Frauenbande

Maria by Callas

Maria by Callas

Der Regisseur und Fotograf Tom Volf wirft einen neuen Blick auf Maria Callas. Über eine elegante Montage von privaten Aufnahmen, Mitschnitten ihrer Auftritte und TV-Interviews, aber auch gänzlich unbekanntem Material, wie etwa Nachrichtenaufnahmen von 1965, in denen glühende Fans ihrer Begeisterung freien Lauf lassen, spürt „Maria by Callas“ der unsterblichen Magie der Jahrhundert-Diva nach – und der Frage, wie sie zur universellen Identifikationsfigur für Außenseiter werden konnte. Ein Film über ein Leben im Wechselspiel von Verhüllung und Offenbarung, endlose Stunden des Schmerzes und eine alles verzehrende Liebe. Von Sascha Westphal.
Rara – Meine Eltern sind irgendwie anders

Rara – Meine Eltern sind irgendwie anders

Seit der Trennung ihrer Eltern lebt Sara mit ihrer jüngeren Schwester bei der Mutter, die jetzt mit einer Frau zusammen ist. Der Alltag der vier unterscheidet sich kaum von dem anderer Familien, für Sara ist die Situation voll in Ordnung. Doch das sehen nicht alle so, insbesondere ihr Vater hat Bedenken. Das Spielfilmdebüt der chilenischen Regisseurin Pepa San Martín ist komplett aus der Perspektive der 13-jährigen Sara erzählt und beruht auf wahren Begebenheiten. "Rara" lief bereits auf der Berlinale 2016 im Rahmen der Jugendsektion Generation Kplus und wurde dort mit dem Großer Preis der Internationalen Jury ausgezeichnet. Seit gestern ist das einfühlsame Familienporträt endlich auch in einigen deutschen Kinos zu sehen. Von Babara Schweizerhof.
Djam

Djam

Der französische Regisseur Tony Gatlif, der mit seinem Migrant_innen-Drama „Exils“ 2004 den Regiepreis in Cannes gewann, schickt in seinem neuen Film „Djam“ zwei junge Frauen unterschiedlicher kultureller Prägungen auf einen romantischen Roadtrip durch Griechenland und die Türkei. Handlungsführend ist in dem skizzenhaften Film der Rembetiko – eine Blues-Art und Mischung aus griechischer Volksmusik und osmanischen Musiktraditionen, die Gatlif als „Musik der Ungeliebten“ versteht, „deren Texte Worte sind, die heilen können“. Ein Film über Liebe, Leid und Drogen – und ein Aufruf, stolz zu seinen kulturellen Wurzeln und dem eigenen sexuellen Begehren zu stehen. Von Barbara Schweizerhof.
Thelma

Thelma

Die schüchterne Thelma verlässt ihr konservatives Elternhaus in den norwegischen Wäldern, um in Oslo zu studieren. Als sie auf dem Campus Anja kennenlernt, entwickelt sich zwischen den beiden jungen Frauen eine starke Anziehungskraft. Doch plötzlich bekommt Thelma epilepsieartige Anfälle. Und es beschleicht sie das Gefühl, dass sie übernatürliche Fähigkeiten haben könnte... In seinem neuen Film erzählt Joachim Trier ("Oslo, 31. August", "Louder Than Bombs") das sexuelle Erwachen einer jungen Frau als doppelbödigen Mystery-Thriller und findet für ihre Unterdrückung und das immer stärker werdende Begehren sinnlich-unheimliche Bilder. Für sissy haben sich gleich zwei Autorinnen von "Thelma" betören lassen: Esther Buss liest den Film als feministische Wirkungsgeschichte, Beatrice Behn als lesbisches Quasi-Remake des Horrorfilmklassikers "Carrie" (1976). Ein gar nicht so geisterhafter Film über die Befreiung aus der Hetero-Hölle.
I, Tonya

I, Tonya

Im Jahr 1994 kannte den Namen Tonya Harding ganz Amerika. Nicht unbedingt, weil sie als erste US-Einskunstläuferin den verflixt schweren dreifachen Axel in einem Wettbewerb gesprungen hatte. Sondern weil sie in den Medien als Mitverantwortliche an einem Anschlag auf ihre damals schärfste Konkurrentin Nancy Kerrigan galt, bei dem diese von einem Handlanger von Tonyas damaligen Ehemann mit einer Eisenstange attakiert und verletzt wurde. Über die lange Zeit als "Eis-Hexe" verrufene Harding hat Craig Gillespie nun ein Biopic gedreht und mit Margot Robbie als Tonya und TV-Star Allison Janney ("Mom", seit 2103) als deren Mutter LaVona raffiniert besetzt. Unser Autor Paul Schulz findet: „I, Tonya“ ist nicht das Camp-Meisterwerk, auf das einige vielleicht gehofft haben, sondern etwas viel Besseres – eine feministische Selbstbehauptung mit dem Baseballschläger.
Verrückt nach Cécile

Verrückt nach Cécile

Als ihre Freundin Schluss macht, ist Océanerosemarie nur einen Moment lang am Boden zerstört. Schließlich hat die quirlige und party-erprobte Osteopathin eine durchgeknallte Familie und ungefähr 76 Ex-Freundinnen, die sie auf Trab halten. Doch dann lernt sie beim Joggen die bildhübsche Cécile kennen – und verliebt sich Hals über Kopf. Um Céciles Herz zu gewinnen, muss sich Océanerosemarie einiges einfallen lassen – und sich fragen, was sie im Leben und vom einer Beziehung wirklich möchte... „Verrückt nach Cécile“ bedient sich genüsslich den Genre-Konventionen der zu Recht als heteronormativ verufenen Romantic Comedy, um diese im nächste Moment auf absurd-komische und reichlich queere Weise zu unterwandern. Endlich! Eine entzückende lesbische Liebeskomödie! Im März ist der Liebesreigen aus Frankreich in der queerfilmnacht zu sehen. Von Barbara Schweizerhof.
Sieben Filme des Jahres

Sieben Filme des Jahres

2017 war ein großartiges Jahr für das nicht-heterosexuelle Kino! Nachdem im Februar mit Barry Jenkins' Meisterwerk "Moonlight" erstmals – und trotz einiger Bühnenunruhen – ein offen schwuler Film mit dem Oscar für den besten Film ausgezeichnet worden war, liefen fast im Monatsrhythmus mitreißende queere Filme in den deutschen Kinos an: von Sebastián Lelios mit dem Teddy ausgezeichnetem Porträtfilm "Eine fantastische Frau" über die transsexuelle Marina und Francis Lees rauhem Liebesfilm "God's Own Country" bis zu Robin Campillos in Cannes gefeiertem Aids-Aktivismus-Drama "120 BPM". Wir haben für Euch unsere sieben Lieblingsfilme zusammengetragen und stellen Sie in Schlüsselmomenten und den Worten unserer Autor_innen noch einmal vor. Die Reise durch das queere Filmjahr führt uns in ein Dinner in Miami und in die Hochmoore Schottlands, auf eine Polizeistation in Santiago de Chile und die Untiefen der Wälder Nordportugals, in die Wildnis Montanas, ins gentrifizierte Brooklyn und in ein Schlafzimmer in Paris.
Axolotl Overkill

Axolotl Overkill

Als im Juni Helene Hegemanns Verfilmung ihres eigenen, heftig umstrittenen Not-Coming-of-Age-Romans "Axolotl Overkill" (2010) um die Irrfahrten der 16-jährigen Mifti in die Kinos kam, wurde er von der Filmkritik mit einem "morbiden, großbürgerlichen Heroinflug" verglichen und als herrlich sinnfreies Porträt eines wohlstandsverwahrlosten Teenagers gefeiert. Dass Hegemanns Film zugleich einer der wenigen deutschen Filme in diesem Jahr war, in dessen Zentrum eine lesbische Liebesgeschichte steht, fand derweil bestensfalls am Rande Erwähnung. Anlässlich des DVD- und Blu-ray-Starts hat sich Beatrice Behn "Axolotl Overkill" noch einmal angesehen – und schält aus der zunächst progressiv klingenden Figurenanordnung die reaktionäre Kehrseite heraus.
Ein Date für Mad Mary

Ein Date für Mad Mary

Irland sei vor allem eins, sagt das Klischee: rau und unverblümt. Da wird nicht verschönt und verbrämt, da gibt’s Pubs und Prügeleien und harte Schalen mit weichen Herzen. Könnte stimmen, wenn man dem irischen Coming-of-Age-Film "Ein Date für Mad Mary" glaubt, der diesen Monat in der queerfilmnacht läuft und ab 14. Dezember auch regulär im Kino zu sehen sein wird. Verkratzte Charaktere, superbe Schauspielerinnen, ein guter Soundtrack und – ganz nebenbei – eine lesbische Liebe machen das Spielfilmdebüt des Regisseurs Darren Thornton zu einer großen Entdeckung. Von Tania Witte.
Battle of the Sexes – Gegen jede Regel

Battle of the Sexes – Gegen jede Regel

Am 20. September 1973 kommt es im Astrodome in Houston zu einem der größten Spektakel der Sportgeschichte: Billie Jean King, die Nummer 1 im Frauentennis, duelliert sich mit Bobby Riggs, einem abgehalfterten Wimbledon-Champion und notorischen Zocker. Das Match, das die Medien unter dem Titel „Battle of the Sexes“ zum Megaevent aufgebauscht haben, sehen über 90 Millionen live im Fernsehen. King gewinnt deutlich und wird für ihren Erfolg als Ikone der Frauenbewegung gefeiert. Gerüchte, Riggs habe absichtlich verloren, um seine Spielschulden zu begleichen, schmälern Kings Sieg nur unerheblich. „Battle of the Sexes – Gegen jede Regel“ entwickelt aus dem spektakulären Geschlechterkampf auf dem Tennis-Court die persönliche Emanzipationsgeschichte von King, die mit der Gründung der noch heute maßgebenden WTA-Tour nicht nur das professionelle Damentennis fast im Alleingang erfand, sondern später auch eine der ersten offen lesbischen Profi-Sportlerinnen war. Das mit Stars (Emma Stone, Steve Carell, Alan Cumming) gespickte Biopic bietet eine hinreißende queere Liebesgeschichte und ist eine smarte Auseinandersetzung mit der zweiten Welle des Feminismus, hätte aber auch bei seinen Männerfiguren gerne etwas kritischer sein dürfen. Von Beatrice Behn.