Boys Club

Trübe Wolken

Trübe Wolken

Der 17-jährige Paul interessiert sich für seltsame Dinge: für Schleichpfade und verlassene Gebäude, geflüsterte Gespräche und liegengelassene Taschen. Ansonsten hat der stille Einzelgänger scheinbar keine Eigenschaften. Auf seine Mitschülerin Dala und seinen kunstsinnigen Lehrer Bulwer übt er gerade deswegen eine merkwürdige Faszination aus. Bis eines Tages ein Jugendlicher tot im Wald aufgefunden wird… Nebel, Dunst und dunkler Schauer. In Christian Schäfers vielschichtigem Regiedebüt „Trübe Wolken“, der ab jetzt im Kino läuft, bricht sich das Unheimliche vom Grund der tristen Normalität eines grauen Provinzstädtchens unaufhaltsam Bahn. Stefan Hochgesand folgt dem Coming-of-Age-Thriller über Genregrenzen hinweg, auf falsche und richtige Fährten und durch Falltüren hindurch.
Die Orpheus Trilogie

Die Orpheus Trilogie

Jean Cocteaus „Orphée“-Trilogie, entstanden zwischen 1930 und 1960, ist ebenso vom Surrealismus wie vom Klassizismus und der Privatmythologie des französischen Dichters, Zeichners und Filmemachers geprägt. Er passt den Mythos von Orpheus an seine Gegenwart an und erzählt von der Inspiration, den Wünschen, Sehnsüchten und Ängsten eines Künstlers. „Das Blut eines Dichters“, „Orpheus“ und „Das Testament des Orpheus“ gibt es nun als DVD- und BluRay-Box. Andreas Wilink nahm mit Freude auf dem Himmel stürmenden Pegasus von Cocteaus Künstler-Philosophie Platz und ließ sich forttragen.
Neubau

Neubau

Jetzt im Salzgeber Club: Wo möchte ich leben – und wie? Mit diesen existentiellen Fragen beschäftigen sich Autor/Hauptdarsteller Tucké Royale und Regisseur Johannes M. Schmit in ihrem Debütfilm „Neubau“ aus der Sicht eines jungen queeren Mannes in der Uckermark. Und beantworten sie mit einem dezidiert nicht-normativen Lebensentwurf, in dem die Befreiung aus konservativen Vorstellungen von Sexualität und Geschlechterzugehörigkeit ebenso eine Rolle spielen wie Commitment und gegenseitige Fürsorge. Ihr queerer Heimatfilm entstand fernab der großen Metropolen als unabhängige Produktion in einem Künstler*innen-Kollektiv, dem es um ambivalente (Gegen-)Erzählungen und eine „Neue Selbstverständlichkeit“ geht. Lukas Foerster über das Glitzern queerer Körper in der Weite Brandenburgs.
Wittgenstein

Wittgenstein

Im dritten Teil unserer Artikelreihe zum 80. Geburtstag von Derek Jarman (1942-94) werfen wir einen neuen Blick auf sein meisterhaftes Porträt „Wittgenstein“, das 1993 auf der Berlinale mit dem Teddy für den Besten Spielfilm ausgezeichnet wurde und jetzt in digital restaurierter Fassung im Salzgeber Club zu sehen ist. Jarman erzählt darin die Geschichte des schwulen Wiener Millionärssohns, Schullehrers, Krankenhauspförtners, Gärtners, Cambridge-Dozenten, Kriegsoffiziers, Kommunisten und Denkers Ludwig Wittgenstein als gewitzte und bildgewaltige philosphische Abhandlung. Matthias Frings begab sich mit großer Lust auf Kopf-Karussellfahrt.
Boy Meets Boy

Boy Meets Boy

Jetzt im Salzgeber Club: In seinem Debütfilm erzählt der spanische Regisseur Daniel Sánchez López von Harry und Johannes, die sich in einem Berliner Club kennenlernen und in den folgenden 15 Stunden verliebt durch die Stadt ziehen. Je länger sie zusammen sind, umso schmerzlicher wird das Bewusstsein, dass ihnen dafür nicht mehr viel Zeit bleibt – Harry muss nämlich am nächsten Tag nach Großbritannien zurück. „Boy Meets Boy“ steht in der Tradition realistischer Liebesdramen wie „Before Sunrise“ und „Weekend“: gefilmt an Originalschauplätzen mit zum Teil improvisierten Dialogen und zwei hinreißenden Neuentdeckungen, Matthew James Morrison und Alexandros Koutsoulis. Christian Lütjens über eine queere Berliner Indie-Perle.
Cicada

Cicada

Ben ist „back on the dick“: Nach einer Reihe gescheiterter Beziehungsversuche mit Frauen hat der New Yorker Gelegenheitsjobber wieder Sex mit Männern. Die Anbahnungen laufen zunächst eher random ab, online oder in Clubs. Doch dann begegnet er vor einem hippen Buchladen dem Datentechniker Sam und flirtet ihn erfolgreich mit Nietzsche an. Matthew Fifers und Kieran Mulcares „Cicada“, der im Februar in der queerfilmnacht läuft, zeigt zwei junge Männer, die füreinander ihre inneren Mauern fallen lassen und dahinter Schönheit entdecken. Diese fand auch Andreas Köhnemann in den emotionalen Wimmelbildern des Films.
Die Rolle meines Lebens

Die Rolle meines Lebens

Nach seinen herrlich campen Nebenrollen in „Begegnungen nach Mitternacht“ (2013), „Messer im Herz“ (2018) und der wunderbar prägnanten Filmbranchen-Satire „Call My Agent!“ (seit 2015) macht Nicolas Maury in seinem Regiedebüt „Die Rolle meines Lebens“ die neurotische Sissy zur herrlich überdrehten Hauptfigur. Darin geht der ewige Nachwuchsdarsteller Jérémie, von Maury selbst gespielt, mal wieder durch eine existentielle Krise: Sein Freund schenkt ihm nicht die gebührende Aufmerksamkeit, und auch mit der großen Kinorolle will es einfach nicht klappen. Nervlich am Ende verlässt er Paris, um sich bei seiner Mutter neu zu finden. Die romantische Komödie der Sonderklasse gibt es jetzt im Salzgeber Club. Axel Schock über absurd-komische, zärtlich-poetische und dann wieder zutiefst dramatischen Szenen.
The Power of the Dog

The Power of the Dog

Mit dem Post-Western „The Power of the Dog“, der aktuell im Kino und auf Netflix zu sehen ist, räumt Jane Campion („Das Piano“) seit Wochen einen Kritiker:innen-Preis nach dem anderen ab. Für sieben Golden Globes ist ihr Film, der auf dem gleichnamigen Bestseller von Thomas Savage basiert, bereits nominiert – und wird vermutlich auch bei den Oscars ordentlich mitmischen. Benedict Cumberbatch und Jesse Plemons spielen darin zwei Brüder, die unterschiedliche Männlichkeitstypen repäsentieren: Der eine ist aggressiv und verbirgt sein schwules Begehren hinter hypermaskulinen Posen; der andere ist sanftmütig und bereit für echte Zuneigung. Eine junge Witwe und deren Sohn bringen das toxische Gefüge der beiden drastisch durcheinander. Cosima Lutz über ein meisterhaftes Filmdrama mit hochkomplexen Figuren, das die Queerness im vermeintlich Eindeutigen freilegt.
Jenseits der Mauern

Jenseits der Mauern

Jetzt im Salzgeber Club: Als sich Kellner Ilir den betrunkenen Kneipengast Paulo ins Bett legt, weiß er noch nicht, wen er sich da in sein Leben geholt hat. Schon wenig später gibt der anhängliche Paulo Freundin und früheres Leben auf und steht bei Ilir auf der Matte. Eine Romanze beginnt, zärtlich, leidenschaftlich und verspielt. Aber an dem Tag, an dem sie beschließen, für immer zusammen zu bleiben, verlässt Ilir die Stadt und kehrt nicht mehr zurück. David Lamberts Debütspielfilm „Jenseits der Mauern“ zog bei seiner Uraufführung 2012 in der Semaine de la Critique in Cannes viel Aufmerksamkeit auf sich und steht in einer Reihe mit weitere Vertretern des New-Wave Queer Cinema wie „Weekend“ oder „Keep the Lights On“. Andreas Wilink hat sich vom Unbedingten und Fatalen der Beziehungsgeschichte mitreißen lassen.
Falling

Falling

In seinem Regiedebüt nach einem eigenem Drehbuch erzählt Hollywood-Star Viggo Mortensen von Willis, der seinen Sohn einst im konservativen Mittleren Westen der USA zu einem „echten Mann“ erziehen wollte. Mittlerweile lebt John in Kalifornien, zusammen mit seinem Ehemann Eric und der gemeinsamen Adoptivtochter Monica. Als bei Willis eine beginnende Demenz diagnostiziert wird, ist er zunehmend auf die Fürsorge seines Sohnes angewiesen. Und der bemüht sich noch einmal um eine Annäherung. Mortensen spielt in dem emotionalen Familiendrama selbst die Rolle des erwachsenen John. Dennis Vetter über einen Film, in dem sich (zu) vieles um Versöhnlichkeit dreht.