The Happy Prince

The Happy Prince

Rupert Everett hat fast zehn Jahre gebraucht, bis er „The Happy Prince“ endlich drehen konnte. Darin erzählt er als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller das tragische Ende von Oscar Wilde und wird dabei von einem stargespickten Ensemble unterstützt. Ein großer, schöner und sehr schwuler Historienschinken, für den es keinen Teddy, aber schon einen Bayerischen Filmpreis gab. Von Paul Schulz.
Maria by Callas

Maria by Callas

Der Regisseur und Fotograf Tom Volf wirft einen neuen Blick auf Maria Callas. Über eine elegante Montage von privaten Aufnahmen, Mitschnitten ihrer Auftritte und TV-Interviews, aber auch gänzlich unbekanntem Material, wie etwa Nachrichtenaufnahmen von 1965, in denen glühende Fans ihrer Begeisterung freien Lauf lassen, spürt „Maria by Callas“ der unsterblichen Magie der Jahrhundert-Diva nach – und der Frage, wie sie zur universellen Identifikationsfigur für Außenseiter werden konnte. Ein Film über ein Leben im Wechselspiel von Verhüllung und Offenbarung, endlose Stunden des Schmerzes und eine alles verzehrende Liebe. Von Sascha Westphal.
Mein Leben mit James Dean

Mein Leben mit James Dean

In „Mein Leben mit James Dean“ ist ein junger Filmemacher mit seinem ersten Film, der von schwulem Begehren und Kinoleidenschaft erzählt, auf Kinotour in der französischen Küstenprovinz. Mit schrägem Humor und traumähnlichen Bildern verwandelt Dominique Choisy den selbstreferentiellen Komödienplot in eine beharrliche Liebeserklärung an das Kino. Denn das unerwartete Kulturevent infiziert die wenigen Menschen, die es aus unterschiedlichen Gründen ins Kino verschlägt, mit einer Sehnsucht nach Leidenschaft und Andersartigkeit, die schnell auch den Film darüber erfasst. Von Jan Künemund.
Rara – Meine Eltern sind irgendwie anders

Rara – Meine Eltern sind irgendwie anders

Seit der Trennung ihrer Eltern lebt Sara mit ihrer jüngeren Schwester bei der Mutter, die jetzt mit einer Frau zusammen ist. Der Alltag der vier unterscheidet sich kaum von dem anderer Familien, für Sara ist die Situation voll in Ordnung. Doch das sehen nicht alle so, insbesondere ihr Vater hat Bedenken. Das Spielfilmdebüt der chilenischen Regisseurin Pepa San Martín ist komplett aus der Perspektive der 13-jährigen Sara erzählt und beruht auf wahren Begebenheiten. "Rara" lief bereits auf der Berlinale 2016 im Rahmen der Jugendsektion Generation Kplus und wurde dort mit dem Großer Preis der Internationalen Jury ausgezeichnet. Seit gestern ist das einfühlsame Familienporträt endlich auch in einigen deutschen Kinos zu sehen. Von Babara Schweizerhof.
Djam

Djam

Der französische Regisseur Tony Gatlif, der mit seinem Migrant_innen-Drama „Exils“ 2004 den Regiepreis in Cannes gewann, schickt in seinem neuen Film „Djam“ zwei junge Frauen unterschiedlicher kultureller Prägungen auf einen romantischen Roadtrip durch Griechenland und die Türkei. Handlungsführend ist in dem skizzenhaften Film der Rembetiko – eine Blues-Art und Mischung aus griechischer Volksmusik und osmanischen Musiktraditionen, die Gatlif als „Musik der Ungeliebten“ versteht, „deren Texte Worte sind, die heilen können“. Ein Film über Liebe, Leid und Drogen – und ein Aufruf, stolz zu seinen kulturellen Wurzeln und dem eigenen sexuellen Begehren zu stehen. Von Barbara Schweizerhof.
Der Moment: Stand by Me

Der Moment: Stand by Me

"Stand by Me", Rob Reiners Verfilmung von Stephen Kings Novelle "Die Leiche" (1982), gilt als Meilenstein des US-amerikanischen Coming-of-Age-Kinos. Der Film erzählt nicht nur mitreißend und voller Empathie zu seinen Figuren von den lebensprägenden "Geheimnissen eines Sommers", wie der deutsche Untertitel des Films verspricht. Er weigert sich vor allem überzeugend und nicht ganz un-queer, Kindheit und Jugend und all das Ungefestigte und Ambivalente darin als abgeschlossen zu betrachen. Eine ähnliche Perspektive nimmt auch der gefeierte Debütroman des Schriftstellers Fabian Hischmann, "Am Ende schmeißen wir mit Gold" (2014), ein, dem im vergangenen Jahr ein zweiter Roman, "Das Umgehen der Orte" (2017), folgte. Als "Stand by Me" 1986 in die Kinos kam, war unser Autor erst drei Jahre alt. Den Moment seiner queeren Filmgeschichte hat er trotzdem in ihm gefunden – und seitdem nie mehr verloren.
Nobody’s Watching

Nobody’s Watching

In ihrem dritten Spielfilm erzählt Regisseurin Julia Solomonoff („Mein Sommer mit Mario“, 2009) von einem jungen schwulen Argentinier, der nach New York zieht, um dort als Schauspieler Fuß zu fassen. Eine fein beobachtete Studie darüber, wie ein bereits angebrochenes Herz am alltäglichen Rassismus und den wenig romantischen Lebensbedingungen in New York noch weiter zerbrechen kann. Von Paul Schulz.
Jahr des Tigers

Jahr des Tigers

Tom hat zwei ungewöhnliche Hobbies: Er sammelt Tiermasken und bricht mit seinem Kumpel gern in fremde Wohnungen ein. Bei einem Einbruch steht er plötzlich vor dem Bett des schlafenden Lars. Tom kann sich noch unbemerkt aus der Wohnung stehlen, doch ab diesem Moment ist er von Lars besessen und beginnt ihn heimlich zu verfolgen. Bis der seinem Beobachter auf die Schliche kommt... Regisseur Tor Iben legt seinen neuen Film als ein raffiniertes Labyrinth der Leidenschaften an. „Jahr des Tigers“ ist ein Berliner Erotikthriller, eine Studie über queere Männlichkeit – und im April in der queerfilmnacht zu sehen. Von Paul Schulz.
Velociraptor

Velociraptor

In seinem zweiten Langfilm „Velociraptor“ erzählt der junge mexikanische Regisseur Chucho E. Quintero von einer Welt, deren Ende kurz bevorsteht, und von den letzten Stunden im Leben des schwulen Alex und seines Hetero-Freundes Diego. Der Film ist wie der titelgebende Saurier: klein, schnell, beweglich und in der Lage, auch große Gegner anzugreifen, weil er im Rudel jagt. Eine Studie über Freundschaft, eine Meditation über queere Sexualität, Teenagerkomödie und Endzeitvision. Von Paul Schulz.
Thelma

Thelma

Die schüchterne Thelma verlässt ihr konservatives Elternhaus in den norwegischen Wäldern, um in Oslo zu studieren. Als sie auf dem Campus Anja kennenlernt, entwickelt sich zwischen den beiden jungen Frauen eine starke Anziehungskraft. Doch plötzlich bekommt Thelma epilepsieartige Anfälle. Und es beschleicht sie das Gefühl, dass sie übernatürliche Fähigkeiten haben könnte... In seinem neuen Film erzählt Joachim Trier ("Oslo, 31. August", "Louder Than Bombs") das sexuelle Erwachen einer jungen Frau als doppelbödigen Mystery-Thriller und findet für ihre Unterdrückung und das immer stärker werdende Begehren sinnlich-unheimliche Bilder. Für sissy haben sich gleich zwei Autorinnen von "Thelma" betören lassen: Esther Buss liest den Film als feministische Wirkungsgeschichte, Beatrice Behn als lesbisches Quasi-Remake des Horrorfilmklassikers "Carrie" (1976). Ein gar nicht so geisterhafter Film über die Befreiung aus der Hetero-Hölle.