Boys Club

Boy Meets Boy

Boy Meets Boy

Jetzt im Salzgeber Club: In seinem Debütfilm erzählt der spanische Regisseur Daniel Sánchez López von Harry und Johannes, die sich in einem Berliner Club kennenlernen und in den folgenden 15 Stunden verliebt durch die Stadt ziehen. Je länger sie zusammen sind, umso schmerzlicher wird das Bewusstsein, dass ihnen dafür nicht mehr viel Zeit bleibt – Harry muss nämlich am nächsten Tag nach Großbritannien zurück. „Boy Meets Boy“ steht in der Tradition realistischer Liebesdramen wie „Before Sunrise“ und „Weekend“: gefilmt an Originalschauplätzen mit zum Teil improvisierten Dialogen und zwei hinreißenden Neuentdeckungen, Matthew James Morrison und Alexandros Koutsoulis. Christian Lütjens über eine queere Berliner Indie-Perle.
Cicada

Cicada

Ben ist „back on the dick“: Nach einer Reihe gescheiterter Beziehungsversuche mit Frauen hat der New Yorker Gelegenheitsjobber wieder Sex mit Männern. Die Anbahnungen laufen zunächst eher random ab, online oder in Clubs. Doch dann begegnet er vor einem hippen Buchladen dem Datentechniker Sam und flirtet ihn erfolgreich mit Nietzsche an. Matthew Fifers und Kieran Mulcares „Cicada“, der im Februar in der queerfilmnacht läuft, zeigt zwei junge Männer, die füreinander ihre inneren Mauern fallen lassen und dahinter Schönheit entdecken. Diese fand auch Andreas Köhnemann in den emotionalen Wimmelbildern des Films.
Caravaggio

Caravaggio

Teil 2 in unserer Artikelreihe zum 80. Geburtstag von Derek Jarman (1942-1994): Mit „Caravaggio“ verfilmte der englische Regisseur und Künstler kongenial das Leben des berüchtigten Renaissance-Malers und übertrug dessen Bildsprache in ein aufregendes Filmporträt, das mittlerweile zu den Klassikern des europäischen Kinos gehört. Das Biopic wurde 1986 auf der Berlinale uraufgeführt und ist bis heute einer der wenigen wirklich adäquaten Filme über Kunst und Malerei. Zusammen mit drei weiteren Meisterwerken Jarmans ist „Caravaggio“ ab sofort im Salzgeber Club zu sehen. Stefan Hochgesand über Love, Crime, Showdowns und Revolution.
Edward II

Edward II

Am 31. Januar wäre Derek Jarman (1942-1994) 80 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass starten vier seiner Filme im Salzgeber Club . „Edward II“ (1991) erzählt frei nach dem Stück des Shakespeare-Zeitgenossen Christopher Marlowe von einer schwulen Liebe, die eine homophobe Gesellschaft ins Chaos stürzt. Kein Historienschinken, keine langweilige Geschichtsstunde, sondern ein obsessiv-experimentelles Plädoyer für eine Welt, in der die Leidenschaftlichen nicht den Machtspielen und Intrigen zum Opfer fallen und als Verbrecher diskriminiert werden. Andreas Wilink über ein radikal modernes Kunstwerk, das die Anachronismen zelebriert.
Die Rolle meines Lebens

Die Rolle meines Lebens

Nach seinen herrlich campen Nebenrollen in „Begegnungen nach Mitternacht“ (2013), „Messer im Herz“ (2018) und der wunderbar prägnanten Filmbranchen-Satire „Call My Agent!“ (seit 2015) macht Nicolas Maury in seinem Regiedebüt „Die Rolle meines Lebens“ die neurotische Sissy zur herrlich überdrehten Hauptfigur. Darin geht der ewige Nachwuchsdarsteller Jérémie, von Maury selbst gespielt, mal wieder durch eine existentielle Krise: Sein Freund schenkt ihm nicht die gebührende Aufmerksamkeit, und auch mit der großen Kinorolle will es einfach nicht klappen. Nervlich am Ende verlässt er Paris, um sich bei seiner Mutter neu zu finden. Die romantische Komödie der Sonderklasse gibt es jetzt im Salzgeber Club. Axel Schock über absurd-komische, zärtlich-poetische und dann wieder zutiefst dramatischen Szenen.
The Power of the Dog

The Power of the Dog

Mit dem Post-Western „The Power of the Dog“, der aktuell im Kino und auf Netflix zu sehen ist, räumt Jane Campion („Das Piano“) seit Wochen einen Kritiker:innen-Preis nach dem anderen ab. Für sieben Golden Globes ist ihr Film, der auf dem gleichnamigen Bestseller von Thomas Savage basiert, bereits nominiert – und wird vermutlich auch bei den Oscars ordentlich mitmischen. Benedict Cumberbatch und Jesse Plemons spielen darin zwei Brüder, die unterschiedliche Männlichkeitstypen repäsentieren: Der eine ist aggressiv und verbirgt sein schwules Begehren hinter hypermaskulinen Posen; der andere ist sanftmütig und bereit für echte Zuneigung. Eine junge Witwe und deren Sohn bringen das toxische Gefüge der beiden drastisch durcheinander. Cosima Lutz über ein meisterhaftes Filmdrama mit hochkomplexen Figuren, das die Queerness im vermeintlich Eindeutigen freilegt.
Jenseits der Mauern

Jenseits der Mauern

Jetzt im Salzgeber Club: Als sich Kellner Ilir den betrunkenen Kneipengast Paulo ins Bett legt, weiß er noch nicht, wen er sich da in sein Leben geholt hat. Schon wenig später gibt der anhängliche Paulo Freundin und früheres Leben auf und steht bei Ilir auf der Matte. Eine Romanze beginnt, zärtlich, leidenschaftlich und verspielt. Aber an dem Tag, an dem sie beschließen, für immer zusammen zu bleiben, verlässt Ilir die Stadt und kehrt nicht mehr zurück. David Lamberts Debütspielfilm „Jenseits der Mauern“ zog bei seiner Uraufführung 2012 in der Semaine de la Critique in Cannes viel Aufmerksamkeit auf sich und steht in einer Reihe mit weitere Vertretern des New-Wave Queer Cinema wie „Weekend“ oder „Keep the Lights On“. Andreas Wilink hat sich vom Unbedingten und Fatalen der Beziehungsgeschichte mitreißen lassen.
Falling

Falling

In seinem Regiedebüt nach einem eigenem Drehbuch erzählt Hollywood-Star Viggo Mortensen von Willis, der seinen Sohn einst im konservativen Mittleren Westen der USA zu einem „echten Mann“ erziehen wollte. Mittlerweile lebt John in Kalifornien, zusammen mit seinem Ehemann Eric und der gemeinsamen Adoptivtochter Monica. Als bei Willis eine beginnende Demenz diagnostiziert wird, ist er zunehmend auf die Fürsorge seines Sohnes angewiesen. Und der bemüht sich noch einmal um eine Annäherung. Mortensen spielt in dem emotionalen Familiendrama selbst die Rolle des erwachsenen John. Dennis Vetter über einen Film, in dem sich (zu) vieles um Versöhnlichkeit dreht.
Common Threads – Stories from the Quilt

Common Threads – Stories from the Quilt

Robert Epstein und Jeffrey Friedman dokumentierten Ende der 1980er Jahre den Beginn des Aids Memorial Quilts. In diesem gemeinschaftlichen, bis heute andauernden künstlerischen Projekt werden Erinnerungsstücke von Aids-Toten zusammengewebt und damit dem Vergessen und der Ignoranz entrissen. „Common Threads – Stories from the Quilt“, der ab jetzt im Salzgeber Club zu sehen ist, fasst die Erfahrungen der ersten Dekade des Umgangs mit Aids zusammen, die Trauer über die Verluste, die Wut über die Untätigkeit der Reagan-Regierung und den Kampfgeist der Aids-Bewegung. Zu einer Zeit, in der die schwulen Opfer der Aids-Epidemie in den Medien unsichtbar blieben, bot der Film das ganze Instrumentarium einer großen Hollywoodproduktion auf. 1989 erhielt das Regie-Duo dafür den Oscar für den Besten Dokumentarfilm. Andreas Wilink über ein unentbehrliches Dokument schwuler Geschichte.
Unser Paradies

Unser Paradies

In seinem blutigen Märchen „Unser Paradies“, das es ab jetzt im Salzgeber Club zu sehen gibt, schickt Gaël Morel zwei dunkle Engel auf die Suche nach der verlorenen Zeit. Die beiden Stricher Vassili und Angelo wehren sich mit Gewalt gegen die entwürdigenden Blicke ihrer Freier und steuern, getrieben von einer Sehnsucht nach einem Ort für ihre Liebe, auf eine Katastrophe zu. Sascha Westphal über einen Film, der ganz im Zeichen des rauen, transgressiven französischen Queer Cinema der 1980er und 90er Jahre steht.