Zoolander 2

Zoolander 2

„Hast du ein Brötchen oder einen Hotdog?“, wird ein von Benedict Cumberbatch gespieltes Transgender-Supermodel gefragt, was mit einem dümmlichen Kichern beantwortet wird. Auf etwa diesem Niveau bewegt sich „Zoolander 2“, das 15 Jahre lang erwartete Sequel zu Ben Stillers großartiger Mode-Satire, in seinem körperpolitisch ausdifferenzierten Setting, was schon nach Trailerveröffentlichung zu Boykottaufrufen von Transgender-AktivistInnen geführt hat. Trans- und Schwulenwitze in einer Modesatire? Na sowas. Ein Anlass zur Witzanalyse. Von Sebastian Markt.
Herr von Bohlen

Herr von Bohlen

André Schäfer erzählt in „Herr von Bohlen“ die Legende vom letzten Krupp, dem schwulen Paradiesvogel in einer grauen Dynastie und liebsten Hassobjekt der deutschen Nachkriegskrawallpresse: Arndt von Bohlen und Halbach. Mit sachten Tricks und großartigem doppelten Boden, als Spiel- und Dokumentarfilm gleichermaßen, und mit einem Hauptdarsteller, der aus den von-Bohlen-Originalzitaten einen ganz eigenen Text macht: „Der letzte Krupp tanzte aus der Reihe – aber wenigstens tanzte mal einer.“ Von Paul Schulz.
The Danish Girl

The Danish Girl

1930 unterzog sich die intersexuelle Malerin Lili Elbe in Dresden mehreren geschlechtsangleichenden Operationen und schrieb über ihre Erfahrungen ein in viele Sprachen übersetztes Buch. Aus ihr wurde eine Romanfigur, anschließend verfilmte Tom Hooper die Metamorphose der Lili Elbe, die in einer unkonventionellen Beziehung mit der Künstlerin Gerda Gottlieb in Kopenhagen und Paris zusammen lebte. Eddie Redmayne wurde für seine Darstellung der Hauptfigur für den Oscar nominiert. Von Michael Eckhardt.
Stonewall

Stonewall

Mit „Stonewall“ hat der auf US-amerikanische Blockbuster spezialisierte Roland Emmerich, Spitzname „Master of Desaster“, nationalstolz auch gerne „unser Mann in Hollywood“ genannt, sich an einem Spielfilm über den Gründungsmythos der internationalen Schwulen- , Lesben- und Transgeschichte versucht. So unterhaltsam er phasenweise ist, muss man doch sagen: da ist einiges schief gegangen. Was genau, versuchen wir hier zusammenzufassen. Die Auseinandersetzung mit dem Film, der jetzt auf DVD und Blu-ray erhältlich ist, lohnt sich – aus vielen Gründen. Von Jan Künemund.
Jess & James

Jess & James

Zwei Jungs setzen sich ins Auto und fahren los, quer übers argentinische Land. Unterwegs gabeln sie einen dritten auf, tanzen zusammen Tango am Strand, haben Sex in den Dünen, übernachten in einem Geisterhaus. Regisseur Santiago Giralt lässt seine Figuren auf einem surreal-verträumten Road Movie in eine Abfolge absurder Situationen und sexueller Begegnungen schliddern – und dabei erwachsen werden. Sein Film variiert aber nicht nur eigensinnig die Standardelemente des Genres, er gewinnt ihm auch zwei ganz neue Aspekte ab. Von André Wendler.
Wo willst du hin, Habibi?

Wo willst du hin, Habibi?

Der neue Kreuzberger Heimatfilm von Tor Iben, „Wo willst Du hin, Habibi?“, macht sich nicht nur in seinem Titel über das Erzählmuster der Identitätssuche lustig. Das Leben seines Helden ist zwar unnötig, aber komödientauglich, komplizierter als es sein müsste, und doch weiß Habibi eigentlich ganz gut, wo er steht und wo er hin will. Von Jan Künemund.
Unbedingter Gehorsam

Unbedingter Gehorsam

Der mexikanische Priester Marcial Maciel (1920-2008), Gründer der berüchtigten 'Legionäre Christi', hat vor zehn Jahren einen der größten Skandale der katholischen Kirche in Südamerika ausgelöst, als er des jahrzehntelangen Kindesmissbrauchs überführt und unehrenhaft aus dem Kirchendienst entlassen. Vor einem weltlichen Gericht musste er sich nie verantworten. "Unbedingter Gehorsam" basiert auf Marcial Maciels Fall, Regisseur Luis Urquiza erzählt die Geschichte aber aus der Perspektive eines seiner Opfer. Eine Studie über kirchliche Machtgefüge, die den Missbrauch erst ermöglichten, und über spirituelle Verführung, die einzig pädophilem Begehren dient. Von Alexandra Seitz.
Liz in September

Liz in September

"Last Summer at Bluefish Cove” von Jane Chambers ist ein Klassiker der lesbischen Theatergeschichte. Die venezolanische Regisseurin Fina Torres hat die Geschichte um eine Hetero-Frau, die bei einer Gruppe lesbischer Freundinnen strandet und ein neues Begehren entdeckt, gehörig modernisiert. Chambers braver kalifornischer Süßwassersee geht über in die blaue Tiefe der Karibik, ihr aktivistisches Coming-out-Stück wird zu einem vielschichtigen Film über Abschied und Neubeginn. Von Angelika Nguyen.
Carol

Carol

Endlich: das große lesbische Melodram! Keine Infragestellung des Begehrens selbst, kein tragischer Ausgang, große Gefühle, A-Cast, Hollywood. Aber es brauchte fast 20 Jahre, um Patricia Highsmiths Kultroman „The Price of Salt“ angemessen auf die Leinwand zu bringen. Und die problematische Produktionsgeschichte ist, genauso wie die anschließende Ignoranz der amerikanischen Filmakademie gegenüber "Carol", vor allem ein Ausweis der Schwierigkeit, einen Film ohne männliche Hauptrollen in den Mainstream einzuspeisen. Auch dem weiblichen Begehren bleibt im Film nichts anderes übrig, als sich in den Spiegelungen der Oberflächen der heteronormativen Welt hinweg zu treffen. Von Noemi Yoko Molitor.
Like Cattle Towards Glow: Interview mit Zac Farley und Dennis Cooper

Like Cattle Towards Glow: Interview mit Zac Farley und Dennis Cooper

Mit dem fünfteiligen Episodenfilm "Like Cattle Towards Glow" haben Regisseur Zac Farley und Kultautor Dennis Cooper (denniscooperblog.com) einen sinnlich-morbiden, sexuell überaus expliziten Sehnsuchtsreigen gedreht. Im Gespräch mit Kameramann Michael Salerno erzählen sie von gut geschriebenen Pornos, Bilderverbot für Nekrophilie und dem Spaß am "fucking up".