.
Sorry Angel

Sorry Angel

Neu als DVD und VoD: Christophe Honoré zählt seit seinen Kritikerlieblingen "Meine Mutter" (2004) und "Chanson der Liebe" (2007) zu den aufregendsten queeren Regisseuren Europas. Sein neuer Film, der im Wettbewerb von Cannes uraufgeführt wurde, erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem HIV-positiven Schriftsteller Jacques (Pierre Deladonchamps, "Der Fremde am See") und dem jungen Filmstudenten Arthur (Vincent Lacoste, "Eden") im Frankreich der frühen 90er Jahre. "Sorry Angel" ist ein generationenübergreifendes Zeitstück über schwules Leben in der Pariser Bohème in der Hochphase der Aids-Krise. Ein zärtlicher und zutiefst berührender Film. Und Honorés bislang persönlichster. Sascha Westphal erkundet ihn entlang der Verlust- und Erinnerungslinien im vielseitigen Gesamtwerk des Regisseurs, das sich als ein fortwährender Dialog mit den Toten und der Vergangenheit präsentiert.
Acht Filme des Jahres

Acht Filme des Jahres

Das nicht-heterosexuelle Kinojahr 2018 war so vielfältig wie kaum ein Jahr zuvor – vor allem was die Perspektiven und Lebensentwürfe seiner filmischen Figuren betrifft. Wir haben für Euch unsere acht Highlights der vergangenen Monate zusammengetragen und stellen Sie mit kurzen Spotlights in den Worten unserer Autor*innen noch einmal vor. Eine Rückschau auf ein schwules Arbeiterkind, das aus der französischen Provinz nach Paris flüchtet, um dort eine neue Entfremdung zu erleben. Auf eine schüchterne Studentin in Oslo, die sich mit übernatürlichen Kräften aus der Hetero-Hölle ihrer Kindheit befreit. Auf einen Schriftsteller, der im Paris der frühen 90er nicht mehr lange zu leben hat und sich trotzdem ein letztes Mal verliebt. Auf eine Ballettschülerin in Gent, die einen Penis zu viel hat. Auf einen altklugen Professorensohn, der während eines Sommers in der Lombardei erfährt, was er alles noch nicht weiß. Auf einen US-amerikanischen Teenager, der an seiner High School zwangsgeoutet wird und erst so in ein großes Liebesmärchen schliddert. Auf zwei Frauen, die sich in São Paulo die Mutterschaft für ein Werwolfkind teilen. Und auf einen Stricher, der so frei und so einsam durch Straßburg zieht wie ein wildes Tier.
Er liebt mich

Er liebt mich

In seinem Langfilmdebüt "Er liebt mich" erzählt Regisseur Konstantinos Menelaou von der Beziehungskrise eines schwulen Paares in traumhafter Kulisse: Hermes und sein Partner reisen auf eine kleine Insel, um fernab von der großen Stadt herauszufinden, ob sie als Paar noch eine Chance hat. Die magische Abgeschiedenheit des Strandes und die atemberaubende Schönheit der Natur bringen die beiden körperlich und emotional wieder nah zueinander. Doch können sie ihre Liebe auch zurück in den Alltag bringen, vorbei an den Verletzungen der Vergangenheit? Sind sie bereit für den nächsten Schritt? Andreas Köhnemann über ein poetisches Liebesdrama unter glühender Sonne.
Hard Paint

Hard Paint

Schon in ihrem Coming-of-Age-Film "Seashore" (2015) und der vierteiligen Mini-Serie "Das Nest" (2016) haben die beiden jungen Regisseure Filipe Matzembacher und Marcio Reolon in aufregenden und realistischen Bildern vom queeren Leben in Brasilien, genauer gesagt ihrer Heimatstadt Porto Alegre, erzählt. In der Metropole im Süden des weiten Landes spielt auch ihr zweiter Langfilm "Hard Paint", der von einem introvertierten jungen Mann handelt, der sein Geld in Sex-Cam-Chats verdient und doch nach etwas ganz anderem sucht. Im Februar wurde "Hard Paint" auf der Berlinale mit dem Teddy ausgezeichnet, am Donnerstag startet der Film bei uns im Kino. Unser Autor Sebastian Markt findet sich wieder in einem Rausch neonfarbener Bilder und sich bewegender, begehrender Körper.
Lesbisch schwule Filmtage Hamburg 2018

Lesbisch schwule Filmtage Hamburg 2018

Nach fünf prall gefüllten Festivaltagen mit 65 Filmvorstellungen und insgesamt 123 Lang- und Kurzfilmen sind am Wochenende die 29. Lesbisch schwulen Filmtage Hamburg zu Ende gegangen. Den Jurypreis des größten und ältesten queeren Filmfestivals Deutschlands hat in diesem Jahr der libanesische Essayfilm „Room for a Man“ von Anthony Chidiac gewonnen. Eine lobende Erwähnung ging an den Dokumentarfilm „Silvana“ des schwedischen Regiekollektivs von Olivia Kastebring, Mika Gustafson und Christina Tsiobanelis. Den Publikumspreis erhielt das lesbische Liebesdrama „My Days of Mercy“ von Tali Shalom-Ezer mit Ellen Page und Kate Mara in den Hauptrollen. Für sissy waren Britta Voß, Nilufar Karkhiran-Khozani, Doreen Kropp und Klaus Braeuer auf dem Festival unterwegs und präsentieren uns hier ihre Entdeckungen.