Articles Written By: Christian Weber

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Zwischen uns beiden

Zwischen uns beiden

Jetzt als DVD und VoD: Laeti und Elodie sind seit Jahren zusammen und wünschen sich ein Kind. Der neue Untermieter Simon soll das nötige Geld in die Paarkasse bringen. Doch plötzlich fühlt sich Laeti auf mysteriöse Weise körperlich zu dem attraktiven Zauberkünstler hingezogen. Nach seinem Sektendrama „In-Sect“ und der Marilyn-Monroe-Hommage „Fragments“ verschränkt der französische Regisseur Jude Bauman in „Zwischen uns beiden“ den Kampf zweier Frauen um ihr Liebesglück mit Fragen nach queerer Elternschaft und Familienplanung. Christian Lütjens hat sich von den opulenten Bildern und der sinnlichen Stimmung des Films einfangen lassen.
Bones and All

Bones and All

Der neue Film von Luca Guadagnino gilt spätestens seit seiner umjubelten Weltpremiere in Venedig als gesetztes Highlight des Kinosherbsts – nicht nur, weil wieder Timothée Chalamet, der derzeit wohl größte Filmstar seiner Generation, eine der Hauptrollen spielt. Doch wie passt das romantische Road Movie über die Liebe zwischen zwei jungen Kannibal:innen im Reagan-Amerika zu Guadagninos letzten Filmen, dem schwulen Erweckungsdrama „Call Me By Your Name“ (2017) und dem referentiellen Horrorfilm-Remake „Suspiria“ (2018)? Für Philipp Stadelmaier geht es in allen drei Fällen um das Ende der Unschuld.
Nelly & Nadine

Nelly & Nadine

Die belgische Opernsängerin Nelly Mousset-Vos und die belgisch-chinesische Juristin Nadine Hwang lernen sich Heiligabend 1944 im KZ Ravensbrück kennen, wo beide Gefangene sind. Ab diesem Moment verbringen sie so viel Zeit wie möglich miteinander. Kurz vor Kriegsende werden sie für einige Monate getrennt, finden sich wieder, ziehen zusammen nach Venezuela und später nach Brüssel. Anhand von Nellys Tagebüchern und Fotos, Liebesbriefen und Filmrollen erzählt der schwedische Regisseur Magnus Gertten in seinem Dokumentarfilm eine bemerkenswerte Liebesgeschichte. Angelika Nguyen hat sich von ihr berühren lassen.
Pier Paolo Pasolini: Porno–Theo–Kolossal

Pier Paolo Pasolini: Porno–Theo–Kolossal

Nur fünf Wochen vor seinem gewaltsamen Tod stellte Pier Paolo Pasolini (1922-75) die letzte Fassung des Treatments zu seinem Filmprojekt „Porno–Theo–Kolossal“ fertig. Es sollte sein letzter Film werden, nach dem er sich ganz dem Schreiben widmen wollte. Das provisorisch gebliebene Drehbuch erschien 15 Jahre nach Pasolinis Tod und wurde jetzt von der Kulturwissenschaftlerin Dagmar Reichardt und dem Theologen und Filmwissenschaftler Reinhold Zwick in deutscher Übersetzung und zusammen mit einem ausführlichen Kommentar sowie begleitenden Texten im Filmbuchverlag Schüren herausgegeben. Philipp Stadelmaier taucht ein in ein abgründiges Roadmovie, in dessen Stationen sich alle zentralen politischen, religiösen und sexuellen Themen und Motive von Pasolinis einzigartigem Œuvre spiegeln.
Sublime

Sublime

Manu und Felipe sind beste Freunde. Sie spielen zusammen in einer Band und teilen sonst auch so ziemlich alles miteinander. Als Manu das „erste Mal“ mit seiner Freundin plant, bespricht er das natürlich mit Felipe. Doch plötzlich sind da Gefühle, die Manu immer mehr durcheinander bringen: Eigentlich würde er viel lieber Felipe küssen! Mariano Biasin erzählt in „Sublime“ von einem Gefühlschaos, das wohl jede:r schon einmal erlebt hat: Was passiert mit einer Freundschaft, wenn plötzlich Liebe und Begehren ins Spiel kommen? Andreas Köhnemann über einen authentischen Coming-of-Age-Film aus Argentinien, der noch ans Träumen glaubt.
Beautiful Beings

Beautiful Beings

Addi ist 14 und streunt mit seinen Kumpels Siggi und Konni durch die Straßen. Der schüchterne Balli ist der Neue in der Gang, in der es eine klare Rangordnung gibt. Zusammen proben sie ihren Mut, naschen Pilze, betrinken sich und gehen spätnachts im Freibad schwimmen. Doch Aggressionen und Gewalt sind stets nur einen Lidschlag entfernt. Und dann träumt Addi auch noch, dass etwas Furchtbares passieren wird. Bildgewaltig und voller Empathie erzählt der isländische Regisseur Guðmundur Arnar Guðmundsson („Herzstein“) in seinem neuen Film von vier Jungs, die ihren Weg suchen und sich dabei wie Ringkämpfer ineinander verhaken, und von einer jugendlichen Welt, in der kaputte Familien und Verwahrlosung ebenso alltäglich sind wie magische Vorahnungen und Poesie. Natália Wiedmann tritt mit seinen beautiful beings an die Schwelle zum Erwachsenwerden.
Kim de l’Horizon: Blutbuch

Kim de l’Horizon: Blutbuch

Unter viel Jubel hat Kim de l’Horizon zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den Deutschen Buchpreis für „Blutbuch“ entgegengenommen – und anschließend statt einer klassischen Dankesrede einen London-Grammar-Song ins Mikro gehaucht und sich aus Solidarität mit protestierenden Frauen im Iran auf der Bühne die Haare abrasiert. Der bewegende Auftritt war eine konsequente performative Weiterentwicklung seines genderqueer-poetischen Roman-Experiments; eine kämpferische Sternstunde nicht nur für Kim de l’Horizon selbst, sondern auch für die eher gesetzte, honorige Institution Buchpreis. Eine furiose Werbung für „Blutbuch“, dessen Entstehung sich für de l’Horizon laut eigener Aussage im Schweizer Podcast „Blattgold“ anfühlte, „wie meine eigene Prophezeiung zu schreiben“, war es sowieso. Sissy gratuliert von Herzen und empfiehlt Anja Kümmels Einführung in den „Blutbuch“-Kosmos.
Rex Gildo – Der letzte Tanz

Rex Gildo – Der letzte Tanz

Er sah blendend aus, konnte singen und tanzen, verkaufte 40 Millionen Schallplatten, wirkte in über 30 Filmen mit, und „Fiesta Mexicana“ konnte jedes Kind mitsingen. Rex Gildo war ein deutscher Star, doch dass er und sein Entdecker und Ziehvater Fred Miekley über Jahrzehnte ein Liebespaar waren, wussten nur enge Vertraute. Halb fiktional, halb dokumentarisch erzählt Rosa von Praunheim in seinem neuen Film das Leben der Schlagerlegende als die tragische Geschichte eines Unterhaltungskünstlers, der sich in der repressiven 1950er und 60er Jahren zu einem Doppelleben gezwungen glaubte und auch später nie den Ausbruch aus seinem Versteck wagte. Andreas Wilink fühlt sich bei dem Sujet an Douglas Sirk erinnert, spürt aber auch den unverwechselbaren Rosa-Touch.
Stephen Spender: Der Tempel

Stephen Spender: Der Tempel

Vermächtnis, Zeitdokument, großartiges Spätwerk – schon bei der Erstausgabe im Jahr 1988 haftete dem Roman „Der Tempel“ etwas Epochales an. Stephen Spender (1909-95) lässt in dem Buch seine Künstlerfreunde Christopher Isherwood, W. H. Auden und Herbert List (wenn auch unter Pseudonymen) auftreten und erinnert sich an einen Sommer im Hamburg des Jahres 1929, in dem er mit den Genannten das grenzenlose, wenn auch trügerische Freiheitsgefühl der Weimarer Republik ausgekostet hatte. Spender erzählt von einer Welt großer Freizügigkeit, aber auch von ihrem Niedergang im Zuge der erstarkenden Bewegung der Nationalsozialisten. Anlässlich der Neuauflage des Romans im Albino Verlag hat Tilman Krause ihn wieder gelesen – und darin den späten Triumph eines Schriftstellers entdeckt, der das öffentliche Schwulsein lange seinen Kollegen überließ.
Peter von Kant

Peter von Kant

Mit „Tropfen auf heiße Steine“ (2000) hat François Ozon schon einmal ein Theaterstück von Rainer Werner Fassbinder kongenial verfilmt. Sein neues Kammerspiel ist eine Art Remake von Fassbinders Meisterwerk „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (1972). Statt drei Frauen umschwirren sich in der intimen Enge einer eleganten Künstlerwohnung hier aber drei Männer, und die titelgebende, vom Koks-Konsum gezeichnete Hauptfigur sieht Fassbinder selbst zum Verwechseln ähnlich. Philipp Stadelmaier empfiehlt, „Peter von Kant“ gleich zweimal zu sehen, und findet, dass sich Ozons Film zu Fassbinders wie eine eigenwillige Phantasie zu einem früheren Ereignis verhält, das durch Umformung und Umschreibung bewahrt werden soll.