Frauenbande

Break My Fall (Redux)

Break My Fall (Redux)

Zum 10. Geburtstag von „Break My Fall“ hat Regisseurin Kanchi Wichmann ihren queeren Kultklassiker elegant umgeschnitten. Gedreht an Originalschauplätzen und unterlegt mit einem wilden Indie-Soundtrack ist ihr Film über vier Freund:innen im Londoner Eastend eine einzigartige Zeitkapsel und eine wunderbare Hommage an die queer-punkige Gegenkultur Hackneys, die es so schon nicht mehr gibt. Für sein komplexes Porträt einer zu Ende gehenden Liebe wurde „Break My Fall“ 2021 vom British Film Institute als einer von zehn großartigen lesbischen Filme gelistet. Theresa Rodewald erklärt, warum der Film in seiner Wahrhaftigkeit manchmal schwer auszuhalten ist, sich eine Wieder- oder Neubegegnung damit trotzdem unbedingt lohnt.
20.000 Arten von Bienen

20.000 Arten von Bienen

Cocó ist acht Jahre alt und versteht nicht, wieso sie jeder mit ihrem Geburtsnamen Aitor anspricht. Der Spitzname Cocó fühlt sich nicht ganz so eindeutig verkehrt, aber auch nicht richtig an. Im Sommerurlaub im Baskenland vertraut das Kind seinen Kummer Verwandten und Freund:innen an. Doch wie geht eine Mutter, die selbst noch mit ambivalenten elterlichen Altlasten ringt, mit der Identitätssuche ihres Kindes um? In ihrem Spielfilmdebüt erzählt die baskische Regisseurin Estibaliz Urresola Solaguren die Geschichte eines kleinen Mädchens auf der Suche nach dem richtigen Namen. Die Achtjährige Sofía Otero, die für den Film das erste Mal vor der Kamera stand, wurde auf der diesjährigen Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Barbara Schweizerhof über einen berührenden Film, der das Thema Geschlechtsidentität mit großer Sensibilität generationsübergreifend ausleuchtet.
Besties

Besties

In ihrem Debütfilm „Besties“ variiert die französische Regisseurin Marion Desseigne Ravel „Julia und Julia“ in einem Pariser Vorort: Nedjma zieht mit ihren Freundinnen durch die Straßen, die Gang ist wie ihre zweite Familie. Als sie Zina, die Neue in der Nachbarschaft, zum ersten Mal sieht, ist sie sofort verknallt. Das Problem ist nur, dass Zina zur verfeindeten Clique gehört. Nedjma ist hin- und hergerissen: zwischen der Loyalität zu ihrer Gruppe und dem Begehren für Zina, das mit jeder Nacht, die sie heimlich zusammen verbringen, größer wird. Anne Küper über einen queeren Liebesfilm aus Frankreich zwischen sozialem Realismus und leiser Hoffnung.
The Five Devils

The Five Devils

Die achtjährige Vicky hat eine geheimnisvolle Gabe: Sie kann mit allerlei Zutaten jeden beliebigen Duft reproduzieren. Als eines Tages ihre lange verschwundene Tante auftaucht, will das Mädchen auch ihren Duft nachbauen – und stürzt dabei in eine Zeitreise, in der sie einem düsteren Geheimnis auf die Spur kommt. Der zweite Film der französischen Regisseurin Léa Mysius ist eine wunderbare wilde und stilsichere Mischung aus Mystery-Thriller, Familiendrama und queerer Liebesgeschichte. Cosima Lutz über einen Film, der vom Verstehenwollen, vom Begehren und einem großem Feuer erzählt, das alles verändert.
When Night Is Falling

When Night Is Falling

Queerfilmnacht im April, Teil 3: Camille arbeitet als Dozentin an einer christlichen Universität und ist mit ihrem Kollegen Martin verlobt. Nach der Hochzeit steht eine gemeinsame Beförderung für die zwei „Karrierechristen“ an. Doch Camille ist auf vage Art unglücklich, und dann stirbt auch noch ihr geliebter Hund. Als sie in einem Waschsalon unverblümt von der charismatischen Zirkusartistin Petra angeflirtet wird, ist da plötzlich ein ganz anderes, neues Gefühl. Die kanadische Regisseurin Patricia Rozema erzählt in sinnlichen Bildern von einer Frau, deren bisher von Ordnung und  Glauben bestimmtes Leben gehörig durcheinander gewirbelt wird. Jessica Ellen über die Wiederbegegnung mit einem Klassiker des lesbischen Kinos, der das Grundmuster des Liebesdreiecks raffiniert variiert und jetzt digital restauriert in neuem Glanz auf die Leinwand zurückkehrt.
Der Sommer mit Anaïs

Der Sommer mit Anaïs

Anaïs promoviert gerade in Literaturwissenschaft, ist ständig in Bewegung und nie zufrieden. Halbherzig beginnt sie eine Affäre mit dem älteren Verleger Daniel. Doch bald findet Anaïs dessen Partnerin, die erfolgreiche Schriftstellerin Émilie, viel aufregender. Eine lesbische Romanze wie aus dem Bilderbuch beginnt – mit Liebe am Strand und sehnsüchtigem Briefwechsel. Nur Daniel könnte die sommerlich-unbeschwerte Stimmung noch vermiesen. Anstatt den heteronormativen und latent frauenfeindlichen Mustern zahlloser Filme über Dreiecksbeziehungen zu folgen, erzählt Charline Bourgeois-Tacquet ihr Langfilmdebüt „Der Sommer mit Anaïs“ konsequent aus der Perspektive der weiblichen Hauptfigur, schreibt Theresa Rodewald. Jetzt gibt es das Liebesdrama als DVD und VoD.
So Damn Easy Going

So Damn Easy Going

Jetzt als DVD und VoD: In Joannas Kopf dreht eine Achtbahnfahrt wilde Loopings, alles ist ständig in Bewegung. Medizinisch gesagt: Sie hat ADHS. Mitten im Chaos steht plötzlich eine neue Klassenkameradin vor ihr, die coole und selbstbewusste Audrey. Und Joanna hat nicht mehr nur blitzende Gedanken, sondern auch ein wild pochendes Herz. In „So Damn Easy Going“ lässt uns der schwedische Regisseur Christoffer Sandler mit viel Humor und leuchtenden Bildern in die Erfahrungswelt seiner Hauptfigur eintauchen. Anne Küper hat sich von dem wunderbaren Zuviel des Films mitreißen lassen, weil genau das so gut passt zu dieser besonderen Liebesgeschichte.
Tár

Tár

Cate Blanchett spielt die begnatete amerikanische Dirigentin und Komponistin Lydia Tár, die als erste Frau ein großes deutsches Orchester leitet. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere bereitet die offen lesbische Musikerin die mit Spannung erwartete Einspielung von Gustav Mahlers 5. Sinfonie vor. Doch als sie mit dem Freitod eines ehemaligen Protegés in Verbindung gebracht wird, gerät ihre streng durchgetaktete Welt ins Wanken. Für ihre formidable Darstellung einer hochkomplexen Frauenfigur wird Cate Blanchett aller Wahrscheinlichkeit nach am Montag ihren dritten Oscar entgegennehmen. Barbara Schweizerhof über die vielen Schichten eines meisterhaften Dramas zwischen feministischem Porträt und abgründigem Geisterfilm.
Bulldog

Bulldog

Jetzt im Kino: Der 21-jährige Bruno und seine nur 15 Jahre ältere Mutter Toni haben eine starke symbiotische Beziehung. Nichts und niemand hat Platz im chaotischen Leben der beiden – sie arbeiten sogar zusammen in einer Ferienanlage in Spanien. Doch als Tonis neue Partnerin Hannah in den gemeinsamen Bungalow zieht, steht das Verhältnis vor einer Zerreißprobe: Zum ersten Mal muss Bruno die Aufmerksamkeit seiner Mutter mit einer anderen Person teilen. Barbara Schweizerhof über einen Film, der tiefenpsychologisch fundiert von Liebe und Ablösung erzählt.
Girls Girls Girls

Girls Girls Girls

Rönkkö will endlich richtigen Sex haben. Mimmi ist da prinzipiell schon einen Schritt weiter, aber ansonsten ziemlich wütend. Zusammen arbeiten die Freundinnen in einem Smoothie-Laden. Als eines Tages die ehrgeizige Eiskunstläuferin Emma einen Drink bestellt, bröckelt Mimmis Toughness, und eine Party später lässt sie sich von Emma schon den dreifachen Lutz zeigen. Die finnische Regisseurin Alli Haapasalo erzählt in „Girls Girls Girls“ authentisch und mitreißend vom Jungsein und dem Gefühl, dass man einem anderen Menschen so nah sein will, dass es nicht reicht, nur seine Haut zu berühren. Anne Küper über einen Film, der weiß, wie Flirten und gute Smoothies gehen.