Boys Club

Common Threads – Stories from the Quilt

Common Threads – Stories from the Quilt

Robert Epstein und Jeffrey Friedman dokumentierten Ende der 1980er Jahre den Beginn des Aids Memorial Quilts. In diesem gemeinschaftlichen, bis heute andauernden künstlerischen Projekt werden Erinnerungsstücke von Aids-Toten zusammengewebt und damit dem Vergessen und der Ignoranz entrissen. „Common Threads – Stories from the Quilt“, der ab jetzt im Salzgeber Club zu sehen ist, fasst die Erfahrungen der ersten Dekade des Umgangs mit Aids zusammen, die Trauer über die Verluste, die Wut über die Untätigkeit der Reagan-Regierung und den Kampfgeist der Aids-Bewegung. Zu einer Zeit, in der die schwulen Opfer der Aids-Epidemie in den Medien unsichtbar blieben, bot der Film das ganze Instrumentarium einer großen Hollywoodproduktion auf. 1989 erhielt das Regie-Duo dafür den Oscar für den Besten Dokumentarfilm. Andreas Wilink über ein unentbehrliches Dokument schwuler Geschichte.
Unser Paradies

Unser Paradies

In seinem blutigen Märchen „Unser Paradies“, das es ab jetzt im Salzgeber Club zu sehen gibt, schickt Gaël Morel zwei dunkle Engel auf die Suche nach der verlorenen Zeit. Die beiden Stricher Vassili und Angelo wehren sich mit Gewalt gegen die entwürdigenden Blicke ihrer Freier und steuern, getrieben von einer Sehnsucht nach einem Ort für ihre Liebe, auf eine Katastrophe zu. Sascha Westphal über einen Film, der ganz im Zeichen des rauen, transgressiven französischen Queer Cinema der 1980er und 90er Jahre steht.
Das Ende des Schweigens

Das Ende des Schweigens

Als Polizisten den 17-jährigen Strichjungen Otto Blankenstein an einem Sommertag 1950 in Frankfurt am Main aufgreifen, finden sie bei ihm ein Notizbuch mit den Namen seiner Kunden. In den folgenden zehn Monaten wird gegen mehr als 200 homosexuelle und bisexuelle Männer ermittelt, rund 100 werden verhaftet, vom Arbeiter bis zum Arzt. Die Frankfurter Homosexuellenprozesse (1950/51) tragen dazu bei, dass der Paragraph 175 in den folgenden Jahrzehnten wieder verstärkt als Instrument zur Verfolgung schwuler Männer eingesetzt wird. „Das Ende des Schweigens“ erzählt von diesem Unrecht in einer Mischung aus dokumentarischen und inszenierten Szenen. Andreas Wilink über eine detailreiche und erhellende Aufarbeitung der Ereignisse.
Saint-Narcisse

Saint-Narcisse

Jetzt im Kino: In seinem neuen Film „Saint-Narcisse“ interpretiert der kanadische Kultregisseur Bruce LaBruce („Otto; or, Up with Dead People“) den alten Mythos von Narziss als queere Selbstfindungsgeschichte. Im Mittelpunkt steht der umwerfend aussehende Dominic, der Anfang der 1970er Jahre nicht nur seine tot geglaubte Mutter, sondern auch seinen Zwillingsbruder kennenlernt. Christian Horn über ein filmisches Vergnügen voller Genrezitate.
Weekend

Weekend

In Andrew Haighs „Weekend“ (2011) ereignet sich etwas unerhört Schönes und Wahrhaftiges: ein stillstehender Dreitagesflirt, in den das ganze Leben zweier junger schwuler Männer einfließt. Der Kultfilm des späteren Schöpfers der HBO-Serie „Looking“ (2014-16) brachte das New Wave Queer Cinema ins Rollen und ist im Dezember zum zehnjährigen Jubiläum in der queerfilmnacht zu sehen. Jan Künemund schreibt darüber, wie er die beiden Protagonisten kennenlernt – und dabei mehr und mehr sich selbst beobachtet.
Paragraph 175

Paragraph 175

Zwei Filme, ein Thema: Anlässlich des Kinostarts von „Große Freiheit“ kommt im Salzgeber Club der preisgekrönte Dokumentarfilm „Paragraph 175“ von Rob Epstein und Jeffrey Friedman („The Celluloid Closet“) neu als VoD heraus. Das Regie-Duo zeichnet darin das Schicksal der Homosexuellen im Dritten Reich nach – einer lange Zeit vergessenen Opfergruppe. Für Christian Lütjens funktioniert der Film sowohl als Ergänzungs- wie als Gegenprogramm zum Kinobesuch.
Große Freiheit

Große Freiheit

Hans Hoffmann liebt Männer, doch das ist im Deutschland der Nachkriegszeit, in dem noch immer der Paragraph 175 in Kraft ist, verboten. Immer wieder landet Hans im Gefängnis – und trifft dort regelmäßig auf Viktor, einen verurteilten Mörder. Aus der anfänglichen Abneigung wird über die Jahre gegenseitiger Respekt. Oder ist es sogar mehr? „Große Freiheit“ des österreichischen Regisseurs Sebastian Meise wurde in Cannes mit dem Jurypreis der Sektion Un Certain Regard ausgezeichnet, zahlreiche weitere Preise und Nominierungen (unter anderem für vier Europäische Filmpreise) folgten. Für Matthias Frings ist das historische Gefängnisdrama großes Kino, insbesondere dank seiner beiden famosen Hauptdarsteller Franz Rogowski und Georg Friedrich.
Bare

Bare

Für sein neues Stück sucht der belgische Star-Choreograf Thierry Smits elf nackte Tänzer. Nach einem intensiven Casting ist die Besetzung gefunden. Mit präzisem, aber nie voyeuristischem Blick beobachtet Regisseur Aleksandr M. Vinogradov den leidenschaftlichen Probenprozess. Atemberaubende Tanzsequenzen wechseln sich mit persönlichen Momenten jenseits der Bühne ab, in denen die Tänzer offen über sich erzählen. Axel Schock über einen intimen Film, der den nackten Körper als letzte Bastion der Freiheit bloßlegt – und den es jetzt im Salzgeber Club zu sehen gibt.
Young Hunter

Young Hunter

Ezequiel ist 15 und hat einen Monat lang sturmfrei. Die perfekte Gelegenheit, um den etwa älteren Mono vom Skatepark zum „Chillen“ an den elterlichen Swimming-Pool einzuladen. Aber Mono spielt ein doppeltes Spiel – und droht Ezequiel in eine gefährliche Welt hineinzuziehen. Der argentinische Regisseur Marco Berger („Taekwondo“, „Der Blonde“) ist eigentlich spezialisiert auf voyeuristisch anmutende Studien südamerikanischer Männlichkeit. In „Young Hunter“, den es jetzt im Salzgeber Club und auf DVD gibt, bettet er seine Erzählung vom sexuellen Erwachen eines Teenagers nun in eine Thriller-Handlung ein. Stefan Hochgesand über Dates am Pool, werwölfische Begegnungen und einen wendungsreichen Film.
Supernova

Supernova

Jetzt im Kino: Im Drama „Supernova“ von Harry Macqueen spielen die Hollywood-Stars Colin Firth und Stanley Tucci ein Paar auf einem Roadtrip durch den nordwestenglischen Nationalpark Lake District, das im Angesicht einer Demenzerkrankung mit den großen Fragen der menschlichen Existenz konfrontiert wird. Christian Lütjens berichtet von einer ergreifenden Filmerfahrung – und fragt sich, wie queer „Supernova“ eigentlich ist.