Bent

Bent

Ab 14. Mai ist der queere Klassiker "Bent" aus dem Jahr 1997 in digital restaurierter Fassung im Salzgeber Club zu sehen. In seiner Verfilmung von Martin Shermans bahnbrechendem Theaterstück erzählt Regisseur Sean Mathias eindrücklich von den Grauen der Homosexuellen-Verfolgung durch die Nazis – und von zwei KZ-Häftlingen, die trotz widrigster Umstände einen Weg finden, sich zu lieben. Die Hauptrolle spielt Clive Owen, in weiteren Rollen sind u.a. Ian McKellen als schwuler Onkel, Mick Jagger als alternde Dragqueen und Nikolaj Coster-Waldau ("Game of Thrones") als blonder SA-Mann zu sehen. Für unseren Autor Andreas Wilink ist "Bent" weit mehr als ein historisches Dokument: Es ist Gleichnis und Aufforderung zur Erziehung der Herzen.
Bester Mann

Bester Mann

Gemobbt zu werden ist für den schüchternen Teenager Kevin Alltag. Eines Tages kommt ihm ein Unbekannter auf einem Motorrad zu Hilfe. Kevin ist fasziniert von Bennie, der ihm erzählt, dass er als Talentscout arbeitet und professionell Fotos macht. Und er freut sich zunächst, dass Bennie auch ihn fotografieren will. Doch die Bilder werden viel freizügiger, als der Junge gedacht hat... Florian Forschs mittellanger Film erzählt eine Geschichte über Missbrauch, die Verletzlichkeit von Jugend und darüber, wie gut sich organisiertes Verbrechen hinter einer einfachen Ideologie verbergen lässt. "Bester Mann" wurde 2018 mit den Max Ophüls Preis ausgezeichnet, war für den Österreichischen Filmpreis nominiert und ist ab sofort zusammen mit "Label Me" von Kai Kreuser im Salzgeber Club zu sehen. Rajko Burchardt über einen eindrucksvollen Film voller Abgründe.
Label Me

Label Me

Das Verhältnis zwischen dem geflüchteten Syrer Waseem und seinem deutschen Freier Lars ist klar geregelt. Und doch verändert sich ihre Beziehung im Laufe ihrer sexuellen Begegnungen. Es kommt zu einer Annäherung, die zur Gefahr in der harten Lebensrealität von Waseems Unterkunft wird. Nachwuchsregisseur Kai Kreuser, einer der Macher der queeren Webserie "Kuntergrau", wurde im vergangenen Jahr für "Label Me" mit dem Max Ophüls Preis für den Besten mittelangen Film ausgezeichnet. Zusammen mit "Bester Mann" von Florian Forsch ist seine prägnante Charakterstudie ab sofort im Salzgeber Club zu sehen. Axel Schock über einen klug nuancierten Abschlussfilm.
Ocean Vuong: Nachthimmel mit Austrittswunden

Ocean Vuong: Nachthimmel mit Austrittswunden

Lyrik gilt als Feinschmecker-Literatur, an die sich nur wenige Verlage wagen. Wenn der Autor bereits einen Bestseller geschrieben hat, verbessert das allerdings erheblich die Chancen auf eine Veröffentlichung. Nach seinem gefeierten Roman "Auf Erden sind wir kurz grandios" ist nun auch Ocean Vuongs erster Gedichtband "Nachthimmel mit Austrittswunden" in einer zweisprachigen Ausgabe in Deutschland erschienen. Unser Autor Matthias Frings ließ sich von Vuongs dezidiert queerer Poesie begeistern.
Videobotschaft von Jasco Viefhues (Rettet das Feuer)

Videobotschaft von Jasco Viefhues (Rettet das Feuer)

Der Künstler Jürgen Baldiga (1959-1993) hat in den Achtzigern mit seiner Fotokamera die Berliner Tunten und Aids-Aktivist*innen porträtiert – und sich selbst zum Gegenstand seines radikalrealistischen Werks gemacht. Jasco Viefhues hat die Puzzlestücke aus Baldigas Leben mit Hilfe von dessen Weggefährt*innen zusammengetragen und zu einem berührenden Porträtfilm zusammegesetzt. In seiner Videobotschaft aus dem Home Office erzählt uns Viefhues von einem großartigen, lebenshungrigen Künstler und vom kollektiven Trauma Aids, das sich tief ins Gedächtnis der schwulen Community in Berlin eingeschrieben hat. "Rettet das Feuer" ist aktuell im Salzgeber Club als VoD zu sehen.
Rettet das Feuer

Rettet das Feuer

In den Achtzigern ist Jürgen Baldiga einer der umtriebigsten Künstler des West-Berliner Undergrounds: Er macht Musik, Lyrik und Drag, vor allem aber fotografiert er seine Umgebung und sich. Nach seiner HIV-Infektion nutzt er die Kunst, um das eigene Sterben und das der Freunde zu dokumentieren. Ein Vierteljahrhundert nach Baldigas Tod hat sich Regisseur Jasco Viefhues mit dessen Weggefährt*innen und Freund*innen getroffen. Seine Gespräche fügt er mit einer Fülle von Fotos und teilweise noch nie gesehenem Archivmaterial zusammen. Unser Autor Matthias Frings schreibt über den Künstler Jürgen Baldiga, der ein besonderes Leuchten in seinen hellen Augen hatte, und über einen Film, der ohne Pathos und Heldenverehrung auskommt, weil er so viel Liebe hat. Ab 30. April ist "Rettet das Feuer" im Salzgeber Club zu sehen.
Videobotschaft von Stéphane Riethauser (Madame)

Videobotschaft von Stéphane Riethauser (Madame)

Wegen Corona musste die bis dahin höchst erfolgreiche Welttournee von "Madame" abgebrochen werden. Der französische Kinostart wurde drei Tage vor dem offiziellen Termin gecancelt, zahlreiche Festivals abgesagt, und auch die Verleihung des Schweizer Filmpreises, für den "Madame" in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" nominiert war, fiel aus. Umso mehr freut sich Regisseur Stéphane Riethauser, dass sein Film ab heute als VoD im Salzgeber Club zu sehen ist. Und meldet sich mit einer Videobotschaft aus seinem Berliner Home Office.
Madame

Madame

Scheidung in den 1920ern, erfolgreiche Geschäftsfrau in den 1930ern. Caroline hat sich immer über Grenzen hinweggesetzt, die die patriarchale Gesellschaft für sie vorgesehen hatte. In den 1980ern führt ihr Enkelsohn Stéphane einen ähnlichen Kampf: Als schwuler Junge in einer großbürgerlichen Schweizer Familie sucht er der Rolle des angepassten, maskulinen Heteros zu entkommen. Und beginnt als 13-Jähriger, sich und seine Umgebung mit einer Video-Kamera aufzunehmen. Aus seinem umfangreichen biografischen Bildarchiv hat Stéphane Riethauser als erwachsener Regisseur ein berührendes Doppelporträt von sich und seiner flamboyanten Großmutter gewonnen. Sascha Westphal schreibt über den großartigen Essayfilm "Madame", der konservative Vorstellungen von Geschlechterverhältnissen und Sexualität infrage stellt – und ab 23. April im Salzgeber Club als VoD zu sehen ist.
Videobotschaft von Peter Strickland (Duke of Burgundy)

Videobotschaft von Peter Strickland (Duke of Burgundy)

Auch diese Woche haben wir wieder digitale Flaschenpost aus der Quarantäne bekommen: Peter Strickland meldet sich aus seinem Home Office in Ungarn und erzählt in der Reflektion des Soundtracks seines grandiosen lesbischen Liebesdramas "Duke of Burgundy", warum er sich aktuell ein wenig wie James Stewart fühlt.
James Baldwin: Giovannis Zimmer

James Baldwin: Giovannis Zimmer

Der US-Schriftsteller James Baldwin (1924-1987) ist nicht nur eine Ikone für die Bürgerrechtsbewegung, wovon jüngst etwa Raoul Pecks vielschichtiger Dokumentarfilm "I Am Not Your Negro" Zeugnis trug, sondern auch für das Gay Liberation Movement. Anfang 2018 startete der Deutsche Taschenbuch Verlag (dtv) eine Werkausgabe in neuen Übersetzungen, in der nun einer der berühmtesten "schwulen Romane" überhaupt erschienen ist: "Giovannis Zimmer" aus dem Jahr 1956. Darin lernt der weiße Amerikaner David in Paris den Kellner Giovanni kennen, und die beiden erleben eine kurze, qualvolle amour fou in der klaustrophoben Enge von Giovannis Zimmer. Unser Autor Fabian Hischmann, Jahrgang 1983, schreibt über ein zeitloses Meisterwerk, das Leser*innen in seiner schonungslosen Beschreibung einer toxischen Beziehung noch heute bis ins Mark erschüttert.