Ein Chanson für Dich

Ein Chanson für Dich

Isabelle Huppert singt wieder ­– in Rot! In „Ein Chanson für Dich“ (Originaltitel: „Souvenir“), dem neuem Film des „Noordzee, Texas“-Regisseurs Bavo Defurne, spielt sie eine ehemals gefeierte Sängerin, die sich schon lange aus dem Showbusiness zurückgezogen hat, als sie plötzlich mit der Möglichkeit eines Comebacks konfrontiert wird. Unsere Autorin Noemi Yoko Molitor findet, dass Dafurne damit eine der glaubwürdigsten Frauenfiguren jenseits der 50 entworfen hat, die es in den letzten Jahren im Kino zu sehen gab – auch weil Huppert diese Figur mit einer wundervollen Mischung aus abwartender Distanziertheit und verschrobener Würde belebt.
Catfight

Catfight

Als Veronica eines Morgens in einem Krankenhauszimmer aufwacht, warten drei schlechte Nachrichten auf sie. Die erste: Sie lag zwei Jahre im Koma. Die zweite: Währenddessen ist ihr Mann gestorben. Die dritte: Auch ihr Sohn ist tot – gefallen in einem neuen Krieg der USA gegen den Terror im Nahen Osten. Was nach dem Beginn eines Dramas klingt, ist tatsächlich der Anfang einer tiefschwarzen Komödie, in der sich Frauen endlich mal ohnmächtig prügeln und maßlosen Rachegelüsten hingeben dürfen. „Catfight“, der hierzulande direkt auf DVD und BluRay herauskommt, ist derbes und extrem komisches Anti-Spießer*innen-Kino. Von Inga Pylypchuk.
Dream Boat

Dream Boat

Acht Tage Kreuzfahrt mit 3.000 schwulen Männern aus 89 Nationen. Und Tristan Ferland Milewski war mit Kameras dabei. Für viele eine schreckliche Idee, für Anwesende eine große Party oder permanente Überforderung, für die Augen ein Fest, für den Filmemacher der Ansporn, hinter die oberflächliche Fassade des Glad-to-be-gay-Tourismus unter maximal reibungsfreien Bedingungen zu schauen. Ein Hoch auf die schwule Seefahrt. Oder sowas Ähnliches. Im Juli in der queerfilmnacht! Von Jan Künemund.
Dries

Dries

Der belgische Modemacher Dries van Noten gilt in seiner Branche als sensibler Stilist – und als einer der wenigen unter den namhaften Designern, die sich den Zugriffen der großen Labels ganz bewusst entziehen. Der deutsche Regisseur Reiner Holzemer hat über van Noten nun einen Dokumentarfilm gedreht. „Dries“ ist das Porträt eines äußerlich unauffälligen, künstlerisch jedoch überaus originellen Freigeistes. Von Barbara Schweizerhof.
ACT! – Wer bin ich?

ACT! – Wer bin ich?

In seinem neuen Dokumentarfilm „ACT! – Wer bin ich?“ schaut Rosa von Praunheim über den schwulen Tellerrand und findet mal wieder eine Heldin des Alltags, die ihre bürgerlichen Sicherheiten aufgegeben hat, um sich für soziale Veränderungen einzusetzen. Maike Plath macht „biografisches Theater“ mit Jugendlichen in Neukölln, deren Biografien andere oft nicht interessieren. Von Jan Künemund.
Whitney – Can I Be Me

Whitney – Can I Be Me

Am 11. Februar 2012 wird Whitney Houston leblos in der Badewanne ihres Hotelzimmer in Beverly Hills aufgefunden, als Todesursache wird Ertrinken festgestellt. In ihrem Körper werden zudem große Mengen Kokain und weiterer Drogen gefunden – Zeugen eines chronischen Missbrauchs. Spätestens seit Houstons frühem Tod im Alter von nur 48 Jahren ranken sich zahlreiche Mythen um die Diva. Im ersten postum erscheinenden Dokumentarfilm erzählt der britische Regisseur Nick Broomfield den Niedergang der Sängerin nun als Folge einer Geschichte der Verleugnung – ihrer afro-amerikanischen Wurzeln und ihrer Bisexualität. Von Christian Weber.
Serienfieber

Serienfieber

Als im Jahr 2015 die Ankündigung des Endes der bahnbrechenden queeren HBO-Serie "Looking" nach nur zwei Staffeln (und einem abschließenden Fernsehfilm) zahlreiche Protestler auf den Plan rief, gab Paul Schulz in der sissy Entwarnung: Er sähe keinen Grund für Befürchtungen vor einem Rückzug nicht-heterosexueller Geschichten aus dem Fernsehen, man müsse im Gegenteil sogar das goldene Zeitalter des queeren TV ausrufen! Zwei Jahre später wagt Rajko Burchardt eine neue Bestandsaufnahme in Zeiten von Netflix und Amazon Prime, schwärmt über "Transparent", "Sense8" und "I Love Dick" – und erklärt, warum die queere Serien-Blüte erst durch die Streaming-Revolution möglich geworden ist.
The Girl King

The Girl King

Mika Kaurismäki erzählt in seinem Film „The Girl King“ die Geschichte der jungen Königin Kristina von Schweden (1626-1689), die sich allen Regeln widersetzte, die damals für Frauen und Monarchen galten, sich weigerte zu heiraten und einen Thronfolger zu gebären und trotzdem Weltgeschichte schrieb. Obwohl sie bereits mit 26 freiwillig als Königin abdankte, gilt sie bis heute als eine der größten Reformerinnen ihres Landes, das sie konfessionell versöhnte und dessen Künste und Wissenschaften sie maßgeblich förderte. Kaurismäki interessiert sich für die acht Jahre, in denen Kristina ab ihrem 18. Lebensjahr Königin mit Regierungsgewalt war – und für die wohl größte Freiheit, die sich die Regentin nahm, die Liebe zu ihrer Hofdame Ebba Sparre. Ein queerer Kostümfilm über weibliche Selbstermächtigung. Von Angelika Nguyen.
Jan Krüger

Jan Krüger

"Seine visuellen (E)Motionen gehen von einer verborgenen Sehnsucht der Figuren aus und münden, nach einer Kreisbewegung, in dieselbe zurück. Dazwischen verstreicht die Zeit", schreibt Gunther Geltinger über das Œuvre von Jan Krüger. Bisher haben Krügers Langfilme diese Bewegung sogar im Titel mit sich getragen: „Unterwegs“ (2007), „Rückenwind“ (2009), „Auf der Suche“ (2011). In seinem jüngsten Film „Die Geschwister“ ersetzt nun ein scheinbar statischer Begriff dieses Bewegungsbild, der jedoch - auch das ist typisch für Krüger - normative, traditionelle und mythische Beziehungsvorstellungen vereint. Anlässlich der DVD-Premiere von "Die Geschwister" blickt sissy auf Krügers bisherige Etappen.
Die Geschwister

Die Geschwister

Jan Krüger dreht konsequent Filme mit queeren Geschichten. Das ist keine Selbstverständlichkeit, auch nicht für einen sich als schwul identifizierenden Filmemacher in Deutschland. Seine bisherigen drei Langfilme erzählen allesamt keine Coming-out-Storys (das erledigte er – auf originelle Weise – in seinem Kurzfilme „Freunde“ von 2001). Das Schwulsein der Figuren ist bei ihm nie ein Thema an sich, sondern wird stets mit anderen Erfahrungen verknüpft. Sein neuer Film „Die Geschwister“ handelt von Berlin als Stadt und Begehrensraum und folgt dem Erzählmuster eines Märchens. Die Geschichte von einem, der sich bisher aus allem raushielt, und der durch die Liebe lernt, soziale Verantwortung zu übernehmen... Von Gunther Geltinger.