Articles Written By: Andreas Köhnemann

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Karen-Susan Fessel: In die Welt

Karen-Susan Fessel: In die Welt

In ihrem neuen Roman "In die Welt" erzählt Karen-Susan Fessel (Jahrgang 1964) von der Protagonistin Nell, die nach mehr als drei Jahrzehnten in Berlin in ihr norddeutsches Heimatstädtchen zurückkehrt. Dort trifft sie auf ihre Mutter und zahlreiche eigenwillige Persönlichkeiten. Als sie sich romantisch auf eine frühere Klassenkameradin einlässt, könnte ihr das über das Ende ihrer längjährigen Beziehung mit ihrer großen Liebe Irma hinweghelfen. Unsere Autorin Nancy Schmolt hat sich mit Lust in den Beziehungsreigen geworfen.
Greta

Greta

Der alternde Krankenpfleger Pedro führt einen Alltag zwischen überfüllter Klinik, Sauna, Nachtclubs und tristem Wohnblock in der brasilianischen Stadt Fortaleza. Von seinem Gelegenheitslover lässt er sich  Greta Garbo nennen, um der grauen Realität zu entfliehen. Als er den jungen Kleinkriminellen Jean bei sich aufnimmt, dringt plötzlich Licht in Pedros Welt. Unsere Autorin Esther Buss hat Armando Praças feinsinniges Drama gesehen und darin auch eine subtile politische Anklage des homo- und transphoben Klimas in Brasilien unter Bolsonaro erkannt. Jetzt gibt es "Greta" auf DVD und als VoD.
Qiu Miaojin: Aufzeichnungen eines Krokodils

Qiu Miaojin: Aufzeichnungen eines Krokodils

"Ich gehöre zu den Frauen, die sich in Frauen verlieben". Mit dieser unmissverständlichen Selbstbeschreibung ihrer Romanfigur hat die taiwanesische Autorin Qiu Miaojin einst ein Tabu in der Literatur ihrer Heimat gebrochen. Mit 25 Jahren Verzögerung ist ihr erster Roman "Aufzeichnungen eines Krokodils" endlich auch in deutscher Übersetzung erschienen. Das Buch über die inneren Kämpfen und den Liebesschmerz der Studentin Lazi gehört heute zu den zentralen Werken der queeren Literatur Asiens. Axel Schock über das Debüt einer früh verstorbenen Ikone der LGBT-Bewegung in Taiwan.
Joshua Whitehead: Jonny Appleseed

Joshua Whitehead: Jonny Appleseed

Two-Spirit, queer und "NDN Glitzerfee" — das ist "Jonny Appleseed". Der Angehörige des Volkes der Oji-Cree hat das Reservat verlassen und schlägt sich in Winnipeg als Sexarbeiter durch. Viele seiner weißen Kunden sind vom Indianer-Mythos fasziniert. Als er vom Tod seines Stiefvaters erfährt, bleibt Jonny eine Woche, bis er zur Beerdigung ins Reservat zurückkehren muss. In seinem Debüt-Roman erzählt Joshua Whitehead in einer mitreißenden Sprache und in berührenden Traumbildern von Jonnys Leben zwischen den Kulturen. Unser Autor Michael Sollorz ließ sich von Whiteheads sinnlicher Schilderung mitreißen.
Thomas Jonigk: Weiter.

Thomas Jonigk: Weiter.

Anfang des Jahres feierte Thomas Jonigks Bühnenfassung von Klaus Manns "Mephisto" Premiere im Staatstheater Kassel. Jetzt ist Jonigks neuer Roman erschienen: "Weiter." steht in der Erzähltradition von Oscar Wilde, allerdings ohne dessen Schöngeist zu kultivieren. Im Gegenteil: Die Figuren des Romans sind total am Ende und versuchen deshalb, sich gegenseitig vor dem Schlimmsten zu bewahren. Was deprimierend klingt, entpuppt sich jedoch als faszinierendes Kammerspiel mit optimistischem Ausgang. Unser Autor Christian Lütjens ist beeindruckt.
Hans Georg Berger / Hervé Guibert: Phantomparadies

Hans Georg Berger / Hervé Guibert: Phantomparadies

13 Jahre hat Hans Georg Berger den französischen Schriftsteller und Fotografen Hervé Guibert auf gemeinsamen Reisen, an Rückzugsorten und Schreibstätten mit der Kamera abgelichtet. 145 dieser bislang weitgehend unveröffentlichten poetischen, intimen Schwarz-Weiß-Fotografien hat Berger nun für den opulent gestalteten Band „Phantomparadies“ zusammengestellt. Guibert ist dabei nicht einfach nur Model und fotografisches Objekt, sondern auch aktiver Part einer kunstvollen (Selbst-)Inszenierung. Guibert-Kenner Axel Schock stellt den Band vor.
Bester Mann

Bester Mann

Gemobbt zu werden ist für den schüchternen Teenager Kevin Alltag. Eines Tages kommt ihm ein Unbekannter auf einem Motorrad zu Hilfe. Kevin ist fasziniert von Bennie, der ihm erzählt, dass er als Talentscout arbeitet und professionell Fotos macht. Und er freut sich zunächst, dass Bennie auch ihn fotografieren will. Doch die Bilder werden viel freizügiger, als der Junge gedacht hat... Florian Forschs mittellanger Film erzählt eine Geschichte über Missbrauch, die Verletzlichkeit von Jugend und darüber, wie gut sich organisiertes Verbrechen hinter einer einfachen Ideologie verbergen lässt. "Bester Mann" wurde 2018 mit den Max Ophüls Preis ausgezeichnet, war für den Österreichischen Filmpreis nominiert und ist ab sofort zusammen mit "Label Me" von Kai Kreuser im Salzgeber Club zu sehen. Rajko Burchardt über einen eindrucksvollen Film voller Abgründe.
Label Me

Label Me

Das Verhältnis zwischen dem geflüchteten Syrer Waseem und seinem deutschen Freier Lars ist klar geregelt. Und doch verändert sich ihre Beziehung im Laufe ihrer sexuellen Begegnungen. Es kommt zu einer Annäherung, die zur Gefahr in der harten Lebensrealität von Waseems Unterkunft wird. Nachwuchsregisseur Kai Kreuser, einer der Macher der queeren Webserie "Kuntergrau", wurde im vergangenen Jahr für "Label Me" mit dem Max Ophüls Preis für den Besten mittelangen Film ausgezeichnet. Zusammen mit "Bester Mann" von Florian Forsch ist seine prägnante Charakterstudie ab sofort im Salzgeber Club zu sehen. Axel Schock über einen klug nuancierten Abschlussfilm.
Ocean Vuong: Nachthimmel mit Austrittswunden

Ocean Vuong: Nachthimmel mit Austrittswunden

Lyrik gilt als Feinschmecker-Literatur, an die sich nur wenige Verlage wagen. Wenn der Autor bereits einen Bestseller geschrieben hat, verbessert das allerdings erheblich die Chancen auf eine Veröffentlichung. Nach seinem gefeierten Roman "Auf Erden sind wir kurz grandios" ist nun auch Ocean Vuongs erster Gedichtband "Nachthimmel mit Austrittswunden" in einer zweisprachigen Ausgabe in Deutschland erschienen. Unser Autor Matthias Frings ließ sich von Vuongs dezidiert queerer Poesie begeistern.
Rettet das Feuer

Rettet das Feuer

In den Achtzigern ist Jürgen Baldiga einer der umtriebigsten Künstler des West-Berliner Undergrounds: Er macht Musik, Lyrik und Drag, vor allem aber fotografiert er seine Umgebung und sich. Nach seiner HIV-Infektion nutzt er die Kunst, um das eigene Sterben und das der Freunde zu dokumentieren. Ein Vierteljahrhundert nach Baldigas Tod hat sich Regisseur Jasco Viefhues mit dessen Weggefährt*innen und Freund*innen getroffen. Seine Gespräche fügt er mit einer Fülle von Fotos und teilweise noch nie gesehenem Archivmaterial zusammen. Unser Autor Matthias Frings schreibt über den Künstler Jürgen Baldiga, der ein besonderes Leuchten in seinen hellen Augen hatte, und über einen Film, der ohne Pathos und Heldenverehrung auskommt, weil er so viel Liebe hat. Ab 30. April ist "Rettet das Feuer" im Salzgeber Club zu sehen.