Articles Written By: Andreas Köhnemann

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Als wir tanzten

Als wir tanzten

Levan Akins großartiges Liebes- und Tanzdrama "Als wir tanzten" erzählt die Geschichte des Nachwuchstänzers Merab, der an der Akademie des Georgischen Nationalballetts in Tiflis studiert. Als Irakli neu in die Klasse kommt, sieht Merab in ihm zunächst einen Rivalen. Aus der Konkurrenz wird bald ein immer stärkeres Begehren. Doch im homophoben Umfeld der Schule wird von den beiden erwartet, dass sie ihre Liebe geheim halten. Akins vielfach ausgezeichneten Film gibt es nun auf DVD und Blu-ray. Der in Georgien erschreckend weit verbreiteten Queer-Feindlichkeit, die sich auch in homophoben Protesten bei der Landespremiere zeigte, hält Akin eine entschiedene Feier von nicht-heterosexueller Liebe entgegen. Und sissy feiert gleich doppelt mit: Sascha Westphal spürt der sexuellen und tänzerischen Befreiungsbewegung nach, die Merab den Repressionen in seiner Heimat energisch entgegensetzt. Und Stefan Hochgesand musste aufpassen, nicht gleich wie Honig dahinzuschmelzen.
Adam

Adam

Neu im Salzgeber Club: Der 16-jährige Adam besucht seine lesbische Schwester in New York und hat große Erwartungen. Er will sich verlieben oder zumindest endlich mal Sex haben! Auf einer queeren Party funkt es zwischen ihm und Gillian. Doch die glaubt, dass er ein trans Mann ist. Für unseren Autor Stefan Hochgesand ist „Adam“ von „Transparent“-Regisseur Rhys Ernst nur vordergründig eine ungewöhnliche Verwechslungskomödie. Eigentlich erzählt der Film nach dem gleichnamigen Roman von Ariel Schrag mit viel Herz, wunderbar diversen Figuren und empowernden Momenten eine smarte queere Coming-of-Age-Geschichte.
Heute gehe ich allein nach Hause

Heute gehe ich allein nach Hause

Als Gabriel neu in Leonardos Klasse kommt, ist es eben nicht Liebe auf den ersten Blick. Denn Leonardo ist blind. Und er will endlich loskommen von den übervorsichtigen Eltern. Daniel Ribeiros mit Preisen überhäufter Spielfilm „Heute gehe ich allein nach Hause“, der ab sofort im Salzgeber Club läuft, ist so süß, dass man selbst in ihn verliebt ist, ehe man sich's versieht. So ging es auch unserer Autorin Maike Hank, die den Coming-of-Age-Film als behutsam und zärtlich empfand und darin ein realistisches Märchen erkannte.
Jürgen Bauer: Portrait

Jürgen Bauer: Portrait

In Jürgen Bauers „Portrait“ erzählen drei Menschen aus ihrer persönlichen Sicht von Georg: die Mutter, der Geliebte und die Ehefrau. Von der Geburt und dem Aufwachsen auf einem ärmlichen Bauernhof, vom wilden, schwulen Leben im Wien der 1970er Jahre und von einem Eheleben in der vermeintlichen „Normalität“. Unser Autor Fabian Hischmann hat sich von Bauers Erzählkunst in die Köpfe der Figuren hineinziehen lassen – auch wenn es schmerzhaft wurde.
Andrej Seuss: Nur das Eine, furchtbare – Andreas ist tot!

Andrej Seuss: Nur das Eine, furchtbare – Andreas ist tot!

Der junge Künstler Andreas Walser (1908-1930) zieht 1929 nach Paris, wo er von enormem Schaffensdrang getrieben wird, Drogen nimmt und ein maßloses Leben führt. Zudem trifft er auf den Schriftsteller Albert H. Rausch (1882-1949). "Nur das Eine, furchtbare – Andreas ist tot!" von Andrej Seuss gibt Einblicke in die Freundschaft zwischen den beiden schwulen Männern, die der Hang zum Entrückten, zur völligen Hingabe, zum Genialischen und zur Romantik verband. Anhand ihres Briefwechsels erfahren wir auch, wie Rausch vergeblich versuchte, Walser vom Drogenkonsum abzubringen. Unser Autor Elmar Kraushaar schreibt über die erkenntnisreiche Nachzeichnung einer kurzen, aber intensiven Beziehung.
Mario Cruz: Der Prinz

Mario Cruz: Der Prinz

Chile, Anfang der 1970er Jahre. Am Ende einer durchzechten Nacht ersticht der junge Jaime seinen heimlich begehrten besten Freund. Im Gefängnis wird der gefürchtete El Potro zu Jaimes Beschützer, fordert hierfür jedoch Loyalität und sexuelle Unterordnung. Mit seinem Roman "Der Prinz" führt uns Mario Cruz in eine Welt der Hierarchien und Machtproben, deren Doppelbödigkeit er in knapper, schnörkelloser Sprache offenlegt. Der 1972 im Selbstverlag gedruckte Roman avancierte in Chile zunächst zum Underground-Hit, geriet nach der Machtergreifung Pinochets aber in Vergessenheit und wird nun zum ersten Mal wieder veröffentlicht. Michael Sollorz über ein Buch, das erstaunt und direkt in die Vollen geht.
Die Starken

Die Starken

Ab sofort im Salzgeber Club: Lucas weiß noch nicht so recht, wo er im Leben hinwill. Als er seine Schwester in einem abgelegenen Fischerdorf im Süden Chiles besucht, verliebt er sich ausgerechnet hier im Nirgendwo in den attraktiven Hafenarbeiter Antonio. Damit die Beziehung der beiden introvertierten jungen Männer eine Chance hat, müssen sie über sich hinauswachsen. Mit wahrhaftigen Dialogen, einer authentischen Darstellung des Dorfalltags und zwei beeindruckenden Hauptdarstellern entwickelt Drehbuchautor und Regisseur Omar Zúñiga in "Die Starken" aus der melancholischen Grundstimmung nach und nach ein wild loderndes Liebesdrama. Für unseren Autor Christian Lütjens war der Film nicht weniger als ein Geschenk.
Rachilde: Monsieur Vénus

Rachilde: Monsieur Vénus

Die französische Fin-de-siècle-Schriftstellerin Rachilde (1860-1953) schrieb den Roman "Monsieur Vénus" mit Anfang 20. Sie verstieß darin so vehement gegen die damaligen gesellschaftlichen und sexuellen Konventionen, dass das Werk ihr eine Geld- und Haftstrafe einbrachte und nur in einer zensierten Version erscheinen durfte. Rachilde erzählt von einer jungen Adeligen, die sich in einen Künstler aus einfachen Verhältnissen verliebt und diesen nicht etwa zum Liebhaber macht, sondern zur Geliebten umerzieht. Erstmals erscheint das Buch, das jüngst in den Fokus der Gender Studies gerückt ist, jetzt auf Deutsch in vollständiger Originalfassung; unser Autor Dino Heicker hat es mit Begeisterung gelesen – und Lust auf mehr bekommen.
Benedikt Wolf: Mit Deutschland leben! Felix Rexhausens Literatur zwischen Zersetzung und Formspiel

Benedikt Wolf: Mit Deutschland leben! Felix Rexhausens Literatur zwischen Zersetzung und Formspiel

Felix Rexhausen (1932-1992) war als Schriftsteller, Journalist und Satiriker einer der wenigen Störenfriede, die schon zu Beginn der 1960er Jahre dem Mief der Adenauer-Ära den Kampf ansagten. Seine undogmatische Vernunft war der Ideologie der Zeit in vielem voraus. Neben Hubert Fichte und Guido Bachmann zählte er damals zu den wenigen offen schwul auftretenden Autoren deutscher Sprache. Der Germanist Benedikt Wolf hat nun die erste Monografie zu Rexhausens Werk geschrieben. Unser Autor Dino Heicker hat sie gelesen.
Herz aus Dynamit

Herz aus Dynamit

Claudia und María rasen auf einem Motorrad durch Guatemala City. Nach einem Abend auf dem Rummel werden die beiden von drei Männern brutal angegriffen. Claudia will weit weg, die große Stadt hinter sich lassen. María hat einen anderen Plan: Sie will Vergeltung. In ihrem Spielfilmdebüt "Herz aus Dynamit", der jetzt im Salzgeber Club läuft, wirft Regisseurin Camila Urrutia einen schonungslosen Blick auf sexualisierte Gewalt, Diskriminierung und soziale Ungerechtigkeit, die in ihrer Heimat Guatemala weit verbreitet sind. Anja Kümmel über das queerfeministisches Rachedrama, das zugleich ein leidenschaftlicher lesbischer Liebesfilm ist.