Film

Port Authority

Port Authority

Auf sanfte Weise radikal erzählt Danielle Lessovitz in „Port Authority“ die Geschichte eines jungen Mannes, der sich im New York von heute in eine Vogue-Tänzerin verliebt – und in deren faszinierende Ballroom-Community gleich mit. Eigentlich sollte der Film mit Shootingstar Fionn Whitehead und Queer-Ikone Leyna Bloom, der in Cannes Premiere feierte, im Dezember im Kino anlaufen. Stattdessen ist „Port Authority“ jetzt sowohl im Salzgeber Club zu sehen als auch auf DVD erhältlich. Unsere Autorin Cosima Lutz über einen mitreißenden Tanzfilm, der Liebe und Geborgenheit jenseits normativer Paar- und Familienbilder feiert.
Für immer dein

Für immer dein

„Schick mir ein Ticket und ich gehöre dir!“ So bietet sich der junge Argentinier Lucas auf schwulen Webcam-Seiten an. Ein einsamer und nicht mehr ganz so junger Bäcker aus Belgien beißt an. Und so landet der Südamerikaner in der tiefsten europäischen Provinz, wo Arbeit wartet und die Hälfte eines Doppelbetts. David Lamberts „Für immer dein“ mit Nahuel Pérez Biscayart („120 BPM“, „Glue“) in der Hauptrolle ist jetzt im Salzgeber Club zu sehen. Lambert erkundet darin mit Witz und scharfem Blick für Details die Abgründe und Doppelbödigkeiten einer Paarbeziehung. Unser Autor Stefan Hochgesand über einen widerspenstigen Film, der an unserem Weltbild kratzt.
Glue

Glue

Für sein Drehbuch zur radikalen Jugendfabel „Monos“ (2019) erhielt Alexis Dos Santos höchstes Kritikerlob. Nun gibt es im Salzgeber Club den Film zu sehen, mit dem die Karriere des argentinischen Filmemachers 2006 begann: „Glue“. In der Coming-of-Age-Odyssee ist der damals 20-jährige Nahuel Pérez Biscayart in seiner ersten großen Kinorolle zu sehen – heute gilt er nach Filmen wie „120 BPM“ (2017) und „Persischstunden“ (2020) als Star des europäischen Arthouse-Kinos. Unseren Autor Christian Lütjens macht „Glue“ auch 14 Jahre nach seiner Uraufführung noch immer high.
Das letzte Spiel – La Partida

Das letzte Spiel – La Partida

In Antonio Hens’ kraftvollem Spielfilm „Das letzte Spiel – La Partida“, der jetzt im Salzgeber Club zu sehen ist, wird die Liebe zweier kubanischer Jungs schlicht und einfach dadurch erdrückt, dass sie kaum etwas zu essen haben, die Bedürfnisse ihrer Familien, ihrer Frauen und ihrer Freier befriedigen müssen und gar keine Möglichkeiten haben, ihren eigenen nachzugehen. Das erreicht eine ungeheure Komplexität, wenn Hens diese beiden zerbrechlichen Jungs handlungsunfähig macht, ohne ihnen seine Liebe zu entziehen. Unser Autor Malte Göbel über eine tragische Boy-meets-Boy-Geschichte.
Jean Paul Gaultier: Freak & Chic

Jean Paul Gaultier: Freak & Chic

Leben und Werk von Jean Paul Gaultier fließen seit jeher ineinander. Die „Fashion Freak Show“, in der der ikonische Modeschöpfer im Jahr 2018 seine Biografie als prunkvolle Bühnenrevue verarbeitet hat, erschien deswegen fast zwangsläufig. Regisseur Yann L'Hénoret wirft in „Jean Paul Gaultier: Freak & Chic“ einen Blick hinter die Kulissen der aufwendigen Produktion auf der legendären Pariser Varietébühne Folies Bergère. Catherine Deneuve, Rossy de Palma und Madonna sind mit dabei. Unsere Autorin Barbara Schweizerhof war aber vor allem vom Zusammenhalt hinter der Bühne beeindruckt.
Making Montgomery Clift

Making Montgomery Clift

Am 17. Oktober 2020 wäre Montgomery Clift 100 Jahre alt geworden. Bildhübsch, sensibel und sexuell ambig verkörperte er in den 1950ern und frühen 60ern vor allem die tragischen Antihelden des Hollywood-Kinos – und gilt mit James Dean und Marlon Brando als einer der drei großen „rebel males“. Doch spätestens seit Clifts frühem Tod mit 46 Jahren dominierte in den Medien das Bild des „sad young man“, der sich nie offen zu seiner vermeintlichen Homosexualität bekannt habe und der dem Starsystem zum Opfer gefallen sei. In einem neuen Dokumentarfilm zeichnen Robert Clift, jüngster Neffe des Filmstars, und Hillary Demmon ein anderes Bild – von einem lebensfrohen, lustvollen und ambitionierten Schauspieler. Unser Autor Matthias Frings über den Versuch eines Gegennarrativs.
I Want Your Love

I Want Your Love

Ja, in diesem Film gibt es echten Sex zu sehen, eine Pornofirma hat ihn produziert. Doch im Kern ist 
„I Want Your Love“, der jetzt im Salzgeber Club zu sehen ist, eine ganz kleine, alltägliche Geschichte über ein Wochenende und eine Party, in der sich Männer von ihren Freunden verabschieden, neue Männer kennenlernen oder ihre Beziehungen neu gestalten. Die großen Fragen, die dabei nebenher behandelt werden, grundieren diese Begegnungen, ohne sie zu erdrücken. Travis Mathews’ erster Spielfilm steht für ein neues, sinnliches, lässiges queeres Kino, schreibt unser Autor Enrico Ippolito.
Drown

Drown

Gaywatch in knappen Badehosen: Im knisternden Lycra-Gewand eines Sexploitationfilms ertränkt „Drown“ ein Rettungsschwimmer sein schwules Begehren und geht dabei selbst unter, als ein schwuler Mitschwimmer ihm den Alphamann-Status streitig macht. Dean Francis’ Wasserstrudel von einem Film, den es jetzt im Salzgeber Club gibt, erzählt von verwirrten Gefühlen in grellen Farben und hypnotischen Rhythmen. Unser Autor Carsten Moll hat sich mit Freude in den Bildersturm begeben.
Jamie und Jessie sind nicht zusammen

Jamie und Jessie sind nicht zusammen

Mit dem vielfach ausgezeichneten lesbischen Liebesdrama „Hannah Free“ machte die Regisseurin Wendy Jo Carlton 2009 erstmals auf sich aufmerksam. Zwei Jahre später wagte sie sich mit „Jamie und Jessie sind nicht zusammen“, auf leichteres Terrain. Ihr Film, den es jetzt im Salzgeber Club gibt, erzählt die Geschichte einer besonderen Freundschaft, die viel zu eng für Gefühle ist. Richard Garay über ein erholsames Gefühlschaos mit Musical-Einlagen.
Als wir tanzten

Als wir tanzten

Levan Akins großartiges Liebes- und Tanzdrama "Als wir tanzten" erzählt die Geschichte des Nachwuchstänzers Merab, der an der Akademie des Georgischen Nationalballetts in Tiflis studiert. Als Irakli neu in die Klasse kommt, sieht Merab in ihm zunächst einen Rivalen. Aus der Konkurrenz wird bald ein immer stärkeres Begehren. Doch im homophoben Umfeld der Schule wird von den beiden erwartet, dass sie ihre Liebe geheim halten. Akins vielfach ausgezeichneten Film gibt es nun auf DVD und Blu-ray. Der in Georgien erschreckend weit verbreiteten Queer-Feindlichkeit, die sich auch in homophoben Protesten bei der Landespremiere zeigte, hält Akin eine entschiedene Feier von nicht-heterosexueller Liebe entgegen. Und sissy feiert gleich doppelt mit: Sascha Westphal spürt der sexuellen und tänzerischen Befreiungsbewegung nach, die Merab den Repressionen in seiner Heimat energisch entgegensetzt. Und Stefan Hochgesand musste aufpassen, nicht gleich wie Honig dahinzuschmelzen.