In seiner – äußerst wohlwollenden – Besprechung des Films Weekend war es dem Filmjournalisten Peter Claus kürzlich wichtig, auf Folgendes hinzuweisen: „Schnell ist klar: das Etikett ‚Schwulenfilm‘ passt nicht. Die Geschichte von Russell und Glen ist auf jede Zweisamkeit, egal welcher Konstellation, übertragbar, die daraus resultierenden Fragen sind es erst recht.“
Glück gehabt! Weekend kann als universelle Liebesgeschichte gesehen werden! Aber was ist hier eigentlich mit dem besagten Etikett gemeint? Was, um alles in der Welt, ist ein „Schwulenfilm“ und welche Gefahr bringt es mit sich, Weekend als solchen zu sehen?
Offensichtlich ist ein Film ein „Schwulenfilm“, wenn die dort erzählte Zweisamkeit nicht auf andere Konstellationen übertragbar ist außer auf jene zweier Männer. Und offensichtlich denkt Claus, dass sich Nicht-Schwule nicht für Filme interessieren, bei denen das so ist. Vielleicht denkt er sogar, dass das eine eigene Kategorie ist, die von vorneherein gar nicht anstrebt, ein nicht-schwules Publikum anzusprechen. Da möchte man doch mal die Frage stellen, warum sich Nicht-Schwule nicht für spezifisch schwule Biografien, Erfahrungen oder Liebesgeschichten interessieren sollten?
Im Queer-Diskurs würde man jetzt sagen: weil es das (also etwas spezifisch Schwules) nicht gibt. Andrew Haigh, der Regisseur von Weekend, betont aber bei jeder Gelegenheit, dass es in seinem Film um die „gay experience“ geht, um zwei Männer, die einen unterschiedlichen Umgang mit dem eigenen Schwulsein haben und die deshalb in eine komplizierte Liebesbeziehung eintauchen (in der fast ausschließlich genau darüber geredet wird). Auch in dem Werk von Travis Mathews, von dem in dieser SISSY ausgiebig die Rede ist, geht es um spezifisch schwule Geschichten und schwule Sehnsüchte.
Wie viele „Schwulenfilme“ gibt es eigentlich, die Geschichten nach dem Coming-Out erzählen, in denen es nicht um das Ausrufen der sexuellen Identität geht, sondern um die Frage, wie man als Nicht-Heterosexueller lebt, liebt, Beziehungen eingeht? Müssen sich also nicht eher jene eine kritische Nachfrage gefallen lassen, die erst die Existenz von „Schwulenfilmen“ ausrufen, um später nach Filmen zu suchen, die keine sind? (Dass es keine Kategorie der „Heterofilme“ gibt, muss man hier ja gar nicht erst erwähnen.) Dass es in den auf den kommenden Seiten vorgestellten Filmen um nicht-heterosexuelle Geschichten geht, darf behauptet werden. Um so mehr sollte, wenn schon nicht Herrn Claus, wenigstens uns interessieren, wie sie erzählt sind!
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