Articles Written By: Christian Weber

This author has written 353 articles
Porträt einer jungen Frau in Flammen

Porträt einer jungen Frau in Flammen

Eine einsame Insel vor der Küste der Bretagne im Jahr 1770. Die Pariser Malerin Marianne soll ein Porträt der jungen Adelstochter Héloïse anfertigen, um einen Edelmann im fernen Mailand von seiner zukünftigen Frau zu überzeugen. Weil sich Héloïse weigert, Modell zu sitzen, arbeitet Marianne inkognito: Sie beobachtet Héloïse während ihrer gemeinsamen Spaziergänge an der Küste und malt abends aus dem Gedächtnis heraus das Bild. Doch je mehr Zeit die beiden miteinander verbringen, desto stärker bricht sich ein tiefes Begehren Bahn. Céline Sciammas atemberaubendes Liebesdrama macht aus Noémie Merlant und Adèle Haenel ein neues ikonisches Filmpaar, wurde im Mai in Cannes von der Kritik gefeiert und mit der Queer Palm sowie dem Preis für das Beste Drehbuch ausgezeichnet. Christian Weber über ein feministisches Meisterwerk, das mit konventionellen Blickhierarchien bricht und ein nicht zu bändigendes Feuer legt.
Mein heimliches Auge: Interview mit Claudia Gehrke

Mein heimliches Auge: Interview mit Claudia Gehrke

Claudia Gehrke ist eine der letzten legendären Gestalten der deutschen Verlagslandschaft. In den 70er-Jahren war die intellektuelle und politische Diskussion in Deutschland von einer Handvoll Zeitschriften geprägt, von denen ihr „Konkursbuch“ beinahe als einzige bis heute überlebte. Bald entstand um die Zeitschrift herum ein Verlag, in dem ungewöhnliche sexuelle Perspektiven stets eine große Rolle spielten. Das berühmteste Produkt des Konkursbuch-Verlags in Tübingen ist jedoch das 1982 gegründete Jahrbuch „Mein heimliches Auge“. Über diese Geschichte dieses Jahrbuchs sprachen wir mit Verlegerin Claudia Gehrke.
Westler

Westler

Berlin, Mitte der 1980er Jahre. ‚Westler’ Felix und Thomas aus Ostberlin leben nur wenige Kilometer voneinander entfernt – und doch in zwei unterschiedlichen Welten. Zwischen ihnen liegt die Berliner Mauer, pro Woche können sie sich nur einen Tag sehen und pro Tag nur vier, fünf Stunden. Irgendwann weiß Thomas nur noch einen Ausweg: die Flucht aus der DDR, über Prag in den Westen, zu Felix. Regisseur Wieland Speck und sein Team mussten 1985 im Ostteil Berlins zum Teil mit versteckter Kamera drehen. 34 Jahre nach seiner Entstehung erscheint "Westler", ein Klassiker des Queeren Kinos, jetzt in digital restaurierter Fassung als DVD und VoD. Andreas Wilink hat sich den grenzenüberschreitenden Liebesfilm noch einmal angesehen und fühlt sich zurücktransportiert in die alte Mauerstadt.
Pauline Delabroy-Allard: Es ist Sarah

Pauline Delabroy-Allard: Es ist Sarah

Liebesromane gibt es wie Sand am Meer. In den meisten von ihnen geht es um die Suche nach einer beglückenden Partnerschaft oder nach Sex. In ihrem Roman "Es ist Sarah" dagegen beschreibt Pauline Delabroy-Allard die Liebe als eine Art Naturgewalt, vielleicht als eine Art Krankheit. Damit hat sie in Frankreich viel Aufsehen erregt – vollkommen zu Recht, findet unsere Rezensentin Anja Kuemmel.
Sócrates

Sócrates

Nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter ist der 15-jährige Sócrates ganz auf sich allein gestellt. Weil ihn sein Vater wegen seiner Homosexualität verstoßen hat, soll er in ein Heim. Doch so schnell gibt Socrates die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht auf. Das Spielfilmdebüt des brasilianisch-amerikanischen Regisseurs Alexandre Moratto, gedreht mit einem Mini-Budget von 20.000 Dollar und mit Jugendlichen aus einem Sozialprojekt, kommt seiner Hauptfigur und deren Lebensumständen am sozialen Rand von São Paulo dabei so nah und wirkt derart authentisch, wie es sonst meist nur im Dokumentarfilm gelingt. Axel Schock hat den neorealistisch anmutenden Film, der vergangenes Jahr mit einem Independent Spirit Award ausgezeichnet wurde, für uns gesehen.
Christopher Isherwood: Die Welt am Abend

Christopher Isherwood: Die Welt am Abend

Christopher Isherwoods literarisches Werk ist vielfältig: Neben den "Berlin Stories" seiner Jugend gibt es Berichte über seine Annäherung an den Buddhismus und schließlich wieder autobiografisch gefärbte Texte über sein Leben als Hochschullehrer in den USA. Sein Roman "Die Welt am Abend" aus dem Jahr 1954 ist stark von Introspektion geprägt, der Suche nach Liebe und dem eigenen Platz im Leben. Tilman Krause hat das Buch, das jetzt erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt, für uns gelesen.
The Garden

The Garden

Derek Jarmans "The Garden" (1990) ist ein subjektiver, höchst sinnlicher Strom von Bildern, der kühn die Möglichkeiten des Kinos austestet. Der Experimentalfilm kommt ohne Dialoge aus, lyrische Erzählstimmen und ein betörender Soundtrack von Simon Fisher-Turner bestimmen die Tonspur, über allem schwebt eine madonnenhafte Tilda Swinton. Jarman, der 1994 an den Folgen von Aids starb, verhandelt in dem Film nicht nur die eigene Sterblichkeit, er klagt auch wütend das repressive Klima gegen Schwule und Lesben unter der Regierung Margaret Thatchers in der Hoch-Zeit der Aids-Krise an – und hinterfragt kritisch die Rolle der katholischen Kirche in der Jahrhundert-langen Homosexuellen-Verfolgung. Knapp 30 Jahre nach seiner Uraufführung wurde Jarmans visionäres Meisterwerk vom British Film Institute digital restauriert und erscheint in dieser Fassung jetzt erstmals auch in Deutschland als DVD und VoD. Andreas Köhnemann über ein zeitloses Manifest queeren, filmischen Widerstands.
Acid

Acid

Jetzt als DVD und VoD: Sasha ist 20 und hat keinen richtigen Plan für sein Leben. Gerade ist sein Kumpel Vanya einfach so vom Balkon gesprungen. Nach der Beerdigung geht Sasha mit seinem besten Freund Pete und Freundin Karina erst mal in den Club, feiern. Dort lernen die drei den Künstler Vasilisk kennen, der ihnen Zuhause seine Arbeit vorführt: Er löst alte Politiker-Büsten in Säure auf. Am nächsten Morgen trinkt Pete einen Schluck der Flüssigkeit und landet im Krankenhaus. Als er wieder sprechen kann, findet er endlich Worte für das Chaos um sich. Das Regiedebüt des russischen Schauspielers Alexander Gorchilin – bekannt aus seiner Zusammenarbeit mit Kirill Serebrennikov ("Leto", 2018) – ist ein abgründiges Porträt der Jugend im heutigen Russland. Den jungen Männern in "Acid" scheint es ökonomisch an nichts zu mangeln, emotional wirken sie jedoch verwahrlost und orientierungslos. Stefan Hochgesand über einen Not-Coming-of-Age-Film mit ätzender Wirkung, der in seiner teils virtuosen Filmsprache an das Frühwerk Xavier Dolans erinnert.
Normal

Normal

Jetzt im Kino: In ihrer dokumentarischen Betrachtung „Normal“ befasst sich die italienische Filmemacherin Adele Tulli mit dem Thema Gender - ohne das Gezeigte jemals zu kommentieren. Was mit dem ersten Blick auf das Geschlechtsteil bereits vor der Geburt seinen Anfang nimmt, setzt sich mit Ritualen im Kindes- und schließlich im Erwachsenenalter fort: Wie sich „Mann“ und „Frau“ zu geben haben, muss immer wieder eingeübt werden. Unsere Autorin Beatrice Behn hat „Normal“ für uns gesehen - und darin das Potenzial für eine persönliche Revolution entdeckt.
André Aciman: Fünf Lieben lang

André Aciman: Fünf Lieben lang

Der Roman "Call Me by Your Name" machte André Aciman 2007 schlagartig berühmt – und wurde vor zwei Jahren von Luca Guadagnino fulminant verfilmt. Acimans neues Buch heißt im Original "Enigma Variations", wie der Titel eines Musikstücks von Edward Elgar, Variationen über ein Rätsel. Bei Aciman bedeutet das: Variationen über die Vielfalt der Liebe. Der deutsche Titel lautet etwas prosaischer "Fünf Lieben lang". Schon Sokrates meinte, der Liebende sei göttlicher als der Geliebte. Unsere Rezensentin Tania Witte meint, von dieser Überlegenheit sei Aciman offensichtlich etwas zu sehr überzeugt, was der Figur seines liebenden Ich-Erzählers nicht gut bekommen sei. Vielleicht ist die Lösung des Rätsels ja ganz einfach: Zur Liebe gehören immer zwei.