Articles Written By: Andreas Köhnemann

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In memoriam: Hans Stempel und Martin Ripkens

In memoriam: Hans Stempel und Martin Ripkens

Hans Stempel und Martin Ripkens waren über 55 Jahre ein Paar. Sie lebten und arbeiteten zusammen, haben sich als Filmkritiker und -scouts leidenschaftlich für das internationale Autorenkino und gegen die homophoben Strukturen innerhalb der deutschen Filmbranche engagiert – und  eigene Filme über schwules Leben und homosexuelle Geschichte gemacht. Martin starb 2012 im Alter von 78. Hans folgte ihm vor wenigen Tagen, am 11. Februar dieses Jahres, er wurde 94 Jahre alt. Wir erinnern an die zwei Vorreiter der schwulen, politisch bewussten Filmkultur mit einem Text, den die beiden im Jahr 2008 für das Programmheft der Teddy-Awards verfasst haben, wo sie für ihr breites Engagement mit einem Spezialpreis geehrt wurden.
Philipp Stadelmaier: Queen July

Philipp Stadelmaier: Queen July

Bereits in seinen Theaterstücken „Black Square“ und „Vanishing Points“ hat sich Filmkritiker und sissy-Autor Philipp Stadelmaier mit dem Aufeinanderprallen von bürgerlicher Wohlständigkeit und politischer Wirklichkeit auseinandergesetzt. Auch sein Debütroman „Queen July“ zielt auf den Clash zwischen Erster und Dritter Welt. Aziza hat ihre Jugendliebe Strehler nie vergessen, auch nicht in Dschibuti, wo sie seit ein paar Jahren lebt. Als Strehler plötzlich wieder in ihr Leben kracht, verwickelt sich Aziza in Schwärmereien, die nur ihre neue Pariser Bekannte July zu entwirren vermag, bei der sie den Sommer verbringt. Christian Lütjens hat „Queen July“ für uns gelesen.
Louise Erdrich: Die Wunder von Little No Horse

Louise Erdrich: Die Wunder von Little No Horse

Nach einem Unwetter nimmt die Farmerswitwe Agnes die Identität des katholischen Missionars Father Damien an und leitet bis ins hohe Alter eine kleine Gemeinde im Indianerreservat. Der bereits vor 20 Jahren verfasste Roman "Die Wunder von Little No Horse" der amerikanischen Autorin Louise Erdrich dringt tief in die Persönlichkeit seiner Heldin ein, die ihr wahres Geschlecht verleugnet, um Gott zu dienen. Der Vergleich zu Michael Roes' Roman "Herida Duro" (2019) drängt sich auf und zeigt große Unterschiede. Michael Sollorz ist Louise Erdrich in die Trostlosigkeit des Indianerreservats gefolgt.
Casta Diva: Interview mit Rainer Falk und Sven Limbeck

Casta Diva: Interview mit Rainer Falk und Sven Limbeck

Große Gefühle, wuchtige Kostüme, Gesten voller Leidenschaft. Viele Schwule lieben die Welt der Oper. Nun ist endlich der erste „schwule Opernführer“ erschienen, in jeder Hinsicht ein Gemeinschaftsprojekt der Gay Community: 30 Opernfans haben die Herausgeber Rainer Falk und Sven Limbeck beim Verfassen der Analysen von 157 Opern von zirka 100 Komponisten tatkräftig unterstützt, die Finanzierung des edel ausgestatteten Buchs wurde durch Crowdfunding ermöglicht. Wir sprachen mit Rainer Falk und Sven Limbeck über dieses Großereignis.
Darkroom – Tödliche Tropfen

Darkroom – Tödliche Tropfen

In seinem neuen Film "Darkroom - Tödliche Tropfen" befasst sich Rosa von Praunheim mit einem wahren Kriminalfall aus der jüngsten Vergangenheit Berlins. Während der Krankenpfleger Lars mit seinem Freund Roland eine scheinbar perfekte Beziehung führt, treibt er sich heimlich im Nachtleben umher, mordet und experimentiert mit tödlichen Substanzen. Der diesjährige Eröffnungsfilm des Filmfestivals Max Ophüls Preis setzt nicht auf Hochglanz, sondern auf sein gut eingespieltes Hauptdarsteller-Duo. Stefan Hochgesand hat sich in die filmische Blackbox begeben und neben ekligen Momenten auch Paradiesisches entdeckt.
Miku Sophie Kühmel: Kintsugi

Miku Sophie Kühmel: Kintsugi

Es ist noch immer eine Ausnahme, dass heterosexuelle Autoren und Autorinnen sich ihre Hauptfiguren in der queeren Vielfalt suchen. „Kintsugi“ von Miku Sophie Kühmel ist eine solche Ausnahme und verdient deshalb Beachtung, zumal der Roman von der Jury des Deutschen Buchpreises in Betracht gezogen wurde. Tilman Krause über die hochgelobte Liebes- und Familiengeschichte der 1992 geborenen Schriftstellerin.
Joe Brainard: Ich erinnere mich

Joe Brainard: Ich erinnere mich

Seit Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" (1913-1927) gilt vielen Schriftsteller*innen die eigene Erinnerung als besonders legitime Quelle von Literatur, und Proust war der Geruch von Urin in der Spargelzeit ebenso "literaturwürdig" wie der Duft der Madeleine zum Lindenblütentee. Fünfzig Jahre nach Prousts Tod veröffentlichte der 1941 in Arkansas geborene und 1994 an einer durch Aids verursachten Lungenentzündung verstorbene Künstler und Autor Joe Brainard seine ganz persönlichen Erinnerungen an vergangene Empfindungen: "Ich erinnere mich" erzählt keine Geschichte, sondern präsentiert Erinnerungen pur, die jedoch, folgt man Rezensent Axel Schock, in ihrer Gesamtheit das faszinierende Porträt einer aufwühlenden Epoche ergeben.
Joachim Bartholomae: Aschenbachs Vermächtnis

Joachim Bartholomae: Aschenbachs Vermächtnis

"Mit einer Novelle solchen Inhalts wäre man heute entweder unten durch oder feierte seinen Durchbruch als Skandalautor", schrieb die FAZ vor ein paar Jahren über Thomas Manns berühmt-berüchtigtes Prosawerk "Tod in Venedig", in dem sich ein altender Schriftsteller unsterblich in einen polnischen Jüngling verliebt. In einem neuen Essay, der jetzt als Buch erschienen ist, hat Joachim Bartholomae Manns Klassiker einer genauen Analyse unterzogen. Er zeigt, dass Autoren aus aller Welt sich von der eigentümlichen Themenstruktur inspirieren ließen und eigene Variationen über das von Thomas Mann vorgegebene Thema verfassten. Elmar Kraushaar stellt "Aschenbachs Vermächtnis" vor.
Judy

Judy

Die vielfach preisgekrönte, privat vom Unglück verfolgte Schauspielerin und Sängerin Judy Garland (1922-1969), durch den "Zauberer von Oz" und den Song "Over the Rainbow" zur Legende geworden, avancierte schon zu Lebzeiten zu einer Schwulenikone. Rupert Goold widmet sich in seinem Biopic "Judy" der letzten Karriere- und Lebensstation des früh verstorbenen Hollywood-Stars. Unser Autor Andreas Wilink findet vor allem Bewunderung für das dramatische Spiel von Hauptdarstellerin Renée Zellweger, die sich mit großer Geste um ihren zweiten Oscar bewirbt.
1985

1985

Drei Jahre hat Adrian seine Familie nicht mehr gesehen, nun kehrt er zum Weihnachtsfest zurück in seine Heimatstadt in Texas ­– wissend, dass dies höchstwahrscheinlich sein letzter Besuch sein wird und die vielleicht letzte Gelegenheit, das Schweigen zu brechen: über sein Schwulsein und seine Aids-Erkrankung. In seinem Familiendrama "1985" erkundet Yen Tan exemplarisch und feinfühlig die Ängste, die Sprachlosigkeit und die Ausnahmesituation zu Beginn der Aids-Krise. Ein historischer Film, wenn man so möchte, der im gleichen Jahr spielt, in dem "Buddies" gedreht wurde, der erste Spielfilm über die Aids-Epidemie. Doch was "1985" darüber hinaus über die Einsamkeit schwuler Männer in Kleinstädten, die Schwierigkeiten des Coming-outs oder den sozialen Druck in konservativ-religiösen Familien erzählt, ist leider zeitlos, wie unser Autor Axel Schock feststellt.