Es war mal wieder Berlinale, im Panorama gab’s mal wieder einen Queer-Schwerpunkt, Queer-Film-Festival-Kuratoren haben als Jurymitglieder Teddys verteilt. Das gibt es auf keinem anderen großen internationalen Filmfestival. Bestürzend und schade (wie immer) aber war, was und wie darüber geredet wurde. Von einer „Timeline“ ist da von den Veranstaltern die Rede, auf der „der Westen“ top Ergebnisse im Bekämpfen der Queer-Diskriminierung erzielt und alle anderen Kulturen zwischen 10 und 30 Jahre hinterher seien. Da wird, wenn überhaupt das Wort „Film“ fällt, das audiovisuelle Medium allenfalls als Gefäß für wichtige Themen angesehen, nämlich, um bedrohte queere Menschen und Szenen vor allem der ‚rückständigen‘ Orte dieser Welt zu zeigen, ganz egal wie. Als „Geschenk“ wird ein serbischer Mainstream-Film vorgestellt und empfohlen, der serbischen Homophoben erklärt, dass Schwule tatsächlich Menschen sind, was dort (Parada war ein Kassenhit) gut funktioniert hat. Schön für die Serben – problematisch für alle anderen, die sich mit flachen Klischees, leidenden und am Ende sterbenden schwulen Figuren und verschämter Körperlichkeit (kein Kuss, kein Sex, um die homophoben Serben nicht zu verprellen, bevor sie was lernen) auseinandersetzen müssen. Diese Denke ist überheblich und unqueer – denn sie übersieht, dass Queer-Sein kein globales essentialistisches Phänomen ist, sondern in jeder Kultur und Szene, bei jedem Menschen anders ist und einen anderen (auch filmischen) Ausdruck findet, den zu entdecken ja gerade das Spannende am Queer Cinema ist.
Davon unbeeindruckt hat die Teddy-Jury wie üblich gute Arbeit geleistet und u.a. einen Film prämiert, der eine private Beziehung in einem Land schildert, in dem queere Menschen nicht mit der Todesstrafe bedroht sind: Keep The Lights On tastet sich sensibel an das Bild einer schwulen Beziehung in New York heran, mit flimmernden Bildern, ätherischen Songs, einer taktilen Kamera, durch die das Thema der Berührbarkeit auch auf filmischer Ebene erkundet wird. Dass er überhaupt im Programm war (zuletzt wurden z.B. Weekend oder das Spielfilmdebüt von Travis Matthews abgelehnt), könnte daran gelegen haben, dass in dem Film eine Figur selbst einen Teddy gewinnt (so viel Schmeichelei muss belohnt werden).
Natürlich haben auch wir dieses Jahr wieder viele tolle Entdeckungen gemacht (S. 37). Was das Queer-Cinema-Konzept der Berlinale angeht (eigentlich nur des Panoramas, denn Festivalchef Kosslick geht nach eigenen Worten „diese Trans-Kiste“ sowieso grundsätzlich an der eigenen vorbei), darüber sollte in einer der nächsten SISSYs mal offen gesprochen werden.
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