Kritiken (Film)

Rafiki

Rafiki

"Gute kenianische Mädchen werden gute kenianische Ehefrauen" – Kena lernt schon früh, was von Mädchen und Frauen in ihrem Heimatland erwartet wird: artig sein und sich dem Willen der Männer fügen. Doch die selbstbewusste Kena lässt sich nicht vorschreiben, wie sie zu leben hat. So freundet sie sich auch mit der hübschen Ziki an, obwohl ihre Väter politische Konkurrenten sind. Das Gerede im Viertel ist den Mädchen zunächst ziemlich egal. Doch als sich Kena und Ziki ineinander verlieben, müssen sie sich entscheiden: zwischen der vermeintlichen Sicherheit, ihre Liebe zu verbergen, und der Chance auf ihr gemeinsamen Glück. "Rafiki" – der Titel bedeutet auf Suaheli „Freund(in)“ – ist der erste kenianische Film, der bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde. In Kenia selbst, wo Homosexualität noch immer unter Strafe steht, wurde der Film zunächst mit einem Aufführungsverbot belegt, das erst nach einer Klage der Regisseurin gelockert wurde. Beatrice Behn geht in ihrer Besprechung den Ursprüngen der homophoben Ordnungen auf den Grund, die noch immer in weiten Teilen Afrikas herrschen – und feiert den lesbischen Liebesfilm als mitreißende Utopie, die tief in afrikanischen Traditionen verwurzelt ist.
Ich, Tomek

Ich, Tomek

Robert Glinski erzählt in "Ich, Tomek" von einem Jungen, der an der deutsch-polnischen Grenze lebt und durch einen Freund zur Prostitution gezwungen wird. Das aufwühlende Drama steht ab morgen als Stream zum Ausleihen und Kaufen im Salzgeber Club zur Verfügung. Unser Autor André Wendler fragt sich, wie man einen Spielfilm über ein solches Thema sehen kann. Das Protokoll einer Ratlosigkeit.
Silent Youth

Silent Youth

Diemo Kemmesies stellt in seinem Spielfilm "Silent Youth" zwei junge Männer ins Zentrum des Berliner Szenetrubels, schneidet sie dann aber so aus, als seien sie allein auf der Welt. Ganz langsam baut sich ihre Beziehung auf, ganz präzise ist das eingefangen. Eine Einladung zum sprachlosen Mitdriften, die unser Autor Toby Ashraf angenommen hat. Der Film steht ab morgen als Stream zum Ausleihen und Kaufen im Salzgeber Club zur Verfügung.
Lichtes Meer

Lichtes Meer

Das Meer eignet sich seit Ewigkeiten als Kulisse für schwules Seemansgarn. Nicht selten ist früher einer aufs Schiff, um der heimatlichen Sexualkontrolle zu entfliehen. Doch wie lässt sich mannmännliche Romantik heute erzählen, in Zeiten der modernen Frachtschifffahrt? Stefan Butzmühlen ist das Wagnis eingegangen. "Lichtes Meer" erzählt von einer Matrosenliebe zwischen Vorpommern und Martinique, mit schluchzendem Soundtrack und wilden Meeresbildern, aber auch mit Blick für heutige Realitäten und beiden Beinen auf leicht schaukelndem Boden. Unser Autor Nikolaus Perneczky über einen Film, in dem Nähe und Distanz, Intimität und Autonomie einander nicht ausschließen.
Westerland

Westerland

In "Westerland" treffen sich zwei Jungs und gehen eine Beziehung ein. Einer ist Borderliner, der andere hat Angst vor dem Leben. Das Staunen über die Sylter Winterlandschaften verlernen sie schnell. Aufeinander aufpassen wird zum Teil des Problems. Tim Staffels Debütfilm nach seinem eigenen Roman erzählt eine Freundschaft und eine Landschaft – und beides hat man so noch nicht gesehen, wie unser Autor André Wendler beeindruckt feststellt. Der Film steht als Stream zum Ausleihen und Kaufen im Salzgeber Club zur Verfügung.
Viva

Viva

Jesús hat einen Traum: Travestiekünstler werden. Als 'Viva' macht der schmächtige Jüngling seine ersten wackeligen Stöckelschritte auf der Bühne – und bekommt erstmal eine aufs Maul. Der Schläger: sein Vater. Der ist nach jahrelanger Abwesenheit wieder in Havanna aufgetaucht und macht sich nun im Leben seines Sohns breit. Unserem Autor Malte Göbel begeisterten in Paddy Breathnachs leidenschaftlich gespieltem Coming-of-Age-Drama vor allem die selbstbewussten queeren Figuren, die in glanzvollen Drag-Darbietungen ihre Erfüllung finden.
Berlin Alexanderplatz

Berlin Alexanderplatz

Burhan Qurbani verlegt Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz" aus dem Jahr 1929 in die Jetztzeit. Aus dem Protagonisten Franz Biberkopf wird Francis, der nach einer illegalen Überfahrt von Afrika nach Europa in der deutschen Hauptstadt landet. Wie schon in der 14-teiligen Miniserien-Adaption von Rainer Werner Fassbinder aus den Achtzigern entsteht zwischen der gebrochenen, naiven Hauptfigur und dem mephistophelischen Reinhold eine enge Bande mit fatalen Folgen. Unser Autor Dennis Vetter hat drei Stunden voller Spannung und Spektakel, Konflikten und Körpern erlebt – und das Resultat als extrem aktuell und erschreckend traditionell zugleich empfunden.
Tru Love

Tru Love

Diven sind Mutterfiguren für queere Herzen. Meistens glänzen sie unter schwuler Regie, doch auch lesbische Erzählungen beschäftigen sich vermehrt mit ihnen. Das zeigt „Tru Love“ von Kate Johnston und Shauna MacDonald, der nun als Stream zum Ausleihen und Kaufen im Salzgeber Club zur Verfügung steht. Eine flamboyante tatsächliche Mutter lässt sich darin experimentierfreudig und ziemlich weit auf die beste lesbische Freundin der Tochter ein. Unsere Autorin Noemi Yoko Molitor hat den preisgekrönten kanadischen Film gesehen – und setzt ihn in Kontext zu anderen Geschichten über ungewöhnliche Mutter-Tochter-Beziehungen.
La belle saison – Eine Sommerliebe

La belle saison – Eine Sommerliebe

Stadt und Land, Enge und Weite, Stillstand und Aufbruch – Catherine Corsinis Melodram "La belle saison – Eine Sommerliebe" mit Cécile de France und Izïa Higelin lässt Gegensätze aufeinander prallen, brüchig werden, und ist selbst dabei immer in Bewegung. Sascha Westphal über eine großen Liebesgeschichte, die sich mit dem privaten und gesellschaftlichen Aufbruch auseinandersetzt. Der Film läuft heute Abend um 23h30 bei rbb QUEER.
Beautiful Thing

Beautiful Thing

Mit der kleinen Liebesgeschichte von Jamie und Ste, den Nachbarjungs aus der Hochhaussiedlung, rührte Hettie MacDonalds „Beautiful Thing“ seit 1996 ungezählte Filmfanherzen. Ein Feelgoodmovie aus schwierigen Umständen, Coming-Out-Klassiker und ein kleines Stück Utopia, ohne das man, wie unser Autor Michael Sollorz weiß, nicht menschenwürdig leben kann. Wer „Beautiful Thing“ nicht kennt, hat was verpasst und kann das nachholen: Der Film steht ab 9. Juli in restaurierter Fassung als Stream zum Ausleihen und Kaufen im Salzgeber Club zur Verfügung.